DEUTSCH

 

 

KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE

 

IV. Weltkongress

 

Resolution über die Bildungsarbeit der Kommunistischen Parteien.





Der Aufbau einer marxistischen Bildungsarbeit ist eine notwendige Aufgabe aller Kommunistischen Parteien. Das Ziel dieser Bildungsarbeit ist die Erhöhung der Aufklärungs-, Organisations- und Kampfkraft der Mitglieder und Funktionäre der Partei. Den Funktionären sind neben der allgemeinen marxistischen Schulung auch die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für ihre Spezialarbeitsgebiete zu vermitteln.
Die kommunistische Bildungsarbeit, die ein integrierender Bestandteil der Gesamttätigkeit der Partei sein soll, muss unbedingt der zentralen Leitung der Partei unterstehen. In den Ländern, wo die revolutionäre Arbeiterbildung vorwiegend in den Händen besonderer, außerhalb der KP stehender Organisationen liegt, ist dieses Ziel durch systematische Arbeit der Kommunisten in diesen Organisationen anzustreben.
Es ist wünschenswert, dass bei den Zentralkomitees der Parteien zur Leitung der gesamten Bildungstätigkeit der Partei Bildungssekretariate geschaffen werden. Alle diejenigen Mitglieder der KP, welche in allgemeinen, nicht von der Partei geleiteten, proletarischen Bildungsorganisationen (Arbeiterbildungsvereine, proletarische Universitäten, Proletkult, Labour Colleges usw.) tätig sind, sind der Kontrolle und den Direktiven der Parteiorgane unterworfen.
Zur Durchführung der kommunistischen Bildungsarbeit richten die Parteien, je nach Möglichkeit, und unter Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse, zentrale und lokale Parteischulen, Tages- und Abendkurse und dergleichen ein, stellen den Gruppen Wanderlehrer und Referenten zur Verfügung, organisieren Bibliotheken usw.
Die Parteien sind verpflichtet, die selbständige Bildungsarbeit der kommunistischen Jugend nach Kräften materiell und ideell zu unterstützen. Die Kommunistische Jugend ist zu allen bildenden Veranstaltungen der Partei zuzuziehen. Die revolutionäre Erziehung der proletarischen Kinder ist gemeinsam mit der kommunistischen Jugend durchzuführen. Richtlinien hierfür gibt die beim EKKI einzurichtende Bildungssektion heraus.
Beim EKKI wird eine internationale Bildungssektion geschaffen. Ihre Aufgabe ist vor allem die grundsätzliche weitere Klärung der Probleme der kommunistischen Bildungsarbeit, die Leitung der gesamten Parteibildungsarbeit, die Vereinheitlichung der Arbeit in den außerhalb der Partei stehenden proletarischen Bildungsorganisationen. Hierzu gehört: Sammlung und Vermittlung der internationalen Erfahrungen, Bereicherung der Formen und Methoden der Arbeit in den einzelnen Ländern, Ausarbeitung und Herausgabe von Leitfaden, Handbüchern und anderem Material und die Entscheidung aller besonderen Probleme, die auf dem Gebiete der Bildungsfrage in den einzelnen Ländern auftreten. Dem internationalen Bildungssekretär liegt auch die Untersuchung und Vorbereitung der Probleme der Schulpolitik der Kommunistischen Parteien und der Kommunistischen Internationale ob.
Zur vertieften marxistischen Schulung und praktischen kommunistischen Ausbildung geeigneter Genossen aus den Sektionen der Komintern werden bei der „Sozialistischen Akademie“ und anderen entsprechenden Institutionen Sowjetrusslands internationale Kurse eingerichtet.


1.

Agitationspflicht.


1.

Jedes Mitglied der Kommunistischen Internationale ist verpflichtet, sich als Agitator unter den außenstehenden Arbeitern zu betätigen.
Das kann immer und überall geschehen, wo nur die Arbeiter am besten zu finden sind, in den Werkstätten und auf den anderen Arbeitsplätzen, in den Gewerkschaften, in den Volksversammlungen, in Arbeitervereinen, Sport-, Gesang-, Mieter- und Konsumvereinen, in Volkshäusern und Arbeiterrestaurants, auch auf der Eisenbahn, in den Dörfern usw., oft am besten in den Wohnungen der Arbeiter (Hausagitation).


2.

Die Agitation soll immer ihren Ausgangspunkt von den konkreten Verhältnissen und Bedürfnissen der betreffenden Arbeiter nehmen, mit dem Zweck, sie auf den Weg des organisierten, revolutionären Klassenkampfes zu leiten. Man soll nicht solche kommunistischen Prinzipien oder Forderungen aufdrängen, welche die Zuhörer noch nicht verstehen können, man muss sie aber immer zum Auftreten und zum Kampfe für gemeinsame Forderungen des Proletariats antreiben, gegen die Kapitalisten und die bürgerliche Klassenherrschaft in allen Gebieten.


3.

An allen Kampfbewegungen der Arbeiter gegen die Kapitalisten und die bürgerliche Gesellschaft sollen die Kommunisten energisch teilnehmen, in vorderster Reihe für die Gesamtinteressen kämpfen, ihre persönlichen Vorteile zurückstellend, durch ihr Beispiel andere werben.


4.

Die leitenden Parteiorgane sollen an alle Ortsgruppen praktische Instruktionen geben über die regelmäßige Agitationsarbeit aller Parteimitglieder, so auch über diese Arbeit bei den Kampagnen (Wahlkampagnen, bei Teuerungs- und Steuerkampagnen, bei Betriebsrätekampagnen und Arbeitslosenbewegungen) und anderen von der Partei geleiteten Aktionen. (Eine Kopie von allen Instruktionen ist an das EKKI zu senden).


5.

Alle Parteimitglieder sind berechtigt von den Vertrauensleuten ihrer Organisation noch nähere konkrete Anweisungen darüber zu fordern, wie sie die Agitation zu betreiben haben. Besonders liegt es den Obleuten der kommunistischen Zellen, Arbeitsgruppen, Zehnergruppen und Fraktionen ob, solche Anweisungen zu geben und die Ausführung zu kontrollieren. Wo solche Gruppen mit Obleuten noch nicht vorhanden sind, sollen zu diesem Zweck besondere Agitationsleiter bestimmt werden.


6.

Von jedem Parteimitglied soll im Kreise der kleinsten Parteiorganisation, zu der es gehört, im Laufe des nächsten Winters sicher festgestellt werden;


1. Ob es Agitation unter den außenstehenden Arbeitern treibt,
a) regelmäßig? oder
b) nur zufällig? oder
c) gar nicht?


2. Oder andere Parteiarbeit verrichtet?
a) regelmäßig? oder
b) nur zufällig? oder
c) gar nicht?


Die zur eindeutigen Auslegung dieser Fragen notwendigen Erklärungen, soll die Parteizentrale, nach einer näheren Verständigung mit dem EKKI, in einem Rundschreiben allen Organisationen bekannt geben.
Die Bezirksleitungen und Ortsgruppen sind verantwortlich für die pünktliche Durchführung dieser Enquete. Die Resultate sind durch die Parteizentrale an das EKKI zu schicken.


2.

Kenntnis der wichtigsten Beschlüsse der Partei und der Komintern

 


1.

Jedes Mitglied der Komintern soll nicht nur die wichtigsten Beschlüsse der eigenen Partei, sondern auch die wichtigsten von den Beschlüssen der Kommunistischen Internationale kennen.


2.

Alle Organisationen der angeschlossenen Sektionen sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass jedes Parteimitglied wenigstens das Programm der eigenen Partei und die 21 Bedingungen der Komintern kennen lernt, gleichfalls solche Beschlüsse der Komintern, die besonders ihre Partei betreffen. Die Mitglieder sind über den Stand ihrer Kenntnisse zu prüfen.


3.

Die verantwortlichen Funktionäre sollen alle wichtigsten taktischen und organisatorischen Beschlüsse der Weltkongresse gründlich kennen und zu diesem Zweck sich Prüfungen unterziehen. Das ist auch für möglichst viele andere Parteimitglieder wünschenswert, aber noch nicht obligatorisch.


4.

Die Parteizentrale einer jeden Sektion ist verpflichtet, an die Organisation geeignete Instruktionen zur Durchführung dieser Beschlüsse zu geben, und über die Resultate dem EKKI im nächsten Frühjahr Bericht zu erstatten.

 

 

 

 

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