DEUTSCH

III. Weltkongress der Komintern

Resolution über die Arbeit auf dem Gebiet der Kooperativen

(angenommen in der 22. Sitzung des III. Weltkongresses vom 10. Juli 1921)


[nach Thesen und Resolutionen des III. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale. Hamburg 1921,

S. 87 f.]

 

Der III. Kongress der Internationale beauftragt die Exekutive, eine kooperative Sektion zu schaffen, die nach Bedarf und Notwendigkeit die Einberufung von internationalen kooperativen Beratungen, Konferenzen und Kongressen zwecks Verwirklichung in internationalem Maßstabe die in den Thesen aufgeführten Aufgaben vorzubereiten hat.
Die Sektion hat sich außerdem folgende praktische Aufgaben zu stellen: a) die Verstärkung der Tätigkeit der Kooperation der Arbeitenden in Landwirtschaft und Gewerbe durch Vergenossenschaftung kleiner halb proletarischer Betriebe, sowie durch Heranziehung der Arbeitenden zur kollektiven Führung und Verbesserung ihrer Wirtschaft anzustreben; b) den Kampf um die Übergabe in nationalem Maßstabe der gesamten Distribution von Nahrungsmitteln und Gebrauchsartikeln an die Kooperation zu führen; c) Propaganda für die Prinzipien und Methoden der revolutionären Kooperation zu führen, sowohl als die Tätigkeit der proletarischen Kooperation auf die materielle Unterstützung der kämpfenden Arbeiterklasse zu lenken, und d) die Herstellung von internationalen Handels- und Finanzbeziehungen zwischen den Arbeitergenossenschaften zu unterstützen, sowie deren gemeinschaftliche Produktion zu organisieren.



Resolution über die Arbeit der Kommunisten in den Kooperativen


(angenommen in der 22. Sitzung des III. Weltkongresses vom 10. Juli 1921)

[nach Thesen und Resolutionen des III. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale. Hamburg 1921, S. 89-92]

 

 


I.

In der Epoche der proletarischen Revolution stehen zwei Probleme vor den proletarischen Kooperativen:

a) den werktätigen Massen in ihrem Kampf um die politische Macht Hilfe zu leisten,

b) dort, wo die Macht schon errungen ist, ihnen beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu helfen.


II.

Die alten Kooperativen gingen den Weg des Reformismus und suchten dem revolutionären Kampfe aus dem Wege zu gehen. Sie verkörperten die Idee des langsamen „Hineinwachsens“ in den Sozialismus, ohne die Hilfe der Diktatur des Proletariats.
Sie predigen die politische Neutralität der Kooperative; unter diesem Schilde verbergen sie jedoch die Unterwerfung der Kooperative unter die politischen Ziele der imperialistischen Bourgeoisie.
Ihr Internationalismus beschränkt sich auf Worte. In Wirklichkeit verwandeln sie die internationale Solidarität der Arbeiter in die gemeinsame Arbeit der werktätigen Massen mit der Bourgeoisie ihres Landes.
Mit dieser ganzen Politik wird die Revolution durch die alten Kooperative nicht gefördert, sondern zurückgehalten, beschleunigt, sondern gehindert.


III.

Die verschiedenen Formen und Arten der Kooperative können den revolutionären Zielen des Proletariats ebenfalls nicht dienen. Die Konsumvereine können sich diesen Zielen am ehesten anpassen. Aber auch in ihrer Mitte gibt es viele Vereine, die aus bürgerlichen Elementen bestehen. Solche Kooperativen werden sich in Revolutionskämpfen niemals auf die Seite des Proletariats stellen. Dessen ist nur das Arbeiterkooperativ in der Stadt und auf dem Lande fähig.


IV.

Die Aufgaben der Kommunisten in der kooperativen Bewegung sind folgende: 1. die Propaganda der kommunistischen Ideen, 2. die Verwandlung der Kooperativen in Organe des revolutionären Klassenkampfes, ohne die einzelnen Kooperativen aus dem Zentralorgan auszuscheiden.
In allen Kooperativen ist es die Pflicht der Kommunisten, Zellen zu bilden, deren Aufgabe in der Organisation einer Zentrale der kommunistischen Kooperativen in jedem Lande besteht.
Diese Zellen, ebenso wie die Zentrale, müssen in steter Verbindung mit der Kommunistischen Partei und mit ihren Vertretern in den Kooperativen bleiben. Die Zentrale muss die Grundlagen der Taktik der Kommunisten in der Kooperativbewegung ausarbeiten, diese Bewegung leiten und organisieren.


V.

Die praktischen Aufgaben, die im gegebenen Moment vor den revolutionären Kooperativen des Westens stehen, werden sich im Laufe der Arbeit deutlicher zeigen. Aber jetzt schon kann man einige von ihnen klar erkennen:
a) die mündliche und schriftliche Propaganda und Agitation für die kommunistischen Ideen, der Kampf für die Befreiung der Kooperativen von der Leitung und dem Einfluss der bürgerlichen Kompromissler;
b) die Verbindung der Kooperativen mit der kommunistischen Partei und den revolutionären Gewerkschaftsvereinen. Die direkte und indirekte Teilnahme der Kooperativen an dem politischen Kampf, den Demonstrationen und politischen Kampagnen des Proletariats. Die materielle Unterstützung der Kommunistischen Partei und ihrer Pressorgane; die materielle Unterstützung der Streikenden und der Arbeiter, die unter den Aussperrungen zu leiden haben usw.
c) der Kampf gegen die imperialistische Politik der Bourgeoisie und folglich auch gegen die Einmischung der Entente in die Angelegenheiten Sowjetrusslands und anderer Länder;
d) die Herstellung nicht nur ideeller und organisatorischer, sondern auch geschäftlicher Verbindungen zwischen den Arbeitern der Kooperative verschiedener Länder;
e) der Kampf für den schleunigen Abschluss verschiedener Handelsverträge und die Durchführung der Handelsbeziehungen mit Sowjetrussland und den anderen Sowjetrepubliken;
f) die möglichst rege Teilnahme an dem Warenaustausch mit diesen Republiken;
g) die Teilnahme an der Ausbeutung der Naturschätze der Sowjetstaaten durch die den Kooperativen zuerteilten Konzessionen.

 

VI.

Die Aufgaben der Kooperativen werden erst nach der proletarischen Revolution zur vollen Entwicklung gelangen. Aber auf die Erfahrungen Sowjetrusslands fußend, kann man schon jetzt einige charakteristische Züge dieser Arbeit erkennen:
a) Die Konsumvereine werden die Verteilung der Produkte nach dem Plane der proletarischen Regierung auf sich nehmen müssen. Dieses wird zu nie dagewesenem Aufblühen der Kooperativen führen;
b) die Kooperativen müssen sich zu einer Organisation heranbilden, welche die Verbindung zwischen den vereinzelten KIeinwirtschaften (der Bauern und Handwerker) und den zentralen Wirtschaftsorganen des proletarischen Staates herstellt. Diese letzteren werden mit Hilfe der Kooperativen die Arbeit der vereinzelten Kleinwirtschaften nach einem einheitlichen Plane leiten. Die Konsumvereine werden das Organ sein, welches die Lebensmittel und Rohstoffe der Kleinwirtschaften sammeln und sie den Mitgliedern der Vereine und dem Staate weitergeben wird;
c) außerdem können die Produktivgenossenschaften die kleinen Betriebe zu Werkstätten und zu den größeren Betrieben vereinigen, in denen die Anwendung der Maschinenarbeit und der wissenschaftlich-technischen Arbeitsmethoden möglich sind. Dieses wird für die Kleinwirtschaft eine technische Basis gründen, die den Aufbau der sozialistischen Betriebsorganisation ermöglicht, zur Vernichtung der individualistischen Psychologie des kleinen Fabrikanten und zur Entwicklung der kollektivistischen Psychologie führt.


VII.

In Anbetracht der wichtigen Rolle der revolutionären Kooperative in der Epoche der proletarischen Revolution, schreibt der III. Kongress der Kommunistischen Internationale den kommunistischen Parteien, Gruppen und Organisationen vor, die energische Propaganda der Idee der revolutionären Kooperativen und der Organisation kommunistischer Zellen in den Kooperativen fortzusetzen, die Kooperativen in ein Organ des Klassenkampfes zu verwandeln und eine einheitliche Front der Kooperative mit den revolutionären Gewerkschaftsvereinen zu schaffen.
Der Kongress überlässt der Exekutive der Kommunistischen Internationale die Organisation einer kooperativen Sektion, die alle aufgezählten Aufgaben durchzuführen hat; außerdem muss diese Sektion Versammlungen, Konferenzen und Kongresse zur Verwirklichung der kooperativen Aufgaben in internationalen Maßstabe zusammenrufen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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