DEUTSCH

 

Kommunistische Internationale


VI. KONGRESS


September 1928

 

THESEN

ZUR REVOLUTIONÄREN BEWEGUNG IN DEN

KOLONIALEN UND HALB-KOLONIALEN LÄNDERN



angenommen vom Sechsten Weltkongress der Komintern

- entworfen und vorgelegt von Kuusinen -



[ Auszüge ]


1. September 1928 - Protokoll, vi, 4, Seite 154


 

bearbeitet und übersetzt aus dem Englischen

von Wolfgang Eggers

 




I. Einleitung

 


1.


Der sechste Kongress der Kommunistischen Internationale erklärt, dass die von Lenin ausgearbeiteten Thesen zur nationalen und kolonialen Frage, verabschiedet auf dem zweiten Kongreß, noch volle Gültigkeit haben und als Richtschnur für die weitere Arbeit der kommunistischen Parteien dienen sollten. Seit der Zeit des zweiten Kongresses hat die aktuelle Bedeutung der Kolonien und Halbkolonien als Faktoren der Krise des imperialistischen Weltsystems weiter zugenommen.

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2.


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Mit dem Aufstand von Shanghai im April 1927 erhob sich die Frage der Hegemonie des Proletariats in der national-revolutionären Bewegung, wobei die inländische Bourgeoisie schließlich ins Lager der Reaktion wechselte, indem Tschiang Kai Schek den konterrevolutionären Staatsstreich provozierte.


Die eigenständigen Aktionen der Arbeiter im Kampf um die Macht, und vor allem der Sturm der Bauernbewegung zur Agrarrevolution, trieben die Wuhan-Regierung, die unter der Führung des kleinbürgerlichen Flügels der Kuomintang gegründet worden war, ins Lager der Konterrevolution. Die revolutionäre Welle begann jedoch bereits abzuebben.

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Ihr letzter mächtiger Ansturm war der Aufstand des heldenhaften Proletariats des Kanton, das unter der Losung der Sowjets versuchte, die Agrarrevolution mit dem Sturz der Kuomintang und der Errichtung der Diktatur der Arbeiter und Bauern zu verknüpfen.



3.


 

In Indien beschwor die Politik des britischen Imperialismus, welcher die Entwicklung der inländischen Industrie hinaus zögerte, eine große Unzufriedenheit innerhalb der indischen Bourgeoisie herauf. Mit der Konsolidierung ihrer Klasse wurde die alte Teilung in religiöse Sekten und Kasten überwunden.

 

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Der britische Imperialismus stand einer nationalen Einheitsfront gegenüber. Die Angst vor der revolutionären Bewegung während des Krieges zwang den britischen Imperialismus, an die inländische Bourgeoisie Zugeständnisse zu machen. Das zeigte sich auf ökonomischem Gebiet in höheren Zöllen auf importierte Waren, und auf politischem Gebiet in der Einführung einiger unbedeutender parlamentarischer Reformen im Jahr 1919.


Dennoch kam es zu einer Gärung unter den indischen Massen, die sich in einer Reihe von revolutionären Ausbrüchen gegen den britischen Imperialismus entlud, und zwar verursacht durch die verheerenden Folgen des imperialistischen Krieges (Hungersnot und Epidemien, 1918), durch die katastrophale Verschlechterung der Lage weiter Teile der arbeitenden Bevölkerung, durch den Einfluss der russischen Oktoberrevolution und einer Reihe von Aufständen in anderen kolonialen Ländern (wie zum Beispiel durch den Kampf des türkischen Volkes für seine Unabhängigkeit).


Diese erste große anti-imperialistische Bewegung in Indien (1919-22) endete mit dem Verrat der indischen Bourgeoisie in der nationalen Revolution. Der Hauptgrund dafür war die Angst vor der anwachsenden Welle der Bauernaufstände und Streiks gegen die inländischen Unternehmer.

 

Der Zusammenbruch der national-revolutionären Bewegung und der allmähliche Niedergang des bürgerlichen Nationalismus erlaubte es dem britischen Imperialismus einmal mehr, zu seiner Verzögerungspolitik der industriellen Entwicklung Indiens zurück zu kehren. Die kürzlichen britischen Maßnahmen in Indien zeigen, dass die objektiven Widersprüche zwischen der britischen Kolonialmacht und der Tendenzen zur selbständigen wirtschaftlichen Entwicklung Indiens von Jahr zu Jahr immer augenfälliger in Erscheinung treten und unweigerlich zu neuen, noch tieferen revolutionären Krisen führen.

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5.


Im Jahre 1925 begann in Nordafrika eine Reihe von Rebellionen der Rif Kabyle-Stämme gegen den französischen und spanischen Imperialismus, gefolgt von Rebellionen der Drusen-Stämme im "Mandats"-Gebiet Syrien gegen den französischen Imperialismus. In Marokko konnten die Imperialisten die Aufstände nur durch einen lang andauernden Krieg nieder ringen.

Jedes größere Eindringen ausländischen Kapitals in diese Ländern ruft sofort neue soziale Kräfte ins Leben.

Aufstieg und Wachstum des städtischen Proletariats manifestieren sich in einer Welle von Massenstreiks, die zum ersten Mal über Palästina, Syrien, Tunesien und Algerien hinweg fegten. Allmählich, aber noch recht langsam, wird auch die Bauernschaft in diesen Ländern in den Kampf hineingezogen.



6.


 

Die wachsende wirtschaftliche und militärische Expansion des nordamerikanischen Imperialismus in den Ländern Lateinamerikas verwandelt diesen Kontinent in einen der wichtigsten Schwerpunkte des Antagonismus innerhalb des Kolonialsystems. Der Einfluss von Großbritannien, der in diesen Ländern vor dem Krieg noch vorherrschend war, und diese Länder in der Position von Halbkolonien nieder hielt, wurde seit dem Krieg durch eine noch größere Abhängigkeit seitens der Vereinigten Staaten abgelöst. Durch seinen enormen Kapitalexport nimmt der nordamerikanische Imperialismus eine dominierende Stellung in der Wirtschaft dieser Länder ein, zwingt er die dortigen Regierungen seine Finanzkontrolle auf und hetzt diese zur gleichen Zeit gegeneinander auf.

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7.



In der Mehrzahl der Fälle hat der Imperialismus die revolutionären Bewegung in den kolonialen Ländern bislang erfolgreich unterdrücken können. Aber alle grundlegenden Fragen, die diese Bewegungen hervorgerufen hatten, sind ungelöst geblieben.

 

Der objektiv existierende Widerspruch zwischen der Kolonialpolitik des Weltimperialismus und den Unabhängigkeitsbestrebungen der Kolonialvölker ist nicht beseitigt worden, weder in China noch in Indien, noch in allen anderen kolonialen und halb-kolonialen Ländern. Im Gegenteil, der Widerspruch verschärft sich immer mehr und kann nur durch den siegreichen revolutionären Kampf der kolonialen werktätigen Massen gelöst werden. Bis dahin wirkt dieser Widerspruch weiterhin als einer der mächtigsten objektiven Faktoren für die Revolution in jeder Kolonie und Halbkolonie.

 

Gleichzeitig liefert die Kolonialpolitik der imperialistischen Mächte explosiven Zündstoff für Auseinandersetzungen und Kriege zwischen diesen Mächten. Diese Gegensätze nehmen immer schneller zu, vor allem in den Halb-Kolonien, wo verschiedentliche Übereinkommen einiger Imperialisten eine wichtige Rolle spielen.

Für die Entwicklung der revolutionären Bewegung in den Kolonien ist jedoch von allergrößter Bedeutung der Widerspruch zwischen der imperialistischen Welt auf der einen Seite und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der revolutionären Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern auf der anderen Seite.



8.

 

Die Errichtung einer Kampffront zwischen den aktiven Kräften der sozialistischen Weltrevolution (die Sowjetunion und die revolutionäre Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern) auf der einen Seite und zwischen den Kräften des Imperialismus auf der anderen, ist von entscheidender Bedeutung in der gegenwärtigen Epoche der Weltgeschichte. Die werktätigen Massen der Kolonien kämpfen gegen die imperialistische Sklaverei, und stellen somit eine der mächtigsten Hilfskräfte der sozialistischen Weltrevolution dar. Die kolonialen Länder sind der gefährlichste Abschnitt an der imperialistischen Front. Die revolutionären Befreiungsbewegungen der Kolonien und Halbkolonien sammeln sich unter dem Banner der Sowjetunion. Sie haben sich durch bittere Erfahrung davon überzeugen müssen, dass es keine andere Rettung für sie gibt, als sich mit dem revolutionären Proletariat zu verbünden.

...

 

Das Proletariat der UdSSR und der Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern, geleitet von der Kommunistischen Internationale, unterstützen ihrerseits den Befreiungskampf aller kolonialen und anderer abhängigen Völker, und sie werden ihre Unterstützung durch noch wirkunsvollere Aktionen verstärken. Sie sind das einzig zuverlässige Bollwerk der kolonialen Völker in ihrem Kampf zur Befreiung vom imperialistischen Joch.

 

Darüber hinaus eröffnet das Bündnis mit der UdSSR und dem revolutionären Proletariat den Massen in China, Indien und allen anderen kolonialen und halb-kolonialen Ländern die Aussicht auf ihre eigenständige wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, die Vermeidung der Periode der kapitalistischen Herrschaft, vielleicht sogar generell die Entwicklungsstufe unter kapitalistischen Verhältnissen.

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Es gibt also eine objektive Möglichkeit für einen nicht-kapitalistischen Weg der Entwicklung in den rückständigen Kolonien, die Möglichkeit, dass die bürgerlich-demokratische Revolution in den fortgeschrittenen Kolonien umgewandelt wird in die proletarische sozialistische Revolution, und zwar mit Hilfe der siegreichen proletarischen Diktatur in anderen Ländern. Unter den günstigen objektiven Bedingungen kann diese Möglichkeit in die Realität umgesetzt werden. Und der Weg zu dieser Entwicklung wird bestimmt vom Kampf und nur vom Kampf allein.

 

Folglich ist das theoretische und praktische Eintreten für diesen höchst aufopferungsvollen Weg des Kampfes die Pflicht aller Kommunisten.

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So sind alle grundlegenden Fragen der revolutionären Bewegung in den Kolonien und Halbkolonien weitestgehend mit dem großen epochalen Kampf zwischen den kapitalistischen und sozialistischen System verknüpft. Der Weltimperialismus führt diesen Kampf gegen die UdSSR und er wird in jedem kapitalistischen Land zwischen den kapitalistischen Klassenherrschaft und der kommunistischen Bewegung geführt.

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II. DIE BESONDERHEITEN DER

KOLONIALWIRTSCHAFT UND DER IMPERIALISTISCHEN

KOLONIALPOLITIK

 

9.


Die jüngste Geschichte der Kolonien kann nur verstanden werden, wenn diese als organischer Bestandteil der Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft als Ganzes aufgefasst wird.

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Da, wo der herrschende Imperialismus die notwendige soziale Stütze in den Kolonien braucht, verbündet er sich zuerst mit den herrschenden Schichten aus der bisher vorhandenen sozialen Struktur, den Feudalherren und der Bourgeoisie des Handels und Geldverleihs, gegen die Mehrheit der Menschen dort.

 

Überall versucht der Imperialismus all diese vorkapitalistischen Formen der Ausbeutung (insbesondere in den Dörfern) zu bewahren und zu verewigen , welche die Grundlage für die Existenz seiner dortigen reaktionären Verbündeten sind.

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Die verstärkt um sich greifenden Hungersnöte und Epidemien, vor allem unter der verarmten Bauernschaft,

die massenhafte Enteignung des Bodens der ansässigen Bevölkerung,

die unmenschlichen Bedingungen der Arbeit (auf den Plantagen und in den Bergwerken der weißen Kapitalisten, und so weiter), die derzeit noch schlimmer als bei der offenen Sklaverei sind - all dies hat verheerende Auswirkungen auf die koloniale Bevölkerung und führt nicht selten zum Absterben ganzer Nationalitäten. Die "zivilisatorische Mission" der imperialistischen Staaten in den Kolonien ist in Wirklichkeit die eines Henkers.


10.


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Es ist notwendig, zwischen jenen Kolonien zu unterscheiden, die den kapitalistischen Ländern einst als Kolonialisierungsgebiete für ihre Überbevölkerung gedient haben, und welche auf diese Weise das ganze kapitalistische System vergrößert haben (Australien, Kanada, usw.), und denjenigen, deren Rohstoffe den Imperialisten dazu dienen, ihre Warenmärkte zu erweitern und sich neues Kapital für Investitionen zu beschaffen.

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Kolonien des ersten Typs waren so genannte Hoheitsgebiete (Dominion), das heißt, Mitglieder eines gegebenen imperialistischen Systems mit gleichen oder fast gleichen Rechten.

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11.


... In seiner Funktion als kolonialer Ausbeuter, füllt der herrschende Imperialismus in den Kolonialländern in erster Linie die Rolle eines Parasiten aus, der das Blut ihrer wirtschaftlichen Organismen aussaugt. Die Tatsache, dass dieser Parasit im Vergleich zu seinem Opfer über eine hoch entwickelte Zivilisation verfügt, macht ihn noch zu einem viel mächtigeren und gefährlicheren Ausbeuter, was nichts am parasitären Charakter seiner Funktionen ändert.


In jedem imperialistischen Land vollzog sich die kapitalistische Ausbeutung durch die Weiterentwicklung der Produktivkräfte. Jedoch die spezifischen kolonialen Formen der kapitalistischen Ausbeutung, ob sie nun bei den Briten, Franzosen oder von anderen Bourgeoisien entwickelt wurden, behindern - gemäß der Ergebnisse vorliegender Untersuchungen - die Entwicklung der Produktivkräfte der Kolonien. Es werden nur solche Bauten vorgenommen ( wie Eisenbahnen, Häfen, usw.), die zur militärischen Kontrolle des Landes unverzichtbar sind, die der reibungslosen Steuereintreiberei und den allgemeinen komerziellen Bedürfnissen des imperialistischen Landes dienen.

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12.


Da die koloniale Ausbeutung jedoch gewisse Anstrengungen zur kolonialen Produktion voraussetzt, geschieht dies nur in dem Maße, wie es den Interessen in den Metropolen genügt, insbesondere im Rahmen des Interesses an der Aufrechterhaltung des Kolonialmonopols.

Einem Teil der Bauernschaft wird zum Beispiel "frei" gestellt, ob er seinen Getreideanbau auf die Produktion von Baumwolle, Zucker oder Gummi umstellt (wie im Sudan, Kuba, Java, Ägypten). Aber damit soll nicht etwa die selbständige, wirtschaftliche Entwicklung des kolonialen Landes gefördert werden, sondern im Gegenteil, die Abhängigkeit von der imperialistischen Metropole nur noch vergrößert werden.

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Echte Industrialisierung des kolonialen Landes, insbesondere der Aufbau einer florierenden Maschinenbau-Industrie, die die unabhängige Entwicklung der produktiven Kräfte fördern würde, ist nicht beabsichtigt, sondern das wird im Gegenteil durch die Metropole verhindert. Darin besteht ja das Wesen der Funktion der kolonialen Versklavung: das koloniale Land wird gezwungen, die Interessen seiner unabhängigen und selbständigen Entwicklung zu opfern und die Rolle eines wirtschaftlichen Anhängsels (Agrar-Rohstoff) des ausländischen Kapitalismus zu spielen.

...



13.


Da die überwiegende Mehrheit der kolonialen Bevölkerung mit dem Leben auf dem Lande verbunden ist, kommt dem Ausplünderungs-Charakter der Ausbeutung der Bauern durch den Imperialismus und seiner Verbündeten (die Klasse der Grundbesitzer, Kaufleute und Geldverleiher) besondere Bedeutung zu. Aufgrund der imperialistischen Eingriffe (Erhebung von Steuern, Import von Industrieprodukten aus der Metropole, usw.), geht die Verwandlung des Dorfes in eine Geld-Ware-Wirtschaft mit der Verarmung der Bauernschaft einher, kommt es zum Erliegen der dörflichen Handwerksindustrie, usw. - und zwar im größeren Tempo, als dies in den führenden kapitalistischen Ländern der Fall ist. Auf der anderen Seite setzt die zögerliche industrielle Entwicklung dem Prozess der Proletarisierung enge Grenzen.


Dieses enorme Missverhältnis zwischen der rasanten Zerstörung der alten Formen der Wirtschaft und der zu langsamen Entwicklung von neuen Formen hat in China, Indien, Indonesien, Ägypten, usw., zu einem extremen "Landhunger" geführt, zur Überbevölkerung auf dem Lande, Wucherpacht und extreme Parzellierung des Bodens, den die Bauern bewirtschaften.

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Die kläglichen Versuche, Agrarreformen einzuführen (ohne dabei die Kolonialherrschaft zu beeinträchtigen), sollen nur die schrittweise Umstellung der halb-feudalen Grundbesitzer in kapitalistische Grundbesitzer erleichtern, und in einigen Fällen eine kleine Schicht von Kulaken zu schaffen. In der Praxis führt dies nur zu einer größeren Verarmung der überwältigenden Mehrheit der Bauern, was wiederum die Entwicklung des Binnenmarktes untergräbt. Auf dieser Grundlage der widersprüchlichen wirtschaftlichen Prozesse, entwickeln sich die wichtigsten gesellschaftlichen Kräfte der kolonialen Bewegungen.



14.


In der Periode des Imperialismus spielt jener Teil des Finanzkapitals eine bedeutende Rolle, mit dem eine ökonomische und politische Monopolstellung in den Kolonien erzielt wird. Am deutlichsten zeigt sich dies an Hand von wirtschaftlichen Zahlen über den Kapitalexport in die Kolonien. Das Kapital wird in erster Linie im Handel eingesetzt. Es findet hauptsächlich Verwendung in Form von Wucherkrediten und dient dem Zweck, die imperialistische Maschinerie der Unterdrückung in dem kolonialen Land am Laufen zu halten und zu vervollkommnen (durch Staatskredite, usw.). In den halb-kolonialen Ländern geht es um die vollständige Kontrolle über die angeblich "unabhängigen" Staatsorgane der inländischen Bourgeoisie.

 


Der Kapitalexport in die Kolonien beschleunigt dort die Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse. Der Teil, der in die Produktion investiert wird, führt zwar zur schnelleren industriellen Entwicklung, aber eben nicht in dem erforderlichen Maße, um auf diese Weise eine selbständige Entwicklung ermöglichen zu können; die Absicht besteht vielmehr darin, die Abhängigkeit der kolonialen Wirtschaft vom Finanzkapital des imperialistischen Landes zu vergrößern.

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Die beliebteste Form der Investitionen in die Landwirtschaft sind die großen Plantagen, um damit billige Lebensmittel zu erzeugen und riesige Rohstoffquellen zu monopolisieren. Die Transferierung des größten Teils des Mehrwerts in die Metropole, der aus der billigen Arbeitskraft der Kolonialsklaven herausgepresst wird, verlangsamt das Wachstum der kolonialen Wirtschaft und die Entwicklung der dortigen Produktivkräfte. Das ist ein großes Hindernis für die wirtschaftliche und politische Emanzipation ...,



15.


Die gesamte Wirtschaftspolitik des Imperialismus gegenüber den Kolonien wird von seiner Sorge bestimmt, ihre Abhängigkeit aufrecht zu erhalten und zu vergrößern, ihre Ausbeutung zu intensivieren und ihre eigenständige Entwicklung so weit wie möglich zu behindern.

 

Nur unter dem Druck besonderer Umstände kann die Bourgeoisie der imperialistischen Staaten sich gezwungen sehen, die Entwicklung einer groß angelegten Industrie in den Kolonien zu fördern.

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Alles Geschwätz der Imperialisten und ihrer Lakaien über die Politik der "Entkolonialisierung", das die imperialistischen Mächte herum posaunen, über die Förderung der "freien Entwicklung der Kolonien", ist nichts anderes als eine imperialistische Lüge. Es ist von größter Bedeutung für die Kommunisten in den imperialistischen und den kolonialen Ländern, genau diese Lügen zu entlarven.



III. ÜBER DIE KOMMUNISTISCHE STRATEGIE UND TAKTIK

IN CHINA, INDIEN, UND ÄHNLICHEN KOLONIALEN LÄNDERN



16.


In China und Indien, sowie in allen anderen Kolonien und Halbkolonien befinden sich die Entwicklung der Produktivkräfte und die Vergesellschaftung der Arbeit auf einem vergleichsweise niedrigen Stand. Im Zusammenhang mit der Fremdherrschaft und den gegenwärtig noch starken Überbleibseln des Feudalismus und den vorkapitalistischen Verhältnissen bestimmen diese Bedingungen den Charakter der nächsten Etappe der Revolution in diesen Ländern. Die revolutionäre Bewegung befindet sich in der Phase der bürgerlich-demokratischen Revolution, dh der Phase, wo die Voraussetzungen für die proletarische Diktatur und die sozialistische Revolution vorbereitet werden. Entsprechend können hierzu die allgemeinen grundlegenden Aufgaben der bürgerlich-demokratischen Revolution in den Kolonien und Halbkolonien wie folgt festgelegt werden:



(a)


 

- Eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zu Gunsten des Proletariats;

- Emanzipation des Landes vom Joch des Imperialismus (Verstaatlichung der ausländischen Konzessionen, Eisenbahnen, Banken, etc.) und die Errichtung der nationalen Einheit, wo diese noch nicht hergestellt worden ist;

- Sturz der Macht der ausbeutenden Klassen, die unter der Knute des Imperialismus stehen, die Organisation von Sowjets der Arbeiter und Bauern und der Roten Armee;

- Errichtung der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, die Konsolidierung der Hegemonie des Proletariats;


(b)


 

- Die Durchführung der Agrarrevolution, die Befreiung der Bauern aus allen vorkapitalistischen und kolonialen Fesseln der Ausbeutung und Knechtschaft;

- Nationalisierung des Bodens;

- radikale Maßnahmen zur Linderung der katastrophalen Lage der Bauernschaft mit dem Ziel der Schaffung möglichst enger wirtschaftlicher und politischer Beziehungen zwischen Stadt und Land;



(c)


 

Parallel zur weiteren Entwicklung von Industrie, Verkehr, etc., und mit dem entsprechenden Anwachsen des Proletariats, die Ausweitung der Gewerkschaften, die Stärkung der kommunistischen Partei und die Eroberung ihrer festen führenden Stellung unter den arbeitenden Massen, der Acht- Stunden-Tag.

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In wie weit die bürgerlich-demokratische Revolution tatsächlich in der Lage sein wird, alle ihre grundlegenden Aufgaben zu erfüllen, und in wie weit diese Aufgaben dann durch die sozialistische Revolution vollendet werden, wird vom Verlauf der revolutionären Bewegung der Arbeiter und Bauern abhängen, von ihren Erfolgen oder Niederlagen im Kampf gegen die Imperialisten, die Feudalherren und die Bourgeoisie. Insbesondere wird die koloniale Befreiung vom imperialistischen Joch durch die Entwicklung der sozialistischen Revolution in der kapitalistischen Welt erleichtert werden, und sie kann nur vollständig garantiert werden durch den Sieg des Proletariats in den führenden kapitalistischen Ländern.

 


Der Übergang von der Revolution zur sozialistischen Phase ist an das Vorhandensein bestimmter Mindestvoraussetzungen gebunden, wie zum Beispiel eines bestimmten Niveaus der industriellen Entwicklung, der gewerkschaftlichen Organisation und einer starken kommunistischen Partei. Das Wichtigste ist die Entwicklung einer starken kommunistischen Partei mit

Masseneinfluss. Je weniger gründlich und nachhaltig die bürgerlich-demokratischen Revolution durchgeführt worden ist, und je weniger sich die objektiven Bedingungen dabei verändert haben, desto langwieriger und schwieriger wird dieser revolutionäre Prozess des Übergangs der Revolution sein.

 



17.


Die bürgerlich-demokratische Revolution in den Kolonien unterscheidet sich von der bürgerlich-demokratischen Revolution in einem unabhängigen Land hauptsächlich dadurch, dass sie organisch mit dem nationalen Befreiungskampf gegen die imperialistische Herrschaft verknüpft ist. Der nationale Faktor übt erheblichen Einfluss aus auf den revolutionären Prozess in allen Kolonien, sowie auf jene Halb-Kolonien, wo die imperialistische Unterjochung bereits in ihrer nackten Form auftritt und die Massen zum Aufstand treibt . Auf der einen Seite beschleunigt die nationale Unterdrückung das Heranreifen der revolutionären Krise, sie verstärkt die Unzufriedenheit der Massen der Arbeiter und Bauern, sie erleichtert ihre Mobilisierung und verleiht ihren revolutionären Ausbrüchen den elementaren Charakter eines echten Volksaufstands. Auf der anderen Seite beeinflusst der nationale Faktor nicht nur die Bewegung der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, sondern auch die Einstellung aller anderen Klassen im Verlauf der Revolution. Vor allem stehen das arme städtische Kleinbürgertum und die kleinbürgerliche Intelligenz in den frühen Stadien weitgehend unter dem Einfluss der aktiven revolutionären Kräfte. Zweitens ist die Position der kolonialen Bourgeoisie in der bürgerlich-demokratischen Revolution zum größten Teil nicht eindeutig und deren Schwankungen, entsprechend dem Verlauf der Revolution, sind sogar noch größer als in einem unabhängigen Land.

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Zusammen mit dem nationalen Befreiungskampf stellt die Agrarrevolution die Achse der bürgerlich-demokratischen Revolution in den fortgeschrittenen kolonialen Ländern dar. Deshalb verfolgen die Kommunisten die Entwicklung der Agrarkrise und die Intensivierung der Klassengegensätze auf dem Land mit größter Aufmerksamkeit. Sie müssen die Unzufriedenheit der Arbeiter und die beginnende Bewegung der Bauern von Beginn an in eine bewusste revolutionäre Richtung gegen die imperialistische Ausbeutung und Knechtschaft lenken und ebenso gegen das Joch mit seinen verschiedenen vorkapitalistischen (feudalen und halb-feudalen) Bedingungen, unter denen die bäuerliche Wirtschaft leidet, zurück fällt und verkümmert.

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18.

 

In diesen kolonialen Ländern nimmt die nationale Bourgeoisie keine einheitliche Haltung zum Imperialismus ein. Ein Teil, insbesondere die kommerzielle Bourgeoisie, dient unmittelbar den Interessen des imperialistischen Kapitals (die sogenannte Kompradoren-Bourgeoisie). Im Allgemeinen vertritt sie - mehr oder weniger konsequent - einen anti-nationalen , imperialistische Standpunkt gegenüber der gesamten nationalistischen Bewegung, ebenso wie die feudalen Verbündeten des Imperialismus und die höher bezahlten einheimischen Beamten. Der anderen Teile der einheimischen Bourgeoisie, vor allem derjenige Teil, der die Interessen der inländischen Industrie vertritt, unterstützt die nationale Bewegung. Der nationale Reformismus ist gekennzeichnet durch eine Tendenz des Wankelmuts und der Unschlüssigkeit und beruht auf faulen Kompromissen mit dem Imperialismus.

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Um seine Position gegenüber dem Imperialismus zu stärken, sucht der bürgerliche Nationalismus in diesen Kolonien die Unterstützung des Kleinbürgertums, der Bauernschaft, und zum Teil auch der Arbeiterklasse. Da er bei den international eingestellten Arbeitern nicht auf Zustimmung stößt (seit sie politisch erwacht sind), versucht er die Unterstützung von der Bauernschaft zu erhalten.


Hierin liegt genau der schwächste Punkt der kolonialen Bourgeoisie. Die unerträgliche Ausbeutung der kolonialen Bauernschaft kann nur durch die Agrarrevolution beendet werden.

 

Die Bourgeoisie Chinas, Indiens und Ägyptens ist mit ihren unmittelbaren Interessen so eng an das Großgrundbesitzertum , das Wucherkapital und an die allgemeine Ausbeutung der bäuerlichen Massen gebunden, dass sie nicht nur gegen die Agrarrevolution, sondern auch gegen alle entscheidenden Agrarreformen auftritt. Sie fürchtet - und das nicht ohne Grund - , dass bereits das offene Aufwerfen der Agrarfrage den revolutionären Gärungsprozess in den bäuerlichen Massen in Gang setzen kann. So kann die reformistische Bourgeoisie nicht über ihren eigenen Schatten springen und sich nicht für eine praktische Lösung dieser dringenden Frage erwärmen.

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Auf der einen SeiteIn ziehen sie eine tolle Show ab, um bei jedem Konflikt mit dem Imperialismus ihre nationalistische "Prinzipienfestigkeit" zu demonstrieren, und auf der anderen Seite verbreiten sie Illusionen über die Möglichkeit "friedlicher Übereinkünfte" mit dem Imperialismus. In beiderlei Hinsicht sind die Massen dazu verurteilt, enttäuscht zu werden, aber auf diese Weise befreien sie sich wenigstens allmählich von all ihren reformistischen Illusionen.

 



19.

 

Eine falsche Einschätzung der national-reformistischen Tendenz der Bourgeoisie in diesen kolonialen Ländern kann zu schwerwiegenden Fehlern in der Strategie und Taktik der kommunistischen Parteien führen.

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20.


 

Das Kleinbürgertum spielt in den kolonialen und halb-kolonialen Ländern en eine sehr wichtige Rolle. Es setzt sich aus verschiedenen Schichten zusammen, die in verschiedenen Stadien der national-revolutionären Bewegung eine sehr unterschiedliche Rollen spielen.

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Die kleinbürgerliche Intelligenz, die Studenten, und andere sind sehr oft die hartnäckigsten Vertreter nicht nur der spezifischen Interessen des Kleinbürgertums, sondern auch der allgemeinen objektiven Interessen der gesamten nationalen Bourgeoisie. In den frühen Stadien der nationalen Bewegung erschienen sie oft als Sprecher des nationalistischen Kampfes. Oberflächlich betrachtet scheinen sie in der Bewegung relativ wichtig zu sein. Aber In der Regel können sie die bäuerlichen Interessen nicht vertreten, denn sie kommen aus sozialen Schichten, die eher den Großgrundbesitzern nahe stehen. Durch den Vormarsch der revolutionären Welle kann sie mit der Arbeiterbewegung in Berührung kommen, um ihre kleinbürgerliche Ideologie des Zögerns und Wankens in diese hinein zu tragen. Nur wenige von ihnen sind auf der langen Strecke des Kampfes in der Lage oder bereit, mit ihrer eigenen Klasse zu brechen, Verständnis aufzubringen für die Aufgaben des Klassenkampfes des Proletariats, oder gar aktive Verteidiger der proletarischen Interessen zu werden. Häufig tünchen die kleinbürgerlichen Intellektuellen ihre Ideologie in eine "sozialistische" oder sogar "kommunistische" Farbe. Im Kampf gegen den Imperialismus haben sie eine revolutionäre Rolle gespielt, und in Ländern wie Indien und Ägypten spielen sie diese immer noch. Sie können in die Massenbewegung hinein gezogen werden, aber genauso gut können sie auch im Lager der Konterrevolution landen, um ihre utopischen Ideen reaktionären Charakters in ihre Reihen zu tragen.

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Als Verbündeter des Proletariats wird die Bauernschaft zu einer treibenden Kraft in der Revolution. Selbst in den am weitesten entwickelten Kolonien bilden die millionenfachen Bauernmassen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (in vielen Kolonien machen sie über 90 Prozent der Bevölkerung aus ) ....

 

Die Bauernschaft kann sich nur unter der Führung des Proletariats befreien und das Proletariat kann die bürgerlich-demokratische Revolution nur durch Vereinigung mit der Bauernschaft zum Sieg führen.

 

Der Prozess der Klassendifferenzierung unter den Bauern vollzieht sich in den Kolonien und Halbkolonien vergleichsweise langsam, wo feudale und vorkapitalistische Überreste noch weit verbreitet sind. Dennoch haben sich die Marktverhältnisse in diesen Ländern in solchen Ausmaßen ausgeweitet, dass man nicht mehr von der Klasse der Bauern als eine homogene Masse sprechen kann. In den Dörfern von China und Indien, vor allem in bestimmten Regionen dieser Länder, treten neue ausbeutende Elemente in Erscheinung, ehemalige Bauern, die Bauern und Landarbeiter ausbeuten, Wucher und Handel betreiben, Lohnarbeiter beschäftigen, Pacht eintreiben oder Land verkaufen, Vieh oder landwirtschaftliche Geräte verleihen, usw.,usw.

 

 

Im Allgemeinen ist es schon in einem frühen Stadium des Kampfes der Bauernschaft gegen die Großgrundbesitzer möglich, dass das Proletariat die Führung der gesamten Bauernschaft übernehmen. Aber im Verlauf des Kampfes können Einige aus den oberen Schichten der Bauernschaft ins Lager der Konterrevolution wechseln. Das Proletariat kann die Führung der Bauernschaft nur gewinnen, wenn es für deren spezifische Forderungen kämpft. Die Agrarrevolution kann nur dann vollständig durchgeführt werden, wenn das Proletariat die Führung im Kampf der bäuerlichen Massen für eine revolutionäre Lösung der Agrarfrage übernimmt.



21.


 

 

Die Arbeiterklasse in den Kolonien und Halbkolonien hat besondere, charakteristische Eigenschaften, die wichtig sind bei der Bildung einer selbständigen Bewegung der Arbeiterklasse und der proletarischen Klassenideologie in diesen Ländern. Der größere Teil des kolonialen Proletariats kommt aus dem verarmten Dorf, zu dem der Arbeiter weiterhin Verbindung hält, auch wenn er in der Industrie beschäftigt ist. In der Mehrzahl der Kolonien (mit Ausnahme von einigen großen Industriestädten wie Shanghai, Bombay, Kalkutta, etc.) finden wir in der Regel erst die allererste Generation von Proletariern vor, die bereits in der Großproduktion tätig sind. Der Rest setzt sich zusammen aus ruinierten Handwerkern, aus dem absterbenden Kunsthandwerk, welches noch weit verbreitet ist - selbst in den weiter fortgeschrittenen Kolonien. Die ruinierten Handwerker und Kleinbesitzer fallen ab ins Proletariat und verbreiten unvermeidlich ihre national-reformistische Ideologie innerhalb der kolonialen Arbeiterbewegung .

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22.

 

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Zunächst sind die wichtigsten bürgerlichen Parteien in Indien und Ägypten (Swarajisten, Wafdisten) im Interesse des Kampfes für ihre Klassenherrschaft gezwungen, gegenüber dem herrschenden imperialistisch-feudalen Block in Opposition zu treten. Nur weil diese Opposition nicht revolutionär, sondern reformistisch und opportunistisch ist, heißt dies nicht, dass sie etwa keinerlei Bedeutung hat. Die nationale Bourgeoisie ist nicht die bedeutende Kraft im Kampf gegen den Imperialismus. Dennoch hat diese bürgerlich-reformistische Opposition eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung der revolutionären Bewegung und dies sowohl im negativen wie im positiven Sinne, soweit sie keinen Masseneinfluss auf alles hat.

 

 

Wichtig daran ist, dass sie die Entwicklung der revolutionären Bewegung verzögert und behindert, insbesondere wenn sie über eine gewisse Anhängerschaft unter den arbeitenden Massen verfügt. Auf der anderen Seite steht die bürgerliche Opposition dem herrschenden imperialistisch-feudalen Block gegenüber. Auch wenn das eine harmlose Opposition ist, so kann sie doch zur Beschleunigung des politischen Erwachens der breiten werktätigen Massen beitragen. Unter bestimmten Umständen kann es sogar zum offenen Konflikt zwischen der national-reformistischen Bourgeoisie und dem Imperialismus kommen, was durchaus große revolutionäre Massenaktionen auslösen kann.

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Es stimmt, dass die reformistische Bourgeoisie darauf bedacht ist, dass ihre oppositionellen Aktivitäten ja keine ungewollten Folgen herauf beschwören. Dem versucht sie natürlich auf die eine oder andere Weise vorzubeugen. Aber wenn die objektiven Bedingungen für eine tiefe politische Krise erst einmal reif geworden sind, können die Aktivitäten der national-reformistischen Opposition - selbst ihre unbedeutendsten Konflikte mit dem Imperialismus - ernste Bedeutung für die Revolution haben.


Die Kommunisten müssen lernen, wie man jeden Konflikt zu nutzen versteht, um solche Konflikte auszuweiten und ihre Bedeutung zu erhöhen, um sie mit der Agitation für revolutionäre Losungen zu verknüpfen, um Berichte über diese Konflikte unter die Massen zu streuen, um diese Massen zu ermuntern, ihre eigenen Forderungen durch Aktionen offen zu manifestieren, usw.

 



23.

 

In dieser Phase ist die erfolgreiche Entlarvung ihres vollkommen national-reformistischen Charakters die richtige Taktik im Kampf gegen solche Parteien wie die Swarajisten und Wafdisten. Diese Parteien haben mehr als einmal den nationalen Befreiungskampf verraten. Aber - wie sich bei der Kuomintang zeigt - sind sie noch nicht gänzlich zum konterrevolutionären Lager übergelaufen. Es besteht kein Zweifel, dass sie dies später tun, aber zur Zeit sind sie besonders gefährlich, weil ihre wahre Physiognomie noch nicht in den Augen der Massen entlarvt ist.

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Wenn es den Kommunisten in diesem Stadium nicht gelingt, den Glauben der Massen in die bürgerlich-nationalreformistische Führung der nationalen Bewegung zu erschüttern, dann wird diese Führung beim nächsten Vormarsch der revolutionären Welle zu einer ernsthaften Gefahr für die Revolution werden.

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Es ist notwendig, die Halbherzigkeit und das Schwanken dieser Führer im nationalen Kampf zu entlarven, ihr Feilschen um Kompromisse mit dem britischen Imperialismus, ihr altes kapitulantenhaftes Verhalten, ihr Abschwenken in Richtung Konterrevolution, ihr reaktionärer Widerstand gegen die Klassenforderungen des Proletariats und der Bauernschaft, ihre leere nationalistische Phraseologie, ihre Verbreitung von schädlichen Illusionen über die so genannte "friedliche Entkolonialisierung des Landes" und ihre Sabotage bei der Anwendung revolutionärer Methoden im nationalen Befreiungskampf.

 

Jegliche Blockbildung zwischen der Kommunistischen Partei und der national-reformistischen Opposition muss abgelehnt werden. Dies schließt zeitweilige Abkommen und eine Koordinierung von Aktivitäten nicht aus, insbesondere von anti-imperialistischen Aktionen. Allerdings setzt dies voraus, dass die Aktivitäten der bürgerlichen Opposition auch im Interesse der Massenbewegung ausgenutzt werden können, und dass diese Vereinbarungen nicht die kommunistische Freiheit der Agitation unter den Massen und ihren Organisationen in irgendeiner Weise beschneiden. Selbstverständlich müssen die Kommunisten bei dieser Arbeit zur gleichen Zeit den erbittertsten ideologischen und politischen Kampf gegen den bürgerlichen Nationalismus führen. Das geringste Anzeichen seines Einflusses innerhalb der Arbeiterbewegung ist schon im Keim zu ersticken.

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24.

 

Ein falsches Verständnis vom grundlegenden Charakter der Partei der nationalen Großbourgeoisie führt zu der Gefahr einer falschen Beurteilung des Charakters und der Rolle der kleinbürgerlichen Parteien. Die Entwicklung dieser Parteien vollzieht sich in der Regel durch ein Abschwenken von der national-revolutionären zur national-reformistischen Position. Auch solche Bewegungen wie der Sun Yat-senismus in China, der Gandhismus in Indien und Sarekat Islam in Indonesien, waren ursprünglich die Ideologie radikaler kleinbürgerlicher Bewegungen, die jedoch später im Dienste der Großbourgeoisie in die bürgerliche national-reformistische Bewegungen umgewandelt wurden. In Indien, Ägypten und Indonesien sind wieder solche radikalen Flügel innerhalb der kleinbürgerlichen Gruppen aufgetaucht (zB die Republikanische Partei, Watanisten, Sarekat Rakjat), die einen mehr oder weniger konsequenten national-revolutionären Standpunkt einnehmen. In einem solchen Land wie Indien, ist der Aufstieg von einigen solcher radikalen kleinbürgerlichen Parteien und Gruppen durchaus möglich.

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Es ist absolut wichtig, dass sich die kommunistischen Parteien in diesen Ländern von vornherein - sowohl politisch als auch organisatorisch - von allen kleinbürgerlichen Gruppen und Parteien abgrenzen. Soweit es der revolutionäre Kampf verlangt, sind zeitlich begrenzte Aktionseinheiten und Zweckbündnisse zwischen der Kommunistischen Partei und der national-revolutionären Bewegung zulässig, aber nur insofern als es sich erstens um eine echte revolutionäre Bewegung handelt, die wirklich gegen die herrschende Macht kämpft und zweitens, dass ihre Vertreter die Kommunisten nicht in ihrer Arbeit zur revolutionären Erziehung der Bauern und der werktätigen Massen behindern. In all solchen Fällen ist es jedoch unerlässlich, sorgfältigste Vorkehrungen gegen jegliche Versuche zu treffen, die kommunistische Bewegung mit der kleinbürgerlichen revolutionären Bewegung auf die eine oder andere Weise zu verschmelzen.

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IV. DIE UNMITTELBAREN AUFGABEN DER

KOMMUNISTEN



28.

 

Beim Aufbau und der Entwicklung der kommunistischen Parteien in den Kolonien und Halbkolonien muss die eklatante Diskrepanz zwischen der objektiven revolutionären Situation und der Schwäche des subjektiven Faktors überwunden werden. Das ist eine der wichtigsten und dringendsten Aufgaben der Kommunistischen Internationale. Bei der Lösung dieser Aufgabe stoßen wir auf eine ganze Reihe von objektiven Schwierigkeiten, die von der historischen Entwicklung und der sozialen Struktur dieser Länder bestimmt werden.

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Die kommunistischen Parteien in den kolonialen und halbkolonialen Ländern müssen alle Anstrengungen unternehmen, um einen Kader an Funktionären aus den Reihen der Arbeiterklasse zu schaffen. Zu diesem Zweck sind die Intellektuellen in der Partei als Lehrkräfte einzusetzen, die in propagandistischen Zirkeln, legalen und illegalen Parteischulen arbeiten, um die fortgeschrittenen Arbeiter zu Agitatoren, Propagandisten, Organisatoren und Führern heranzubilden, die vom Geist des Leninismus durchdrungen sind.

Die kommunistischen Parteien in den kolonialen Ländern müssen auch wirklich kommunistische Parteien in ihrer sozialen Zusammensetzung werden. In ihren Reihen vereinigt die Partei die besten Elemente der revolutionären Intelligenz, stählt sie im täglichen Kampf und in den großen revolutionären Schlachten.

Die kommunistischen Parteien müssen aber ihr Hauptaugenmerk auf die Stärkung der Parteiorganisation in den Fabriken und Bergwerken und auf die Transportarbeiter lenken, sowie auf die Halb-Sklaven auf den Plantagen.

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29.

 

Zusammen mit dem Aufbau der kommunistischen Partei besteht die wichtigste aller unmittelbaren, allgemeinen Aufgaben in den Kolonien und Halbkolonien darin, Gewerkschaftsarbeit zu leisten.

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Die Kommunisten müssen revolutionäre Propaganda in den reaktionären Gewerkschaften betreiben, in denen die Masse der Arbeiterklasse Mitglied ist. In jenen Ländern, wo es die Umstände erfordern, ist es notwendig, separate revolutionäre Gewerkschaften aufzubauen (da, wo die reaktionäre Gewerkschaftsführung die Organisation der unorganisierten Arbeiter behindert, die elementarsten Regeln der Gewerkschaftsdemokratie mit Füßen tritt und die Gewerkschaften in Streikbrecher-Organisationen verwandelt), In diesen Fällen muss die Führung der RGI konsultiert werden.


Besondere Beachtung finden die Intrigen der Amsterdam International in den kolonialen Ländern (China, Indien, Nordafrika). Ihr reaktionärer Charakter muss vor den Massen entlarvt werden. Es ist für die kommunistische Partei in der Metropole obligatorisch, der betreffenden revolutionären Gewerkschaftsbewegung der Kolonie aktiv Hilfe zu leisten durch Beratung und durch die permanente Entsendungn von Instrukteuren. Bis jetzt ist in diesem Zusammenhang viel zu wenig getan worden.



30.

 

Überall dort, wo Bauernorganisationen als wirkliche Massenorganisationen existieren - unabhängig von ihrem Charakter - muss die kommunistische Partei Maßnahmen ergreifen, um in diese Organisationen hinein zu gelangen. Eines der dringendsten Aufgaben der Partei ist es, der Arbeiterklasse die Agrarfrage und ihre Bedeutung und entscheidende Rolle für die Agrarrevolution richtig klar zu machen. Sie muss die Mitglieder der Partei mit den Methoden der Agitation, Propaganda und organisatorischen Arbeit unter der Bauernschaft vertraut machen.

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Die Kommunisten müssen überall versuchen, der bestehenden bäuerlichen Bewegung einen revolutionären Charakter zu geben. Sie müssen auch neue revolutionäre Bauerngewerkschaften und Bauern-Komitees

organisieren und regelmäßigen Kontakt mit ihnen pflegen. Sowohl unter den bäuerlichen Massen als auch in den Reihen des Proletariats ist es wichtig, energisch Propaganda zugunsten eines kämpferischen Blocks des Proletariats und der Bauernschaft zu betreiben.

 


Spezielle Arbeiter-und Bauernparteien, so revolutionär ihr Charakter zu bestimmten Zeiten auch sein mag, können sich allzu leicht in gewöhnlichen kleinbürgerliche Parteien verwandeln. Daher ist es nicht ratsam, solche Parteien zu organisieren. Die kommunistische Partei sollte ihre Organisation nie auf der Grundlage einer Fusion von zwei Klassen aufbauen. Ebenso wenig sollte sie von dieser Basis Gebrauch machen, die charakteristisch ist für kleinbürgerliche Gruppen.

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33.


In China wird die steigende Welle der Revolution die Partei noch einmal erneut mit der sofortigen praktischen Aufgabe konfrontieren, den bewaffneten Aufstand vorzubereiten und durchzuführen als den einzigen Weg, um die bürgerlich-demokratische Revolution zu vollenden und die Macht der Imperialisten, Großgrundbesitzer und der nationalen Bourgeoisie vollständig zu zerschlagen - die Macht der Kuomintang.


Unter den gegenwärtigen Bedingungen, die vor Allem gekennzeichnet sind durch das Fehlen eines revolutionären Impuls unter den breiten Massen des chinesischen Volkes, ist die Hauptaufgabe der Partei der Kampf um die Massen.

...

 

Gleichzeitig muss die Partei den Massen deutlich machen, dass es unmöglich ist, ihre Lage grundlegend zu verändern, die imperialistische Herrschaft zu stürzen, die Aufgaben der Agrarrevolution zu erfüllen, ohne die Macht der Kuomintang und Militaristen zerschlagen und ohne eine Sowjet-Regierung gebildet zu haben.

 

 

Die Partei muss jeden Konflikt ausnutzen, sei er auch noch so unscheinbar:

Konflikte zwischen den Arbeitern in den Fabriken und den Kapitalisten,

zwischen den Bauern und Grundherren in den Dörfern,

zwischen den Soldaten und Offizieren in der Armee.

Diese Klassenauseinandersetzungen sind zu vertiefen, auszuweiten und zu verschärfen, um die breiteste Mobilisierung der Masse der Arbeiter und Bauern zu erreichen . Die Partei muss jeden Willkürakt und jede Gewalttat gegenüber dem chinesischen Volk, die der internationale Imperialismus verübt, anprangern, muss den Volkszorn schüren gegen die blutigen Verbrechen der Konterrevolution, muss den Protest der Massen gegen die herrschenden Klassen vervielfachen. Derzeit wurden militärische Eroberungen gemacht und verschiedene Regionen besetzt.


 

Das innere Parteileben muss wieder hergestellt werden; die von der Konterrevolution zerschlagenen Zellen und Parteikomitees müssen wieder aufgebaut werden; ebenso ist die soziale Zusammensetzung der Partei zu verbessern und die Zellen, die aufgebaut werden müssen, haben sich auf die wichtigsten Branchen, auf die größten Fabriken und Bahnwerkstätten zu konzentrieren. Am gravierendsten ist die Verbesserung der sozialen Zusammensetzung in den ländlichen Parteiorganisationen der KPCh, um sicherzustellen, dass sie aus den proletarischen, halb-proletarischen und armen ländlichen Schichten der Bevölkerung bestehen. . . .



34.

 

Die grundlegenden Aufgaben der indischen Kommunisten bestehen im Kampf gegen den britischen Imperialismus für die Befreiung des Landes, in der Zerschlagung aller Überbleibsel des Feudalismus, in der Agrarrevolution und der Errichtung der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft in Form einer Sowjet-Republik. Diese Aufgaben können erfolgreich durchgeführt werden, wenn eine mächtige kommunistische Partei aufgebaut wird, die in der Lage ist, sich an die Spitze der breiten Massen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und aller Werktätigen zu stellen, um sie in den bewaffneten Aufstand gegen den feudal-imperialistischen Block zu führen.

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Die vorrangige Aufgabe der indischen Kommunisten ist es, alle kommunistischen Gruppen sowie einzeln verstreute Kommunisten im ganzen Land um sich zu sammeln und in einer einzigen, illegalen, unabhängigen und selbständigen zentralistischen Partei zu vereinigen. Das Prinzip des Aufbaus der Partei auf einer so genannten "Zwei-Klassen-Basis" ist abzulehnen. Stattdessen müssen die Kommunisten die Verbindungen zu den Arbeitern und Bauern der anderen Massenparteien ausnutzen, um die eigene Partei zu verstärken. Die Hegemonie des Proletariats kann schließlich nicht verwirklicht werden, ohne das Vorhandensein einer standhaften und gefestigten kommunistischen Partei, die mit der Theorie des Marxismus ausgestattet ist.

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Die Kommunisten müssen dem Indischen Nationalkongress die Maske des National-Reformismus herunter reißen. Sie müssen sich dem ganzen Geschwätz der Swarajisten und Gandhisten entgegenstellen, die zum Beispiel den passiven Widerstand predigen. Stattdessen müssen sie kompromisslos für die Losung des bewaffneten Kampfes auftreten, um das Land zu befreien und die Imperialisten raus zu werfen.


Bezüglich der Bauernschaft und der Bauernorganisationen haben die indischen Kommunisten in erster Linie die Aufgabe, die bäuerlichen Massen über die allgemeinen Forderungen der Partei zur Agrarfrage zu informieren. Hierzu muss die Partei ein Agrarprogramm ausarbeiten. Direkt, und auch durch die Arbeiter auf dem Land, müssen die Kommunisten die Bauern dazu ermuntern, den Kampf für ihre eigenen Forderungen zu führen. Im Laufe dieses Kampfes gilt es, Bauerngewerkschaften zu organisieren. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die neu geschaffenen Bauernorganisationen nicht unter dem Einfluss der ausbeutenden Schichten auf dem Lande geraten.

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Es ist daran zu erinnern, dass die Kommunisten unter keinen Umständen auf ihr Recht verzichten dürfen, die opportunistischen und reformistischen Taktiken der Führer solcher Massenorganisationen, in denen sie arbeiten, zu kritisieren und zu entlarven.



35.

 

In Indonesien hat die Niederwerfung des Aufstandes von 1926 zur Verhaftung und Verbannung von Tausenden von Mitgliedern der kommunistischen Partei geführt und damit ernsthaft ihre Reihen desorganisiert. Es ist notwendig, die zerstörten Parteiorganisationen wieder aufzubauen - und zwar mit Hilfe von illegalen Methoden, um die Partei vor dem Zugriff der Polizei des holländischen Imperialismus besser zu schützen. Die Partei konzentriert ihre Aktivitäten auf jene Orte, wo das Proletariat der Städte und Dörfer konzentriert ist, in den Fabriken und auf den Plantagen. Die aufgelösten Gewerkschaften sind wieder herzustellen, wobei für ihre Legalisierung gekämpft werden muss.

Besonderes Augenmerk gilt den konkreten Teilforderungen der Bauernschaft.

In allen nationalistischen Massenorganisationen ist organisatorische Arbeit zu leisten, um dort die Organisierung der Bauern zu fördern und zu stärken. Die kommunistische Partei muss darin Fraktionsarbeit leisten, um die national-revolutionäre Elemente zusammenzufassen und zu vereinigen. Es ist gegen die niederländischen Sozialdemokraten ein entschlossener Kampf zu führen, die von der Regierung dabei unterstützt werden, ihren Fuß in das einheimische Proletariat zu setzen.

Ferner müssen die zahlreichen chinesischen Arbeiter für den Klassenkampf und für den national-revolutionären Kampf gewonnen werden; insbesondere müssen Verbindungen zur kommunistischen Bewegung in China und Indien geschaffen werden.

Dies sind einige der wichtigsten Aufgaben der kommunistischen Partei Indonesiens.

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37.


Nur wenn sich die ägyptische kommunistische Partei auf das organisierte Proletariat stützt, kann sie in der nationalen Bewegung eine wichtige Rolle spielen. Die Organisierung der ägyptischen Arbeiter in den Gewerkschaften, die Intensivierung des Klassenkampfes und die Führung in diesem Kampf - das sind die allerwichtigsten Aufgaben der Kommunistischen Partei. Gegenwärtig liegt die größte Gefahr innerhalb der Gewerkschaftsbewegung darin, dass die bürgerlichen Nationalisten versuchen, diese unter ihre Kontrolle zu bringen.


Ohne den entschlossenen Kampf gegen ihren Einfluss ist eine wirkliche Klassenorganisation der Arbeiter unmöglich. Einer der auffälligsten Mängel der ägyptischen Kommunisten, die sich in der Vergangenheit gezeigt haben - ist die einseitige Konzentration auf die städtischen Arbeiter.


Die korrekte Ausformulierung der Agrarfrage, das allmähliche Eingreifen in den Kampf der breiten Massen der Landarbeiter und Bauern, und die Organisierung dieser Massen - das sind die wichtigsten Aufgaben der Partei.


Besondere Aufmerksamkeit verlangt vor allem der eigentliche Parteiaufbau, der noch sehr schwach ist.



38.

 

In den Französischen Kolonien Nordafrikas müssen die Kommunisten in allen vorhandenen national-revolutionären Massenorganisationen arbeiten. Sie vereinigen dort die wirklich revolutionären Elemente in einen Block der Arbeiter und Bauern - und zwar auf einer vorher auszuarbeitenden einheitlichen und klaren Plattform . Soweit es um die Organisation "Etoile Nord Africaine" geht, müssen die Kommunisten für deren Entwicklung arbeiten, nicht in Form einer Partei, sondern in einem kämpferischen Block der verschiedenen revolutionären Organisationen, denen die Gewerkschaften der industriellen und landwirtschaftlichen Arbeiter, die Bauerngewerkschaften, usw. angeschlossen sind. Darin muss überall die führende Rolle des revolutionären Proletariats gewährleistet sein. Hierzu ist es notwendig, vor allem die Gewerkschaftsbewegung als wichtigstes organisatorisches Hilfsmittel zu benutzen, um den kommunistische Einfluß unter den Massen zu fördern. Es muss unsere ständige Aufgabe sein, immer engere Verbindungen zwischen den Abteilungen der revolutionären weißen Proletarier und der revolutionären einheimischen Arbeiterklasse herzustellen.

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Die kommunistischen Organisationen müssen in jedem einzelnen Land in erster Linie die inländischen Arbeiter in ihren Reihen aufnehmen. Jede Gleichgültigkeit oder Geringschätzigkeit gegenüber den inländischen Arbeitern ist rigoros zu bekämpfen. Die Kommunistischen Parteien müssen in Form und Inhalt mit dem einheimischen Proletariat aufgebaut sein, wenn sie selbständige Sektionen der Kommunistischen Internationale sein wollen.



39.


Im Rahmen der kolonialen Frage lenkt der sechste Kongress die Aufmerksamkeit der kommunistischen Parteien auch auf die Frage der Schwarzen. Die Lage der Schwarzen ist in den einzelnen Ländern verschieden, also sind hierfür auch konkrete Untersuchungen und Analysen notwenig. Die Gebiete mit schwarzer Bevölkerung können in folgende drei Gruppen aufgeteilt werden:


(1)


die Vereinigten Staaten und einige südamerikanische Länder, in denen die schwarze Bevölkerung eine Minderheit bildet gegenüber der weißen Bevölkerung;


(2)


die Union Südafrikas, wo die schwarze Bevölkerung die Mehrheit darstellt gegenüber den weißen Kolonialisten;


(3)

 

die Schwarzen Staaten, die eigentlich Kolonien oder Halbkolonien des Imperialismus sind (Liberia, Haiti, Santo Domingo), das ganze Zentralafrika mit seinen Kolonien und Mandatsgebieten der verschiedenen imperialistischen Mächte (Großbritannien, Frankreich, Portugal, etc.).

 

Die Aufgaben der kommunistischen Parteien müssen in den Ländern nach der konkreten Situation definiert werden.

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In der Union Südafrikas ist die schwarze Bevölkerung ihrer politischen Rechte und Bewegungsfreiheit beraubt. Sie macht die Mehrheit der Bevölkerung aus, aber ihr Land wurde von den weißen Kolonisten und von ihrem Staat enteignet. Die schwarze Bevölkerung ist den schlimmsten Formen der Rassen - und Klassendiskriminierung ausgesetzt und leidet zudem noch unter den vorkapitalistischen und kapitalistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsmethoden.

 

Die kommunistische Partei, die im schwarzen Proletariat bereits Erfolge erzielen konnte, hat die Pflicht, weiterhin - und noch viel energischer als bisher - den Kampf für die vollständige Gleichheit der Rechte der Schwarzen zu führen, also auch für die Abschaffung aller besonderen Vorschriften und Gesetze, die gegen die schwarze Bevölkerung erlassen wurden - wie zum Beispiel die Abschaffung der Enteignung der Ländereien der Schwarzen durch die Gutsbesitzer. Die kommunistische Partei ist verpflichtet, die schwarzen Arbeiter in ihre Reihen aufzunehmen, für ihre Aufnahme in den Gewerkschaften der weißen Arbeiter zu kämpfen und sie dort zu organisieren. Mit allen Mitteln muss sie gegen rassistische Vorurteile bei den weißen Arbeitern kämpfen und solche Vorurteile in ihren eigenen Reihen gänzlich ausrotten. Die Partei muss die Losung der Schaffung einer unabhängigen und selbständigen Schwarzen Republik, die den Weißen ihre Minderheitsrechte garantiert, konsequent und energisch voran treiben und durch Kampfaktionen praktisch verwirklichen .

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41.


Die Aufgaben der kommunistischen Parteien der imperialistischen Länder haben in der kolonialen Frage einen dreifachen Charakter:


Erstens, die Schaffung aktiver Verbindungen zwischen den kommunistischen Parteien und den revolutionären Gewerkschaftsorganisationen der Metropolen und den entsprechenden Organisationen der Kolonien. Die Verbindungen, wie sie bislang bestehen, müssen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - als unzureichend bewertet werden. Diese Tatsache kann nur zum Teil durch objektive Schwierigkeiten begründet werden. Es muss zugegeben werden, dass bis jetzt nicht alle Parteien in der Kommunistischen Internationale die entscheidende Bedeutung des Aufbaus einer engen, regelmäßigen und kontinuierlichen Beziehung mit den revolutionären Bewegungen in den Kolonien begriffen haben.

Diese revolutionären Bewegungen brauchen direkt und aktiv jede praktische Hilfe.

Wir können nur dann von einer wahrhaft bolschewistischen Haltung der kommunistischen Parteien der imperialistischen Länder sprechen, wenn sie der revolutionären Bewegung in den Kolonien in der Tat jede erdenkliche Unterstützung im Kampf gegen den Imperialismus garantieren. Diese Solidarität ist im Grunde genommen das Kriterium jeder revolutionären Tätigkeit.

 

Der zweite Bereich von Aufgaben besteht in der praktischen Unterstützung des Kampfes der kolonialen Völker gegen den Imperialismus durch die Organisierung effektiver Massenaktionen des Proletariats. Die Tätigkeiten der kommunistischen Parteien der großen kapitalistischen Länder sind in dieser Richtung unzureichend. Die Vorbereitung und Organisierung solcher massenhaften Solidaritätskundgebungen muss unbedingt eines der grundlegenden Elemente der kommunistischen Agitation unter den werktätigen Massen der kapitalistischen Länder sein.

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Eine besondere Aufgabe ist hierbei der Kampf gegen die missionarischen Organisationen, welche eine der wirkungsvollsten Instrumente der imperialistischen Expansion und der Versklavung der kolonialen Völker darstellen.

 

Die kommunistischen Parteien müssen unaufhörlich daran arbeiten, Massenaktionen zu organisieren, um den Transport von Truppen und Munition in die Kolonien zu verhindern, während sie sich gleichzeitig für den sofortigen Abzug der bewaffneten Kräfte des Imperialismus aus den unterdrückten Ländern einsetzen müssen.

 

Eine systematische agitatorische und organisatorische Arbeit unter den Truppen muss der Verbrüderung mit den aufständischen Massen in den Kolonien dienen. Die Besatzungstruppen müssen ihre Gewehre umdrehen, sich auf die Seite der Arbeiter und Bauern schlagen und sich der Befreiungsarmee anschließen.

 

Die kommunistische Partei betrachtet den Kampf gegen die Kolonialpolitik der Sozialdemokratie als integralen Bestandteil ihres Kampfes gegen den Imperialismus.

Die Zweite Internationale, welche auf ihrer letzten Tagung in Brüssel in der kolonialen Frage eindeutig Stellung bezogen hat, hat damit praktisch die Tätigkeit der verschiedenen "sozialistisch"-regierten imperialistischen Länder [Parteien der Imperialisten] in den Nachkriegsjahren weiterhin bestätigt und sanktioniert:

Die Kolonialpolitik der Sozialdemokratie ist eine Politik der aktiven Unterstützung des Imperialismus bei der Ausbeutung und Unterdrückung der kolonialen Völker.

Sie vertritt den offiziellen Standpunkt des Völkerbundes, der den herrschenden Klassen der entwickelten kapitalistischen Länder das "Recht" einräumt, über die Mehrheit der Völker der Welt zu bestimmen, und sie den furchtbaren Regimes der Ausbeutung und Versklavung zu unterwerfen.

 

Um einen Teil der Arbeiterklasse zu täuschen und zu bestechen, um ihre Zusammenarbeit zur Aufrechterhaltung des räuberischen Kolonialregime zu sichern, verteidigt der Sozialdemokratismus die schändlichsten und abstoßendsten Greueltaten des Imperialismus in den Kolonien.

Er vertuscht die wahre Natur des kapitalistischen kolonialen Systems, er verschweigt den Zusammenhang zwischen der Kolonialpolitik und der Gefahr eines neuen, imperialistischen Krieges, der das Proletariat und die werktätigen Massen der ganzen Welt bedroht.

Überall dort, wo sich die Empörung der kolonialen Völker im Kampf gegen den Imperialismus Luft macht, steht der Sozialdemokratismus mit all seinen Lügenmärchen in Wirklichkeit immer auf der Seite der imperialistischen Henker der Revolution.

 

 

 

 

 

 

 

 

Komintern

III. Internationale