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KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE

 

 


Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale

Grußsadresse

zum 10. Jahrestag der KPD

01. Januar 1929

(aus "Rote Fahne", Berlin - 1. Januar 1929; 12. Jahrgang, Nr. 1)

Zum 10. Jahrestag der KPD sandten alle Sektionen der Komintern Begrüßungstelegramme und -schreiben, die leider nicht mehr rechtzeitig eintrafen, um noch auf den Kungebungen verlesen werden zu können. Nachstehend veröffentlichen wir das Begrüßungsschreiben des Präsidiums des EKKI:

Werte Genossen !

Das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale sendet anlässlich des zehnten Jahrestages der KPD allen Mitgliedern eurer Partei, und durch sie der gesamten deutschen Arbeiterklasse, die innigsten, brüderlichen, revolutionären Grüße.

"Alle Macht den Räten"

Aus dem Spartakusbund hervor gegangen, hat sich die KPD zu einer der besten Massenparteien der KI entwickelt. 1918 hat der Spartakusbund unter der Losung: "Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten!" die proletarische Klassenfront organisiert zum Kampfe um die politische Macht. Unter der Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht war es der Spartakusbund, der unter dem unmittelbaren Einfluss der russischen, bolschewistischen Revolution - das Klassengewissen der deutschen Arbeiterklasse weckte, zum revolutionären Klassenbewusstsein entwickelte, und in der KPD zu einer festen Organisation kristallisierte.

Trotz der Niederlagen, die die deutsche Arbeiterklasse im Laufe dieser 10 Kampfjahre erlitten hat; trotzdem es der deutschen Bourgeoisie mit Hilfe der Sozialdemokratie gelungen ist, das kapitalistische Wirtschafts- und Unterdrückungssystem zeitweilig zu stabilisieren; trotz der Wiedergeburt des deutschen Imperialismus, - trotz alledem und alledem - , ist es der deutschen Bourgeoisie nicht gelungen, der deutschen Arbeiterklasse, als einem Ganzen das kapitalistische Ausbeutungssystem schmackhaft zu machen, das Proletariat zu korrumpieren.

Die Retter der Bourgeoisie

Die Partei des sozialistischen Reformertums und Verrates benutzt ihr im Laufe von Jahrzehnten erworbenes Ansehen dazu, um im entscheidenden Augenblick, wo die Existenz der Bourgeoisie gefährdet war, die Unterdrücker und Ausbeuter, die Organisatoren der Kriegsgemetzel, die Kriegsgewinnler vor dem Untergang zu retten. "Der Sozialismus marschiert" erklärten die Sozialdemokraten, um so die Arbeiterschaft glauben zu machen, dass sie ihre Ziele auf friedlichem Wege, mit den Mitteln der Demokratie verwirklichen könnte. "Wer weiter geht, wird erschossen!" - stand auf den Warnungstafeln der Zeitfreiwilligenformationen, die zum Schutze der Bourgeoisie von N o s k e organisiert waren.

Vom Willen zum Sozialismus und zur Macht durchdrungen, sammelten die Vortruppen der deutschen Arbeiterklasse sich unter Führung eurer Partei zum Kampfe gegen das imperialistische Ausbeutungssystem, das bereits in Todeszuckungen lag. Scheidemann und Ebert, Haase und Dittmann krochen vor dem französischen Imperialismus zu Kreuze. Sie flehten bei ihm um Hilfe gegen das nahende Gespenst der Sowjetrevolution. Noske und Wels, Hörsing und Severin schmiedeten die Mordwerkzeuge der Bourgeoisie, mit deren Hilfe es um den Preis der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von zehntausenden der deutschen Arbeiter gelungen war, die Zertrümmerung der politischen Macht der Bourgeoisie zu verhindern.

Von Spartakus zur KPD

Zu jener Zeit bestanden in den proletarischen Reihen noch starke Illusionen, dass die Sozialdemokratie an ihrem Bündnis mit der Bourgeoisie nicht bis zum Tode festhalten werde. Vielen Arbeitern fehlte noch jene große Kampferfahrung, die lehrt, dass die Arbeiterklasse nur mit Hilfe ihrer eigenen Machtorgane, den Räten, und durch die Bewaffnung des Proletariats die Macht der Bourgeoisie zertrümmern und die politische Macht der Arbeiterklasse erkämpfen kann.

Eine Reihe von Aufständen, die blutige Erdrosselung der Bayerischen Räterepublik, der Märzaufstand in Mitteldeutschland, der heldenhafte Aufstand der Hamburger Arbeiter sind Meilensteine im Kampf der deutschen Arbeiterklasse unter Führung der KPD. Im Feuer dieser Schlachten, in einer langen Reihe von Massenkämpfen, in denen Siege und Niederlagen wechselten, aus den Erfolgen neue Kräfte schöpfend, aus den Fehlern lernend, wurde aus dem Spartakusbund die KPD, die Massenpartei des Bolschewismus, des Leninismus geschmiedet.

Die Panzerkreuzer-Sozialdemokraten

Durch die Sozialdemokratie unterstützt und zu neuen Kräften gelangt, fordert der deutsche Imperialismus von Neuem seinen "Platz an der Sonne". Die verwickelten Manöver, in denen die Sozialdemokratie versucht, die Energie des Proletariats von seinem Natur notwendigen Ziele, von der Eroberung der Macht, abzulenken, haben nicht mehr die Rettung der Bourgeoisie, sondern ihre direkte Machtstärkung zum Ziel. Sie bereiten jetzt den neuen, konterrevolutionären, imperialistischen Krieg gegen die internationale Arbeiterklasse und deren Hort, die Sowjetunion, vor. Die Panzerkreuzer-Sozialdemokraten sind die Pioniere des neu-deutschen Imperialismus. Damit ist die Sozialdemokratie ein integrierender Bestandteil des imperialistischen Systems geworden. Die Schlächter im Weltkrieg, die Henker der Nachkriegszeit - sie sind in der Nachkriegsperiode die verwantwortlichsten Produktionsleiter der Stickgaserzeugung, der Herstellung von Kriegsgeräten für den neuen imperialistischen Krieg geworden.

Vor neuen Massenkämpfen

Die Erbin der marxistischen Theorie und Praxis und aller revolutionären Traditionen der deutschen Arbeiterklasse - die KPD - steht vor neuen, vor größeren Aufgaben denn je. Die Fragen von "Frieden und Brot" konnten auch mit den wirtschaftlichen Mitteln des relativ stabilisierten Kapitalismus nicht gelöst werden. Hinter den wirtschaftlichen Machtmitteln steht die bewaffnete Macht, die während des Krieges durch Hindenburg, nach dem Kriege von Noske befehligt wurde.

Die deutsche Arbeiterklasse steht vor neuen riesigen Massenkämpfen. Jeder Massenkampf um das Brot, um die Verkürzung der Arbeitszeit, gegen das Schlichtungswesen, das die Arbeitsgemeinschaft gesetzlich verankerte, - ist ein Teilkampf um die Macht. Man kann den Kampf um das tägliche Brot nicht aufnehmen, nicht führen, ohne auf Schritt und Tritt auf die Macht zu stoßen, die, in Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie, die Profite des neuen deutschen Imperialismus beschützt.

Opportunisten und Versöhnler haben keinen Kampfwillen

Je mehr es indessen der bürgerlich- sozialdemokratischen Koalition gelingt, durch Nationalisierung der deutschen Wirtschaft über das Vorkriegsniveau hinaus zu erheben, desto mehr beschleunigt sie die Zersetzung der Stabilisierung des Imperialismus. Der Aufstieg der deutschen Wirtschaft ist die Quelle nicht des Friedens, sondern des Krieges.

Angesichts der nahe bevorstehenden neuen Massenkämpfe, deren erster Auftakt eben der Ruhrkampf bildete, zeigen sich auch in den Kampf gestählten Reihen der KPD neue Schwankungen. Die rechte opportunistische Gefahr und der versöhnlerische Standpunkt dieser Gefahr gegenüber, bedeuten eben, dass es in der Partei noch eine schmale Schicht gibt, der angesichts der bevor stehenden Kämpfe der entschlossene Kampfwille fehlt. Diejenigen, die schon mehrmals in großen Kämpfen geschwankt haben, sind abermals ins Schwanken geraten. Sie haben nichts gelernt aus den großen Kampferfahrungen der Partei. Sie sind offenbar der neuen Kampfperiode nicht gewachsen.

Angesichts der Verfolgungen der Bourgeoisie und der wütenden Hetze der Sozialdemokratie gegen die KPD wollen diese Revisionisten eine Annäherung der kommunistischen Politik an die Politik der Sozialdemokratie und damit der Kapitulation vor dem Feind. Es entfernen sich aus der Partei der proletarischen Revolution diejenigen, die möchten, das die Kommunistische Partei, die Partei des revolutionären Aufstandes, für eine möglichst lange Zeit sich in das System der deutschen bürgerlichen Republik einfüge als "ehrenwerte" Oppositionspartei, die solcher Art die Rolle der Vorkriegs-Sozialdemokratie übernehmen würde.

Fort mit den Kapitulanten!

Die Kommunistische Partei wird, wenn sie eine richtige Politik verfolgt, nicht die "Achtung", sondern den Hass und die Furcht ihrer Feinde erwecken. Sie kämpft nicht um den "Respekt" des Klassenfeindes, sondern um das revolutionäre Vertrauen der Mehrheit der Arbeiterklasse.

Die KPD wird nicht schwächer, sondern ideologisch, politisch und organisatorisch einheitlicher und dadurch stärker werden, wenn die Opportunisten, die Kapitulanten ihre Reihen verlassen.

Nachdem die Führer der Kapitulation vor der Bourgeoisie und Sozialdemokratie ihre Reihen verlassen haben, erwächst auch weiterhin die Aufgabe, alle Arbeiter - auch die, die unter dem Einfluss der Kapitulanten standen, im Geiste des unversöhnlichen Bolschewismus, des Leninismus zu erziehen. Kontrolliert und kritisiert mit unbeugsamer Strenge der Selbstkritik und mit der größten Sorgfalt jeden Schritt eurer Partei, sammelt und studiert auch die kleinste Kampferfahrung der deutschen Arbeiterbewegung. Steigert mit allen Mitteln die Aktivität der Parteimitgliedschaft und der Sympathisierenden in den Betrieben, in den Gewerkschaften, in allen Massenorganisationen. Organisiert fester die schon heute mächtige und noch mächtiger anschwellende, nach Millionen zählende Arbeiterarmee, die schon hinter der KPD steht.

Proletarische Einheitlichkeit - Garantie des Sieges

Neben der russischen Revolution ist es das Beispiel der deutschen Revolution, das am besten die Leninsche Wahrheit bekräftigt:

die Arbeiterklasse muss erst die ganze Schule der Revolution durchmachen, bevor sie endgültig zu siegen lernt.

Die bolschewistische Einheitlichkeit, die Kampfkraft eurer Partei sind die Garantie des Sieges der deutschen Revolution.

Diese unterschütterliche Einheit und unbeugsame Kampfbereitschaft sind heute wichtiger, als sie je im Laufe der Revolution waren. Jeder Schritt in der Stabilisierung des internationalen Imperialismus ist gleichzeitig ein Schritt zur Zersetzung dieser Stabilisierung - ein Schritt ebenso zum neuen imperialistischen Krieg, wie zur weiteren Verschärfung der inneren Klassenkämpfe. Die inneren Klassenkämpfe, die Tageskämpfe sind das geeignete Mittel, um das Vertrauen der entscheidenden Schichten der Arbeiterklasse in einem schnelleren Tempo als bisher zu gewinnen.

Den Weg, den ihr im Ruhrgebiet gegangen seid, die Organisierung des Kampfes und der Einheitsfront der Arbeiterklasse unabhängig vom Willen der Gewerkschaftsbürokratie, und im Gegensatz zu diesem Willen, ist der richtige Weg zur Erlangung jenes Vertrauens.

Der Vortrupp der Arbeiterklasse ist nur dann dieses Namens würdig, wenn er die Arbeit in den reaktionären Gewerkschaften unerschütterlich fortsetzend, die Organisierung und Führung der Kämpfe der Arbeiterklasse nicht von der reaktionären Gewerkschaftsbürokratie abhängig macht, die ihr Schicksal endgültig mit dem des deutschen Imperialismus verknüpft hat.

Gegen den imperialistischen Krieg - für die Verteidigung der Sowjetunion !

Diese Organisierung der proletarischen Klassenfront unter Führung der KPD ist ein Teil des Kampfes gegen die imperialistische Kriegspolitik. Der Kampf gegen den nahenden imperialistischen Krieg muss die breitesten Massen der Organisierten und Unorganisierten, der sozialdemokratischen und parteilosen Arbeiter zur Verteidigung der Sowjetunion mobilisieren. Die Unumgänglichkeit des konterrevolutionären, imperialistischen Krieges aber erfordert, dass jeder Kampf der deutschen Arbeiterklasse im Zeichen der Vorbereitung zur Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg geführt wird. Diese täglichen Kämpfe müssen die deutsche Arbeiterklasse überzeugen, dass es sich nur in e i n e m Zeichen zu kämpfen und zu sterben verlohnt: im Zeichen des Sieges der Kommunistischen Internationale und seiner deutschen Sektion, der KPD.

An der Schwelle des 11. Kampfjahres

In der sicheren Überzeugung, dass die KPD, als eine der best disziplinierten, Kampf erprobtesten Sektionen der KI, sowie die unter ihrer Führung marschierenden Millionenmassen, die zu den besten Kampfarmeen der internationalen Revolution gehören, auf dem Wege fortschreiten werden, den Rosa Luxemburg, Kalr Liebknecht, Leo Jogisches und die 10 000e der unbekannten Helden der Revolution mit ihrem Blut bezeichnet haben - in diesem sicheren Bewusstsein begrüßen wir euch an der Schwelle des 11. Kampfjahres der KPD, am 11. Meilenstein des Kampf erfüllten Siegesweges.

Nieder mit dem imperialistischen Kriege!

Alles für die Verteidigung der Sowjetunion!

Nieder mit der Zweiten Internationale der Sozialdemokratie, dem aktiven Organisator der neuen imperialistischen Kriege!

Es lebe die revolutionäre Einheitsfront der Arbeiterschaft!

Nieder mit den Schwankenden und Kleinmütigen!

Es lebe die bolschewistische Kampfeinheit der KPD!

Es lebe die deutsche, es lebe die internationale proletarische Reolution!

Es lebe die Führerin des deutschen Proletariats, die Organisatorin seiner Kämpfe und Siege, die KPD!

An der Schwelle des 11. Jahres eurer Kämpfe, im Bewusstsein der Nähe unseres Sieges

mit kommunistischem Gruß

 

Das Präsidium des EK der KI

 

 

 

 

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