DEUTSCH

 

 

KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE

 

IV. Weltkongress

 

Die kommunistische Arbeit unter den Frauen


Clara Zetkin



(27. November 1922, Referat in der 24. Sitzung des IV. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale)


[Protokoll des IV. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale, Petrograd-Moskau vom 5. November bis 5. Dezember 1922. Hamburg 1923, 24. Sitzung, S. 725-738]


CLARA ZETKIN

(mit lebhaftem Beifall begrüßt):

Genossinnen und Genossen!

Dem Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Frauensekretariats der Exekutive und über die Entwicklung der kommunistischen Arbeit unter den Frauen muss ich einige kurze Bemerkungen vorausschicken. Sie mögen an sich überflüssig erscheinen. Denn sie wiederholen nur Feststehendes, Beschlossenes, aber sie sind trotzdem notwendig, denn wir stehen vor der Tatsache. dass noch immer Missverständnisse über unsere Arbeit herrschen, und das nicht nur in den Reihen der Gegner, sondern auch in den Reihen der eigenen Genossen, bei Männern wie Frauen, Missverständnisse über das, was die kommunistische Arbeit unter den Frauen ist und welche Aufgaben den Organen der nationalen Sektionen und der Internationale dafür zufallen, Missverständnisse, die bei den einen offenbar als Überbleibsel einer alten, früheren Auffassung fortwirken, während sie von manchen anderen freiwillig hervorgesucht werden, weil sie letzten Endes der Sache selbst nicht sympathisch, ja zum Teil sehr ablehnend gegenüberstehen.
Das Internationale Frauensekretariat für die kommunistische Arbeit unter den Frauen ist nicht, wie manche wähnen, die Zusammenfassung selbständiger Organisation und Bewegung von Frauen, sondern es ist nichts als ein Hilfsorgan der Exekutive der Komintern. Es arbeitet nicht nur in steter enger Fühlung mit der Exekutive, sondern unmittelbar unter ihrer Leitung und Führung. Was wir gewöhnlich als Kommunistische Frauenbewegung bezeichnen, ist durchaus nicht eine selbständige Bewegung von Frauen und hat nichts mit irgendwelchen frauenrechtlerischen Tendenzen gemein. Es bedeutet die planmäßige kommunistische Arbeit unter den Frauen zu einem doppelten Zweck. Nämlich einmal, um die Frauen, die bereits von der kommunistischen Idee erfüllt sind, ideologisch und organisatorisch fest in die einzelnen nationalen Sektionen der Kommunistischen Internationale einzugliedern und sie hier zu tätigen, bewussten Mitarbeiterinnen und Mitträgerinnen des gesamten Lebens und Webens dieser Sektionen zu machen, und zum anderen, um die Frauen, die noch nicht von der kommunistischen Idee beseelt sind, für diese zu gewinnen und zu allen Aktionen und Kämpfen des Proletariats heranzuziehen. Massen von schaffenden Frauen sollen für solche Kämpfe mobilisiert und tüchtig gemacht werden. Es gibt keine Arbeit, keinen Kampf der kommunistischen Parteien in den einzelnen Ländern, den mit zu tragen und mit zu schlagen wir Frauen nicht als unsere erste und vornehmste Pflicht empfinden. Ja noch mehr, wir haben den Ehrgeiz, bei der Arbeit und bei den Kämpfen der kommunistischen Parteien und der sie zusammenfassenden Internationale im ersten Gliede und im dichtesten Kugelregen zu stehen, aber auch bei der bescheidensten Alltagsarbeit mit Eifer voraus zu sein.
Es hat sich eins herausgestellt. Bei aller festen ideologischen und organischen Verknüpfung der kommunistischen Arbeit unter den Frauen mit dem Leben der einzelnen Parteien bedürfen wir besonderer Organe, um diese Arbeit auszuführen. Gewiss! Die kommunistische Arbeit unter den Frauen soll nicht Frauensache sein, sondern Sache der Gesamtheit, Sache der Kommunistischen Partei jedes Landes, Sache der Kommunistischen Internationale. Wenn wir jedoch dieses Ziel erreichen wollen, so ist es notwendig, dass überall Parteiorgane vorhanden sind, die die kommunistische Arbeit unter den Frauen einheitlich und planmäßig durchführen, leiten und auf dieses Ziel gerichtet halten, mag man diese Organe Frauensekretariate, Frauenabteilungen oder sonst wie nennen. Gewiss bestreiten wir nicht die Möglichkeit, dass unter besonders günstigen Umständen eine einzelne starke Persönlichkeit, sei es ein Genosse oder eine Genossin, die gleiche kommunistische Arbeit unter den Frauen eines Ortes oder eines ganzen Bezirkes leisten kann. Allein mit wie großer Bewunderung wir auch auf solche individuellen Leistungen innerhalb der Partei blicken, immer werden wir uns sagen müssen, wenn an Stelle der planmäßigen Arbeit der einen Persönlichkeit ein planmäßiges Zusammenwirken vieler stattfände, so würde unstreitig die Wirkung, der Nutzeffekt für den Kommunismus noch größer sein. Deshalb muss das Zusammenwirken vieler zu einem Ziele innerhalb der Partei und innerhalb der Internationale auch für das kommunistische Wirken unter den Frauen die Losung sein. Es hat sich dabei als eine Forderung der Zweckmäßigkeit, praktischer Arbeitsteilung innerhalb der Partei herausgestellt, dass in ihren besonderen Organen für die kommunistische Frauenarbeit in erster Linie und am besten Frauen tätig sind. Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand. Wir kommen an der geschichtlichen Tatsache nicht vorüber, dass die breiten Frauenmassen auch heute noch unter sozialen Sonderbedingungen leben und weben. Wir kommen nicht an der geschichtlichen Tatsache vorüber, dass die Sonderstellung des weiblichen Geschlechtes in der Gesellschaft auch eine besondere weibliche Psychologie geschaffen hat. Das von der Natur als Geschlecht Gegebene und das von den sozialen Einrichtungen und Zuständen geschichtlich Geschaffene verschlingt sich miteinander. So gut wir mit einer besonderen Psychologie der bäuerlichen Massen rechnen müssen, auf Grund ihrer konkreten Lebensbedingungen, so müssen wir auch mit einer besonderen Psychologie der breitesten Frauenmassen rechnen. Daraus folgt, dass im allgemeinen — ich unterstreiche das Wort “allgemeinen” — die Frauen selbst am besten, scharfsinnigsten und raschesten die Ansatzpunkte im Leben der schaffenden Frauen erkennen, wo sie mit der kommunistischen Arbeit zu beginnen haben. Ferner, dass die Frauen auch im Allgemeinen besser die erfolgreichsten Methoden und Formen der kommunistischen Betätigung in den tiefen Frauenschichten der Ausgebeuteten und Empordrängenden finden werden. Aber selbstverständlich gilt das nur im Allgemeinen. Wie wir Kommunisten es als unsere Pflicht und als unser Ehrenrecht betrachten, an jeder Betätigung der Partei teilzunehmen, von der unscheinbarsten Arbeit des Austragens von Flugblättern an bis zu den gewaltigen Kämpfen um die Entscheidung, und wie wir es als Beleidigung empfinden würden, wenn man uns als minderwertig erachtet, im gesamten großen geschichtlichen Leben unserer Partei und der Kommunistischen Internationale teilzunehmen, so ist uns auch jeder Mann bei der besonderen kommunistischen Arbeit unter den Frauen willkommen. Das gilt sowohl für unsere Organe, wie für unsere gesamte Tätigkeit in ihren verschiedenen Äußerungen und Gebieten.
Genossen und Genossinnen! Während des letzten Jahres hat sich der Wert der Frauenorgane für die kommunistische Arbeit unter den Frauen, sowohl positiv als negativ, gezeigt. Positiv in den Ländern, wo die kommunistischen Sektionen der Internationale sich solche Sonderorgane geschaffen haben. So in Bulgarien und Deutschland, wo die Frauensekretariate darauf hinwirken, die vorliegenden Aufgaben zu erfüllen, die Kommunistinnen zu organisieren und zu schulen, die schaffenden Frauen zu mobilisieren und in die sozialen Kämpfe zu führen. Dort ist die Kommunistische Frauenbewegung zu einer Stärke, zu einer Kraft des allgemeinen kommunistischen Parteilebens geworden.
Kein Zweifel, in diesen Ländern haben wir zahlreiche Frauen als Mitglieder und Mittätige in der Partei und immer größere Frauenmassen als Mitkämpferinnen außerhalb der Partei. Das gleiche gilt in dem Lande, das ich zuletzt nenne, das aber seiner Bedeutung nach an erster Stelle steht, von Sowjetrussland, In Sowjetrussland haben die Frauenabteilungen der Kommunistischen Partei in stetem Zusammenwirken mit dieser Partei und unter ihrer Führung bewiesen, wie bedeutsam und unentbehrlich die Mitwirkung der Frauen gerade jetzt ist, in dieser schwierigen Periode der Umwälzung der Wirtschaft und Gesellschaft unter der Sowjet-Macht zum Kommunismus. Von höchster Wichtigkeit ist, was unsere russischen Genossinnen durch die Frauenabteilungen mit Hilfe, im Einvernehmen mit der Partei und von ihr geleitet, geleistet haben und noch leisten, um die Massen der Arbeiterinnen, der Bäuerinnen auf allen Gebieten der Wirtschaft, auf allen Gebieten des sozialen Lebens zur Mitwirkung am Aufbau neuer Verhältnisse heranzuziehen, zur Mitwirkung heranziehen, um die auftauchenden schweren Probleme zu bewältigen, wie z. B. die Arbeitslosigkeit, die Lebensmittelknappheit, die Probleme, die mit der Umwälzung unter den gegebenen historischen Umständen verbunden sind; heranzuziehen zur Mitarbeit bei der Neugestaltung der Gesellschaft in der Richtung zum Kommunismus. Ich sage, was die Sonder-Organe der Kommunistischen Partei Sowjetrusslands für die Arbeit unter den Frauen in dieser Beziehung geleistet haben und leisten, ist von beispielgebender und richtungweisender Bedeutung. Denn wir wissen eins. Sowjetrussland ist der erste Typus, der in der Übergangszeit vom Kapitalismus zum Sozialismus als Träger dieser gewaltigen Umwälzung der Gesellschaft vor uns steht. Die nämlichen Probleme, die nämlichen Aufgaben, die dort vor der Kommunistischen Partei und vor dem Proletariat sich aufrecken, werden eines Tages — hoffentlich recht bald —‚ wenn auch unter anderen Umständen, die Probleme und Aufgaben dar kommunistischen Parteien und dem Proletariats auch in den Staaten sein, die heute noch unter der kapitalistischen Klassenherrschaft seufzen. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, was späterhin unsere Gen. Smidowitsch über diese Arbeit der Frauenabteilungen der KPR. uns berichten wird.
Nun, Genossen und Genossinnen, die negativen Beispiele dafür, wie nötig es ist, dass die kommunistischen Parteien Sonderorgane haben für das Wirken unter den Frauen. Sie werden gegeben durch die geringe Beteiligung der Frauen am kommunistischen Parteileben und des weiblichen Proletariats an den Kämpfen ihrer Klasse in Ländern, wo Frauensekretariate usw. fehlen oder wieder aufgelöst worden sind. In Polen hat es die Partei bis jetzt abgelehnt, Sonderorgane für die Arbeit unter den Frauen zu schaffen. Es genügte der Kommunistischen Partei, dass Frauen mit höchsten Leistungen in Reih und Glied kämpften, dass bei Streiks, bei Massenbewegungen auch die Beteiligung von Frauen nicht fehlte. Aber man beginnt sich zu überzeugen, dass das nicht genügt, um mit der kommunistischen Bewegung in die Tiefen des weiblichen Proletariats zu dringen. Wir hoffen, dass in Polen sehr bald mit einem Frauensekretariat der Partei der Ausgangspunkt für die planmäßige Bearbeitung der breitesten arbeitenden Frauenschichten geschaffen wird, Dann werden gerade in Polen, mit der glorreichen kampferfüllten Vergangenheit, in der Kommunistischen Partei die schaffenden Frauen in Stadt und Land eine ganz andere, eine vorwärts treibende Rolle spielen, als heutzutage. Bei den letzten Sejmwahlen hat sich gezeigt, dass die Reaktion und die Beschwindlung der Massen in der von der kommunistischen Idee nicht erfassten, unaufgeklärten Frauenmassen eine ihrer festesten Stützen hatten. Das darf sich nicht wiederholen.
Die Parteiorgane für die nötige systematische Betätigung unter dem weiblichen Proletariat fehlen so gut wie vollständig in England. Die Kommunistische Partei Englands hat es unter Berufung auf ihre schwachen materiellen Kräfte im vorigen Jahr immer und immer wieder unterlassen oder hinausgeschoben, die notwendigen Einrichtungen für eine planmäßige Bearbeitung der Proletarierinnen zu schaffen. Die Anregungen, die Mahnungen des Internationalen Frauensekretariats in dieser Hinsicht sind vergebens geblieben. Kein eigentliches Frauensekretariat wurde errichtet, wenngleich eine Genossin als allgemeine Parteiagitatorin angestellt war. Genossinnen haben in England aus eigener Kraft mit bescheidenen Mitteln Veranstaltungen zur politischen Schulung der kommunistischen Frauen und zu ihrer festen Verbindung mit der Partei geschaffen. Diese Veranstaltungen haben so gute Resultate erzielt, dass sie zur Einrichtung ähnlicher Bildungsanstalten für die Kommunistische Partei vorbildlich werden sollen. Das Verhalten der Exekutive der Kommunistischen Partei Englands erklärt sich meiner Meinung nach nicht bloß aus ihrer finanziellen Schwäche, sondern zum Teil auch aus der Jugend und den damit zusammenhängenden Mängeln der Organisation. Ich will hier nicht in eine Kritik der Partei eintreten, und das um so weniger, als ihr letzter Kongress gezeigt hat, dass die Kommunistische Partei Englands entschlossen auf dem Wege ist, in fester Einheit mit der Kommunistischen Internationale sowohl organisatorisch wie politisch vorwärts zu schreiten, sich arbeitend, kämpfend zur revolutionären Massenpartei zu entwickeln.
Wir haben den Beweis des ernsten Willens und seines praktischen Erfolges vor uns in Gestalt der Wahlsiege der Kommunistischen Partei bei den letzten Wahlen in England. Aber dieser Wahlsieg, wie die beschlossene politische Aktivität und Reorganisation verpflichten die Kommunistische Partei Englands jetzt, wo sie aus dem engen Stübchen einer mehr propagandistisch gestimmten kleinen Partei heraustritt unter die Massen der Arbeiterklasse, auch ferner den Kampf aufzunehmen um die Seele der proletarischen Frauen. Die englische Sektion der Internationale kann nicht an der Tatsache vorübergehen, dass in England viele Millionen der proletarischen Frauen organisiert sind in frauenrechtlichen Vereinigungen, in Frauengewerkschaften alten Stils, in Konsumgenossenschaften usw., in der Labour Party, in der Independent Labour Party. Für die Kommunistische Partei gilt es, mit allen diesen Organisationen um das Hirn, um das Herz, um den Willen, um die Tat der proletarischen Frauen zu ringen. Deshalb wird sie, je länger je stärker, die Notwendigkeit empfinden, die besonderen Arbeitsorgane zu schaffen, mittels deren sie die Kommunistinnen in der Partei organisiert und schult und die Proletarierinnen außerhalb der Partei zu opferbereiten Kämpferinnen ihrer Klasse macht. Das Internationale Frauensekretariat, als Beauftragte, als Hilfsorgan der Exekutive, wird selbstverständlich der Partei dabei behilflich sein.
Eine besondere Erwähnung verdienen die einschlägigen Verhältnisse in Frankreich. In Frankreich brachte der Kongress zu Marseille einen großen Fortschritt zur Schaffung einer revolutionären, einer proletarischen Frauenbewegung. Zum ersten Male wurden in Frankreich die in der Frauenwelt sich regenden revolutionären Kräfte organisatorisch zusammengefasst, und das in der Kommunistischen Partei. Der Kongress entschied sich, wie die erste Frauenkonferenz der Kommunistinnen Frankreichs zu Marseille, für die Eingliederung der kommunistisch gesinnten Frauen in die Partei und die Schaffung von Arbeitsorganen der Kommunistischen Frauenbewegung in Gestalt eines Frauensekretariats bei der Parteileitung und eines Frauenblatts.
Genossinnen und Genossen, leider hat der Kongress zu Paris den Ansatz vernichtet, der vorhanden war. Allerdings hoffentlich nur für kurze Zeit. Im Schatten der Parteikrise, infolge ihrer Auswirkungen hat die Parteileitung die Auflösung des Frauensekretariats und die Einstellung des Erscheinens der “Ouvrière”, des Frauenblatts, beschlossen. Wir sind überzeugt, dass, wie die Krise innerhalb der französischen Partei überwunden werden muss, so auch die Frage der Schaffung der Organe befriedigend gelöst werden wird, deren eine einige, eine tatkräftige, zielbewusste kommunistische Partei bedarf, um die größten Schichten der Proletarierinnen zu Mitträgerinnen von Arbeit und Kampf unserer Internationale zu machen.
In Italien hat sich im letzten Jahr ohne große Schwierigkeiten die Eingliederung der Kommunistinnen in die Partei und die Schaffung der nötigen Sonderorgane vollzogen, die die breiten, tiefen Schichten der Frauenwelt der Besitzlosen, der Ausgebeuteten in den Bannkreis des kommunistischen Gedankens und der Kämpfe des Proletariats führen wird. Gen. Hertha Sturm wird Ihnen konkrete Angaben über das machen, was ich im allgemeinen angeführt habe, wie es steht mit den notwendigen Arbeitsorganen, die wir national und international haben müssen, um die Kommunistinnen, um die proletarischen Frauen zu treibenden Kräften des Klassenkampfes, des revolutionären Emporsteigens der ausgebeuteten und unterdrückten Massen zu machen,
Organisatorisch ist es mit Hilfe des internationalen Frauensekretariats in Holland gelungen, die besondere Frauenorganisation aufzulösen, die dort bestand. Sie umfasste zum Teil neben Kommunistinnen auch anarchistische und anarchistelnde Elemente. Die kommunistischen Mitglieder sind der Kommunistischen Partei Hollands eingereiht worden, und sie betätigen sich dort in Gemeinschaft mit den Genossen. Im allgemeinen geht die Erfahrung dahin, dass die Eingliederung der Kommunistinnen in die Partei, dass ihre planmäßige Mitarbeit in ihr und von dort aus ihre Betätigung unter den Massen sich als erfolgreich, als fruchtbringend erweist.
In Norwegen ist die Einreihung der Kommunistinnen in die Kommunistische Partei noch nicht so vollständig erfolgt, wie es den Grundsätzen und den Richtlinien der Kommunistischen Internationale entspricht. Das erklärt sich als eine Auswirkung allgemeiner Züge des Parteilebens in Norwegen. Die Sonderorganisation der Frauen hängt dort zusammen mit der organisatorischen Struktur der norwegischen Kommunistischen Arbeiterpartei, die sich heute noch sozialdemokratisch nennt. Ihre organisatorische Grundlage Ist nicht die Einzelmitgliedschaft, sondern die Mitgliedschaft in den Gewerkschaftsorganisationen. Es steht zu erwarten, dass mit der Neuorganisation der Partei auch jede Sonderorganisation der Frauen aufhören wird und dass Arbeitsformen gefunden werden, die es erlauben, alle jetzt im Dienste der kommunistischen Idee wirkenden Frauen auch weiterhin zu höchster Betätigung, zu höchster Mitarbeit anzuspornen.
Ähnliches gilt, wenn auch ohne Parteikrise und ohne entsprechende allgemeine Parteiorganisation von der Sektion der Kommunistischen Internationale in Schweden. Auch hier bestehen noch Sonderorganisationen der kommunistischen Frauen. !n Norwegen wie in Schweden sind übrigens Sonderorganisationen Überbleibsel der alten, starken frauenrechtlerischen Vergangenheit, die zum Teil in der sozialdemokratischen Bewegung weiterwirkte. Sie werden zusammen mit der Überwindung aller ideologischen Überbleibsel der sozialdemokratischen Vergangenheit und dem Sieg einer streng kommunistischen Einstellung verschwinden.
Wie steht es nun mit der Auswirkung unserer kommunistischen Arbeit auf tiefe, weit sich erstreckende Schichten der arbeitenden, der ausgebeuteten Frauen? Hat sie solche in beachtenswertem Umfange erfasst? An die Spitze meines Berichtes darüber möchte ich eine Tatsache von außerordentlich weit reichender geschichtlicher Bedeutung stellen. Es ist die Tatsache, dass in dem Nahen und in dem Fernen Osten die Frauen der Mühseligen und Beladenen anfangen zu erwachen und sich um das kommunistische Banner sammeln. Genossen und Genossinnen, es ist das eine Tatsache von einer Bedeutung, die wir nicht hoch genug bewerten können. Wie liegen die Dinge? Dort gilt es, Frauenmassen aufzuklären und zu gewinnen, bei denen Jahrhunderte, — ja vielleicht Jahrtausende alte Vorurteile zum Teil noch nicht vernichtet worden sind durch eine lange, tiefgehende kapitalistische Entwicklung, die nichts Neues schafft, ohne Altes zu zerstören und zum Absterben zu bringen. Wohl hat der Kapitalismus auch dort seinen Einzug gehalten und vor allem Frauenmassen seiner Ausbeutung und Knechtschaft unterworfen. So in Japan, in Indien, in Transkaukasien, ja auch in China usw. Jedoch er hat die alte soziale Versklavung der Frau nicht vernichtet, sondern macht sie seinen Zwecken nutzbar.
In den Ländern des Ostens leben und weben die Frauen noch überwiegend unter patriarchalischen, vorkapitalistischen Formen des gesellschaftlichen Lebens, gebeugt unter altersgraue Vorurteile, gedrückt durch soziale Einrichtungen, durch Religion, Gebräuche und Sitten. Und trotz allem fangen die Frauen an zu erwachen, fangen an, die kommunistische Ideenart aufzunehmen und sich aufzulehnen, von Befreiung zu reden. Was besagt das? Dass der Kapitalismus auf der Welt seine letzten Reserven verliert, die Länder vorkapitalistischer Kultur oder ganz unvollständiger jungkapitalistischer Entwicklung, Länder, die der kolossalen Herrschaft kapitalistischer Staaten unterworfen sind oder als künftige Kolonialgebiete von der kapitalistischen Ausbeutungsgier umschlichen werden. Diese Gebiete mit ihren reichen und verhältnismäßig leichten Ausbeutungsmöglichkeiten gaben der Bourgeoisie die Mittel, auf Kosten der niederträchtigsten, der menschenunwürdigsten Ausplünderung der Volksmassen dort den rebellierenden Arbeitern, den meuternden Lohnsklaven in den alten kapitalistischen Ländern die Bettelbrocken kleiner Zugeständnisse und Reformen zuzuwerfen. Wenn in jenen Ländern der Drang nach Freiheit, der Hass gegen den Kapitalismus und seine Herrschaft lebendig wird, wenn sich dort die Gedrücktesten der Gedrückten, die Frauen erheben, wenn sie im Zeichen des Kommunismus arbeiten und kämpfen wollen, so ist das die Bürgschaft dafür, dass der Kapitalismus mit Riesenschritten seinem Ende entgegeneilt. Deshalb verdient besondere Beachtung, was Gen. Kasparowa uns über die Tätigkeit des Internationalen Frauensekretariats der Exekutive im Osten mitteilen wird. Ein Feuersignal ist, dass in wachsender Zahl und mit hingebungsvoller Entschlossenheit in jenen Ländern die Frauen sich um das Banner des Kommunismus zu scharen beginnen, als des einzigen Erlösers von Ausbeutung und Knechtschaft.
In manchen Ländern, zumal in den romanischen, wird uns versichert: wir können keine nennenswerte revolutionäre Arbeit unter den Frauen leisten. Der Einfluss der kirchlichen Gesinnung, die alten überkommenen Traditionen in Familie und Gesellschaft sind zu stark, zu übermächtig. Das Bemühen ist vergebens, die Frauenmassen aus dem Bann der Häuslichkeit hinauszubringen, sie als Kämpferinnen auf das Blachfeld des geschichtlichen Kampfes zwischen Arbeit und Kapital zu führen.
Genossinnen und Genossen! Was im Osten möglich ist, das ist für uns im Westen der Hinweis darauf, dass wir an dem geschichtlichen Milieu nicht achtlos vorübergehen dürfen, sondern es beachten müssen. Es ist aber zugleich auch eine starke Mahnung an das, was der menschliche Wille kann. Die Berufung auf die materialistische Geschichtsauffassung ist nicht immer am Platze, um Schwächen und Mängel zu entschuldigen. Das geschichtliche Milieu ist gewiss mächtig, aber nicht allmächtig. Unsere Erkenntnis und unser Wille können es bezwingen und ändern. Wenn wir nicht diese Überzeugung hätten. wären wir keine Marxisten, keine revolutionären Kämpfer. Was hat Marx in seiner Auseinandersetzung mit Feuerbach, dem Ausgangspunkt seiner eigenen Geschichtsauffassung geschrieben? “Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; worauf es aber ankommt, ist, sie zu verändern.” Wenn in den Sowjet-Republiken des Kaukasus und darüber hinaus unter ihrem Beispiel in Persien und der Türkei Frauen den Willen bekunden, als Kommunistinnen ihre Befreiung zu erkämpfen, so, meine ich, geht es nicht an, zu erklären, dass in den romanischen Ländern die Schwierigkeiten der kommunistischen Arbeit unter den Frauen so gut wie unüberwindlich seien. Nein, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wir haben den Willen zur Weltrevolution, darum müssen wir auch den Weg zu den breitesten Massen der ausgebeuteten versklavten Frauen finden, ganz gleich, wie die geschichtlichen Umstände liegen mögen, die ihn erschweren.
In den Ländern kapitalistischer Herrschaft, wie auch in dem Proletarierstaat Sowjetrussland und den anderen Sowjet-Republiken hat in der Berichtszeit die Erfassung größerer Frauenmassen durch Agitation und Propaganda und vor allem auch durch die Tat — durch Arbeit und Kampf — große Fortschritte gemacht. Überall da, wo das Proletariat dazu geschritten ist, den Kampf gegen die Generaloffensive des Unternehmertums aufzunehmen; wo die Massen in den Kampf gegen die Teuerung, gegen den Steuerdruck, gegen die Verlängerung der Arbeitszeit, mit einem Worte gegen die Verschlechterung der proletarischen Existenzbedingungen eingetreten sind; überall dort, wo das Proletariat sich zur Wehr setzte gegen die Offensive des Kapitals, um auf die breiten Massen der Ausgebeuteten die Kosten des Kriegs und des Aufbaus der Wirtschaft abzuwälzen: da haben auch die Frauen in erfreulichem Maße mit tatkräftigster Energie an den Kämpfen teilgenommen. Überall ist ein Anschwellen der Frauenmassen festzustellen, die die Aktionen der Kommunistischen Internationale und ihrer einzelnen Sektionen mitgetragen haben. Überall kamen sie, wenn sie im Namen der Kommunistischen Internationale gerufen wurden. Das hat sich besonders bei zwei internationalen Aktionen gezeigt. Die eine davon ist der internationale Frauentag. Er hat in diesem Jahre in erheblich größerem Umfange stattgefunden, einheitlicher und mit Erfassung weit größerer proletarischer Frauenmassen, als in den vorhergehenden beiden Jahren. Und gerade er hat in helles Licht gerückt, dass er nicht eine Sonderveranstaltung von Frauen, nicht Frauensache ist, sondern Parteisache, Parteiaktion, eine Kampfansage des Kommunismus an den Kapitalismus, die Aufnahme dieses Kampfes, für den Millionenheere Ausgebeuteter und Unterdrückter gesammelt, gerüstet, bereit gemacht werden sollen. Fast allerorts, hier mehr, dort weniger, ist der Frauentag als eine Aktion der Kommunistischen Gesamtpartei durchgeführt worden.
Das gleiche gilt auch von der anderen internationalen Aktion, an der wir beteiligt waren, von der internationalen Arbeiterhilfe für Sowjetrussland. Diese ist in allen Ländern unter hervorragender Initiative und Mitwirkung der Frauen durchgeführt worden. Von Norwegen und Finnland bis hinunter nach der Schweiz und Italien, vom Westen bis zum Osten sind es die Frauen gewesen, die im Einverständnis mit ihrer kommunistischen Partei und in ihrer Partei die tätigsten Propagandistinnen, Sammlerinnen, Organisatorinnen der Internationalen Arbeiterhilfe gewesen sind. Sie haben dabei wirklich großzügig, geschickt und stark das proletarische Solidaritätsbewusstsein bekundet.
Eins muss sowohl betreffs des Internationalen Frauentages als auch der Internationalen Arbeiterhilfe für Sowjetrussland betont werden. Bei beiden Aktionen war der besondere Zweck Ausgangspunkt politischer Aktivität, politischen Ziels. Beim Internationalen Frauentag knüpften wir an die besonderen Forderungen an, die die Frauen des schaffenden Volkes als Hausfrauen und Mütter zur Bekämpfung schmerzlichster Nöte an die Gesellschaft zu stellen haben. Bei der Hilfe für Sowjetrussland knüpften wir an die proletarische Solidarität an. Aber in dem einen wie in dem anderen Falle verfolgten wir darüber hinaus den Zweck, breite Frauenmassen zum politischen Denken, zur politischen Aktivität zu erwecken. Sowohl die Forderungen der Frauen für Mutter- und Kinderschutz usw. wie auch die Praxis der Solidarität mit Sowjetrussland wurden auf politische Aktion, auf politischen Kampf zugespitzt. Das ist bei der kommunistischen Arbeit unter den Frauen überhaupt das Ziel. Die wirtschaftlichen, sozialen Nöte der Frauen, ihre Forderungen eines kulturwürdigen Lebens, werden als Ausgangspunkte benutzt, um zur höchstmöglichen politischen Aktivität, zum schärfsten Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft zu führen.
Es haben natürlich in den verschiedenen Ländern die Kommunistinnen im Einverständnis und unter Führung ihrer Partei jede Gelegenheit und jeden Anlass benutzt, um proletarische Frauenmassen zu wecken, zu werben und in den Kampf gegen die kapitalistische Ordnung zu führen. So war z. B. in Deutschland der Kampf gegen die so genannten Abtreibungsparagraphen der Ausgangspunkt einer sehr weit reichenden, erfolgreichen Kampagne gegen die bürgerliche Klassenherrschaft und Klassenjustiz und den bürgerlichen Staat. Diese Kampagne hat uns die Sympathie und Gefolgschaft weiter Frauenkreise eingebracht. Auch sie wurde nicht als Frauenangelegenheit betrachtet, sondern als politische Angelegenheit, als Sache des Proletariats.
Alle Kampagnen und Aktionen unsererseits sind im Zeichen der proletarischen Einheitsfront durchgeführt worden, im Zeichen der Losung, die uns der 3. Kongress der Kommunistischen Internationale gegeben hat: Heran an die Massen! Weil wir von der Berechtigung, von der Notwendigkeit der proletarischen Einheitsfront durchdrungen sind, erkennen wir die volle Wichtigkeit, eine gesteigerte und vertiefte Arbeit auf den speziellen Gebieten der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung zu entfalten. Für unsere stärkere, planmäßige Arbeit auf beiden Gebieten ist bestimmend, dass wir dadurch größte Frauenschichten zu erfassen und kampftüchtig zu machen imstande sind. Von Arbeiterinnen, berufstätigen Frauen — durch die Gewerkschaftsbewegung; von nichtberufsmäßigen Frauen, von Hausfrauen, proletarischen und kleinbürgerlichen Frauen — durch die Genossenschaftsbewegung.
Die Umstände sind besonders günstig, um auch nichtproletarische Frauen, sowohl berufstätige wie Hausfrauen, in größerer Zahl um das Banner des Kommunismus zum Kampfe gegen den Kapitalismus zu sammeln. Der Verfall des Kapitalismus hat nicht bloß in Deutschland, er hat auch in England und in anderen bürgerlichen Staaten eine kleine Zahl neuer Reicher und eine ungeheure Zahl neuer Armer geschaffen. Der Mittelstand ist proletarisiert oder wird wenigstens mehr oder weniger rasch proletarisiert. Des Lebens Nöte greifen infolgedessen heute mit grausamer Faust in die Kasse und an das Herz vieler Frauen, die bis dahin unter der Herrschaft des Kapitals eine einigermaßen gesicherte und angenehme Existenzmöglichkeit gehabt haben, So werden jetzt weibliche Berufstätige, zumal Intellektuelle, wie Lehrerinnen, Beamtinnen aller Art usw. rebellisch wider diese “beste aller Welten”. Unter dem Drucke der Teuerung, unter dem schreienden Missverhältnis zwischen Einkommen und den Kosten der Lebenshaltung erwachen immer mehr Hausfrauen, auch bürgerliche Hausfrauen, zu der Erkenntnis von der Unvereinbarkeit des heutigen Zustandes, d. h. des Fortbestehens des Kapitalismus mit ihren elementarsten Lebensinteressen. Genossen und Genossinnen! Wir müssen die Gärung, die Bewegung, die in jenen Frauenkreisen auftritt, ausnutzen, um die müde Hoffnungslosigkeit anzufachen zum hellen Funken der Empörung, die schließlich in revolutionärer Erkenntnis und revolutionärem Wollen und Handeln aufflammt. Unsere Arbeit, die kommunistische Arbeit unter den Frauen in den Gewerkschaften und Genossenschaften und für diese proletarischen Organisationen kann außerordentlich viel zu diesem Ziel beitragen. Auf beiden Gebieten können die Frauen nicht nur wichtige Mitträgerinnen der Einheitsfront sein, nein, sie können ein Höheres leisten, sie können ein Mehr geben, als Bahnbrecherinnen der Einheitsfront bei manchen Bewegungen.
Ich habe darauf hingewiesen, wie erbarmungslos des Lebens Leiden in die Existenz von Millionen Frauen eingreifen, so dass diese aufzuwachen beginnen. Was bis jetzt von uns peinlich empfunden worden ist, die politische Rückständigkeit, die Stumpfheit der Frauenmassen kann unter dem Druck ungeheurer Leiden unserer Sache förderlich werden, dann das Hinüberziehen der erwachenden Frauen in das kommunistische Lager erleichtern. Die Seele der Frauen ist noch nicht so viel politisch, sozial beschrieben, wie die der Männer. Sie ist weniger bedeckt mit den falschen, trügerischen Losungen der sozialdemokratischen Reformisten, der bürgerlichen Reformer und anderer Elemente. Sie ist sehr oft noch ein unbeschriebenes Blatt. Es wird uns in der Folge verhältnismäßig leichter sein, die bisher indifferenten Frauenmassen ohne Durchgang durch frauenrechtlerische, pazifistische und andere reformistische Vereinigungen unmittelbar in unseren Kampf hineinzureißen. Wenn auch zunächst nicht in unseren Kampf für das Endziel, für die proletarische Revolution — vor dieser Illusion möchte ich warnen —‚ so doch in unseren Verteidigungskampf, zum Zurückschlagen der Generaloffensive der Bourgeoisie. An ihm werden sie sicherlich in großer Zahl und mit höchster Energie teilnehmen.
Ich glaube, unsere Genossinnen in Bulgarien, denen wir so manche Anregung, so viel tatkräftige Arbeit innerhalb der Kommunistischen Internationale verdanken, haben uns einen Weg gezeigt, den wir beschreiten können, um während unserer Abwehrkämpfe auch unter jenen Frauenmassen organisatorische Stützpunkte für unsere späteren Kämpfe mit höherem Inhalt und weiterreichenden Zielen zu schaffen, kurz, um Entscheidungskämpfe vorzubereiten. Unsere bulgarischen Genossinnen haben Vereine gegründet von sympathisierenden Frauen. Diese Vereinigungen sind nicht nur Vorschulen für den Eintritt in die Kommunistische Partei, sondern gleichzeitig feste, organisatorische Stützpunkte, um Frauenmassen zu allen Arbeiten, allen Aktionen der Partei heranzuziehen. Unsere Genossinnen in Italien sind daran gegangen, diesem Beispiel zu folgen. Sie haben Gruppen für “sympathisierende Frauen” gegründet, die solche Frauen umschließen, die noch Bedenken haben, einer politischen Partei beizutreten, politische Versammlungen zu besuchen usw. Ich bin überzeugt, dass die Früchte ihres Vorgehens erfreuliche sein werden. Das Beispiel, das gegeben worden ist, muss von denen, die sich mit der kommunistischen Arbeit unter den Frauen in allen Ländern befassen, nicht nur beachtet, sondern befolgt werden. Es wird uns überall nicht nur eine Stärkung der kommunistischen Sektionen unserer Internationale bringen, sondern noch zwei andere gute Folgen. Die Ausdehnung des kommunistischen Einflusses unter großen proletarischen und nichtproletarischen Bevölkerungsschichten und Gärung, Zersetzung, Zersplitterung in den Reihen der Bourgeoisie, d. h. Schwächung unseres Todfeindes. Jede Schwächung der Bourgeoisie bedeutet aber eine Stärkung der proletarischen Kräfte im Kampfe zur Niederringung des Kapitalismus und zum Sturze der bürgerlichen Klassenherrschaft.
Genossen und Genossinnen! Ich will hier nicht in die Einzelheiten eingehen, wie wir uns die kommunistische Arbeit zur Gewinnung der Frauen durch die Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung denken. Das wird Gen. Hertha Sturm nach mir tun. Ich will nur darauf hinweisen, dass wir bei unserer Arbeit darauf bedacht sein müssen, keine falschen Illusionen zu erwecken, sondern alle Illusionen zu zerstören, als ob auf dem Boden der kapitalistischen Ordnung die Gewerkschaftsbewegung und die Genossenschaftsbewegung zu Nutz und Frommen des Proletariats die Gesetze, die Existenzbedingungen des Kapitalismus zu vernichten vermöchten. Nein, so wertvoll, so unentbehrlich es ist, was Gewerkschaften und Genossenschaften leisten können, sie vermögen den Kapitalismus nicht auszuhöhlen, sie vermögen ihn nicht zu stürzen. Ihre volle Wirksamkeit kommt erst nach der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, nach der Aufrichtung seiner Diktatur zur Geltung. Dann werden die Gewerkschaften und die Genossenschaften nicht nur ein Mittel zur Vernichtung der Überreste des Kapitalismus sein, sondern auch Aufbauorgane des neuen, höheren Lebens der kommunistischen Gesellschaft.
Angesichts der großen entscheidenden Bedeutung der proletarischen Diktatur für den Charakter, für das Wirken von Gewerkschaften und Genossenschaften, müssen wir auch in unserem Falle wieder hervorheben, welcher Unterschied sich ergibt für die kommunistische Arbeit unter den Frauen in den Sowjetrepubliken und in den Staaten, die noch vom Kapitalismus beherrscht werden. In den Staaten mit kapitalistischer Klassenherrschaft wird die Rolle der beiden Organisationsarten als Verteidigungs- und als Kampfesorgane für die breitesten Massen scharf in den Vordergrund treten. Die Gewerkschaftsbewegung für die Massen als Produzenten, die Genossenschaftsbewegung im Kampf gegen das Handels-, das Wucher- und Schieberkapital. In den Sowjetstaaten dagegen überwiegen die erzieherischen, die aufbauenden Aufgaben beider Organisationsarten des Proletariats.
Genossinnen und Genossen, ich muss darauf aufmerksam machen, dass unsere Arbeit im letzten Jahre uns auf eine besondere Bedeutung der Arbeit hingewiesen hat, die Frauen unter den Einfluss der Kommunistischen Internationale zu bringen, als ihre Anhängerinnen zu gewinnen. Das ist die bedeutsame Rolle, die die Kommunistinnen und die mit uns sympathisierenden Frauen überall dort spielen, wo die Illegalität die einzige Form des Wirkens, des Kampfes ist, und wo neben den legalen Vereinigungen an der Oberfläche unterirdische Organisationen wirken müssen. Dort überall, in Finnland, in Polen und anderen Staaten noch, hat sich die große Nützlichkeit, ja, ich möchte sagen die Unentbehrlichkeit der Mitarbeit zielklarer, opferbereiter, kommunistischer Frauen gezeigt. Wenn uns jetzt der Vorstoß der schwärzesten Reaktion, des Faschismus, in vielen Ländern möglicherweise vor die Notwendigkeit stellen wird, illegal kämpfen zu müssen, auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren, den Bruch der gesetzlichen Ordnung der Bourgeoisie auch unsererseits mit der Nichtbeachtung, mit der Verachtung der bürgerlichen Legalität zu beantworten, so werden die Genossen nicht vorwärts kommen können, ohne dass sie auch die Frauen auf ihrer Seite haben. Die Turiner Proletarierinnen haben gezeigt, dass wir, wo der Faschismus sich breit macht, auf die opferbereite Unterstützung der Frauen zählen können. Bei der letzten großen proletarischen Demonstration gegen den Faschismus in Turin marschierten bewaffnete Proletarierinnen auf, unter einem roten Banner mit der Inschrift: Rosa Luxemburg. Diese Tatsache müsste der Bourgeoisie zu denken geben, sie hat jedenfalls den Mut, die Kampfesfreudigkeit in den Reihen der Arbeiter erhöht.
Genossinnen und Genossen! Wenn unsere kommunistische Arbeit unter den Frauen all die Aufgaben erfüllen soll, die ich hier nur kurz, in allgemeinen Umrissen andeuten konnte, so ist eins notwendig: Dass wir uns und Ihr mit uns, dass wir alle uns die Frage stellen: Sind die Kommunistinnen in den Sektionen der Internationale reif an Erkenntnis, Willen, an Tatkraft, um ihre Pflicht in idealem Maß erfüllen zu können? Und wir dürfen uns nicht verhehlen, dass es bei den Kommunistinnen wie auch bei den Kommunisten — wir sind im allgemeinen nicht schlechter und nicht dümmer als Ihr — häufig noch an der notwendigen, gründlichen, theoretischen und praktischen Schulung fehlt. Die Unreife und Schwäche der Frauen in der politischen Bewegung ist nur ein Reflex der Unreife und der Schwäche in den Reihen der Kommunisten im Allgemeinen. Es erklärt sich das in der Hauptsache aus der Jugend unserer Sektionen. Ernste Arbeit wird die Schwäche überwinden, die wir mit den vielen Vorzügen der Jugend unserer Bewegung in den Kauf nehmen müssen. Es ist von höchster Bedeutung, Genossen und Genossinnen, dass wir rasch Unreife und Schwäche unter denjenigen überwinden, die die kommunistische Arbeit unter dem weiblichen Proletariat durchführen sollen. Deshalb richte ich an Euch alle hier die eindringliche Mahnung: Sorgt dafür, dass die Kommunistinnen in Euren Reihen von Euch zu den praktischen Aufgaben der Partei, ich möchte sagen einzeln, persönlich herangezogen, persönlich zu ihnen verpflichtet werden. Sorgt dafür, dass ihnen alle Bildungsgelegenheiten, alle Bildungsanstalten offen stehen, die für die theoretische und praktische Schulung der Mitglieder existieren. Sorgt dafür, dass dort, wo die gemeinsame Durchbildung nicht möglich ist, die nötigen Bildungsorgane in Gestalt von Kursen, Vorträgen, in Gestalt einer entsprechenden Presse und Literatur für die Frauen geschaffen werden. Die Schulung der Frauen, grundsätzlich und praktisch, zu vollwertigen, kommunistischen Mitkämpferinnen, Genossen, das ist ein Teil Eurer eigenen Bildungsarbeit, und es ist eine wichtige, unerlässliche Vorbedingung Eures Erfolges. Das ist sicher.
Gerade in dieser Zeit halte ich es für besonders notwendig, auf die klarste, tiefste, grundsätzliche Schulung der Frauen bedacht zu sein. In dieser Übergangszeit soll das Schiff des Kommunismus hinaus auf den breiten Ozean der revolutionären Entscheidungskämpfe von gewaltigen Massen für die Eroberung der politischen Macht, für die Aufrichtung der proletarischen Diktatur. Da drohen zwei Gefahren. Von links droht, dass das Schiff an den Riffen, an den Klippen einer abenteuerlichen Putschromantik zerschellt, von rechts droht die Gefahr, dass das Schiff auf die reformistischen Sandbänke aufläuft, dass es in den faulenden, stinkenden Gewässern des Opportunismus stecken bleibt. Es gibt nur eins, um die Gefahren von rechts und von links zu überwinden. Das ist die höchste, gesteigerte Aktivität des Willens, eines Willens, der Tat wird, der geleitet wird von der klarsten Einsicht in die geschichtliche Situation, in das Wesen der gegenwärtigen Weltkrisis und die Bedingungen zu ihrer Überwindung, das ist, in die Bedingungen des revolutionären Kampfes. Danton hat seinerzeit den revolutionären Vorkämpfern der französischen Revolution zugerufen: “Kühnheit, Kühnheit und nochmals Kühnheit!” Jawohl, Genossinnen und Genossen, wir wollen das alle Tage den Frauen sagen, die für den Kommunismus kämpfen wollen. Sie sind bis jetzt zum Teil ein besonders passives Element gewesen und alles drängt dazu, dass sie ganz besonders aktiv sein müssen. Darum: Kühnheit, Kühnheit und nochmals Kühnheit! Aber wir müssen diesem Wort das andere hinzufügen, das der größte Führer des Weltproletariats, das Gen. Lenin wieder und wieder uns zuruft: Klarheit, Klarheit und nochmals Klarheit!, Klugheit, Klugheit und nochmals Klugheit! Nicht als Ausdruck von Furcht, nicht als Ausfluss des Schwankens und Wankens. Nein, als Vorbedingung dafür, den tödlichen Streich gegen den Kapitalismus sicher zu führen.
Genossinnen und Genossen, wir müssen das beherzigen. Alles, was Sie bis jetzt auf diesem Kongresse gehört haben, hat uns gezeigt, wie richtig die Kommunistische Internationale auf ihrem vorigen Kongress die Weitsituation eingeschätzt hat. Alle Zeichen der Zeit künden uns: Die Gesellschaft ist objektiv reif, ja überreif für die Beseitigung, für den Sturz des Kapitalismus. Bis jetzt hat sich noch nicht als reif erwiesen im geschichtlichen Sinne der Wille des Proletariats, der Wille jener Klasse, die berufen ist, der Totengräber der kapitalistischen Ordnung zu sein. Aber, Genossinnen und Genossen, es ist in dieser geschichtlichen Situation wie in einer Alpenlandschaft, wo auf hoher Bergesspitze riesige Schneemassen lagern, die seit Jahrhunderten allen Wettern getrotzt haben, und die noch für Jahrhunderte allen Einflüssen der Sonne, des Regens, des Sturmes zu trotzen scheinen. Sie sind trotz allem Anschein unterhöhlt, zermürbt, sie sind “reif” herabzustürzen. Und es genügt vielleicht, dass ein Vöglein seine Schwingen regt und mit der Spitze seines Flügels an diese Massen stößt, um die Lawine ins Rollen zu bringen, die Täler unter sich begräbt. Wir wissen nicht in der gegenwärtigen Situation, wie bald die Weltrevolution vor uns steht, vor Männern und vor Frauen. Deshalb gilt es, mit Arbeit jede Stunde und jede Minute zu nutzen, um für die Weltrevolution bereit zu sein und bereit zu machen. Weltrevolution, das besagt nicht nur Weltvernichtung, Vernichtung des Kapitalismus, es besagt auch Weltschöpfung, Schöpfung des Kommunismus. Durchdringen wir uns mit der Bedeutung dieses Wortes! Seien wir bereit und machen wir die proletarischen Massen bereit, dass sie die Weltschöpfer des Kommunismus werden. (Lebhafter Beifall.)

 

 

 

 

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