Molotow
Bericht der Delegation der KPdSU (B) in der Komintern

am 25. Februar 1930

 

Übersetzung des russischen Orignaltexts

von Wolfgang Eggers

[Der Übersetzer bittet um Nachsicht für höchst wahrscheinliche Fehler bei der Übersetzung]





Genossen,

seit dem XV. Parteitag hat sich die kommunistische Weltbewegung auffallend verändert. Dies ist vor Allem einerseits auf die tiefgreifenden Veränderungen in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der kapitalistischen Staaten und andererseits auf die rasante Entwicklung der Sowjetunion zurückzuführen.
Der Ausbruch der Wirtschaftskrise des Kapitalismus hat die kapitalistische Stabilisierung untergraben. Diese Krise hat jetzt einen globalen Charakter. Sie ist grundlegend Ausdruck der allgemeinen Krise des Kapitalismus, die sich mit außergewöhnlicher Kraft ausbreitet und vertieft. Die Wirtschaftskrise hat in einzelnen Ländern bereits politische Krisen ausgelöst.
Auf der Grundlage der wachsenden Krise des globalen Kapitalismus verschärfen sich alle Widersprüche des kapitalistischen Systems.
Im Bereich der internationalen Beziehungen zwischen den kapitalistischen Ländern wachsen jetzt mehr und mehr akute Widersprüche. Der Kampf um die Weltherrschaft übt einen beispiellosen Druck aus. Mit dem Widerspruch zwischen den imperialistischen Ländern hat sich gleichzeitig der Widerspruch zwischen den imperialistischen Mächten und den Kolonien und abhängigen Ländern verschärft. Dies trifft ganz besonders auf Indien und China zu.
Zur gleichen Zeit gibt es eine weitere Verschärfung der Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Länder. Ausdruck dafür ist die wachsende Faschisierung der bürgerlichen Staaten. Damit verbunden bewegt sich die Sozialdemokratie schnell in Richtung Wiedergeburt des Sozialfaschismus.
Die Klassenkämpfe in den kapitalistischen Ländern nehmen einen schärferen Charakter an. Der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie geht in die Offensive. Das Wachstum der Elemente für einen neuen revolutionären Aufschwung wird zu einer unbestreitbaren Tatsache. Daraus ergeben sich für die kommunistischen Parteien Änderungen in ihrer Taktik.
Die Kommunistischen Parteien und die Komintern als Ganzes müssen sich auf diese neuen Bedingungen einstellen und die Aufgaben des revolutionären Kampfes neu bestimmen.
Die Weltwirtschaftskrise der bürgerlichen Ländern entwickelt sich unter den Bedingungen des siegreichen sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion. Damit erfüllt die Sowjetunion eine beispiellose Rolle als internationaler revolutionärer Faktor. Der Zusammenbruch der kapitalistischen Stabilisierung und gleichzeitige Aufstieg der sozialistischen Wirtschaft in der UdSSR zeigen den breitesten Massen der Arbeiterklasse aller Länder und den unterdrückten Massen der Kolonien in aller Offenheit den unvermeidlichen Zusammenbruch des Kapitalismus. Durch die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR wird der internationale Kampfruf zum Sieg des Weltsozialismus immer lauter.
Die Komintern hat diese grundlegenden Faktoren der globalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung rechtzeitig bewertet. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Losungen des VI. Weltkongresses. Der VI. Weltkongress analysierte vor allem die weltweite Entwicklung und die Perspektiven, welche durch die die darauf folgenden Ereignisse bestätigt wurden. Die Beschlüsse des VI. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale richteten sich gegen alle Arten von opportunistischen Tendenzen, vor allem gegen die rechte Abweichung in den kommunistischen Parteien. Dies war von großer Bedeutung für den Kampf unter den breitesten Massen des Proletariats. Die Ereignisse zeigen deutlich, dass die kommunistische Bewegung und die Mobilisierung der Arbeitermassen unter dem Banner des revolutionären Kampfes für den Sturz des kapitalistischen Systems der Unterdrückung nur durch den konsequente Kampf für die leninistische Politik der Komintern vorangetrieben werden konnten .

Wenden wir uns nun den wichtigsten Themen der Kommunistischen Internationale zu:



I

Die wachsende Krise des Weltkapitalismus

und die Linie der Komintern.


1

Über die Weltwirtschaftskrise


Ich beginne mit der Frage der Wirtschaftskrise. Genosse Stalin hat im politischen Bericht des Zentralkomitees bereits eine angemessene Analyse der Krise gegeben. Dazu ein paar Bemerkungen:
Fast am Vorabend der Krise in Amerika kam das bekannte Buch des Hoover-Ausschusses heraus mit dem Titel "Letzte Änderungen in der Wirtschaft der USA". Dieses Buch untersucht alle Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Und es bietet auch eine Gesamtbeurteilung der Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung von Amerika. In diesem Buch verschwendete der amtierende US-Präsident Hoover keinen Gedanken daran, dass sich die Vereinigten Staaten am Vorabend der tiefsten Wirtschaftskrise befindet. Er sagte vielmehr: "Wir haben vor uns eine grenzenlose Feld", "es gibt neue Bedürfnisse, für deren Befriedigung wir den Weg frei machen werden." In dem Buch wird jede Möglichkeit einer Krise ausgeschlossen. So heißt es darin:
"Der Wirtschaftsprozess von Produktion und Konsumtion vollzog sich zeitweise abrupt und war unvorhersehbar. Die Überproduktion wurde durch Produktionsbeschränkungen gebremst, so dass der Verbrauch gefestigt werden konnte. Seit 7 Jahren haben wir uns ganz klar auf das Gleichgewicht von Produktion und Konsum konzentriert" (" Die jüngsten Veränderungen in der Wirtschaft der USA“, "Band I, Seite 15 - Zeitraum von 1922 bis 1929 – Anmerkung des Verfassers).
Wie hieraus hervorgeht, erfreuten sich Herr Hoover und der Wirtschaftsausschuss selbstbewusst der Prognose, dass vor dem nordamerikanischen Kapitalismus eine Periode der "grenzenlosen" Entwicklung stehe, dass die politischen Führer der USA „ein Gleichgewicht von Produktion und Konsumtion gewährleisten" und einen "intermittierenden Schlaganfall von Produktion und Verbrauch vermeiden", dh. die neue Krisen in den Griff zu bekommen. Fast auf den Tag genau nach dieser Veröffentlichung zeigten sich in den Vereinigten Staaten bereits die ersten Anzeichen der nahenden Krise. Als die Krise im Oktober mit dem Börsenkrach in New York begann, hatte die Verschlechterung der Situation vorher längst begonnen. Bereits im Juli begann sich die Lage zu verschlechtern, nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland. Die Krise verwandelte sich in eine globale Krise.
Einer der deutlichsten Indikatoren für diesen Prozess ist die Reduzierung des Außenhandels. In der Tat war der Außenhandel von insgesamt 48 Ländern im ersten Quartal des Jahres 1930 , verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, um 9,6% gesunken. Dies traf insbesondere auf die großen kapitalistischen Länder zu, in denen die Reduzierung des Außenhandels (im April 1930 im Vergleich zum April 1929) folgende Dimensionen erreichten (in Prozent):
Import - 25
Export - 22
Vereinigte Staaten
___
Deutschland
- 29
- 21

___
England
- 19
-23

__
Frankreich
-11
-15

Diese Krise ist eine Krise der Überproduktion. Dies bedeutet, dass die Produkte der kapitalistischen Industrie nicht genügend Absatz finden. Dies führte in einigen Ländern zum Rückgang des Wachstums und sogar zu empfindlichen Einbußen der Produktion. Zum Beispiel sank der Index der Industrieproduktion (im ersten Quartal 1930 gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres): in Deutschland um 7,8%, in den USA um 11%, und Polen sogar um 16,7%. Für England war der entsprechende Index nahezu stabil geblieben (nur um 0,5% gestiegen, und in Frankreich nur um 4,8%).
Können wir sagen, dass sich der Kapitalismus vor allem in der Nachkriegszeit schneller entwickelt hat? Nein, das kann man nicht sagen. Mit Ausnahme von Frankreich und den USA ist der Umfang der Produktion nicht weit vom Vorkriegsniveau entfernt. Wenn wir Europa ohne die UdSSR betrachten, stellt sich heraus, dass die Produktion in den wichtigsten Industriezweigen (Rohstoffe, Kohle, Öl, Metalle, Chemikalien, Lebensmittelverarbeitung) im Jahr 1927 das Vorkriegsniveau nur um 9% überschritten hatte. Dies bedeutet, dass das Wachstum der Branche in der Nachkriegszeit in Europa ziemlich niedrig war, vor Allem wenn man das Bevölkerungswachstum berücksichtigt.
Es ist auch wichtig herauszufinden, ob die Produktionsmaschinerie des existierenden Kapitalismus überhaupt richtig zum Tragen kommt ? Nach den Berechnungen unserer Ökonomen des Gosplans stellt sich heraus, dass die Weltproduktion die doppelte Kapazität der Vorkriegsproduktion längst hätte erreichen müssen. Tatsächlich aber ist mindestens ein Drittel des gesamten kapitalistischen Produktionsapparats nicht in Gebrauch, also ungenutzte Kapazitäten. Trotzdem haben wir eine tiefe globale Wirtschaftskrise.
Die Industriekrise in den kapitalistischen Ländern fällt zusammen mit einer Agrarkrise in den unterentwickelten Ländern. Die Krise in der Landwirtschaft ist gekennzeichnet durch einen enormen Preisrückgang für Agrarprodukte. Dieser Preisrückgang vollzog sich schon vor der aktuellen Wirtschaftskrise bei den wichtigsten Agrarprodukten wie Baumwolle, Jute, Wolle, Seide, Gummi, Palmöl, sowie Weizen, Reis, Kartoffeln, Zucker, Kaffee, Tee und Kakao. Wegen der akuten Krise, insbesondere aufgrund der reduzierten Nachfrage nach Rohstoffen in der Industrie, ist es zu einer enormen Verschlechterung der Lage der arbeitenden Massen gekommen.
Die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft in den kapitalistischen Ländern steht vor großen Problemen. Wie soll sich die Produktion von Nahrungspflanzen entwickeln können, wenn der Verbrauch von Weizen und Roggen pro Kopf rückläufig ist ?

Im Jahr 1928 wurde der Verbrauch von Weizen und Roggen im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg in England reduziert um 10%, in den USA um 13%, in Deutschland um 18 %, und so weiter. Auf der anderen Seite steht der Produktion von anderen landwirtschaftlichen Produkten unter kapitalistischer Herrschaft ein zunehmend unzureichender Verbrauch gegenüber. Im Vergleichszeitraum von 1923-24 gegenüber 1927-28 überschreitet die Weltproduktion von Zucker den weltweiten Verbrauch um 1,8 Millionen Tonnen im Jahresdurchschnitt. Die weltweite Tee-Produktion stieg seit der Vorkriegszeit um 20%, und der Verbrauch nur um 4%. In den letzten 2 Jahren stieg der Verbrauch gegenüber der weltweiten Produktion von Kaffee im jährlichen Durchschnittsverbrauch nur um die Hälfte, und so weiter. Um die Preise von Weizen und Mais in den USA künstlich hoch zu halten, wurden Weizen und Mais als Brennstoffe verwendet. Und riesige Mengen von brasilianischem Kaffee wurden ins Meer geschüttet. Auf ähnliche Weise wurden auch riesige Mengen anderer Lebensmittel vernichtet. Noch vor der Weltwirtschaftskrise führte die Krise der Landwirtschaft in den kapitalistischen Ländern zu der Tatsache, dass die Landwirtschaft den Einsatz von mineralischen Düngemitteln begrenzte.
Die anhaltende Agrarkrise und die damit verbundene Verarmung der Bauernmassen haben einen großen Einfluss auf die Bedingungen der Weltwirtschaftskrise. Und die Weltwirtschaftskrise führt ihrerseits durch die Reduzierung der Produktion zur Verringerung der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Rohstoffen, was die Agrarkrise beschleunigt. Da die Industriekrise mit der Agrarkrise verflochten ist, bedeutet dies noch größere Hindernisse für die Entwicklung der Produktivkräfte in den kapitalistischen Ländern.
Es ist charakteristisch, dass die aktuelle Wirtschaftskrise im Gegensatz zur Vorkriegszeit nicht aus dem Gesamtwachstum der Industrie in allen Ländern hervor gegangen ist. In der Zeit von 1928 bis 1929 begrenzte sich der Anstieg nur auf die USA, Frankreich, Schweden, Belgien und Holland. In England, Deutschland, Japan und Italien kam es nur kurzfristig zu einer Erholung. Depressionen und Krisen traten in den Agrarländern auf. Die aktuelle Krise erfasst auch die meisten kapitalistischen Länder. Sie beginnt bereits in Frankreich zu wirken.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Krise länger andauern wird. Optimistische Aussagen über ein schnelles Ende der Krise sind nirgends mehr zu hören. In den letzten Jahren hat das enorme Wachstum der kapitalistischen Monopole nicht zur Verbesserung der kapitalistischen Wirtschaft als Ganzes beigetragen. Im Gegenteil, die Krise des Monopolkapitalismus führt zu Verschärfung und Vertiefung der Weltwirtschaftskrise.
In der Tat nahm die Konzentration des Kapitals in den letzten Jahren rapide zu. Ich beschränke mich hier diesbezüglich auf ein paar Fakten. In den USA gab es in den letzten Jahren ein Zusammenschluss der großen kapitalistischen Monopole. Einige von ihnen haben eine dominierende Position auf dem globalen Markt. Ein Beispiel dafür ist die globale Automobilindustrie, eine riesige Produktion. Zwei Drittel wird von nur zwei kapitalistischen Monopolisten abgedeckt - Ford und General Motors. Die Bildung der mächtigsten kapitalistischen Monopole steigt auch rasch und Deutschland an. Laut kürzlich veröffentlichter Daten, machen die größten Unternehmen mit einem Kapital von 5 Millionen Mark nur 0,5% der Anzahl aller Unternehmen aus, aber 41% nach Wert. Ihr Gesamtkapital beträgt 19,8 Milliarden Mark. In den letzten 3 Jahren stieg das Kapital der riesigen Unternehmen um 4,4 Milliarden Mark. Das macht 50% sämtlicher Kapitalerhöhungen in Deutschland aus. Ein weiteres Beispiel: Vor Kurzem haben sich die französischen Radikalen und ihr Führer Daladier, der um die Wählerschaft des Kleinbürgertums buhlt, im Parlament darüber empört, dass einige 200-300 Familien in Frankreich die größten Industriezweige - Metallurgie, Öl-Unternehmen usw. in ihren Händen haben.
Die Macht der kapitalistischen Monopole besteht darin, dass sie in der Phase des Entstehens der Krise daran festhalten, hohe Monopolpreise für ihre Produkte zu verlangen. In der Krise gab es in Deutschland zum Beispiel einen deutlichen Rückgang bei den so genannten „freien“ Marktpreisen, aber weiterhin hohe Preise für Produkte der größten Trusts. Auf der anderen Seite ist der Rückgang der Großhandelspreise nicht beim Verbraucher angekommen, und nur in den seltensten Fällen kommt es zu einer Reduzierung der Lebenshaltungskosten. In einigen Ländern kommt es jedoch auch zur Erhöhung des Preisindex. Das Monopolkapital führt einen erbitterten Kampf für die Beibehaltung der Preise. Und eben unter diesen Bedingungen verschärft sich zwangsläufig die Krise. Das Monopolkapital bürdet die Lasten der Krise anderen Branchen auf, vor Allem den Kleinbauern, Arbeiter usw. Und das ist das größte Hindernis für eine Erholung in der kritischen Lage.
Der Marxismus lehrt, dass "in Zeiten der Krise, der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung besonders krass hervortritt und dass diese beiden gegensätzlichen Kräfte heftig aufeinander prallen" (Engels).

In ihrem Streben nach Profit drängen die Kapitalisten auf Ausweitung der Produktion bei gleichzeitiger Verringerung des Niveaus der materiellen Lebensbedingungen der überwiegenden Masse der Bevölkerung. Dies ist in den kapitalistischen Ländern ein unüberwindliches Hindernis für eine rasche Entwicklung der Produktivkräfte der kapitalistischen Wirtschaft. Wer die materiellen Lebensbedingungen der Arbeiterklasse und der breiten Massen auf dem Dorf auf das niedrigste Niveau drückt, wie es unter der Herrschaft des Kapitalismus der Fall ist, schränkt damit jede Möglichkeiten der industriellen Entwicklung ein. Die Armut zwingt die Massen zur Drosselung ihres Konsums, was sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Der Kapitalismus kann diesen Widerspruch zwischen Wachstum der Hochtechnologie und dem Sinken des Lebensniveaus der breiten Massen des Volkes nicht lösen.
Unser Hauptaugenmerk gilt der Frage des sinkenden Lebensstandards der Massen der Werktätigen in den kapitalistischen Ländern. Hier sind einige Zahlen zu nennen. Im mächtigen kapitalistischen Land – England – ist eine erhöhte Ausbeutung der Arbeiter zu verzeichnen, ihre Reallöhne erreichten bis zum Ende des letzten Jahres nur 95,2% (einschließlich Arbeitslose) das Niveaus von 1914. in Deutschland fielen nach Aussage von bürgerlichen Ökonomen (zB F. Sternberg) die Lohnkosten unter das Vorkriegsniveau. Nach den statistischen Zahlen von Kuczynski sank das Einkommen der deutschen Arbeiter allein in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 um 13,6%. Die Lage der arbeitenden Massen in den kapitalistischen Ländern wird besonders deutlich durch die Statistiken der Arbeitslosigkeit. Ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten ist ein typisches Phänomen für die meisten kapitalistischen Ländern.
7 Millionen Arbeitslose in den USA. In Deutschland hat die Zahl der Arbeitslosen enorme Ausmaße angenommen - 5 Millionen. In Großbritannien gibt es mehr als zwei Millionen Arbeitslose. In Polen ist jeder Zweite arbeitslos. Aber das Schlimme ist, dass die Arbeitslosigkeit auf lange Sicht nicht etwa zurück geht, sondern noch weiter zunehmen wird. Kürzlich sang die Sozialdemokratie sogar ein Loblied auf die kapitalistische Rationalisierung. Herr Leipart, ein Führer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erklärte kürzlich:
"Wir haben immer für einen kürzeren Arbeitstag gekämpft und sind für die Nutzung des technologischen Fortschritts durch eine modernisierte Unternehmensorganisation seitens der Arbeitgeber. Wir konnten daher nicht gegen die "Rationalisierung" handeln. Im Gegenteil, wir haben diese zugelassen und vereinbart, dass die Opfer der Rationalisierung von der Arbeiterklasse getragen werden" (aus dem Bericht von Leipart auf dem Hamburger Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes).
Jetzt befinden sich die deutschen Sozialdemokraten auf dem Rückzug. Am 28. Mai 1930 heißt es im "Vorwärts":

"Eine der wichtigsten Ursachen für die steigende Arbeitslosigkeit ist die zu schnelle deutsche Rationalisierung der Produktion."

So wird die gleiche Rationalisierung, die der Entwicklung der Industrie in Deutschland dienen sollte, zu einem der Hauptgründe für die Verschärfung der Krise und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit.


Die aktuelle Wirtschaftskrise geht aus der allgemeinen Krise des Kapitalismus hervor. Seit den imperialistischen Krieg, und vor allem seit dem Sieg der proletarischen Revolution in der Sowjetunion, begann eine neue Phase in der Entwicklung des Kapitalismus. Die kapitalistische Welt als Ganzes existierte nun nicht mehr. Neben dem System des Kapitalismus wächst die sozialistische Wirtschaft der Sowjetunion. Die Existenz und die Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen der UdSSR untergraben die Wurzeln des Weltkapitalismus. Auf der anderen Seite wird das kapitalistischen System auch von der anti-imperialistischen Bewegung in den Kolonien und den abhängigen Ländern untergraben. Inzwischen ist das Interesse am kolonial-imperialistischen Markt riesig. So erhielt England im Jahre 1928 ein Vielfaches von Erträgen aus ausländischen Investitionen in Höhe von rund 5,6 Milliarden Rubel - allein 2 850 Millionen Rubel Dividenden und die Zahlung von Seefrachten -1350000000 Rubel ("Daily Telegraph" am 9. Mai 1930 – Angabe gemäß Völkerbund). Die Verengung des Marktes und der Mangel an Perspektiven für die Expansion des Kapitalismus schafft immer größere Schwierigkeiten wie die riesige, stetig steigende Arbeitslosigkeit als die bekannteste Erscheinung der Entwicklung der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Es ist ein chronisches Phänomen geworden mit ansteigender Tendenz. All dies führt zu einer Erhöhung des Verfalls des Kapitalismus und Zunahme seines parasitären Charakters. Das wird deutlich am Beispiel der Struktur des Arbeitsmarktes. Relevante Zahlen in Bezug auf England belegen, dass in den letzten 5 Jahren (1924-1929) die Zahl der Arbeiter in den produktiven Sektoren der britischen Wirtschaft zurück gegangen ist. Innerhalb von 5 Jahren hat sich diese Gruppe von Arbeitern von 9.157.000 auf 9.004.000 verringert. Auf der anderen Seite stieg die Zahl der Beschäftigten in den nicht-produktiven Sektoren der britischen Wirtschaft im gleichen Zeitraum von 2.351 Tausend auf 3090 Tausend (eine Steigerung um 739.000). Das gleiche Bild ergibt sich auch in den USA. Bezug nehmend auf das bereits oben erwähnte Buch "Die jüngsten Veränderungen in der Wirtschaft der USA" , so wird darin festgestellt, dass in der Nachkriegszeit in Amerika ein Anstieg der Zahl der Personen in nicht-produktiven Berufen und ein Niedergang der in der Industrie beschäftigten Arbeiter zu verzeichnen ist. Also für den Zeitraum 1920 bis 1927 ist die Zahl der Menschen im Bergbau und in der Fertigungsindustrie gesunken, und zwar von 12 400 Tausend auf 11.883 Tausend ( 517 Tausend Personen). Gleichzeitig stieg die die Zahl der Beschäftigten des Handels, der Hotels, Restaurants und der Unterhaltungsunternehmen (Filmemacher, Künstler, Musiker) von 1.408 Tausend um 575 Tausend auf 190.000. De facto ist das eine Reduzierung der produktiven Arbeiter. Damit zeigt sich die völlige Unfähigkeit des kapitalistischen Systems, die Produktivkräfte zu entwickeln. Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll die Entwicklung der wachsenden allgemeinen Krise des Kapitalismus.



2.

Die Linie der Kommunistischen Internationale und der Kampf gegen Rechtsopportunismus.


Welche Bewertung des Kapitalismus hatte die Kommunistische Internationale in der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise vorgenommen, und wie weit ist diese durch die tatsächlich eingetretenen Ereignisse bestätigt worden?

Es ist leicht zu zeigen, dass die Kommunistische Internationale eine zeitnahe Analyse der Entwicklung des Kapitalismus vorgenommen hatte, die vollständig von den Fakten der globalen Wirtschaftskrise bestätigt worden ist.
Auf dem XV. Parteitag beurteilte der Genosse Stalin in seinem politischen Bericht des Zentralkomitees die Aussichten für die Entwicklung des Kapitalismus wir folgt:

Aus der Stabilisierung selbst, aus der Tatsache, dass die Produktion wächst, dass der Handel wächst, dass der technische Fortschritt und die Produktionsmöglichkeiten wachsen, während der Weltmarkt, die Grenzen dieses Marktes und die Einflusssphären der einzelnen imperialistischen Gruppen mehr oder weniger stabil bleiben – gerade daraus erwächst die tiefste und schärfste Krise des Weltkapitalismus, die mit neuen Kriegen schwanger geht und das Bestehen jeder wie immer gearteten Stabilisierung bedroht. Aus der teilweisen Stabilisierung erwächst eine Verschärfung der Krise des Kapitalismus, die anwachsende Krise legt die Stabilisierung in Trümmer – das ist die Dialektik der Entwicklung des Kapitalismus im gegebenen historischen Moment.“

Aus der Stabilisierung erwächst die Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege“ (Stalin Werke Band 10, Seite 237 – 238 und 244).


Diese Positionen, die Genosse Stalin hier vertreten hat, bildet die Grundlage für alle Entscheidungen sowohl für unsere Partei im Besonderen, als auch für die Kommunistische Internationale im Allgemeinen. Das war auch die Grundlage für die Beschlüsse des VI. Weltkongresses der Komintern. Der VI. Weltkongress erstellte eine Analyse der so genannten "dritten Periode" in der Nachkriegsentwicklung des Kapitalismus, worin die Unvermeidlichkeit der weiteren Erschütterung der kapitalistischen Stabilisierung und die weitere Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus betont wurde.
Die Komintern hat die dritte Periode auf ihrem VI. Weltkongress wie folgt definiert:

Die dritte Periode ist in der Hauptsache diejenige Periode, in der die kapitalistische Wirtschaft ihr Vorkriegsniveau übersteigt und in der die Wirtschaft der UdSSR fast gleichzeitig das Vorkriegsniveau übersteigt (der Beginn der sogenannten „Wiederaufbauphase" durch das weitere Wachstum der sozialistischen Wirtschaftsformen auf der Grundlage der neuen Technik). Für das kapitalistische System ist das die Zeit der raschen Entwicklung der Technik und des beschleunigten Wachstums der Kartelle und Trusts, und wo Entwicklungstendenzen zum Staatskapitalismus beobachtet werden können. Zugleich ist es eine Zeit der intensiven Entwicklung der Widersprüche des Weltkapitalismus, bedingt durch die vorausgegangenen Prozesse der Krise des Kapitalismus (Kontraktion der Märkte, die UdSSR, die koloniale Bewegungen, das Wachstum der inhärenten Widersprüche des Imperialismus). Diese dritte Periode, in der der Widerspruch zwischen dem Wachstum der Produktivkräfte und der Kontraktion der Märkte besonders hervorsticht, ist unvermeidlich. Sie führt zu einer erneuten Serie von imperialistischen Kriegen: zwischen den imperialistischen Staaten selbst; Kriege der imperialistischen Staaten gegen die Sowjetunion; nationale Befreiungskriege gegen den Imperialismus und imperialistischen Interventionen. Und mit der dritten Periode beginnen gigantische Klassenkämpfe. Die Intensivierung aller internationalen Antagonismen (Gegensätze zwischen den kapitalistischen Staaten und der UdSSR, die militärische Besetzung von Nord-China -, die der Anfang der Verteilung Chinas ist - die Kämpfe zwischen den Imperialisten untereinander, etc.), die Intensivierung des inneren Widersprüchen der kapitalistischen Länder (das Schwenken der Masse der Arbeiterklasse nach links, der sich verschärfende Klassenkampf) und die breite Entwicklung der kolonialen Bewegungen (China, Indien und Syrien), die in diesem Zeitraum stattfinden, wird durch die weitere Entwicklung der Widersprüche der kapitalistischen Stabilisierung unweigerlich dazu führen, dass sich die kapitalistische Stabilisierung um so prekärer und intensiver in die allgemeinen Krise des Kapitalismus verwandelt. (aus: VI. Weltkongress - Die internationale Lage und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale“ veröffentlicht im November 1928).

Diese Einschätzung der Perspektiven der Entwicklung des Kapitalismus ist durch die Folgen der globalen Wirtschaftskrise vollkommen bestätigt worden. Die Weltwirtschaftskrise hat zum Zusammenbruch der kapitalistischen Stabilisierung geführt.

Es sollte angemerkt werden, dass diese Einschätzung der Komintern vollkommen im Gegensatz steht zur Linie der rechten Elemente. Die rechte Abweichung drückte sich aus in der Position der Leugnung der unvermeidlich eingetretenen Fäulnis der kapitalistischen Stabilisierung. Der bekannteste Vertreter dieser Ansicht war Genosse Bucharin. Man braucht nur den ersten Entwurf der Thesen des Genossen Bucharin zum VI. Weltkongress mit der tatsächlich eingetretenen Lage zu vergleichen, um die falsche politische Einstellung des Genossen Bucharin zu erkennen. Genosse Bucharin war in dieser Zeit der Ideologe des Rechtsopportunismus in der Komintern, als die sozialdemokratischen Ansichten über den Ausbau der kapitalistischen Stabilisierung propagiert wurden (siehe: Hilferding über die Theorie der "Verwertung" des Kapitalismus).
Der Kampf in den Reihen der Komintern gegen die Ansichten der rechten Abweichler über diese grundlegende Frage war von großer, grundlegender und praktischer Bedeutung. Dieser Kampf war auch deswegen so wichtig, um die Auswirkungen des rechten Opportunismus auf die Sektionen der Komintern zu verhindern.
Zu diesem Zeitpunkt predigten die meisten Mitglieder der amerikanischen kommunistischen Partei (Lovestone und Pfeffer) ihre Abkehr vom Kommunismus mit der Theorie der "Exklusivität" des amerikanischen Imperialismus, welcher angeblich außerhalb der Entfaltung der allgemeinen Krise des Kapitalismus stehen würde. Sie gingen von der Ansicht aus, dass der amerikanische Kapitalismus charakterisiert sei durch "eine beispiellose Geschwindigkeit des Wachstums und seiner Wirtschaftskraft" (Pfeffer). Und Lovestone sprach sogar von einer "zweiten industrielle Revolution" in den Vereinigten Staaten. Ferner schrieb Lovestone:
"Die Krise in der Kohle-, Öl- und Textilbranche der USA ist nicht etwa ein Zeichen des beginnenden Niedergangs des amerikanischen Imperialismus. All dies sind vorübergehende Krisen, die im Prozess des weiteren Ausbaus der Rationalisierung überwindbar sind, was höhere Gewinne und Wachstum des amerikanischen Imperialismus bedeutet. Darin besteht auch der wesentliche Unterschied zwischen der Krise in einzelnen Branchen der USA und der Krise die meisten Branchen in Großbritannien und Italien."
Lovestone und Pfeffer wollen das Wachstum der inneren Widersprüche der kapitalistischen Entwicklung in den USA nicht sehen. Sie wollten nur das Anwachsen der Widersprüche außerhalb der USA sehen. Und dies ist eines der charakteristischen Merkmale ihrer rechten Abweichung. Auch nach der akuten Krise in den USA schrieb der Renegat Lovestone: "Die Panik an der Wall Street war nicht etwa die Folge der Schwächung der amerikanischen kapitalistischen Wirtschaft, sondern ein Ausdruck der wahren Stärke der amerikanischen kapitalistischen Wirtschaft" usw.- ("Revolutionary Age“ vom 15. November 1929). So verbeugte sich Lovestone vor dem amerikanischen Kapitalismus. Es ist klar, dass sich die Komintern von solchen anti-proletarischen Elementen reinigen musste.
Ein weiteres Beispiel für die Ehrfurcht vor den Kräften des Kapitalismus sind die rechten Renegaten aus Schweden, deren Führer Chilbum im September letzten Jahres schrieb: "Für den schwedischen Kapitalismus kommen wieder goldene Jahre ... und es wäre eine bewusste oder unbewusste Täuschung der Arbeiter, wenn wir ihnen sagen würden, dass die kapitalistische System in Schweden
instabil sei, dass es dort eine Wirtschaftskrise geben würde ... " (Hervorhebung vom Verfasser). Und schließlich wird in Frankreich in den Reihen des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes im Herbst des vergangenen Jahres auf dem Kongress erklärt, dass der Kapitalismus sich in den kommenden 30 – 40 Jahren ohne Kämpfe und Krisen entwickeln würde. Die Komintern kann ihre Reihen nicht von solchen faulen opportunistischen Elementen reinigen, ohne deren Einfluss auch bis hinein in die kommunistischen Parteien zu bekämpfen. Daher ist der Kampf gegen die rechtsopportunistischen Elemente eine der Hauptbedingungen, um die revolutionäre Linie der Komintern zu verteidigen und die Massen der Arbeiter unter dem Banner der Kommunistischen Internationale zu mobilisieren.
Die rechtsopportunistischen Elemente singen das Lied von Hilferding über den "organisierten Kapitalismus". Zur Verbreitung dieser Ideologie in den Reihen der Kommunistischen Internationale hat insbesondere der Genosse Bucharin beigetragen. Nach dem VI. Weltkongress veröffentlichte er einen Artikel, in dem er schrieb: "Die Probleme des Marktes, der Preise, des Wettbewerb, der Krisen der Weltwirtschaft werden zunehmend durch inländische Probleme der Organisation ersetzt" ("Die Wahrheit", 26. Mai 1929). . Solche Aussagen des Genossen Bucharin verursachten auch in der sozialdemokratischen Presse entsprechende Kommentare:
"Bucharin geht in seiner Beurteilung der organisatorischen und wirtschaftlichen Folgen des Monopolkapitalismus weit über die sozialdemokratischen und bürgerlichen Theoretiker hinaus. Weder Hilferding in seiner berühmten Bemerkungen auf dem Kieler Parteitag, noch Sombart haben behauptet, dass die Hauptkategorien der kapitalistischen Wirtschaft (Preis, Markt, Wettbewerb) in einer hoch entwickelten kapitalistischen Organisationen verlagert werden" (" Kampf ", im Dezember 1929).

Schließlich sollte nicht vergessen werden, dass Bucharin seine opportunistische Theorie vom "organisierten Kapitalismus" bislang noch nicht revidiert hat.

Wenn wir die Notwendigkeit des zunehmenden Rückgangs der kapitalistischen Stabilisierung hervorheben, so dürfen wir nicht in das andere Extrem fallen. In diesem Sinne erinnern wir an ein lehrreiches Beispiel von Fehlern, die von einigen „Linken“ in der Vergangenheit gemacht worden sind. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang auf einige der Aussagen von Trotzki hinzuweisen, die er vor ein paar Jahren machte.

Trotzki hatte immer wieder argumentiert, dass es "seit dem imperialistischen Krieg in Europa keine Entwicklung der Produktivkräfte gäbe" (Leo Trotzki, "Europa und Amerika", 1926), dass das Schicksal von Europa geprägt werde durch "absolute Stagnation und Verfall" (Leo Trotzki , "Fünf Jahre der Kommunistischen Internationale"). Dies hat den "linken" Trotzki nicht daran gehindert, den amerikanischen "Wohlstand" zu besingen. In der Tat, seine Rede über das, was Europa "auf Ration" gesetzt hatte, war eine Art Neuauflage der Theorie von der "Exklusivität", aus der später das Fundament der rechten Renegaten in der amerikanischen Kommunistischen Partei aufgebaut wurde. Und in diesem Fall bereitete Trotzki mit seinen linken Phrasen den Weg für eine feindliche, rechtsopportunistische Linie gegen die Komintern.
Bucharin erkannte nicht den Zusammenhang zwischen den "linken" und rechten Ansichten.
Also, auf der einen Seite schrieb er über das "friedliche Hineinwachsen der kapitalistischen Elemente in den Sozialismus" und von der "Drosselung des Entwicklungstempos der Industrie", und in seinen anderen Studien schmuggelte Bucharin seine Idee vom "organisierten Kapitalismus" ein. Dieses Beispiel zeigt den theoretischen Eklektizismus des Genossen Bucharin. Der Verlauf der Weltwirtschaftskrise widerlegt und zerstört die rechtsopportunistische Illusion vom "organisierten Kapitalismus".Die Wirtschaftskrise hat alle Widersprüche des Kapitalismus eindringlich verschärft. In einigen Ländern gibt es Voraussetzungen dafür, dass die Wirtschaftskrisen sich zu politischen Krisen ausweiten. In den Arbeitermassen reift das Bewusstsein von der Notwendigkeit des revolutionären Sturz des Kapitalismus und die Notwendigkeit, für den Sozialismus zu kämpfen. Die Erfolge der sozialistischen Revolution in der Sowjetunion begeistert zunehmend das Proletariat aller Länder. Und zur gleichen Zeit sieht das Weltproletariat in der Weltrevolution die einzige Möglichkeit, die Widersprüche des Kapitalismus zu lösen.



II.

Krise und Verschärfung

der internationalen Gegensätze.


1.

Über die Widersprüche im imperialistischen Lager.


Ich wende mich jetzt der Frage der Verschärfung internationaler Konflikte zu.
Schon während des Krieges wies Lenin in seiner Analyse des Imperialismus darauf hin, dass die territoriale Aufteilung der Welt abgeschlossen ist und eine Neuaufteilung der Welt beginnt ( durch internationale Kartelle, Thema: Kolonien). Der imperialistische Krieg war ein Krieg um die Neuaufteilung der Welt. Und das Kriegsende leitete mit einem Paukenschlag den Kampf der internationalen Monopole um die Warenmärkte, Rohstoffmärkte, die Märkte für den Kapitalexport ein.
Die Nachkriegszeit war geprägt durch die Tendenz der mächtigsten kapitalistischen Monopole, sich immer mehr im internationalen Maßstab zu etablieren. In dieser Hinsicht zeigte sich besonders der amerikanische Imperialismus aktiv. Er dringt in die verschiedenen Sektoren der Wirtschaft ein, und zwar nicht nur in den Kolonien und abhängigen Ländern, sondern auch in europäische Ländern wie z.B. in Deutschland. Trotz der Gegensätze zwischen Frankreich und Deutschland wuchs die Zahl der deutsch-französischen Monopolverbände. Bis zum Ende des letzten Jahres wurden mehr als 40 solcher deutsch-französischen Verbände gezählt (- im Bereich der Metallurgie, Chemie, usw.)
Der Kampf um die Märkte wird begleitet durch einen Anstieg des Protektionismus, das heißt, die Aktivitäten ausländischen Kapitals werden auf dem Binnenmarkt sanktioniert. Auf dieser Grundlage verschärft sich wiederum der Kampf um die Auslandsmärkte (Verkauf von Rohstoffen, Kapitalexport).
Die aktuelle Krise hat die kapitalistischen Länder mit Nachdruck in eine Art Ultra-Protektionismus getrieben. Die protektionistischen Tendenzen wirken überall, nicht nur bei den kleineren kapitalistischen Ländern, sondern auch bei den mächtigsten. Charakteristisch ist, dass Amerika zuerst mit der Erhöhung von Schutzzöllen angefangen hat. Vor Kurzem wurde beschlossen, die Zölle für Agrarprodukte, NE-Metalle und chemische Produkte auf bis zu 30-35% zu erhöhen. Dies geschah trotz großer Proteste in den USA. Mehr als tausend amerikanische Ökonomen waren davon überzeugt, dass solche Maßnahme unangebracht seien. Andere Ländern reagierten mit Gegenmaßnahmen. Kanada, Frankreich und andere Staaten haben ihrerseits die Zölle erhöht.
Besonders große Ausmaße nimmt die protektionistische Bewegung in England an. In den Reihen der Konservativen Partei bildete sich eine große Interessengruppe, die vom Medien-Zar Lord Beaverbrook und Rothermere angeführt wird. Sie förderten die Idee einer Zollunion des britischen Empires. Das britische Empire mit seinen ausländischen Besitzungen und Kolonien sollte mit dieser Art Stacheldraht vor der gesamten kapitalistischen Außenwelt geschützt werden. Die protektionistische Bewegung der Konservativen gewinnt auch Sympathie in den Reihen der anderen Parteien.
Großkapitalistische Länder in Europa – wie Frankreich – befinden sich auch auf dem Weg zum Ultra-Protektionismus. Die Idee der Schaffung einer "pan-europäischen", dh. einer Europäischen Union kapitalistischer Mächte, greift immer mehr um sich – insbesondere ausgehend von Frankreich. Die Errichtung einer Europäischen Zollunion ist politisch gegen die Sowjetunion gerichtet. Frankreich braucht den europäischen Markt für seine Produkte und den Kapitalexport. Das ist der Grund für seine beharrliche Idee für eine europäische Zollunion.
So mächtige kapitalistische Länder wie Amerika, Großbritannien, Frankreich – sie alle befinden sich auf dem Weg des Ultra-Protektionismus. Andere folgen ihnen. So wächst die protektionistische Bewegung auch in Deutschland, Italien und in anderen kapitalistischen Ländern. All dies führt zu einer enormen Intensivierung der Kämpfe um Märkte und damit zur unvermeidlichen Folge von internationalen Konflikten.
Der Grundwiderspruch im imperialistischen Lager wird beherrscht vom Kampf um die Weltherrschaft, insbesondere zwischen den USA und England. In diesem Kampf befinden sich die USA dank ihrer erfolgreichen wirtschaftlichen Lage auf dem Vormarsch und verdrängen England immer mehr aus den Märkten, selbst aus den Märkten der britischen Kolonien und Besitzungen. In dieser Hinsicht haben die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die Bedrohung durch die Expansion des amerikanischen Exporte weiter gestiegen, während der Export von England noch nicht einmal das Vorkriegsniveau erreicht hat (80%). Was das für England bedeutet, kann man an der Tatsache feststellen, dass 1 % der amerikanischen Exporte von Industrieprodukten etwa den Gesamtausfuhren von England in alle Länder Südamerikas entspricht.
Amerikas Stärke beschränkt sich nicht allein auf die Beherrschung der Auslandsmärkte. Mit England kämpfen die USA an allen Fronten ( Kellogg-Pakt). Bei einer Konferenz in London verankerten die USA das Prinzip der Gleichheit der amerikanischen und englischen Seestreitkräfte, womit den USA ein weiterer entscheidender Schritt zur Untergrabung der Weltherrschaft Englands über die Meere gelang. Jetzt kann England nicht mehr auf die Vorherrschaft seiner Flottenverbände zählen, und das hat auch Auswirkungen in Hinblick auf seine Kolonien und ausländischen Besitzungen. Wie scharf der Kampf zwischen England und den USA geführt wird, macht auch die Tatsache deutlich, dass die amerikanischen Imperialisten die nationalen Bewegungen in den englischen Kolonien "unterstützen". Kürzlich wurde in einigen amerikanischen Presseorganen eine Kampagne gegen den englischen Imperialismus in Indien gestartet! All dies führt zu einer derartigen Verschärfung der Widersprüche im Kampf um die Weltherrschaft, dass das Risiko eines neuen imperialistischen Weltkriegs deutlich zugenommen hat. Diese Kriegsgefahr wurde auch in der imperialistischen Presse offen ausgesprochen. Solche ehrlichen Schriftsteller des amerikanischen Imperialismus, wie L. Denny, erklärten öffentlich:
"Niemand, der mit den Fakten vertraut ist, kann behaupten, dass ein Hände-Schütteln über den großen Teich hinweg etwa einem maritimen Waffenstillstand gleichkommen würde. Wirtschaftskriege sind historisch nie weit entfernt gewesen von der Gefahr offener militärischer Kriege. In der heutigen Welt, die immer eng zusammenrückt, ist kein Platz mehr für zwei so große, feindselige imperialistische Räuber wie Großbritannien und Amerika. Entweder erkennt Großbritannien freiwillig die Hegemonie Amerikas an oder diese Hegemonie wird in blutigen Schlachten entschieden werden. "

(Lyudvell Denny – "Amerikas Sieg über Großbritannien.")
Knotenpunkt der internationalen Kontroverse in Europa ist zur Zeit der "Young-Plan." Die Siegerländer - wie Frankreich und Großbritannien- versuchen damit, ihren Wohlstand aufzubauen. Nach diesem Plan muss Deutschland in den kommenden Jahren jährlich 2 Milliarden Mark zahlen. Darüber hinaus muss Deutschland jährlich 1,6 Milliarden Mark in Form von Zinsen zahlen zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft mit Hilfe ausländischen Kapitals (USA). Der Autor, Young, sagt selbst über diesen Plan:
"Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Belastung für Deutschland nicht zu groß sein wird.“ (...)
(Young, aus einer Rede an der Universität von Kalifornien, 24. Mai 1930) (...)
Aber der Versuch der Siegerländer, die Schuld auf die Schultern der arbeitenden Menschen in Deutschland abzuladen ist unerträglich und kann nicht gut enden. Die Durchführung des "Young-Plans" wird nicht nur die Widersprüche zwischen den Ländern der Sieger und Besiegten verschärfen, sondern auch die Widersprüche zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat in Deutschland. Mit dem Young-Plan wird das kapitalistische Europa um so schneller in die nächste Krise geraten.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass sich die internationaler Konflikte selbst unter den Siegermächten verschärfen werden. Dies gilt insbesondere für die Grenzkonflikte zwischen Frankreich und Italien. Jedes dieser Länder ist schwer bewaffnetet und verstärkt seine militärische Präsenz an der Grenze.


Was die Frage nach dem Verhältnis zwischen den kapitalistischen Ländern und der Sowjetunion anbelangt, so hat hierüber der Genosse Stalin bereits ausführlich Bericht erstattet.

Die Wirtschaftskrise beschleunigt die Tendenz eines Angriff auf die Sowjetunion. Es wirken also nicht nur die Faktoren, die die internationale Position der Sowjetunion stärken (sowjetische Unterstützung durch das ausländische Proletariat, wirtschaftlicher Aufstieg der Sowjetunion, usw. ..), sondern es gibt auch solche Faktoren wie die Faschisierung in Nachbarländern der Sowjetunion wie zum Beispiel in Rumänien und Finnland. In die gleiche Richtung zielt, was der französische General Gouraud gesagt hat, dass zum Beispiel die rumänische Armee für eine kommende Offensive gegen die Sowjetunion auszurüsten sei. All das sind Anzeichen für die Gefahr der Verschärfung internationaler Konflikte im Allgemeinen und für einen militärischen Überfall auf die UdSSR im Besonderen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Völkerbund heimlich praktische Maßnahmen für einen zukünftigen Krieg unternimmt, der unter seiner Mitwirkung geplant ist. Vor kurzem hat der britische Ökonom Keynes die Bedeutung der Presse für dieses Vorhaben hervor gehoben bezüglich der Finanzierung der Kriegspläne. Was Keynes damit ausdrücken will, sind Kriegskredite, die der Völkerbund einem angegriffenen Mitglied des Völkerbunds gewährt. Mit Hilfe solcher Spezialfonds verwandeln die imperialistischen Großmächte den Völkerbund in ein Instrument der Finanzierung zukünftiger Kriege ( Holding-Anglo-Französischer-Imperialismus) und in ein Entscheidungsgremium über die angreifende Seite. Es ist klar, welches Land Young meinte, gegen das der Krieg der herrschenden imperialistischen Mächte geführt werden soll.
Im Mittelpunkt der Widersprüche innerhalb des imperialistischen Lagers steht ein Krieg zwischen den USA und Großbritannien um die globale Vorherrschaft, womit dieser Krieg globale Dimensionen annimmt. Der Krieg 1914-1918 war in erster Linie ein europäischer Krieg. Die Vorbereitungen eines neuen imperialistischen Krieges laufen auf einen Weltkrieg hinaus, und das Kriegsgeheul aus Großbritannien und den USA ist auf allen Kontinenten unüberhörbar.
Die Kommunistische Internationale legt großen Wert auf die Frage der Lösung der Gefahr eines neuen imperialistischen Krieges. Die Komintern mobilisiert die breiten proletarischen Massen im Kampf gegen den Krieg.



2.

Über die Widersprüche zwischen den imperialistischen Ländern und den Kolonien.


Die weltweite Wirtschaftskrise hat zu einer riesigen Verschärfung der Widersprüche zwischen den imperialistischen Ländern auf der einen Seite, und den Kolonien und abhängigen Ländern auf der anderen Seite geführt.

In einer Zeit, wo die revolutionäre Bewegung in den Kolonien riesige Ausmaße annimmt, stellt sie eine akute Bedrohung für die Herrschaft des Imperialismus dar. Man betrachte die revolutionäre Bewegung in den Kolonien von Indochina bis Afrika, von den Gaitskie-Inseln bis zu den Philippinen, von Nicaragua bis Palästina. Die Unterdrückung der Kolonien durch den Imperialismus nimmt nicht ab, sondernnimmt immer unerträglicher zu. Bis heute herrschen in vielen Kolonien sogar noch die verschiedensten Arten von Sklaverei. Diese schändlichen Reliquien der Vergangenheit werden unter dem Deckmantel der „Zivilisation“ von den Imperialisten aufrecht erhalten - und das zu einer Zeit, wo die Sowjetunion den Menschen in der Welt Vorbild ist für die wirkliche ethnische Emanzipation und Zusammenarbeit der Werktätigen aller Nationen beim sozialistischen Aufbau. Unterdessen geben solche Herren Sozialisten wie Albert Thomas vor, dass der Völkerbund der "Zwangsarbeit" mit Entwicklungsprojekten einen Riegel vorschieben will. Aber gleichzeitig räumen sie ein, dass dies aus „wirtschaftlichen Gründen“ nicht sofort durchführbar sei. Bei der Organisierung und Führung der revolutionäre Bewegung in den Kolonien gegen den Imperialismus mangelte es immer noch an einem starken Bündnis von Arbeitern und Bauern. Aber in den letzten Jahren sind in dieser Hinsicht erhebliche Erfolge zu verzeichnen.
Betrachten wir die Situation in Indien und China.
In Indien hat die revolutionäre Bewegung vor kurzem enorm an Dynamik gewonnen. Die tiefe Wirtschaftskrise und die daraus resultierende extreme Verschlechterung der Lage der bäuerlichen Massen und der Arbeiterklasse führt zur Verschärfung des revolutionären Kampfes im Land. Die globale Wirtschaftskrise hat die Agrarkrise in Indien weiter vertieft, und es kam zu großen Schwierigkeiten bei der Entwicklung der indischen Industrie. Die Herrschaft des britischen Imperialismus ist verbunden mit der Erhaltung reaktionärer feudaler Überreste auf dem Lande, und dies bedeutet eine doppelte Ausbeutung der arbeitenden Massen durch den britischen Imperialismus, der indischen Bourgeoisie und den Feudalherren. Diese kolonialistische Herrschaftsform hat unauslöschliche Spuren von Blut hinterlassen. Allein in den ersten 25 Jahre des XX. Jahrhunderts hungern in Indien 80 Millionen Menschen, und das sind nur die offiziellen Zahlen. Es ist klar, dass die anti-imperialistische Bewegung ihren Ursprung in der großen Unzufriedenheit der Massen hat. Diese Unzufriedenheit ist die Basis für die wachsende revolutionäre Bewegung. In den letzten Jahren ist die Streikbewegung in Indien größer geworden und nahm revolutionären Charakter an. Im Jahre 1928 beteiligten sich 507.000 Menschen an Streiks und im Jahr 1929 waren es 531 000. Es gibt Massenorganisationen der Arbeiter und rote Gewerkschaften, in denen bereits 100 000 Arbeiter organisiert sind. In den Zentren sind die Streiks des Proletariats begleitet von mächtigen revolutionären Demonstrationen und häufigen Zusammenstößen mit der Polizei. Aber die revolutionäre Bewegung findet nicht nur in den proletarischen Zentren statt. Der jüngste Aufstand im Nordwesten von Indien in Peshawar, wo die einheimische Armee zu den Rebellen übergelaufen ist, legt nahe, dass die Bewegung immer neue Teile der Bevölkerung erfasst. Wie stark diese Bewegung ist, das veranschaulicht die folgende Aussage eines Führers aus dem indischen Kongress: "Am meisten fällt die Tatsache auf , dass die 66 Menschen in Peshawar nicht hinterrücks getötet worden waren."
Wegen des Anschwellens der revolutionären Bewegung sehen sich die indischen bürgerlichen Nationalisten zu neuen Manövern gezwungen, um die Massen zu täuschen. Die indischen Liberalen unter Gandhi und Nehru haben Angst und sie neigen dazu, die weitere Entwicklung eines neuen revolutionären Aufschwungs herunter zu spielen.

In China krächzen Pessimisten und Skeptiker und alle Arten von Opportunisten über das angebliche Ende der chinesischen Revolution, was nicht den Tatsachen entspricht. Die bürgerlich-feudale Reaktion hat der chinesischen Revolution nichts entgegen zu stellen. Sie hat nicht das Geringste zur nationalen Unabhängigkeit Chinas beigetragen. Im Gegenteil, die bürgerlich-feudalen chinesischen Cliquen kämpfen untereinander um den chinesischen Markt und stehen auf der Seite der imperialistischen Mächte. Von grundlegender Bedeutung ist die Lösung der Agrarfrage, die Beschlagnahme von Land und die Verteilung des Großbesitzes, die Zerstörung aller Spuren des Feudalismus samt der räuberischen Steuer- und Pachtabgaben auf dem Lande. Auch die Industriekrise hat sich in China verschlimmert. Seit mehreren Jahren leidet das ganze Land schwer unter der Wirtschaftskrise.
Die revolutionäre Bewegung in China wächst sowohl in den Industriezentren, als auch auf dem Lande. Die Zahl der Streikenden in China erreichte im Jahr 1928 400 000, und im Jahre 1929 750 000. Trotz der schwersten Repression seitens der Regierung der Kuomintang, verstärkt die Kommunistische Partei ihren Einfluss unter den arbeitenden Massen. Sie hat bis zu 60.000 Mitglieder in Gewerkschaften organisiert. Sie steigert die Verbreitung der revolutionären Literatur und gibt mehrere illegale kommunistische Zeitungen heraus. Auf dem Dorf hat sich die Lage der Massen dramatisch zugespitzt. Die Hungersnot hält seit drei Jahren weiterhin an, und zwar auf dem gesamten riesigen Gebiet Chinas. In diesem Jahr hungern 57 Millionen. Die feudale Ausplünderung durch Zahlungen monströser Steuern an die Kuomintang-Regierung ruft große Unzufriedenheit unter den Bauernmassen hervor. Die revolutionäre Bewegung auf dem Lande hat sich in vielen Regionen weiter ausgedehnt. Nach den neuesten Zahlen befinden sich 8 Provinzen (von 636) und 241 Grafschaften unter dem Einfluss der revolutionären Bewegung und der Roten Armee. Die Chinesische Rote Armee besteht aus über 60 000 Soldaten. Darüber hinaus gibt es rote Partisanenabteilungen. Es gibt aktuelle Informationen darüber wir die Arbeiter und Bauern in China ihre Sowjetregierung schaffen, insbesondere in den befreiten Gebieten. In den durch Operationen der Roten Armee gesicherten Gebieten, in den großen Industriezentren, schaffen die Arbeiter und Bauern unter der Führung der Kommunistischen Partei die Sowjetregierung, welche als Einzige in der Lage ist, China zum Licht zu führen – befreit von der Armut und dem Hungertod der Millionenmassen, befreit aus dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, befreit von der Unterdrückung der bürgerlichen-feudalen Cliquen und imperialistischen Kräfte. Während des revolutionären Aufschwungs in China ist unsere jungen Kommunistischen Partei gewachsen und wird sich als eine echte Führerin der revolutionären Befreiungsbewegung der Arbeiter und Bauern erweisen. China wird sich befreien unter dem Banner, den Losungen und der Führung der Kommunistischen Partei.

Wenden wir uns nun der Frage der Verschärfung der Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Länder zu.





III.

Verschärfung der inneren Widersprüche und die Rolle der Sozialdemokratie.


1.

Über die beiden Methoden der bürgerlichen Herrschaft.


Eine Verschärfung der Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Länder folgt unweigerlich aus dem Wachstum der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Die aktuelle Wirtschaftskrise verschärft vor Allem die Widersprüche zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. In einer Zeit der zunehmenden allgemeinen Krise des Kapitalismus geht all das nicht spurlos an der bürgerlichen Staatsmacht vorüber.
Der Klassencharakter der bürgerlichen Macht kommt jetzt mehr und mehr in nackter Form zum Vorschein. Die heutigen Minister gehen bei den Führern der kapitalistischen Monopole ein und aus - und umgekehrt. Die Führer der kapitalistischen Monopole verwandeln sich in die eigentlichen Minister und Regierungschefs. Dafür gibt es in jedem imperialistischen Land genügend Beispiele. Nehmen wir die bürgerliche Regierung der USA: Präsident Hoover, Finanzminister Mellon, der ehemalige Außenminister Hughes, der Kriegsminister Harley, Handelsminister Lamont – sie alle standen vorher an der Spitze der großen kapitalistischen Monopole und Banken, oder sie wechselten von ihren Regierungspositionen in die Privatwirtschaft, die jetzt von der mächtigen Organisation des Finanzkapitals geleitet wird. Das Gleiche sagt übrigens auch der Journalist L. Denny in seinem Buch: "die Hälfte der Mitglieder des Kabinetts Coolidge wird von den größten Handelsunternehmen gestellt, und im Büro von Hoover sind zwei Drittel seiner Mitglieder Vertreter der Wirtschaft."

In England das gleiche Bild. Gestern waren Baldwin, Birkenhead, Chamberlain usw. noch die Führer der konservativen Regierung und heute stehen sie an der Spitze der größten metallurgischen, chemischen und anderer Unternehmen und Kapitalistenverbände. In Deutschland, Frankreich und anderen kapitalistischen Ländern, finden wir auch das gleiche Bild. Auf der anderen Seite setzt die Bourgeoisie für ihre Vormachtstellung auch Führer der Sozialdemokratie in die Regierung. Sie sollen den wahren Klassencharakter der bürgerlichen Macht verschleiern helfen. Zu dieser Methode greift die Bourgeoisie besonders in jenen Ländern, in denen die Arbeiterklasse die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, wie in England und Deutschland. Es ist bezeichnend, dass die sozialistischen Parteien an der Spitze der Regierung stehen, trotz der Tatsache, dass die offen-bürgerlichen Parteien in beiden Parlamenten die Mehrheit besitzen. (…);

Trotz der Tatsache, dass in Deutschland die Sozialdemokraten im Parlament nur etwa ein Drittel der Stimmen besitzen, lässt die Bourgeoisie seit fast zwei Jahren die Regierung von den Sozialdemokraten führen.
Zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft wendet die Bourgeoisie zwei Grundmethoden an. Ich erinnere mich an das, was Lenin über diese beiden Methoden der bürgerlichen Herrschaft sagte:


"Wäre die Taktik der Bourgeoisie immer die gleiche oder zumindest immer gleichartig, so würde die Arbeiterklasse rasch lernen, sie mit einer ebenso gleichbleibenden oder gleichartigen Taktik zu beantworten. In Wirklichkeit bildet die Bourgeoisie in allen Ländern unvermeidlich zwei Systeme des Regierens heraus, zwei Methoden des Kampfes für ihre Interessen und für die Verteidigung ihrer Herrschaft, wobei diese zwei Methoden bald einander ablösen, bald sich miteinander in verschiedenartigen Kombinationen verflechten. Die erste Methode ist die Methode der Gewalt, die Methode der Verweigerung jeglicher Zugeständnisse an die Arbeiterbewegung, die Methode der unnachgiebigen Ablehnung von Reformen. Darin besteht das Wesen der konservativen Politik, die in Westeuropa immer mehr aufhört, die Politik der Klasse der Grundbesitzer zu sein, die immer mehr zu einer Spielart der allgemeinen bürgerlichen Politik wird.

Die zweite Methode ist die Methode des 'Liberalismus', der Schritte in der Richtung auf die Entfaltung politischer Rechte, in der Richtung auf Reformen, Zugeständnisse usw.“ (Lenin, Band 16, Seite 356)

Dies hatte Lenin im Jahre 1910 gesagt, aber das gilt auch im gegenwärtigen Augenblick. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Situation in den kapitalistischen Ländern stark verändert. Aber die bürgerliche Herrschaft bedient sich weiterhin dieser beiden wichtigsten Methoden. Die Bourgeoisie wendet weiterhin einerseits offene Gewalt an und andererseits den „Liberalismus", wobei die Methode der Gewalt die Form des Faschismus und die Methode des "Liberalismus" die Form der Koalition mit der Sozialdemokratie angenommen hat. Beides sind und bleiben Methoden der bürgerlichen Herrschaft. Dabei lässt sich die Tatsache nicht von der Hand weisen, dass die Herrschaft der Bourgeoisie in Richtung einer gewaltsamen Methode tendiert, die ihren Ausdruck in der Wachstums des Faschismus in die Stärkung der faschistischen bürgerlichen Staates findet. Auf der anderen Seite kann die Bourgeoisie jetzt nicht die Methode des "Liberalismus" fallen lassen, die Koalition mit der Sozialdemokratie. Aber auch die Sozialdemokratie beschreitet immer schneller den faschistischen Weg durch die Anpassung des sozialdemokratischen und reformistischen Gewerkschaftsapparat an den faschistischen Charakter des bürgerlichen Staates.
Als Folge der Verschärfung der Widersprüche des Kapitalismus versucht die Bourgeoisie ihre Herrschaft durch Anwendung von Gewalt nach der Methode der offenen Diktatur aufrecht zu erhalten. Die Methode der direkten Diktatur der Bourgeoisie findet ihren Ausdruck im Faschismus. Im Zusammenhang mit der sich verschärfenden Krise des Kapitalismus und der wachsenden Bedrohung der proletarischen Revolution, sucht die Bourgeoisie mehr und mehr Zuflucht zur Methode des Faschismus, um die revolutionäre Bewegung zu unterdrücken. Blicken wir auf den Zeitraum der letzten zwei Jahre zurück, dann finden sich einige Beispiele der offenen faschistischen Staatsmacht in den bürgerlichen Ländern. Dazu gehören solche Fakten wie die Faschisierung Jugoslawiens, Österreichs, Rumäniens und Finnlands. Hier gelangten die offen faschistischen Elemente an die Macht. Auf diesem Wege folgte der Faschismus auch in andere Länder, besonders wo der revolutionären Aufschwung enorm zunahm wie in Deutschland, Frankreich usw. Dies zwang die Bourgeoisie zum Faschismus, zur Errichtung eines offen faschistischen Staatsapparats. Besonders ausgeprägt ist in letzter Zeit die Faschisierung der bürgerlichen Parteien in Deutschland.
Die Sozialdemokratie ist die Hauptstütze der imperialistischen Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterklasse. Sie ist Steigbügelhalter des Faschismus. Sie hat zu diesem Zweck bereits eine Ideologie entwickelt. Das Wesen dieser Ideologie ist die bedingungslose Unterordnung der Arbeiterklasse unter den bürgerlichen Staat. Die Führer der Sozialdemokratie zögern heute nicht, dies offen auszusprechen. Dafür ist der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Renner, ein eindrucksvolles Beispiel:
"Der Klassenkampf ist nicht mehr ein absolut unbegrenztes Mittel mehr und hat Grenzen. Bourgeoisie und Proletariat führen ihren Klassenkampf, aber in der Praxis kann es nur um den Schutz der gesellschaftlichen Ordnung gehen" (Renner," Gesellschaft »№ Februar 1930).

Also für Herrn Renner geht es vor allem um den "Schutz der bürgerlichen Ordnung", was nichts anderes heißt als der Schutz des bürgerlichen Staates. Die gleiche "Philosophie" predigen die Sozialisten in anderen Ländern. Der französische Sozialist Paul Boncour ist sogar "stolz" auf die Tatsache, dass die "nationalen Verteidigung" Vorrang vor allem Anderen habe, das heißt Vorrang der Interessen des französischen Imperialismus. Daran kein kein Zweifel bestehen, wenn er erklärt: „Ich zögere nicht bei der Wahl zwischen den Interessen meines Landes und meiner Partei." Es bleibt hinzuzufügen, dass die Führer der französischen Sozialisten ihren Kampf für den nationalen Schutz untrennbar mit dem Kampf gegen den Bolschewismus verknüpft haben, also gegen das revolutionäre Proletariat. Inwiefern die Sozialdemokratie ihr Schicksal mit den Interessen der Erhaltung der bürgerlichen Herrschaft verbunden hat, beweist auch die Stellungnahme des deutschen Sozialdemokraten Wels in Magdeburg auf dem Parteitag der Sozialdemokraten im Jahr 1929, dass
die Sozialdemokraten im Falle der Bedrohung durch die proletarische Revolution von ihren demokratischen Grundsätzen abrücken würden, um die Diktatur zu etablieren." So tun die Sozialdemokraten alles für die Erhaltung des Kapitalismus, für die "Erhaltung der sozialen Ordnung", für die Erhaltung der Herrschaft der Bourgeoisie.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die britische "Arbeiter“-Partei ihr Zentralorgan "Daily Herald" mittels eines konservativen Verlags "reorganisiert" hat. Um die Auflage ihrer Zeitung zu erhöhen, übergab die "Arbeiter“-Partei die Zeitung einem speziellen Finanzinstitut des konservativen Bürgertums. Jetzt wirbt das Zentralorgan der "Arbeiter"-Partei und der britischen Gewerkschaften (TUC) für das Vertrauen in das Großkapital. Zu 51% befindet sich der "Daily Herald" nun in den Händen der kapitalistischen Unternehmen, die 5 von 9 Sitzen im Aufsichtsrat stellen (...).
An der Spitze der Staatsmacht wurde also das wichtigste ideologische Organ in die Obhut der Kapitalisten gegeben, die die Literatur der eingefleischten konservativen Imperialisten verbreiten.
Die Praxis der Sozialdemokratie geht einher mit ihrer ideologischen Degeneration. Diese Praxis nennt sich "Friedensindustrie", "Wirtschaftsdemokratie" usw. Die Unterstützung der kapitalistischen Rationalisierung und des rasenden Drucks der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse fand ihren vollen Ausdruck in der Arbeit der "sozialistischen" Regierungen von Großbritannien und Deutschland.
Jetzt gibt es keine Notwendigkeit, auf die Aktivitäten der Regierung und der Regierung Macdonald / Müller weiter einzugehen. Die Folgen dieser Aktivitäten sind von Anfang an klar und deutlich.
Mit dem ersten Tag eröffnete die neue Macdonald Regierung in England ihre Offensive gegen die Arbeiterklasse. Die "Arbeiten"-Regierung kürzte den Lohn von einer halben Million Textilarbeitern. Die Macdonald-Regierung machte sich zum wichtigsten Werkzeug der kapitalistischen Rationalisierung in England und sorgte für starken Druck auf die Arbeiterklasse durch einschneidende Lohnkürzungen. Was der englischen Bourgeoisie nicht gelang, nämlich Hand anzulegen gegen die Arbeiter, das übernahm für sie die Regierung der „Arbeiter“-Partei.
Für die Bourgeoisie spielt die "Arbeiter"-Regierung eine besonders wichtige Rolle in Bezug auf Indien und die dortige blutige Unterdrückung. Clynes sagt, "die Situation in Indien erfordert Standhaftigkeit bei der Aufrechterhaltung der Rechtsordnung. Es ist zu hoffen, dass die indischen Führer bald beruhigt werden!" Diese Forderung nach "Standhaftigkeit" ist die süßliche Umschreibung der Androhungen von Repressionen. Es ist klar, dass die ganze konservative und liberale Bourgeoisie die Regierung McDonald bewundert. Die „Times“ schrieb vor kurzem hierüber Folgendes:
"In diesem Jahr haben die nationalen Vereinbarungen über die wesentlichen Ziele und Methoden der Politik Englands zur Lösung wichtiger Fragen beigetragen. Die allgemeinen Wahlen im Jahr 1929 haben alle Erwartungen übertroffen". ("Times" vom 8. Mai 1930).

Und die liberale Zeitung "The Daily Chronicle"schrieb am 9. Mai über Herrn Henderson, dass er für die außenpolitischen Interessen des Imperialismus "genau so hart“ kämpft wie für den Kapitalismus im eigenen Land. Schließlich sagt Lloyd George unverhohlen , dass die sozialistische Regierung "sicherlich als Vorteil gewertet werden kann. Diese Regierung erleichtert es uns, die öffentliche Meinung in England für den Kampf des Vizekönigs zu gewinnen, die Anarchie in Indien zu unterdrücken". (" Neue Freie Presse ", 7. Juni 1930).

In Deutschland hat die Koalitionsregierung des Sozialdemokraten Müller alle Kraft für die bedingungslose Aufrechterhaltung der Herrschaft der Bourgeoisie aufgeboten. Mit Hilfe des Kabinetts Müller wurde der Young-Plan umgesetzt, der eine unerträgliche Last auf den Schultern des Proletariats und der Werktätigen in Deutschland bedeutet. Diese Regierung übte einen wütenden Druck auf die Arbeiterklasse aus. Mit Hilfe von Schiedsverfahren wird die Rationalisierung durchgesetzt, die Lohnkürzung durchgepeitscht und die soziale Sicherheit ausgehöhlt. Mit Hilfe der Regierung Müller wurden Gesetze verabschiedet, die gegen die revolutionären Arbeiter gerichtet sind. Aber die tiefe Wirtschaftskrise und der enorme Anstieg der Arbeitslosigkeit führten schnell das Ende der Regierung Müller herbei. Doch die deutsche Bourgeoisie, die jetzt Mueller abgesetzt hat, schätzt weiterhin die Dienste der Sozialdemokraten. Kein Wunder, dass die Sozialdemokraten in Deutschland insgesamt 22 Posten von Polizeipräsidenten besetzt halten.



2.

Über die rechten und "linken" Fehler in der Frage des Kampfes gegen den Sozialfaschismus.



Die Frage des Kampfes gegen den Sozialfaschismus ist in letzter Zeit in Verbindung mit der Zunahme von faschistischen Methoden der Herrschaft der Bourgeoisie von größter Bedeutung für die kommunistischen Parteien. Die Komintern hatte mit zwei Arten von Vorurteilen zu kämpfen.
Die rechtsopportunistischen Elemente in der Komintern leugneten die Wiedergeburt des Sozialfaschismus in der Sozialdemokratie. Diese Linie folgt dem Schutz der politischen Einheit mit der Sozialdemokratie. Diese Position der rechten Opportunisten läuft praktisch darauf hinaus, dass die kommunistischen Parteien der Sozialdemokratie in den Arsch kriechen sollen. Die Etablierung des rechten Opportunismus erfolgt mit Hilfe der Versöhnler. So lautet die Botschaft des Versöhnlers, Genosse Ewert, auf dem XII. Parteitag der KPD im Juni 1929 wie folgt: "Marxismus bedeutet nicht, dass alle Maßnahmen des bürgerlichen Staates zur Unterdrückung des Proletariats mit dem Faschismus gleichzusetzen sind, und nicht jeder Teil der Sozialdemokratie ist sozialfaschistisch.“ Die Position dieses Versöhnlers ist deswegen so gefährlich, weil der Vormarsch des Faschismus unterschätzt, und die Verwandlung der Sozialdemokratie in eine sozialfaschistische Partei geleugnet wird.


Was die Bewertung von Faschismus und Sozialfaschismus betrifft, so wird auf der anderen Seite eine „links“-sektiererische Position in den Reihen der Kommunistischen Internationale vertreten. Diese "linke" Position kam besonders deutlich zum Ausdruck in der Rede des Genossen Merker - von der Kommunistischen Partei Deutschlands. Zitieren wir, was der Genosse Merker vor Kurzem zum Kampf gegen den Faschismus geschrieben hat:
(...)
"Es ist klar, dass unsere Auseinandersetzung mit dem Sozialfaschismus sowie die mit der Bourgeoisie, deren treuester Knecht er ist, nicht an igrendeinem Verhandlungstische, sondern nur auf den Schlachtfeldern der Entscheidungskämpfe und vor den Revolutionstribunalen der deutschen Republik enden kann. Und das gilt natürlich vom kleinen sozialfaschistischen Betriebsrat, der in seinem Betrieb dem Unternehmer kommunistische Arbeiter deninziert, um zur Belohnung Meister zu werden, ganz genauso wie für seine großen Brüder Severing, Zörgiebel usw.“ (aus dem Artikel: "Wir und die sozialdemokratischen Arbeiter").

Diese Ideologie des "Linksextremismus" fand Ausdruck in dem Motto: "Bekämpft die kleinen Zörgiebels in Betrieb und Gewerkschaften." (...)

In der Jugendorganisation gab es auch solche Parolen:

"Vertreibt die Sozialfaschisten aus den Betrieben, aus den Arbeitsnachweisen und aus den Berufsschulen.“ "Schlagt die Sozialfaschisten, wo ihr sie trefft!“ Diese angeblich "linken" Parolen bedeuten in der Tat den Verzicht auf dem Kampf für die Gewinnung der Arbeitermassen. Sie spiegeln die Verzweiflung im Kampf gegen die Sozialdemokratie und den Mangel an Vertrauen in die Arbeiterklasse wider. Es ist ein „linker“ Fehler, einen sozialdemokratischen Arbeiter, den wir für den Kommunismus gewinnen wollen, als „Sozialfaschisten“ abzustempeln. Der Hauptfehler der "Linken" ist, dass sie nicht den Unterschied zwischen den sozialdemokratischen Arbeitern und der sozial-faschistischen Bürokratie verstehen. Anstatt dafür zu kämpfen, die Massen von der Sozialdemokratie abzuspalten, und zwar mit Hilfe der proletarischen Einheitsfront, wird dies mit „linken“ Parolen verhindert. Merkers „linker“ Opportunismus besteht darin, dass er auf den schwierigen Kampf verzichtet, die sozialdemokratischen Arbeiter für den Kommunismus zu gewinnen. In der Tat, die "linken" Phrasen über die Tatsache, dass die Differenzen mit dem Sozialfaschismus zu gegebener Zeit "nur auf den Schlachtfeldern der Entscheidungskämpfe und durch die Revolutionstribunale deutschen Sowjetrepublik" gelöst werden – drücken die defätistische Stimmung des Unglaubens in der Arbeiterklasse aus, sich aus den Klauen der Sozialdemokratie zu befreien und sich dem Kommunismus zuzuwenden. Dieser "Links" Opportunismus in der Kommunistischen Partei Deutschlands richtete sich ausdrücklich gegen die bolschewistische Linie des Kampfes um die Massen, gegen die Linie der Trennung der Arbeiter von der Sozialdemokratie, gegen die Linie der Einheitsfront im unerbittlichen Kampf gegen die sozialfaschistischen Führer und die Gewerkschaftsbürokratie. Die Komintern unterstützt mit ihrer Linie voll und ganz den Kampf gegen die "linken" opportunistischen Stimmungen in der Kommunistischen Partei Deutschlands.
Das Ausmerzen dieser „links“-sektiererischen Ansichten im Kampf gegen die Sozialdemokratie ist wichtig auch für andere Parteien. Dieser Kampf ist eine Voraussetzung für die endgültige Überwindung der rechten Schwankungen in der Frage des Kampfes gegen die Sozialdemokratie. Es ist notwendig, die Sozialdemokratie vollständig zu entlarven als eine „Arbeiter“-Partei des Finanzkapitals, und zwar mit dem Ziel, die Hauptmasse der sozialdemokratischen Arbeiter auf die Seite des Kommunismus zu holen.
Der Kampf gegen den Sozialfaschismus ist untrennbar mit dem Kampf gegen den Faschismus verknüpft.

Der Einsatz dieses Kampfes wird diktiert durch die faschistische Bewegung. Als Folge der Verschärfung der Widersprüche in den kapitalistischen Ländern macht die Bourgeoisie den Faschismus zu ihrer Kampforganisation, und sie stützt sich dabei auf die Sozialdemokratie, um gegen revolutionäre Proletariat offensiv vorzugehen. Diese Verschärfung des Klassenkampfes, der Kampf zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, öffnet den Arbeitern die Augen über die wahrhaft konterrevolutionäre Rolle der Sozialdemokratie. Damit wird die Voraussetzung geschaffen, dass sich die Arbeiter gegen den Sozialfaschismus stellen. Diese Abkehr der Arbeiter von der Sozialdemokratie wird sich durch den Kampf der kommunistischen Parteien gegen die Sozialdemokratie tendenziell weiter beschleunigen.
Die jüngsten Wahlen zum sächsischen Landtag haben deutlich gezeigt, das die Frage des Kampfes der KPD gegen den Faschismus in aller Schärfe gestellt werden muss. Bei diesen Wahlen erhielt die faschistische Partei die Nationalsozialisten einen erheblichen Stimmenzuwachs. Die Faschisten haben ihre Position auf Kosten der anderen bürgerlichen Parteien gestärkt, insbesondere auf Kosten der Sozialdemokratie. Die kommunistische Partei hat es geschafft, nicht nur ihren Stimmenanteil zu erhalten, sondern auch zu erhöhen mit 10.000 Stimmen. Die Sozialdemokraten und die Brandleristen haben 59 000 Stimmen verloren, mehr als alle anderen bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme der Nationalsozialisten.
Das Stimmenergebnis in Sachsen zeigt, dass eine neue große Offensive der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse beginnt. Die Bourgeoisie wird ihre diktatorischen Methoden verstärken, um die revolutionäre Arbeiterbewegung zu bekämpfen. Die Kommunistische Partei und die Komintern als Ganzes stehen vor dem Problem, den Faschismus und Sozialfaschismus noch entschiedener zu bekämpfen durch Organisierung der arbeitenden Massen auf der Grundlage der bolschewistischen Taktik der Einheitsfront von unten.

Der Sozialfaschismus, der „linke“ Flügel des Faschismus, ist die letzte Reserve der Bourgeoisie in der Arbeiterschaft.

Daher ist die Entlarvung des Wesens des „linken“ Sozialfaschismus und die Bekämpfung seiner immer subtileren Methoden der Täuschung der Arbeiter unter den Arbeitermassen genauso zu intensivieren wie der Kampf gegen alle anderen bürgerlich-reaktionären Organisationen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gewährleistung des Sieges der proletarischen Revolution.



IV.

Der revolutionäre Aufschwung und der Kampf um die Mehrheit der Arbeiterklasse.


1

Anwachsen der Elemente des revolutionären Aufschwungs.

Der Berichtszeitraum ist gekennzeichnet vom beginnenden neuen revolutionären Aufschwung in der internationalen Arbeiterbewegung.

Das Wachstum des revolutionären Aufschwungs entwickelte sich in den verschiedenen Ländern ungleichmäßig, in verschiedenen Formen und unterschiedlichem Tempo. Aber die Tatsache des Beginns eines neuen revolutionären Aufschwungs wurde von der Komintern vor einem Jahr auf dem X. Plenum des EKKI richtig voraus gesagt. Die nachfolgenden Ereignisse haben diese Einschätzung der Komintern bestätigt.
Dieser große Aufbruch in der Arbeiterbewegung manifestierte sich im Herbst 1928 durch Ereignisse in der Arbeiterbewegung von mehreren Ländern. Die größten Streiks gab es in Deutschland, Polen und Frankreich. Hierzu gehört vor allem die Bewegung der Metallarbeiter im Ruhrgebiet, wo 200 000 Arbeiter ausgesperrt wurden. Dazu gehört auch ein Generalstreik in Lodz Ende 1928, außerdem in erheblichem Umfang die Streikbewegung der Textilarbeiterinnen im Norden von Frankreich. Die Gegenoffensive war ein Hinweis für den Beginn einer neuen Periode. Die Elemente der Gegenoffensive haben in der internationalen Arbeiterbewegung deutlich zugenommen. Das spiegelt sich nicht nur in Frankreich wider, sondern auch in Deutschland (Ruhrkampf, Streik der Hafenarbeiter in Hamburg usw.) und in Polen (Lodz). Im Gegensatz zu der vorherigen Periode, mit Ausnahme des Generalstreiks in England oder des Arbeiteraufstands in Wien , entwickelte sich die Arbeiterbewegung Ende des Jahres 1928 mit revolutionären Schritten, in verschiedenen Formen und in mehreren europäischen Ländern.
Zur Entwicklung der Streikbewegung: Hervorzuheben sind die beiden Länder Frankreich und England. Hier die Zahlen über das Wachstum der Streikbewegung in diesen Ländern: Die Anzahl der Streikenden betrug in Frankreich im Jahr 1928 222 000, 1929 bis 470.000. Und in den gleichen Jahren betrug in England die Zahl der Streikenden 124 000, und 532 000. Und im Jahre 1930 hat sich der Trend der Streikbewegung in Frankreich sogar noch verstärkt.

Die Zahlen über das Wachstum der Streikbewegung in Indien und China wurden bereits genannt. All dies weist auf eine gewisse Tendenz des Wachstums der Streikbewegung in den größten Ländern hin. Diese Trend hat sich aber noch nicht weltweit in allen Ländern durchgesetzt.
(…)

Außerdem ist Folgendes zu bemerken:

In Deutschland ist damit begonnen worden, den proletarischen Kampf gegen die Kapitalisten auszulöschen. Dabei taten sich besonders die Sozialdemokraten und reformistischen Gewerkschaften hervor. Die Sozialdemokraten haben für die deutsche Bourgeoisie einen tollen Job gemacht. Basierend auf dem Staatsapparat haben die Sozialdemokraten und ihre Gewerkschaften alles getan, um den Kampf der Arbeiter gegen das Kapital zu unterbinden. Weit verbreitet ist die Praxis der Zwangsschlichtung, die mit Hilfe sozialfaschistischer Minister durchgeführt werden. Jede Gegenwehr der revolutionären Arbeiter wurde gnadenlos bestraft unter Befehl der sozialdemokratischen Polizeipräsidenten. Der Sozialdemokratie ist es zeitweise gelungen, den Ausbruch der Streikbewegung in Deutschland zu verhindern. Mit dieser anti-proletarischen Politik hat die Sozialdemokratie den Hass der arbeitenden Massen auf sich gezogen.
Selbst in solchen Ländern des kapitalistischen Europas, wo in den letzten Jahren die Streikbewegungnicht angewachsen ist, ist die Politisierung der Streiks von großer Bedeutung. Aufgrund der Tatsache, dass der Streikfront jetzt eine Einheitsfront von Unternehmern, bürgerlichem Staat und der Sozialdemokratischen Partei samt reformistischer Gewerkschaftsbürokratie gegenübersteht, nehmen die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiter zunehmend politischen Charakter an. Hinzu kommt, dass die Streikführer in der Regel nur noch aus Kommunisten bestehen, denen die revolutionären Arbeiter folgen. Aus diesem Grund ist die Kommunistische Partei zur einzigen Verteidigerin der Interessen der Arbeiter geworden, sind die Kommunisten die einzigen Führer des proletarischen Kampf gegen das Kapital. Trotz der geringen Zahl der Teilnehmer an den Streiks, nimmt ihre Bedeutung zu, insbesondere in Deutschland.

Die Streikbewegung in Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei verwandelte sich in einigen Fällen in heftige revolutionäre Kämpfe, in bewaffnete Zusammenstöße mit der Polizei und der Armee. Die Streikbewegung beschränkt sich nicht nur auf wirtschaftliche Forderungen, sondern richtet sich auch gegen die Sozialdemokratie, die sich immer mehr mit dem bürgerlichen Staat verschmilzt. Dies ist eines der wichtigsten Merkmale der Streikbewegung in den letzten Jahren in den kapitalistischen Ländern Europas.

Schließlich müssen wir den Charakter von Streiks analysieren, mit denen mehr oder weniger offenen politische Ziele verfolgt werden. So waren in Frankreich im Jahr 1929 14% aller Streiks Solidaritätsstreiks. Eine Reihe dieser Streiks wurde unter dem Banner der Freilassung verhafteter Kommunisten durchgeführt. Im vergangenen Jahr richtete sich der Streik in Österreich gegen die Nazis, gegen Nazi-Unternehmen. Einen Generalstreik gab es in Spanien, wo Zehntausende von Arbeitern in einer ganzen Reihe von Industriezentren verhaftet wurden. Dieser Streik hatte einen ausgeprägt politischen Charakter. Er begann in Sevilla aus Protest gegen die Polizei, die Landarbeiter während eines Streiks töteten. Der Streik stand unter der Führung der Kommunistischen Partei und hat die Stärke der revolutionären Stimmung der Arbeitermassen in Spanien demonstriert.

Weitere Beispiele könnten hinzugefügt werden, so die politischen Streiks in den kolonialen und abhängigen Ländern: Indien - Bombay Textilstreik, einer Reihe größerer Eisenbahnstreiks, oder der aktuelle Streik von 200 000 auf der Insel Kuba – usw.
Die Streikbewegung der Arbeiter ist nicht die einzige Form der revolutionären Bewegung des Proletariats. Hervorzuheben sind die Proteste der Arbeitslosen wie sie kürzlich in einer Reihe von Ländern in großem Umfang stattgefunden haben. Es waren vor Allem solche Demonstrationen der Arbeitslosen, wo "Brot und Arbeit" in vielen europäischen Städten und in den USA gefordert wurden. Der Aufbau eines starken Zusammenschlusses der Arbeitslosenbewegung mit der ganzen Arbeiterklasse - das ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommunistischen Parteien. Die Arbeitslosenbewegung spielt eine wichtige Rolle in der Gesamtentwicklung des revolutionären Klassenkampfes.
Jeder weiß, was für einen enormen Wert die politischen Demonstrationen der arbeitenden Männern und Frauen und der Jungarbeiter in einer Reihe von Ländern erworben haben. An diesen Demonstrationen nehmen Kommunisten und eine wachsende Zahl von Nicht-Parteimitglieder teil und manchmal auch sozialdemokratische Arbeiter.
Oft enden diese Demonstrationen mit schwersten Verfolgungen durch die Gendarmerie, Faschisten und Sozialfaschisten. Dutzende und Hunderte vielen diesen Verfolgungen zum Opfer. Nach unvollständigen Daten kamen es in Deutschland allein in den ersten 5 Monaten dieses Jahres zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei 60 Arbeiter verletzt, ein Mann getötet und 1163 festgenommen wurden. So sieht es heute auf den Straßen aus, wo das Proletariat marschiert.

Am 1. August fanden in vielen Ländern internationale Demonstrationen gegen den Krieg statt, sowohl in Europa als auch in Amerika und in China. Internationale Demonstrationen gab es auch gegen die Arbeitslosigkeit am 6. März. Allein in Amerika beteiligten sich 1 250 000 an der Arbeitslosenbewegung. Auch in mehreren europäischen Städten kam es an diesem Tag zu großen Demonstrationen.
Die Zahlen über die Beteiligung an den Mai-Demonstrationen der letzten Jahren sind bekannt. Es sollte aber erwähnt werden, dass die Demonstration am 1. Mai dieses Jahres stärker war als noch vor einem Jahr. Dies gilt für Deutschland, die Tschechoslowakei, England, Frankreich, Polen und die USA, für alle großen kapitalistischen Länder. Auch im faschistischen Italien kam es am 1. Mai 1930 zu Veränderungen in der proletarischen Bewegung. Die meisten Arbeiter der großen Unternehmen gingen am 1. Mai nicht zur Arbeit, insbesondere im wichtigsten Industriezentrum von Italien – Mailand. Und dies trotz der Tatsache, dass es am 1. Mai Festnahmen gab - allein in Mailand 3000. In Frankreich gab es am Tag des 1. Mai nicht nur eine Demonstration, sondern auch eine große Anzahl von Streiks. Allein in Paris nahmen 300 000 an einem Streik teil - darunter 90% der Pariser Metallarbeiter.


Es ist ferner zu beachten, dass die revolutionäre Bewegung in einigen Bereichen rückläufig ist wie bei den armen Bauern. Dies gilt für Polen, Rumänien, Griechenland, und für einen Teil Frankreichs. (...)
Aber der allgemeine revolutionäre Aufschwung nimmt überall in den kapitalistischen Ländern zu, ebenso in einer Reihe von kolonialen und abhängigen Ländern.

Ein Indikator für den wachsenden Aufschwung sind auch die "linken" Manöver der Sozialdemokratie. In der Tat erweist sich die Sozialdemokratie als die Hauptstütze des Imperialismus in der Arbeiterklasse, wobei der „linke“ Flügel am gefährlichsten ist. In Worten geben sich die „linken“ Sozialdemokraten radikal, aber sie folgen ohne Protest ihren rechten Führern. Wir halten fest, dass sich heute der Graben zwischen den Arbeitermassen und den Führern der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbürokratie immer weiter vertieft.



2.

Über die Offensive des Kapitals und die proletarischen Klassenkämpfe unter der Führung der kommunistischen Parteien.


Die Wirtschaftskrise bewirkte das Wachstum der Elemente des revolutionären Aufschwungs. Dies ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Wirtschaftskrise die kapitalistische Offensive gegen die Arbeiterklasse unvermeidlich auslöste. Der Druck auf die Arbeiter wurde erhöht durch den Abbau von Löhnen, durch steigende Arbeitszeiten, durch Einschnitte ins soziale Netzwerk und so weiter. Die Kapitaloffensive wird mit rasender Geschwindigkeit voran getrieben. In Deutschland sprechen die Kapitalisten und ihre Regierung ganz offen über das Programm ihrer Offensive gegen die Arbeiterklasse. Vor Kurzem sagte der Bundesminister für Arbeit, Adam Stegerwald im Reichstag:
"Wir brauchen eine Lohnkürzung für die Revitalisierung des Baumarktes. Das geht nicht ohne fünf Prozent Lohnkürzung. Und in anderen Branchen halten wir es für notwendig, die Löhne um 20% oder mehr zu reduzieren. Auf diese Weise werden die Stückpreise in vielen Teilen Deutschlands reduziert. Für die Wiederherstellung der Arbeitslosenversicherung sind mindestens 700 Millionen Mark notwendig. Es ist unumgänglich, dass im Herbst und Winter noch mehr gearbeitet werden muss, drakonischer als es jetzt schon ist. Die Arbeitslosigkeit wird erst nach und nach reduziert werden. Wir hoffen, dass wir zur Wiederherstellung der Industrie 750 Millionen Mark zur Verfügung stellen können. In Deutschland müssen die Menschen ihren Gürtel enger schnallen"(" Rote Fahne", vom 27 Juni 1930).

Der Bundesminister für Arbeit erklärt also ganz offen, dass die Löhne der deutschen Arbeiter um 20% oder mehr gekürzt werden müssen, um 700 Millionen Mark in die Industrie zu pumpen. Das Arbeitslosengeld wird gekürzt und "im Herbst und Winter müssen noch mehr drakonisch gearbeitet werden." In den kommenden Monaten werden in Deutschland die Tarifverträge für 5.000.000 Arbeiter geändert. Das ist das Programm des deutschen Kapitals und seiner Regierung ! Die Bourgeois geht in Deutschland zu brutalsten Angriffen auf die Arbeiterklasse über. Derzeit werden die Tarifverträge teilweise für 525.000 Arbeiter geändert, hauptsächlich im Ruhrgebiet, in Berlin und Sachsen. Die Arbeiter in Deutschland, und nicht nur in Deutschland, stehen vor der Herausforderung, gegen diese Offensive der Bourgeoisie Widerstand zu leisten. Es ist klar, dass die Sozialdemokratie von Anfang an auf der Seite der Bourgeoisie steht, um die Offensive des Kapitals gegen die Arbeiter durchzusetzen. Ihre Hauptaufgabe und die der reformistischen Gewerkschaften besteht darin, die Aktivität der Arbeitermassen zu untergraben und den Kampf gegen die kapitalistische Offensive zu unterdrücken. Die größere Verantwortung liegt bei der Kommunistischen Partei.
Ganz im Geist der deutschen Bourgeoisie veröffentlicht die amerikanische bürgerliche Presse ähnlich klingende Reden und Erklärungen. Obwohl Präsident Hoover noch vor ein paar Monaten verkündete, am Prinzip der Aufrechterhaltung des amerikanischen Lohnniveaus festzuhalten, spricht er jetzt offen von Lohnkürzungen. In der Presse heißt es wie folgt: "In den letzten Jahren war das Einkommen in unserem Land zu hoch. Die Arbeit soll neu organisiert werden, und zwar entweder in Form der Produktivitätssteigerung oder der Lohnkürzung." So hat die Krise zu einem neuen Vorstoß der Offensive des Kapitals gegen die Arbeiterklasse geführt. Daraus ergibt sich für die Kommunistische Partei , sich für den Kampf der Arbeiterklasse gegen das Kapital zu rüsten und diesen Kampf zu führen.
Es muss zugegeben werden, dass zur Führung dieses Kampfes riesige Defizite und Schwächen bei den kommunistischen Bruderparteien bestehen. Dabei können die kommunistischen Parteien ihre Position unter den Arbeitermassen nur im Kampf gegen die kapitalistische Offensive stärken und die führende Rolle der Arbeiterklasse übernehmen, entscheidende Erfolge bei der Mehrheit der Arbeiterklasse erzielen und sie für den Kommunismus gewinnen. Die kommunistischen Parteien müssen ihre Hauptarbeit in Betrieb und Gewerkschaft leisten.
Bereits in der vergangenen Periode wurden viele Mängel und Schwächen der Arbeit unter den Massen, und insbesondere die Mängel unserer Gewerkschaftsarbeit aufgedeckt. Oft haben sich die Führer der Parteiorganisationen von den Arbeitermassen entfernt bzw. haben sie die Partei nicht genügend auf diese Hauptaufgabe vorbereitet. In einigen Ländern gibt es noch keine roten Gewerkschaften. In Frankreich und der Tschechoslowakei haben sie bereits eine große Rolle gespielt, aber Alles in Allem ist diese Arbeit unbefriedigend. Selbst die besten unserer Gewerkschaftsorganisationen - die roten Gewerkschaften in Frankreich – sind gegenüber der Streikbewegung in Verzug. So muss Genosse Monmousseau zugeben, dass sich die Arbeiterbewegung in einigen Fällen in letzter Zeit über den Kopf unserer Gewerkschaftsorganisationen entwickelt. Es ist darüber hinaus festzustellen, dass es in unseren Gewerkschaftsorganisationen noch in großem Umfang opportunistische Elementen gibt, die sich noch nicht gründlich genug von veralteten sozialdemokratischen Gewohnheiten und Methoden losgelöst haben. Es ist bekannt, dass dies in der Tschechoslowakei zu einem Angriff auf die roten Gewerkschaften und der Parteiführer in der Gewerkschaftsbewegung geführt hat.
Die Schaffung der roter Gewerkschaftsopposition war in den letzten zwei Jahren eine neue und große Herausforderungen in der Gewerkschaftsbewegung Deutschlands, Englands, Polens und anderer Länder. Dies ist die einzig richtige Antwort auf die Wirtschaftskrise und die damit verbundene Offensive des Kapitals gegen die Arbeiterklasse. Von großem Wert ist der bekannte Konflikt im Ruhrgebiet, wo die KPD sich auf die dortigen Ereignisse praktisch eingestellt hat und neue Methoden der Organisierung der arbeitenden Massen im Kampf gegen das Kapital entwickelte. Sie stärkte die Selbständigkeit der Arbeiter in ihrem ökonomischen Kampf nicht nur gegen die Unternehmer, sondern auch gegen die Sozialdemokratie und die reformistischen Gewerkschaftsführer. Bei der Umsetzung der neuen Methoden war die Partei konfrontiert mit dem Durchbrechen der Gewerkschaftslegalität. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Einbindung der unorganisierten Massen in die Kämpfe gelegt.
Die Frage der selbständigen Führung des ökonomischen Kampfes der Arbeiter stellt sich nicht nur bei der Kommunistische Partei Deutschlands, sondern auch in einer Reihe von anderen Ländern. Nur auf dieser Basis kann sich die bolschewistische Taktik der proletarischen Einheitsfront von unten entwickeln, können unsere Parteien sich für die Selbsttätigkeit des ökonomischen Kampfes der Arbeiter stark machen, um das Streikbrechertum der Sozialdemokratie und der reformistischen Gewerkschaftsführung zu überwinden. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Organisation von eigenen Streikkomitees und Ausschüssen des Kampfes gegen den Willen der reformistischen Gewerkschaften, die Stärkung der revolutionären Opposition in den reformistischen Gewerkschaften, die Stärkung der Beziehungen zu den nicht organisierten Arbeitern, die Verbindung der Gewerkschaftskämpfe der Arbeiter mit den Arbeitslosen usw. Darauf müssen sich heute die kommunistischen Organisationen konzentrieren. Aber in all dieser Arbeit gibt es noch große Mängel und Schwächen. Negativ wirken sich besonders die Überreste sozialdemokratischer Traditionen innerhalb der kommunistischen Parteien aus, die uns am tatsächlichen Kampf gegen die Sozialdemokratie und die reformistischen Gewerkschaftsbosse hindern. Es kommt nicht nur auf die korrekte Parteilinie an, sondern auch auf ihre praktische Umsetzung in den Gewerkschaftsorganisationen. Opportunistische Einstellungen müssen in den kommunistischen Parteien überwunden werden. Der Kampf gegen den Opportunismus in den eigenen Reihen ist im praktischen Gewerkschaftskampf unumgänglich.
Die jüngsten Betriebsratswahlen in Deutschland haben sowohl die Erfolge als auch die Probleme unserer Arbeit in den Betrieben offenbart. Bei diese Wahl haben wir zweifellos einen gewissen Erfolg erzielt. Im letzten Jahr waren wir nur in 101 Betrieben in der Lage, Rote Listen aufzustellen, aber in diesem Jahr waren es 1.200. Während wir im letzten Jahr 4 Listen durchbrachten, wurden jetzt 7000 Betriebsräte gewählt und 4000 Kandidaten. In einer Reihe von großen Industriegebieten, wie im Ruhrgebiet, in Oberschlesien, in Sachsen und am Niederrhein konnten wir mit unseren unabhängigen Listen die sozialdemokratischen Listen überstimmen.
Aber es gibt auch negative Erscheinungen. In Berlin-Brandenburg haben die Listen der RGO in einigen großen Unternehmen eine klare Niederlage erlitten. Unter Anderem ist unsere Niederlage auf die eindeutig unbefriedigende und opportunistische Praxis einiger roter Betriebsräte zurückzuführen. Außerdem weigerten sich eine ganze Reihe von Kommunisten in diesem Jahr, rote Listen der RGO aufzustellen, weil sie sich nicht von der Tradition des Blocks mit der Sozialdemokratie trennen wollten. Von den 12.000 Kandidaten unserer Partei stellten sich 300 als Renegaten heraus, was ihren Ausschluss zur Folge hatte. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir in den vielen Tausend Betrieben eigene rote Listen aufstellen müssen. Trotz unserer Erfolge sind also eine Reihe von Fehlern gemacht worden, woran unsere Schwächen in der Betriebsarbeit deutlich geworden sind. All dies erfordert den Kampf gegen alle Formen des Opportunismus in der Praxis, um die bolschewistische Taktik der proletarischen Einheitsfront von unten zu konsolidieren.
Bei der Umsetzung unserer Hauptziele - Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse für den Kommunismus – müssen wir noch mehr praktische Erfahrungen in der Selbstorganisierung des ökonomischen Kampfes der Arbeiter sammeln. Das ist von entscheidender Bedeutung. Die wichtigste Aufgabe der kommunistischen Parteien ist es, die Unterordnung unter den reformistischen Gewerkschaftslegalismus zu überwinden durch die Schaffung der bolschewistischen Taktik der Einheitsfront von unten. Die revolutionäre Gewerkschaftsopposition muss im eigentlichen Zentrum der Organisation der arbeitenden Massen stehen - gegen die Sozialdemokratie und die reformistische Gewerkschaftsbürokratie. In Deutschland haben wir bereits einige Schritte in diese Richtung unternommen - und unsere Organisationen werden an diesem Kurs festhalten.
Mit dem Kampf gegen den Opportunismus müssen wir auch die „linke“ Phrasendrescherei bekämpfen. Der revolutionäre Kampf gegen die Sozialdemokratie kann nicht auf der Basis des „linken“ Opportunismus gewonnen werden. Wir erteilen dekadenten Ausdrücken wie „faule Masse“, „sozialfaschistische Kollegen“ oder defätistische Äußerungen über die angebliche "Hoffnungslosigkeit" der Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften eine Abfuhr. Wir müssen innerhalb der reformistischen Gewerkschaften und in allen anderen reaktionären Organisationen kämpfen, nämlich überall da, wo die breiten Schichten der Arbeiter sind. Wir müssen für die organisierten und unorganisierte Arbeitermassen mit neuer und doppelter Kraft kämpfen, um wirkliche Erfolg zu erzielen, um die Massen für den revolutionären Kampf gegen die Bourgeoisie zu gewinnen.
Der wirtschaftliche Kampf der Arbeiter nimmt vor allem in Verbindung mit der Verschärfung der Krise des Kapitalismus immer stärker politischen Charakter an. Der ökonomische Kampf ist stets mit dem ganzen Kampf der Arbeiterklasse gegen den bürgerlichen Staat und seine sozialdemokratischen Lakaien verbunden. Zusammen mit den wirtschaftlichen Streiks treten die politischen Streiks auf. All dies macht die Parole des politische Massenstreiks zur wichtigsten Parole in der gegenwärtigen Periode, der Periode des Anstiegs des revolutionären Aufschwungs. Der politische Massenstreik ist für die Arbeiterklasse von entscheidender Bedeutung für die kommenden revolutionären Ereignisse im Kampf zwischen Arbeit und Kapital.
Wir arbeiten jetzt unter den Bedingungen der wachsenden revolutionären Aufschwung. Aber vergessen wir nicht die Worte Lenins: "Die Revolution ist anders als der normale Kampf, dazu bedarf es zehn Mal und hundert Mal mehr Menschen."

Wollen wir für den Sieg des Kommunismus kämpfen, dann brauchen wir hierfür die Mehrheit der Arbeiterklasse.




V.

Die Kommunistischen Parteien

und die neuen Herausforderungen.


Die Komintern hat rechtzeitig mit der Umgruppierung der Klassenkräfte begonnen in Hinblick auf die zunehmende Destabilisierung des Kapitalismus und den zunehmenden Linksschwenk der proletarischen Massen. Für die Taktik der kommunistischen Parteien wurde die Losung

"Klasse gegen Klasse"

definiert. Diese Taktik - Klasse gegen Klasse - bedeutete Übergang der kommunistischen Parteien zur praktischen Umsetzung der Selbstorganisierung der unerbittlichen Klassenkämpfe an allen Fronten einschließlich gegen die Sozialdemokratie. Damit passen die kommunistischen Parteien ihre Taktik an die neuen Bedingungen an. Anfangs stand die Agitation und Propaganda der Kommunistischen Partei ganz allgemein im Vordergrund. Jetzt muss die Agitation und Propaganda auch direkt mit der Organisierung und Führung der Kämpfe der Arbeiterklasse verbunden werden. Im Berichtszeitraum steht die praktische Arbeit im Betrieb im Vordergrund. Hierauf müssen sich die kommunistischen Parteien mit neuen Agitations- und Propagandatechniken ausrichten. Diese müssen in den Dienst der Selbstorganisierung des Kampfes der Arbeiterklasse gestellt werden. Beim Übergang zu neuen Methoden können sich Mängel in der Arbeit der kommunistischen Parteien zeigen, die rechtzeitig zu überwinden sind.
Trotz der Tatsache, dass sich gegen die kommunistische Bewegung eine Einheitsfront von Bourgeoisie und Sozialdemokratie bildete, ist der Einfluss der kommunistischen Parteien unter den Massen in den meisten Ländern gewachsen. Konzentrieren wir uns jetzt auf einige der Indikatoren für den wachsenden Einfluss der kommunistischen Parteien.
Nehmen wir zuerst die Parlamentswahlen.

Vergleicht man die Wahlen zu den Parlamenten in Deutschland, Frankreich und Polen in den Jahren 1928 und 1924, so ist der wachsende Einfluss der kommunistischen Parteien in diesen Ländern sehr leicht festzustellen. Innerhalb von 4 Jahren erhöhte sich in Deutschland die Zahl der Stimmen für die Kommunistische Partei von 2.679.000 auf 3.233.000; in Frankreich von 876.000 auf 1.069.000; in Polen die Zahl der Stimmen von 120.000 im Jahr 1922 auf 850.000 im Jahr 1928.

Gleichzeitig hatt wir ein schwaches Stimmenergebnis in England und den Vereinigten Staaten, wo für die Kandidaten unserer Partei ( von 1928 bis 1929 ) nur ein paar Zehntausend gestimmt hatten.
Werfen wir einen Blick auf die tschechische kommunistischen Partei:
Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass die Kommunisten unter den Industriearbeitern und dem Proletariat mehr Erfolge verbuchen können als die sozialistischen Parteien. Befürchtungen, dass die kommunistischen Parteien auf lange Sicht komplett zerfallen, sind unbegründet. Im Gegenteil, die Kommunisten gewinnen die jüngere Generation von Arbeitern.

Wir wollen auch über die beispielhafte Unterstützung der französischen Zeitung "L'Humanité" berichten.
Innerhalb von ein paar Monaten haben die Arbeiter 2200 000 Francs gesammelt durch Hunderte von Hilfsausschüssen am Arbeitsplatz. Diese Aktivitäten dienten zur Unterstützung des Zentralorgans der Kommunistischen Partei Frankreichs, um auf die provokanten Angriffe eines Teils der französischen Bourgeoisie gegen die "L'Humanité" zu reagieren.

Kürzlich erreichte uns eine Information von den schwedischen Arbeitern, die dem Aufruf der Kommunistischen Partei zur finanziellen Unterstützung folgten. Während die Parteiführer durch 2 Wochen Arbeit 50 000 Kronen sammelten, kamen insgesamt 77.000 Kronen zusammen. Nun hat sich die Kommunistische Partei die Aufgabe gestellt, die 100 000 Tausend Kronen-Grenze zu erreichen, um das Zentralorgan zu unterstützen. Und ihr könnt sicher sein, dass der Appell an die Arbeiter in Schweden Früchte tragen wird. Ich muss sagen, dass diese Aktionen in der Vergangenheit viel zu wenig organisiert wurden.


Der wachsenden Einfluss der kommunistischen Parteien ist auch in Deutschland in den letzten Monaten stark angestiegen, was man an der steigenden Auflage der revolutionären Zeitungen ablesen kann.

Wir können jedoch nicht die Tatsache ignorieren, dass wir in einigen Ländern einen Rückgang der Auflage der kommunistischen Presseorgane zu verzeichnen haben.

Was den Einfluss der kommunistischen Parteien in den größten Schichten der Werktätigen - Arbeiter, Jugendliche, arme Bauern - anbelangt, so sind unsere Erfolge hier immer noch völlig unzureichend. Während die Rolle der Frauen und der Jugend in der Produktion enorm an Bedeutung zugenommen hat, widmen die kommunistischen Parteien der Frauen- und Jugendarbeit noch viel zu wenig Aufmerksamkeit. In einigen Ländern ist die Mitgliederzahl in den Jugendorganisationen zurück gegangen. Die günstigsten Indikatoren in den Jugendorganisationen und in Partei-unabhängigen Massenorganisationen (zB Sportverbände) sind in Deutschland vorhanden.
Schließlich ist noch ein weiterer Indikator für den wachsenden Einfluss der kommunistischen Parteien zu nennen, nämlich die steigende Anzahl von Arbeitern, die von der Sozialdemokratie zur Kommunistischen Partei gewechselt sind. Damit wird der Einfluss des Sozialfaschismus in der Arbeiterklasse erfolgreich untergraben.
(...)
In der Kommunistischen Internationale gibt es 53 Kommunistische Parteien sowie drei sympathisierende revolutionäre Volksparteien. Manche Sektionen der Komintern sind noch sehr jung und schwach organisiert. Auf der anderen Seite gibt es solche Kommunistische Parteien, wie die deutsche, die der KPdSU als beste Partei der Komintern folgt, dann die französische und die tschechoslowakische Partei, die mit zu den größten Sektionen der Komintern gehören. Sie sind bereits echte Massenparteien, die die gefährlichsten Konkurrenten der Sozialdemokratie unter den arbeitenden Massen sind.
Es ist auch die polnische Kommunistische Partei zu nennen, die unter schwersten Bedingungen illegal arbeitet, und doch hat sie eine starke Basis in der Masse. Die illegale Arbeit dieser Partei ist beispielhaft für andere Sektionen.
Eine weitere wichtige Partei in der Komintern ist die italienische Partei, die vor kurzem von einer Unmenge schwerer Schlägen des Faschismus betroffen ist und nun beginnt, sich davon zu erholen. Ihr Einfluss in der Arbeiterklasse muss durch große Anstrengungen bei der praktischen Arbeit erst wieder hergestellt werden.
In den beiden größten Ländern - in England und den USA - haben wir immer noch keine wirklich kommunistischen Massenparteien. In letzter hat die Kommunistische Partei in den USA zwar neue Mitglieder gewonnen, aber trotz allem ist die Partei mit 11-12.000 Mitgliedern – gemessen an der Größe der amerikanischen Arbeiterklasse - noch klein.

In England durchläuft die Kommunistische Partei eine schwierige Zeit. Auf Grund zahlreicher opportunistischer Fehler der Vergangenheit tastet sich die britische Kommunistischen Partei langsam zur eigentlichen Arbeit vor. Das wichtigste Instrument des Masseneinflusses der britischen Kommunistischen Partei ist die Herausgabe des Zentralorgans - als Tageszeitung ("Daily Worker“). Diese ist aber weit davon entfernt, auf festen Füßen zu stehen und mit ihrer Arbeit den Parteiaufbau zu stärken. Trotz ihrer gegenwärtigen Schwäche wird die britische Kommunistische Partei den siegreichen Weg zur Eroberung der Millionenmassen des Proletariats gehen.

Die Kommunistische Partei Chinas ist in den letzten Jahren stärker geworden und trotz einer Anzahl von opportunistischen Fehlern wächst sie in Richtung bolschewistische Partei. In ihrer Struktur ist sie noch weitgehend durch bäuerliche Elemente dominiert, aber fortgeschrittenen Arbeiter stärken die Reihen der Partei.
In Indien gibt es eine Summe kommunistischer Organisationen, die sich im revolutionären Kampf noch bewähren müssen. Indien muss die bolschewistische Avantgarde des indischen Proletariats erst noch geformt werden.

In einigen schwachen Sektionen, zum Beispiel in einigen Sektionen Südamerikas, dominiert noch der Einfluss kleinbürgerlicher Elemente. Bis in allen Kolonien und abhängigen Ländern kommunistische Parteien aufgebaut sind, muss noch eine Menge Arbeit geleistet werden.

Für die Zweite Internationale war charakteristisch, dass es in ihr keine einzige Partei gab, die mit der Arbeiterbewegung in den Kolonialländern verbunden war, während die Kommunistische Internationale überall auf der Welt vertreten ist und in den Kolonialländern immer neue Abteilungen revolutionärer Kämpfer heranwachsen.

Das Wachstum der kommunistischen Parteien und ihr Einfluss unter den Massen hängt stark von der Heranbildung ihrer führenden Kader ab. Im Berichtszeitraum sind bezüglich der Heranbildung von Kadern große Mängel und Schwächen zu verzeichnen. Hinzu kommt das Problem, dass in einigen Sektionen der Komintern der führende Kern der kommunistischen Parteien zu einem großen Teil aus deutlich opportunistischen rechten Elemente bestand. Daher kam es im Berichtszeitraum nicht nur zu einer radikalen Erneuerung des Parteiapparats in einer Reihe von Sektionen der Komintern, sondern es ging direkte um die Hinaussäuberung von einer ganzen Reihe von Führern der Kommunistischen Parteien wie zum Beispiel in den USA, in der Tschechoslowakei und in Schweden. Es sind auch 7 Mitglieder und Kandidaten des EKKI nach dem VI. Kongress ausgeschlossen worden, die als Renegaten ins feindliche Lager gewechselt sind.

Es gibt viele Faktoren, weswegen opportunistische Elemente aus den kommunistischen Parteien ausgeschlossen worden sind:

26 Mitglieder des Parlaments der Tschechischen Republik sind wegen Missachtung der Parteidisziplin im Kampf gegen den Rechtsopportunismus und gegen die Sozialdemokratie ausgeschlossen worden. Dann noch der Ausschluß aus der Partei von 6 Ratsmitglieder in Paris wegen Paktierens mit den Sozialfaschisten, und so weiter.
Die rechten Opportunisten erklären unseren gnadenlosen Kampf gegen die rechtsgerichteten Elemente in der Komintern und in den kommunistischen Parteien und die Reinigung von verfaulten sozialdemokratischen Überresten für ein angebliches "Zeichen der Zersetzung" der Komintern. In Wirklichkeit hat dieser Kampf aber die Reihen der kommunistischen Parteien gestärkt, und wurde ihre Kampfkraft im Klassenkampf gegen die Bourgeoisie und gegen die Sozialdemokratie erhöht, ebenso stieg dadurch das Ansehen der kommunistischen Parteien in den Arbeitermassen. Ohne diesen konsequenten Kampf gegen die anti-kommunistischen Elementen innerhalb der eigenen Reihen wären wir als bolschewistische Organisationen nicht in der Lage, die Massen der Arbeiter unter dem Banner des revolutionären Kampfes gegen den Faschismus und Sozialfaschismus zu vereinigen. Gerade dort, wo der Kampf gegen den rechten und "linken" Opportunisten am konsequentesten geführt wurde, ging es mit der praktischen Arbeit in den Sektionen der Komintern am Besten voran. Die Organe der kommunistischen Parteien wurden in einer Reihe von Fällen radikal neu ausgerichtet und durch die besten revolutionären Elemente des Proletariats ersetzt.
Im Mittelpunkt des ideologischen und politischen Lebens der Komintern stand in dieser Zeit der Kampf gegen den rechten und "linken" Opportunismus. Nach der Niederlage des Trotzkismus (vor der Zeit des VI. Weltkongresses) trat der Kampf gegen den rechten Opportunismus und das Versöhnlertum an die erste Stelle. Dieser Kampf ging durch die ganze Arbeit der Komintern und war für die internationale Arbeiterbewegung von großer politischer Bedeutung. Wie wir oben bei der Einschätzung zur Krise des Kapitalismus dargestellt hatten, haben wir auch bereits den Kampf gegen die Rechten in der Komintern angesprochen wie z.B. den Kampf gegen deren falsche Einschätzung der Krise des Kapitalismus, gegen die rechte Theorie des "organisierten Kapitalismus", gegen das Versöhnlertum in Bezug auf Sozialfaschismus und gegen die rechten Opportunisten in der Frage der Liquidierung der unabhängigen Rolle der kommunistischen Parteien im Klassenkampf usw.

Gestattet mir, zu diesem Thema ein paar zusätzliche Anmerkungen zu machen:

Der Kampf gegen die Rechten und gegen die Versöhnler in den Reihen der KPdSU (B) ist eng verbunden mit dem Kampf in allen anderen Sektionen. Dies gilt ganz besonders für den Kampf gegen den Rechtsopportunismus und das Versöhnlertum in der Kommunistischen Partei Deutschlands. In Schweden und in den USA gelang es den rechten Führern in der Kommunistischen Partei sogar, einen Teil der Partei zu dominieren. Wobei gesagt werden muss, dass gleich nach der Hinaussäuberung der Renegaten die Partei sich ideologisch und politisch konsolidierte und ihre praktische Arbeit verbessern konnte. In der Tschechischen Republik leisteten die rechten Opportunisten ihren Widerstand gegen die Linie der Komintern auf dem Gebiet der parlamentarischen und kommunalen Arbeit und in den Gewerkschaften. Der Führer der rechtsopportunistischen Renegaten in den tschechischen Gewerkschaften, Geis, spaltete mehrere Zehntausend Arbeiter von unserer roten Gewerkschaftsbewegung ab.

In der polnischen Kommunistischen Partei führte der Kampf gegen die einflussreichsten rechtsopportunistischen Parteikader zur Beendigung der Fraktionskämpfe und damit zur Konsolidierung der Partei.

In der französischen und italienischen Kommunistischen Partei wurde bis zuletzt der Kampf gegen die rechtsopportunistischen Elementen fortgesetzt, begleitet von lang anhaltenden Schwierigkeiten in den Leitungsgremien.


Der VI. Weltkongress der Komintern betonte die Notwendigkeit, nicht nur gegen die Rechten, sondern auch gegen die feigen Versöhnler zu kämpfen. Diese Linie des VI. Kongresses der Komintern war völlig gerechtfertigt. Auf dieser Grundlage werden die Komintern und ihre Sektion große Fortschritte bei der Bolschewisierung machen. Allerdings muss die Komintern auch eine energische Kampagne gegen „links“opportunistische Erscheinungen führen. Die spezifischen Ausprägungen der "links" -sektiererischen Stimmungen und ihre opportunistische Natur wurden bereits oben erwähnt. Hierzu lassen sich noch ein paar Worte sagen:

Im Kampf um die Mehrheit der Arbeiterklasse, sind diese "linken", sektiererischen Gefühle ein großes Hindernis für die Arbeit der Partei. Ohne die Überwindung der "linken" Phrasendrescherei, hinter der sich einige opportunistische Elemente verstecken - und die im Grunde genommen Ausdruck ihres mangelnden Vertrauens sind - kann die Aufgabe der Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse durch die Kommunistische Partei nicht erfüllt werden, ist die Mobilisierung der Arbeitermassen unter dem revolutionären Banner unmöglich.
Wir groß der Schaden der "linken" Phrasendrescherei ist, kann am Beispiel der Jugendorganisationen veranschaulicht werden. Die Komsomol-Organisationen haben eine wirklich große revolutionäre Rolle im Kampf gegen die Rechtsabweichler in den kommunistischen Parteien gespielt. Aber in einer Reihe von Fällen zeigten sie große Schwächen in der Arbeit unter den Massen, insbesondere bei der Gewinnung von Jungarbeitern für den Kommunismus. Daher ist es in den Komsomol-Organisationen notwendig, den kompromisslosen Kampf gegen die rechte Abweichung mit dem Kampf gegen die "linke" Phrasendrescherei und gegen Passivität zu verbinden.
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Kommunistischen Internationale steht der Zwei-Fronten-Kampf, wobei die rechte Abweichung zur Zeit die gefährlichste ist. Unser 2-Fronten-Kampf hat bereits enorm zur Konsolidierung der bolschewistischen kommunistischen Parteien beigetragen.
Der wachsende Einfluss der kommunistischen Parteien in den Arbeitermassen steht außer Zweifel.

Wachsen die Herausforderungen der Arbeit unter den Massen, dann macht sich ein schwacher Parteiapparat nachteilig bemerkbar. Die organisatorische Schwäche der kommunistischen Parteien ist ein Hemmschuh bei der Organisierung der Klassenkämpfe, gerade in der jetzt vor uns liegenden dritten Periode, der Periode des revolutionären Aufschwungs der internationalen Arbeiterbewegung. Die Hauptschwäche liegt in der praktischen Arbeit der kommunistischen Parteien, insbesondere die mangelhafte Betriebsarbeit, die schwache Basis der Parteiorganisationen in den Betrieben, die inkonsistente Reorganisation der Partei auf der Grundlage der Betriebszellen, unbefriedigende Arbeit in den Massenorganisationen, vor allem in den Gewerkschaften, usw.

Auf Schritt und Tritt stellen wir fest, dass Mängel in der praktischen Arbeit die Gewinnung der Massen für den Kommunismus direkt beinträchtigt. Die revolutionären Politik des Kommunismus kann in den Massen nur durch einen reibungslos funktionierenden Parteiapparat umgesetzt werden. Und ohne Disziplin in Organisationsfragen können sich die kommunistischen Parteien unmöglich in den Massen verankern.

Unterdessen ist die Hauptaufgabe der kommunistischen Parteien in der gegenwärtigen Situation die Intensivierung des Kampfes gegen die Sozialdemokratie, um den immer noch großen Einfluss der Sozialdemokraten auf erhebliche Teile des Proletariats zu überwinden. Diese Aufgabe kann nur unter der Bedingung erfüllt werden, dass die gesamte Arbeit der kommunistischen Parteien dass die Agitation und Propaganda auf die Entlarvung und Bekämpfung der Sozialdemokratie konzentriert wird und zwar an allen Fronten des Klassenkampfes, in den Betrieben, in den Gewerkschaften, in den Massenorganisationen der Frauen, der Jugendlichen usw.
(...)
Zu den kostbarsten Errungenschaften der Kommunistischen Internationale gehört der VI. Weltkongress und das Komintern-Programm. Dieses Programm ist ein Programm des Kampfes für die Weltdiktatur des Proletariats, ist ein Programm zum Sturz des Imperialismus und zur Befreiung der arbeitenden Menschen von der imperialistischen Unterdrückung auf der ganzen Welt . Dieses Programm wird bereits in die Tat umgesetzt in der UdSSR durch den siegreichen Aufbau des Sozialismus. Hierüber möchte ich kurz sprechen:

Das Programm der Komintern ist jetzt in 33 Sprachen übersetzt. Es wird unter den Arbeitern aller kapitalistischen Länder und Kolonien verbreitet. Es muss konkret umgesetzt werden im revolutionären Kampf gegen das Kapital, gegen den Faschismus, gegen den Sozialfaschismus. Es wird uns helfen bei der weiteren und schnelleren Konsolidierung des revolutionären Proletariats und der breiten Massen der Werktätigen in Stadt und Land. Mit der Ausbreitung der Wirtschaftskrise vertieft sich die allgemeine Krise des Kapitalismus, und es nähert sich der Zusammenbruch des ganzen kapitalistischen Systems. Wir müssen uns daran erinnern, was Lenin lehrt, nämlich dass nur der revolutionäre Kampf der Arbeiterklasse schließlich über das Schicksal des Kapitalismus entscheidet. Lenin sagte:

"Absolut ausweglose Situationen gibt es nicht. Die Bourgeoisie benimmt sich wie ein frech gewordener Räuber, der den Kopf verloren hat, sie macht eine Dummheit nach der anderen, verschärft die Lage und beschleunigt ihren Untergang. Das alles ist richtig. Aber man kann nicht 'beweisen', dass es für die Bourgeoisie absolut keine Möglichkeit gibt, irgendeine Minderheit der Ausgebeuteten durch irgendwelche kleinen Zugeständnisse einzuschläfern, irgendeine Bewegung oder einen Aufstand irgendeines Teils der Unterdrückten und Ausgebeuteten niederzuschlagen. Wollte man von vornherein versuchen, die 'absolute' Ausweglosigkeit zu 'beweisen', so wäre das leere Pedanterie oder ein Spiel mit Begriffen und Schlagworten. Ein wirklicher 'Beweis' in dieser und in ähnlichen Fragen kann nur die Praxis sein. Die bürgerliche Ordnung in der ganzen Welt macht eine ungeheure revolutionäre Krise durch. Wir müssen jetzt durch die Praxis der revolutionären Parteien 'beweisen', dass sie genügend Bewusstheit, Organisiertheit, Verbindung mit den ausgebeuteten Massen, Entschlossenheit und Fähigkeit besitzen, um diese Krise für eine erfolgreiche, eine siegreiche Revolution auszunutzen.“ (zitiert bei Stalin, Band 13, Seite 266-267)


Wie Lenin betont, kann das Schicksal des Kapitalismus nur durch die revolutionäre Praxis, durch den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker entschieden werden.

Die ganzen Entwicklung der Krise des Weltkapitalismus schafft die Voraussetzungen für den Sieg des Proletariats. Die Arbeiterklasse besitzt die Fähigkeit, dieses Problem der Krisen praktisch zu lösen. Sie ist die Klasse, die den stärksten und, aufopferungsvollsten Kampf führt, die ihre kommunistischen Organisationen schafft, die Avantgarde des Proletariats aufbaut und sich mit dem kommunistischen Bewusstsein wappnet. Die größte Aufgabe der Kommunistischen Internationale und der kommunistischen Parteien ist es jetzt, die weltkapitalistische Krise für die siegreiche Weltrevolution auszunutzen unter dem Banner: "Gewinnung der großen Massen des Proletariats!"


Genossen, in der Zwischenzeit haben die Sektionen der Komintern große Fortschritte auf dem Weg zur Bolschewisierung gemacht, insbesondere durch ihre zunehmende Verbindung mit den breiten Massen der Arbeiter und armen Bauern.

Zur gleichen Zeit verzeichnet der sozialistische Aufbau in der Sowjetunion große Erfolge. Damit hat die Sowjetunion ihre Position gestärkt, um ein mächtiger Faktor der internationalen proletarischen Revolution zu sein. Zur Zeit vollzieht sich der schnelle Anstieg der revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Ländern und in einer Reihe von Kolonien nicht nur allein auf Grund des Kampfes gegen die Folgen der Weltkrise, sondern auch durch das leuchtende Beispiel der UdSSR, wo der sozialistische Aufbau in riesigen Schritten und in einem Atem raubenden Tempo voran schreitet.

All dies sind glänzende Voraussetzungen für die internationale proletarische Revolution. Unter diesen günstigen Bedingungen müssen die Kommunisten außergewöhnliche Stärke zeigen, müssen sie ihre tägliche praktische Arbeit unter den Massen steigern, müssen sie den wachsenden Einfluss der Kommunistischen Partei institutionalisieren und auf revolutionäre Massenkämpfe ausrichten. Die Kommunisten müssen die Arbeiterklasse auf die kommenden Schlachten vorbereiten. Es ist die Pflicht der Kommunisten , alles zu tun, um den beginnenden revolutionären Aufschwung für die proletarische Revolution zu nutzen. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)



 

 

 

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III. Internationale