DEUTSCH

 

 

KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE

 

IV. Weltkongress

11. Resolution über die Kommunistische Jugendinternationale.




Resolution über die Kommunistische Jugendinternationale.



1.

In Übereinstimmung mit den Beschlüssen des III. Kongresses der Komintern beschloss der II. Weltkongress der Kommunistischen Jugendinternationale die politische Unterordnung der Kommunistischen Jugendorganisationen unter die Kommunistischen Parteien und die Umstellung der Kommunistischen Jugend von eng in sich abgeschlossenen nur-politischen Vortrupporganisationen zu breiten Massenorganisationen der Arbeiterjugend, die sich ins Rahmen der Arbeit der Arbeiterklasse und unter der politischen Führung der KP die Interessenvertretung der Arbeiterjugend auf allen Gebieten zur Aufgabe stellten. Nach wie vor aber sollten die KJO politische Organisationen und die Anteilnahme am politischen Kampfe die Grundlage ihrer Tätigkeit bleiben. Der Kampf für die wirtschaftlichen Tagesforderungen der Arbeiterjugend und gegen den bürgerlichen Militarismus wurde als wichtigstes unmittelbarstes Mittel zur Aufrüttelung und Eroberung der breiten Massen der Arbeiterjugend erkannt. Eine den neuen Aufgaben entsprechende Umgestaltung der organisatorischen Arbeitsformen und der Verbandstätigkeit wurde verlangt. Besonders wurde die Einführung einer planmäßigen, kommunistischen Bildungsarbeit im Inneren der Organisation und einer Massenbildungsarbeit unter den außenstehenden Jugendlichen als notwendig erkannt.
Der Durchführung der Beschlüsse des II. Weltkongresses, die notwendigerweise erst durch lange und zähe Arbeit erfolgen kann, stellten sich Schwierigkeiten in den Weg, wie die Neuheit der verlangten Aufgaben für die meisten Verbände. So ferner die wirtschaftliche Krise (Verarmung, Arbeitslosigkeit), die ungünstig auf die Mitgliedsstärke einwirkte und der Ansturm der Reaktion, der manche Verbände zur Illegalität zwang und sie verkleinerte. Mit dem zeitweisen Niedergehen der revolutionären Welle und der Schwächung der revolutionären Stimmung in der gesamten Arbeiterschaft wurde auch die Arbeiterjugend in Mitleidenschaft gezogen und ihre Stimmung hat sich in dieser Epoche in der Richtung einer Verminderung des politischen Interesses hin verändert. Gleichzeitig verstärkte die Bourgeoisie und die Sozialdemokratie ihre Bemühungen zur Beeinflussung der Organisierung der arbeitenden Jugend. Die KJO haben seit dem II. Weltkongress der KJI ihre Unterordnung unter die Kommunistischen Parteien überall durchgeführt, jedoch ist das gegenseitige Verhältnis zwischen Partei und Jugend im allgemeinen noch nicht im Sinne der vollen Anwendung der Beschlüsse der Internationalen Kongresse durchgeführt. Denn insbesondere die notwendige Unterstützung von Seiten der Partei für die Arbeit des Jugendverbandes erfolgt oft nicht im entsprechenden Maße. Es ist den Bemühungen der KJI in den verflossenen 15 Monaten gelungen, in den meisten KJO bereits wichtige praktische Schritte zur Umgestaltung der Organisation im Sinne der Beschlüsse des II. Weltkongresses durchzuführen, und so wichtige Voraussetzungen für die Umwandlung in eine Massenorganisation zu schaffen. Die KJO in einer Reihe von Ländern haben weiter durch die Propaganda für die wirtschaftlichen und politischen Kampfforderungen der Arbeiterjugend auch schon den Weg eingeschlagen, der sie im Laufe der Weiterverfolgung zur Beeinflussung großer Massen führen muss, und haben bereits eine Reihe von Kampagnen und selbst konkrete Kampfaktionen eingeleitet und durchgeführt.
Die Umwandlung zu Massenorganisationen im Sinne sowohl der zahlenmäßigen Ausdehnung als auch der organischen Verschmelzung in den Massen und ihrer ständigen Beeinflussung und Führung konnten die KJO jedoch bisher noch nicht vollziehen, woraus sich für sie wichtige Aufgaben für die Zukunft ergeben.


2.

Die Offensive des Kapitals hat mit aller Wucht auch die arbeitende Jugend getroffen. Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerung, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung im Handwerk treffen sie nicht nur ebenso wie die erwachsene Arbeiterschaft, sondern erfolgen für sie unter noch schlimmeren Formen und Begleitumständen. Die arbeitende Jugend wird dabei gegen die erwachsene Arbeiterschaft ausgespielt und als Lohndrücker und Streikbrecher wie als Vermehrer der Arbeitslosigkeit der erwachsenen Arbeiter verwendet. Diese für die gesamte Arbeiterklasse verhängnisvollen Verhältnisse werden aufrechterhalten und noch verschärft durch die verräterische Haltung der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie, die die Interessen der arbeitenden Jugend unbeachtet lässt oder gar sie opfert und die Massen der jugendlichen Arbeiter von den Kämpfen der erwachsenen Arbeiterschaft fernhält. Ja, oft versagt sie ihnen sogar den Eintritt in die Gewerkschaften. Mit dem Anwachsen des bürgerlichen Militarismus vermehren sich ebenfalls auch die Leiden der jugendlichen Arbeiter und Bauern, die in den Waffenrock des Kapitalismus gepresst werden und zum Kanonenfutter der kommenden imperialistischen Kriege bestimmt sind. Die Reaktion wütet besonders auch unter der europäischen Jugend und nimmt ihr stellenweise das Recht zur Bildung kommunistischer Jugendorganisationen, selbst wo kommunistische Parteien bestehen.
Die beiden sozialdemokratischen .Jugendinternationalen haben sich bisher gegen die Not der arbeitenden Jugend untätig verhalten und haben versucht, den Willen der Massen vom Kampfe in geeinter Form mit der erwachsenen Arbeiterschaft und mit der gesamten Arbeiterjugend durch die Bildung eines Blocks untereinander zum Schweigen zu bringen. Diese Blockbildung sollte nicht nur die leidenden Massen der Arbeiterjugend vom Kampfe und der Einheitsfront der gesamten Arbeiterjugend ablenken, sie war direkt gegen die Kommunistische Internationale gerichtet und führte zu der bevorstehenden Verschmelzung der sozialdemokratischen Jugendinternationalen.
Die Kommunistische Internationale erklärt die unbedingte Notwendigkeit der Einheitsfront zwischen jugendlicher und erwachsener Arbeiterschaft und ruft die Kommunistischen Parteien und die gesamten Arbeiter der ganzen Welt auf, die Forderungen der arbeitenden Jugend im Kampfe gegen die Offensive des Kapitals, den bürgerlichen Militarismus und die Reaktion energisch zu vertreten.
Sie begrüßt den Kampf, den die Kommunistische Jugendinternationale für die lebenswichtigen Forderungen, für die Einheitsfront der arbeitenden Jugend im Namen der Einheitsfront der gesamten Arbeiterklasse und für die Einheitsfront zwischen jugendlicher und erwachsener Arbeiterschaft führt und gibt ihm vollste Unterstützung. Die Angriffe des Kapitals, welche die Arbeiterjugend in die tiefste Verelendung zu stürzen drohen und sie zu einem hilflosen Opfer des Militarismus und der Reaktion machen sollen, müssen den eisernen und geschlossenen Widerstand der gesamten Arbeiterklasse finden.


3.

Die kommunistische Jugendbewegung bedarf zu der Bewältigung der Arbeit und Aufgaben, die sich für sie auf dem Wege zur Eroberung und Erziehung der Massen ergeben, des sorgsamen Verständnisses und der tatkräftigen Unterstützung von Seiten der KP
Durch innige Zusammenarbeit zwischen Partei und Jugend auf allen Gebieten und ständige Heranziehung der KJO zum politischen Leben der Parteien müssen in der kommunistischen Jugendbewegung das politische Interesse und die politischen Kräfte lebendig erhalten werden. Denn diese sind für die Kommunistische Partei in ihrem Kampfe und ihrer Arbeit für die Verwirklichung der Beschlüsse der Komintern unerlässlich und sind die Grundlage für eine gesunde kommunistische Jugendbewegung. Die kommunistischen Parteien müssen der KJ organisatorische Hilfe gewähren. Sie sollen jüngere Mitglieder auch zur Mitarbeit in der KJ bestimmen, durch Abgabe der jungen Parteimitglieder und Propaganda Jugendorganisationen an Orten gründen, wo Parteiorganisationen bestehen. Da vor den KJO nunmehr die Aufgabe steht, das Schwergewicht ihrer Tätigkeit in die Massen der Arbeiterjugend zu verlegen, sollen die KP besonders die Gründung und Arbeit der Organe der KJ (Zellen und Fraktionen) in den Betrieben und ihre Fraktionen in den Gewerkschaften fördern. Die gegenseitige Vertretung in allen Organen der Partei und Jugend (Zellen, Ortsgruppen, Bezirksleitungen, Zentralkomitees, Kongressen, Fraktionen etc.) muss durchgeführt werden.
Die KJO müssen sich durch die Verstärkung ihrer wirtschaftlichen Propaganda und die ständige konkrete Beschäftigung mit dem Leben und den Fragen der Arbeiterjugend und die dauernde und tägliche Vertretung ihrer Interessen in den Massen der Arbeiterjugend verwurzeln und sie zum Kampfe gemeinsam mit der erwachsenen Arbeiterschaft führen. Deshalb müssen die KP die wirtschaftliche Arbeit der KJ in diesen Zellen und Fraktionen in Betrieb, Schule und Gewerkschaft kräftig unterstützen, und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der KJ und der KP in den Gewerkschaften muss durchgeführt werden. In den Gewerkschaften ist es Aufgabe der Parteimitglieder, besonders dafür zu sorgen, dass die jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge in die Gewerkschaften gleichberechtigt eingereiht, dass ihre Mitgliedsbeiträge ermäßigt werden, dass die Forderungen der Arbeiterjugend in den gewerkschaftlichen Kämpfen mit vertreten und dass sie beim Abschluss von Tarifverträgen und dgl. berücksichtigt werden. Die KP soll die wirtschaftlich gewerkschaftliche Arbeit der KJO ferner durch Propaganda und aktive Unterstützung ihrer Aktionen und durch Aufnahme von ihren Forderungen unter die Gegenstände des eigenen täglichen Kampfes fördern.
Angesichts der Verstärkung der imperialistischen Kriegsgefahr und dem Wachsen der Reaktion sollen die KP dem antimilitaristischen Kampf der KJO, in welchem sie die praktische tatkräftige Führung ausüben müssen, die größte Unterstützung leisten. Die KJO müssen die eifrigsten Kämpfer im Dienst der Partei, in der Verteidigung der Arbeiterklasse gegen die Reaktion bilden.
Die kommunistische Bildungsarbeit erhält durch die Umstellung der KJO in der Richtung zur breiten Massenorganisation eine große Bedeutung. Denn mit der Gewinnung der Massen wird ihre kommunistische Schulung und Erziehung besonders notwendig. Die Bildungsarbeit der KJO bedarf einer besonderen und selbständigen Organisierung und muss planmäßig durchgeführt werden. Durch reichliches Zurverfügungstellen von Bildungskräften und Bildungsmaterial von Seiten der Partei, Mithilfe bei der Organisierung von Schulen und Kursen der KJ, Einräumung von Plätzen für die KJin den Parteischulen, Aufnahme von Jugendschriften in das Programm des Parteiverlages soll ihr die notwendige Unterstützung gebracht werden.
Der Kongress hält es für notwendig, dass die Parteipresse den Kampf der KJO sowohl durch Einräumung von regelmäßig erscheinenden Jugendbeilagen und Jugendspalten, als auch durch ständige Berücksichtigung des Lebens und Kampfes der Arbeiterjugend im übrigen Teil des Blattes mehr als bisher unterstützen.
Die bürgerliche Welt, deren Bemühungen an dem Klassenbewusstsein der erwachsenen Arbeiterschaft und der revolutionären Arbeiterjugend Widerstand findet, sucht besonders die Kinder der Arbeiterklasse zu vergiften und ihr zu entfremden. Deshalb kommt der Organisierung und Förderung der kommunistischen Kindergruppen große Wichtigkeit zu. Diese sollen organisatorisch der Jugend unterstellt und von ihr geleitet werden, und die Partei soll diese Arbeit durch Stellung von Kräften und Beteiligung an der Kindergruppenzentrale unterstützen. Die kommunistische Kinderpresse, deren Herausgabe die KJO der verschiedenen Länder begonnen hat, soll die Förderung der Partei erhalten.
Besonders innige Zusammenarbeit zwischen der KJ und Partei ist notwendig in den Ländern, in denen die kommunistische Bewegung durch die Reaktion zur Illegalität gezwungen ist.
Indem der 4. Kongress die besondere Wichtigkeit der kommunistischen Arbeit zur Gewinnung der Massen der Arbeiterjugend betont, hebt er die besondere Bedeutung hervor, die heute der Kommunistischen Jugendinternationale zukommt, und grüßt diese, den eifrigsten Mitkämpfer der Komintern in der Gegenwart und ihre Reserve für die Zukunft!

 



 

 

 

 

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