DEUTSCH

IV. Weltkongress der Komintern

Richtlinien für die kommunistische Aktion in den Gewerkschaften.

 

 

I.

Stand der Gewerkschaftsbewegung.

 

1.

Im Verlauf der beiden letzten Jahre, die gekennzeichnet sind durch den allgemeinen Angriff des Kapitals wurde die Gewerkschaftsbewegung in allen Ländern merklich geschwächt. Mit wenigen Ausnahmen (Deutschland, Österreich) haben die Gewerkschaften eine große Zahl ihrer Mitglieder verloren. Dieser Rückgang erklärt sich gleichzeitig durch die starke Offensive der Bourgeoisie und durch die Ohnmacht der reformistischen Gewerkschaften, dem kapitalistischen Angriff ernsthaften Widerstand zu leisten und die elementarsten Interessen der Arbeiter zu verteidigen.

 

2.

Gegenüber dieser kapitalistischen Offensive einerseits und dem Fortbestehen der Zusammenarbeit der Klassen andererseits, sind die werktätigen Massen mehr und mehr enttäuscht: daher kommen nicht allein ihre Versuche neue Organisationen zu schaffen, sondern auch die Zerstreuung einer großen Anzahl von Arbeitern, die weniger klassenbewusst sind, welche die Organisationen verlassen. Die Gewerkschaft hat für viele aufgehört ein Punkt der Anziehung zu sein, weil sie es nicht verstanden hat und in vielen Fällen nicht verstehen wollte, den Angriff des Kapitals aufzuhalten und die schon eroberten Positionen zu verteidigen. Die Unfruchtbarkeit des Reformismus hat sich augenscheinlich in der Praxis offenbart.

 

3.

Die Gewerkschaftsbewegung trägt in allen Ländern den Charakter einer inneren Unbeständigkeit. Ziemlich zahlreiche Gruppen von Arbeitern hören nicht auf, sich von ihr loszulösen, während die Reformisten eifrigst in ihrer Politik der Arbeitsgemeinschaften fortfahren unter dem Vorwande „das Kapital zugunsten der Arbeiter auszunützen“. In der Tat hat das Kapital fortwährend die reformistischen Organisationen seinen Interessen nutzbar gemacht, indem es sie zu Helfershelfern bei der Herabdrückung der Lebenshaltung der Massen benutzte. Die verflossene Periode hat besonders das Band verstärkt, welches schon zwischen den Regierungen und den reformistischen Führern bestand, ebenso wie die Unterordnung der Interessen der Arbeiterklasse unter diejenigen der herrschenden Schichten.

 

II.

Der Angriff Amsterdams gegen die revolutionären Gewerkschaften.

 

4.

Im selben Augenblick, wo sie auf der ganzen Linie dem bürgerlichen Druck wichen, begannen die reformistischen Führer ihren Angriff gegen die revolutionären Arbeiter. Da sie sahen, dass ihr Mangel an Willen, den Widerstand gegen das Kapital zu organisieren, eine tiefe Erbitterung in den arbeitenden Massen hervorgebracht hatte, und entschlossen waren, die Organisationen von revolutionären Keimen zu reinigen, unternahmen sie gegen die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung einen regelrechten Angriff, der zum Ziel hatte, die revolutionären Minderheiten durch alle Mittel, die in ihrer Macht standen, zu zersetzen und zu demoralisieren und die Befestigung der erschütterten Herrschaft der Bourgeoisie zu erleichtern.

 

5.

Um ihre Autorität zu erhalten, zögerten die Führer der Amsterdamer Internationale nicht, nicht allein die einzelnen Personen oder Gruppen auszuschließen, sondern ganze Organisationen. Um nichts in der Welt wollen die Leute von Amsterdam in der Minderheit bleiben und im Falle der Drohung der revolutionären Elemente, der Anhänger der RGI und der Kommunistischen Internationale, haben sie sich entschlossen, die Spaltung hervorzurufen, vorausgesetzt, dass sie sich dabei den Verwaltungsapparat und die materiellen Quellen erhalten können. So haben es die Führer der französischen CGT gemacht; auf demselben Wege befinden sich die Reformisten der Tschechoslowakei und die Führer des deutschen ADGB. Die Interessen der Bourgeoisie verlangen die Spaltung der Gewerkschaftsbewegung.

 

6.

Zu gleicher Zeit, als der reformistische Angriff in den verschiedenen Ländern begann, begann der gleiche Angriff in der ganzen Welt. Die internationalen Verbände, die Anhänger von Amsterdam sind, schlossen systematisch die entsprechenden nationalen revolutionären Verbände aus oder weigerten sich, sie zuzulassen. So haben die internationalen Kongresse der Erdarbeiter, der Textilarbeiter, der Angestellten, der Leder- und Häutearbeiter, der Holzarbeiter, der Bauarbeiter und der Post- und Telegraphenangestellten sich geweigert, die russischen Gewerkschaften und die anderen revolutionären Gewerkschaften zuzulassen, weil diese letzteren der RGI angehören.

 

7.

Dieser Feldzug der Amsterdamer gegen die revolutionären Gewerkschaften ist ein Ausdruck des Feldzuges des internationalen Kapitals gegen die Arbeiterklasse. Er verfolgt dieselben Ziele:

das kapitalistische System zu befestigen auf den Knochen der arbeitenden Massen. Den Reformismus bedrängt sein nahes Ende; er will vermittels der Ausschlüsse und der Abspaltung der kampffreudigsten Elemente die Arbeiterklasse bis zum äußersten schwächen, um sie unfähig zu machen, die Macht und die Produktionsmittel zu erobern.

 

III.

Die Anarchisten und der Kommunismus.

 

8.

Zu gleicher Zeit wurde eine „Offensive“, die derjenigen der Amsterdamer ziemlich ähnlich war, durch den anarchistischen Flügel der Arbeiterbewegung gegen die Kommunistische Internationale, die kommunistischen Parteien und die kommunistischen Zellen der Gewerkschaften gerichtet. Eine gewisse Zahl von anarcho-syndikalistischen Organisationen erklärte sich offen zu Feinden der Kommunistischen Internationale und der russischen Revolution, trotz ihres feierlichen Anschlusses an die Kommunistische Internationale im Jahre 1920 und ihrer Sympathiekundgebung für das Russische Proletariat und für die Oktoberrevolution: so die italienischen Syndikalisten, die lokal organisierten Deutschen, die spanischen Anarcho-Syndikalisten und verschiedene anarcho-syndikalistische Gruppen Frankreichs, Hollands und Schwedens.

 

9.

Im Namen der gewerkschaftlichen Autonomie schlossen gewisse syndikalistische Organisationen (Nationales Sekretariat der Arbeiter Hollands, IWW, die italienische Syndikalisten-Vereinigung usw.) die Anhänger der RGI im Allgemeinen und die Kommunisten im Besonderen aus. So ist die Parole der Unabhängigkeit, nachdem sie über-revolutionär gewesen ist, antikommunistisch geworden, d.h. konterrevolutionär, und stimmt überein mit derjenigen von Amsterdam, die dieselbe Politik unter der Fahne der Unabhängigkeit macht, obwohl es für niemand mehr ein Geheimnis ist, dass sie ganz und gar von der nationalen und internationalen Bourgeoisie abhängig ist.

 

10.

Die Aktion der Anarchisten gegen die Komintern und RGI und die russische Revolution haben Spaltung und Verwirrung in ihre eigenen Reihen gebracht. Die besten Elemente der Arbeiterschaft haben gegen diese Ideologie protestiert. Der Anarchismus und der Anarcho-Syndikalismus haben sich in mehrere Gruppen und Richtungen gespalten, die einen erbitterten Kampf für oder gegen die RGI, für oder gegen die proletarische Diktatur, für oder gegen die russische Revolution führen.

 

IV.

Neutralität und Unabhängigkeit.

 

11.

Der Einfluss der Bourgeoisie auf das Proletariat findet seinen Ausdruck in der Theorie der Neutralität: die Gewerkschaften dürfen sich ausschließlich rein zünftige, eng wirtschaftliche Ziele stecken, und keineswegs allgemeine Klassenziele. Die Neutralität ist immer eine rein bürgerliche Lehre gewesen, gegen welche der revolutionäre Marxismus entschieden einen Kampf führt. Gewerkschaften, die sich keine Klassenziele stecken, d. h. die nicht den Sturz des kapitalistischen Systems ins Auge fassen, sind, trotz ihrer proletarischen Zusammensetzung, die besten Verteidiger der bürgerlichen Gesellschaftsordnung.

 

12.

Diese Theorie der Neutralität hat sich immer auf das Argument gestützt, dass die Gewerkschaften sich nur für wirtschaftliche Fragen interessieren dürfen, ohne sich in die Politik zu mischen. Die Bourgeoisie hat immer die Tendenz, die Politik von der Wirtschaft zu trennen, da sie vollkommen begreift, dass, wenn es ihr gelingt, die Arbeiterklasse in die Rahmen der Zunftinteressen hineinzudrängen, keine ernsthafte Gefahr ihre Herrschaft bedroht.

 

13.

Dieselbe Grenze zwischen Wirtschaft und Politik wird auch durch die anarchistischen Elemente der Gewerkschaftsbewegung gezogen, um die Arbeiterbewegung von dem politischen Wege abzulenken unter dem Vorwande, dass jede Politik gegen die Arbeiter gerichtet sei. Diese Theorie, im Grunde rein bürgerlich, wird den Arbeitern dargeboten, als diejenige der gewerkschaftlichen Unabhängigkeit, und man versteht die letztere als Gegensatz der Gewerkschaften zu den kommunistischen Parteien und eine Kriegserklärung an die kommunistische Arbeiterbewegung, immer im Namen der berüchtigten Unabhängigkeit und Autonomie.

 

14.

Dieser Kampf gegen die „Politik“ und die politischen Parteien der Arbeiterklasse bringt einen Rückgang der Arbeiterbewegung und der Arbeiterorganisationen hervor, ebenso wie einen Feldzug gegen den Kommunismus, den konzentrierten Ausdruck des Klassenbewusstseins des Proletariats. Die Unabhängigkeit in allen ihren Formen, ob sie anarchistisch oder anarchosyndikalistisch sei, ist eine antikommunistische Lehre, und der entschiedenste Widerstand muss ihr entgegen gesetzt werden, denn im besten Falle hat sie eine Unabhängigkeit vom Kommunismus und einen Antagonismus zwischen Gewerkschaft und kommunistischen Parteien zu Folge, wenn sie nicht zu einem erbitterten Kampf der Gewerkschaften gegen die kommunistischen Parteien, den Kommunismus und die soziale Revolution führt.

 

15.

Die Theorie der Autonomie, so wie sie dargelegt wird durch die französischen, italienischen und spanischen Anarcho-Syndikalisten, ist ihrem Wesen nach die Kampflosung des Anarchismus gegen den Kommunismus. Die Kommunisten müssen von innen heraus in den Gewerkschaften einen entschiedenen Feldzug führen gegen dieses Bestreben, unter der Flagge der Autonomie den anarchistischen Schund einzuschmuggeln, und die Arbeiterbewegung in Teile zu zerspalten, die einander befehden, um den Triumph der Arbeiterklasse zu verlangsamen und aufzuhalten.

 

 

V.

Syndikalismus und Kommunismus.

 

16.

Die Anarcho-Syndikalisten verwechseln Gewerkschaften und Syndikalismus, indem sie ihre anarcho-syndikalistische Partei als die einzige Organisation hinstellen, die wahrhaft revolutionär ist und fähig, die Aktion des Proletariats bis ans Ende zu führen. Der Syndikalismus, der einen ungeheuren Fortschritt gegenüber dem Trade-Unionismus darstellt, schließt trotzdem zahlreiche Fehler und üble Seiten in sich, denen man mit äußerster Festigkeit widerstehen muss.

 

17.

Die Kommunisten können und dürfen nicht im Namen abstrakter anarcho-syndikalistischer Prinzipien ihr Recht aufgeben, innerhalb der Gewerkschaften welches auch immer deren Orientierung sei, „Zellen“ zu organisieren. Dieses Recht kann ihnen niemand nehmen. Es ist selbstverständlich, dass die Kommunisten, welche innerhalb der Gewerkschaften kämpfen, ihre Aktion mit derjenigen der Syndikalisten, welche aus den Erfahrungen des Krieges und der Revolution gelernt haben, verbinden müssen.

 

18.

Die Kommunisten müssen die Initiative ergreifen, innerhalb der Gewerkschaften einen Block mit den revolutionären Arbeitern anderer Richtungen zu schaffen. Die dem Kommunismus Nächststehenden sind die Syndikalisten-Kommunisten, die die Notwendigkeit der proletarischen Diktatur anerkennen und gegen die Anarcho-Syndikalisten das Prinzip des Arbeiterstaates verteidigen. Aber die Gemeinsamkeit der Aktion setzt eine Organisation der Kommunisten voraus. Unorganisierte, vereinzelt handelnde Kommunisten würden nicht imstande sein, mit wem es auch sei, zusammenzuwirken, weil sie keine ernsthafte Macht darstellen würden.

 

19.

Indem sie in der energischsten und konsequentesten Form ihre Prinzipien durchführen, indem sie die antikommunistischen Theorien der Unabhängigkeit und der Trennung von Politik und Wirtschaft, diese dem revolutionären Fortschritt der Arbeiterklasse so schädliche Auffassung, bekämpfen, müssen die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaften aller Richtungen sich bemühen, ihre Aktion im praktischen Kampf gegen den Reformismus und die anarcho-syndikalistische Spiegelfechterei in Übereinstimmung zu bringen mit allen revolutionären Elementen, die für den Umsturz des Kapitalismus und die Diktatur des Proletariats eintreten.

 

20.

In den Ländern, in denen wichtige syndikalistisch-revolutionäre gewerkschaftliche Organisationen (Frankreich) bestehen, und wo unter dem Einfluss einer ganzen Reihe von historischen Ursachen dass Misstrauen gegen die politischen Parteien bei gewissen Schichten der revolutionären Arbeiter fortbesteht, müssen die Kommunisten, in Übereinstimmung mit den Syndikalisten, entsprechend den Besonderheiten des Landes und der in Frage stehenden Arbeiterbewegung, die Formen und Methoden des gemeinsamen Kampfes und der Zusammenarbeit in allen Aktionen des Angriffs und der Verteidigung gegen das Kapital herausarbeiten.

 

VI.

Der Kampf um die Einheit der Gewerkschaften.

 

21.

Die Parole der Kommunistischen Internationale gegen die Spaltung der Gewerkschaften muss auch fernerhin mit unverminderter Energie angewendet werden, trotz der wütenden Verfolgungen, denen die Reformisten aller Länder die Kommunisten aussetzen. Die Reformisten wollen durch die Ausschlüsse die Spaltung hervorrufen. Indem sie systematisch die besten Elemente aus den Gewerkschaften vertreiben, hoffen sie, dass die Kommunisten ihre Kaltblütigkeit verlieren, aus den Gewerkschaften hinausgehen und so den tief bedachten Plan der Eroberung der Gewerkschaften von innen heraus aufgeben, indem sie sich für die Spaltung entscheiden. Aber die Reformisten sollen dieses Resultat nicht erreichen.

 

22.

Die Spaltung der Gewerkschaftsbewegung, besonders unter den gegenwärtigen Bedingungen, stellt die größte Gefahr für die gesamte Arbeiterbewegung dar. Die Spaltung der Gewerkschaften würde die Arbeiterklasse um mehrere Jahre zurückwerfen, denn die Bourgeoisie könnte dann leicht die elementarsten Eroberungen der Arbeiterschaft rückgängig machen. Die Kommunisten müssen unbedingt die Spaltung der Gewerkschaften mit allen Mitteln, mit allen Kräften ihrer Organisation verhindern, sie müssen dem verbrecherischen Leichtsinn, mit welchem die Reformisten die Gewerkschaftseinheit zerstückeln, Einhalt tun.

 

23.

In den Ländern, wo zwei Gewerkschaftszentralen nebeneinander bestehen (Spanien, Frankreich, Tschechoslowakei etc.), sollen die Kommunisten für die Verschmelzung der nebeneinander bestehenden Organisationen kämpfen. Da dieses Ziel der Verschmelzung der Gewerkschaften, die schon gespalten sind, gegeben ist, ist es nicht vernünftig, einzelne Kommunisten und revolutionäre Arbeiter aus den reformistischen Gewerkschaften herauszureißen, um sie in revolutionäre Gewerkschaften zu versetzen. Keine einzige reformistische Gewerkschaft soll des kommunistischen Gärungsstoffes beraubt werden. Eine tatkräftige Arbeit der Kommunisten in beiden Organisationen ist eine Vorbedingung der Wiederherstellung der zerstörten Einheit.

 

24.

Die Erhaltung der Gewerkschaftseinheit, ebenso wie die Wiederherstellung der zerstörten Einheit sind nur möglich, wenn die Kommunisten im Voraus ein Arbeitsprogramm für jedes Land und für jeden Industriezweig aufstellen; auf dem Boden einer praktischen Arbeit, eines praktischen Kampfes kann man die zerstreuten Elemente der Arbeiterbewegung sammeln und im Falle einer gewerkschaftlichen Spaltung die Voraussetzungen für eine organisatorische Wiedervereinigung schaffen. Jeder Kommunist muss im Auge behalten, dass die Spaltung der Gewerkschaften nicht nur die augenblicklichen Eroberungen der Arbeiterklasse bedroht, sondern eine Drohung für die soziale Revolution ist. Die Versuche der Reformisten, die Gewerkschaften zu spalten, müssen im Keim erstickt werden, aber dies kann nur erreicht werden durch energische, organisatorische und politische Arbeit in den Arbeitermassen.

 

VII.

Der Kampf gegen den Ausschluss der Kommunisten.

 

25.

Die Ausschlüsse der Kommunisten haben zum Ziel, die revolutionäre Bewegung zu verwirren, indem sie die Führer von den Arbeitermassen trennen. Daher können sich die Kommunisten nicht mehr auf die Formen und Methoden des Kampfes beschränken, die sie bis jetzt angewendet haben. Die Gewerkschaftsbewegung der Welt ist an einem kritischen Punkt angelangt. Der Wille der Reformisten zur Spaltung hat sich gesteigert, unser Wille zur Einheit der Gewerkschaften ist durch zahlreiche Tatsachen bestätigt, und die Kommunisten müssen in der Zukunft praktisch zeigen, welchen Wert sie auf die Einheit der Gewerkschaftsbewegung legen.

 

26.

Je augenscheinlicher die Spaltungstendenz unserer Feinde wird, mit desto mehr Kraft müssen wir das Problem der Einheit der Gewerkschaftsbewegung hervorheben. Keine einzige Fabrik, kein einziger Betrieb, keine Arbeiterversammlung darf vergessen werden, überall muss man Protest gegen die Taktik von Amsterdam erheben. Das Problem der Spaltung der Gewerkschaften muss vor jeden Gewerkschaftler gestellt werden, nicht nur in dem Augenblick, wo die Spaltung unmittelbar bevorsteht, sondern schon dann, wenn sie vorbereitet wird. Die Frage des Ausschlusses der Kommunisten aus der Gewerkschaftsbewegung muss auf die Tagesordnung der gesamten Gewerkschaftsbewegung aller Länder gestellt werden. Die Kommunisten sind stark genug, um sich nicht wortlos abwürgen zu lassen. Die Arbeiterklasse soll wissen, wer für die Spaltung und wer für die Einheit ist.

 

27.

Der Ausschluss der Kommunisten nach ihrer Wahl durch die lokalen Organisationen darf nicht allein Proteste gegen die Vergewaltigung des Willens der Wähler hervorrufen, ein solcher Ausschluss muss einen entschlossenen, gut organisierten Widerstand zu Folge haben. Die Ausgeschlossenen dürfen nicht zerstreut werden. Die wichtigste Aufgabe der Kommunistischen Partei besteht darin, nicht zuzugeben, dass die ausgeschlossenen Elemente auseinander gehen. Sie müssen sich in Gewerkschaften der Ausgeschlossenen organisieren und zum Mittelpunkt ihrer politischen Arbeit die Parole ihrer Wiederaufnahme in die Gewerkschaften machen.

 

28.

Der Kampf gegen den Ausschluss ist in der Tat ein Kampf um die Einheit in der Gewerkschaftsbewegung. Hier sind alle Maßregeln gut, welche auf die Wiederherstellung der zerstörten Einheit hinzielen. Die Ausgeschlossenen dürfen nicht isoliert und abgeschnitten von der gesamten Opposition bleiben, sowie von den bestehenden revolutionären unabhängigen Organisationen. Die ausgeschlossenen Gruppen sollen sich sofort eng an die Opposition in den Gewerkschaften und den revolutionären Organisationen, die in dem betreffenden Lande bestehen, anschließen unter dem Gesichtspunkt eines gemeinsamen Kampfes gegen den Ausschluss und zur Gemeinsamkeit der Aktion im Kampf gegen das Kapital.

 

29.

Die praktischen Maßnahmen des Kampfes können und sollen vervollständigt und verändert werden in Übereinstimmung mit den örtlichen Bedingungen und Besonderheiten. Es ist wichtig, dass die kommunistischen Parteien klar ihren Standpunkt gegen die Spaltung einnehmen und alles tun, was in ihrer Macht steht, um die Woge der Ausschlüsse zu überwinden, welche sich fühlbar verstärkt hat im Zusammenhang mit dem Beginn der Verschmelzung der 2. und 2½ Internationale. Es gibt keine allgemeinen und endgültigen Mittel und Methoden im Kampf gegen die Ausschlüsse. Unter diesem Gesichtspunkt haben alle kommunistischen Parteien die Möglichkeit, mit den Mitteln zu kämpfen, die ihnen als die wichtigsten erscheinen, um zum Ziel zu kommen: der Eroberung der Gewerkschaften und die Wiederherstellung der zerstörten Gewerkschaftseinheit.

 

30.

Die Kommunisten sollen den energischsten Kampf entfalten gegen den Ausschluss der revolutionären Gewerkschaften aus den internationalen Industrieverbänden. Die kommunistischen Parteien können und wollen nicht müßige Zuschauer bleiben beim systematischen Ausschluss der revolutionären Gewerkschaften aus dem einfachen Grunde, weil sie revolutionär sind. Den internationalen Komitees für die Propaganda in den Betrieben, die durch die RGI geschaffen sind, muss die eifrigste Hilfe seitens der kommunistischen Parteien zuteil werden, derart dass alle verfügbaren revolutionären Kräfte eingestellt werden für das Ziel, zu kämpfen für die Schaffung von internationalen einheitlichen Industrieverbänden.

Dieser ganze Kampf muss geführt werden unter der Parole der Zulassung aller Gewerkschaften ohne Unterschied der Richtung, ohne Unterschied der politischen Strömung zu einer einzigen Industrieorganisation.

 

Schluss.

 

Indem er seinen Weg der Eroberung der Gewerkschaften und des Kampfes gegen die Spaltungspolitik der Reformisten verfolgt, erklärt der 4. Kongress der Komintern feierlichst, dass jedes Mal, wenn die Amsterdamer ihre Zuflucht nicht zu den Ausschlüssen nehmen werden, jedes Mal wenn sie den Kommunisten die Möglichkeit geben werden, mit geistigen Waffen für ihre Prinzipien innerhalb der Gewerkschaften zu kämpfen, die Kommunisten als disziplinierte Mitglieder in den in den Reihen der einigen Organisation kämpfen, indem sie bei allen Zusammenstößen und allen Konflikten mit der Bourgeoisie in. den vordersten Reihen stehen werden.

Der IV. Kongress der Kommunistischen Internationale macht es allen kommunistischen Parteien zur Pflicht, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um die Gewerkschaftsspaltung zu verhindern, um die Einigkeit der Gewerkschaftsbewegung, dort wo sie zerstört ist, wiederherzustellen, und den Anschluss der Gewerkschaftsbewegung des betreffenden Landes an die Rote Gewerkschafts-Internationale zu erlangen.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komintern

[ Kommunistische Internationale ]