DEUTSCH

 


17. Juli bis 2. September 1928 in Moskau

 

THESEN UND RESOLUTIONEN DES VI. WELTKONGRESSES DER KOMINTERN

September 1928

Erstveröffentlichung
der Komintern (SH) aus Anlass des 100. Jahrestages der Komintern

 

Der Kampf gegen den imperialistischen Krieg und die Aufgaben der Kommunisten.

 

I.

Die drohende imperialistische Kriegsgefahr.

§ 1

10 Jahre nach dem imperialistischen Weltkrieg schließen die imperialistischen Großmächte einen Pakt zur Ächtung des Krieges ab. Sie reden von Abrüstung, sie suchen, unterstützt von den Führern der internationalen Sozialdemokratie, den Arbeitern und Werktätigen vorzugaukeln, dass die Herrschaft des Monopolkapitals der Welt den Frieden sichere.

Der VI. Weltkongress der Kommunistischen Internationale brandmarkt all diese Manöver als gemeinen Betrug an den arbeitenden Massen. Er weist das internationale Proletariat, alle Werktätigen, die unterdrückten Völker auf die Erfahrungen der letzten Jahre hin, auf die dauernden räuberischen Kleinkriege der imperialistischen Mächte gegen die Kolonialvölker und auf die Ereignisse des letzten Jahres: die Intervention gegen die chinesische Revolution die Zuspitzung des Konflikts zwischen den Mächten wegen der Neuaufteilung Chinas, die Truppenaufmärsche in Polen, die unmittelbare Bedrohung der Selbständigkeit Litauens - und in Verbindung damit die wachsende Bedrohung der Sowjetunion durch einen Block der Imperialisten unter Englands Führung - .

Das sind alles Beweise für die verbrecherische Kriegspolitik der Imperialisten, die ganz plötzlich einen ungeheuren Weltbrand entfesseln kann. Der VI. Weltkongress hat eine Analyse der politischen und ökonomischen Triebkräfte des kommenden Krieges gegeben.

Die Veränderungen in der Weltlage seit dem 5. Weltkongress sind gekennzeichnet durch die gewaltige Verschärfung aller Widersprüche des Kapitalismus, durch die ökonomische und politische Stärkung der Sowjetunion, durch das rasche Wachsen der national-revolutionären Bewegungen in den Kolonien und Halbkolonialländern, vor Allem in China und die Verschärfung des Klassenkampfes zwischen Bourgeoisie und Proletariat in den kapitalistischen Ländern. Die Gegensätze zwischen den imperialistischen Mächten im Kampf um die Märkte treten immer schärfer hervor. Stärker noch als diese Gegensätze zwischen den imperialistischen Mächten aber wächst der Hauptgegensatz, der die ganze Welt in zwei Lager teilt: einerseits die gesamte kapitalistische Welt, andererseits die Sowjetunion, um die sich das internationale Proletariat und die unterdrückten Völker der Kolonien scharen.

Der Kampf um die Vernichtung der Sowjetmacht und der chinesischen Revolution, um die unbeschränkte Beherrschung von China und die "Erschließung" Russlands als gewaltigstes Rohstoffreservoire und Absatzmärkte ist eine Frage von Leben und Tod für das internationale Kapital und die Basis der gegenwärtig unmittelbar drohenden Gefahr eines neuen imperialistischen Krieges.

 

§ 2

Der kommende imperialistische Weltkrieg wird nicht nur ein mechanisierter Krieg mit ungeheurem Aufwand von Material sein, sondern zugleich ein Krieg, der ungeheure Millionenmassen und die Mehrheit der Bevölkerung der Krieg führenden Länder erfassen wird. Die Grenzen zwischen Kampffront und Hinterland werden mehr und mehr ausgelöscht werden.

Der Kongress weist auf die gewaltige Steigerung der Rüstungen, auf die großen Neuerungen auf dem Gebiete der Kriegstechnik und auf die Maßnahmen der Massenmilitarisierung für Wehrmacht und Wirtschaft in allen kapitalistischen Ländern hin, auf die Militarisierung im faschistischen Italien, die Militärreform in Frankreich, die reaktionären Militärgesetze in der Tschechoslowakei, die wachsenden militärischen Vorbereitungen in den Randstaaten unter der Leitung der Generalstäbe der imperialistischen Großmächte, die Vorbereitungen in Deutschland zum Wiederaufbau des alten Militarismus in neuen Formen, auf die Massenmilitarisierung in Amerika, die militärischen Vorbereitungen in Großbritannien, in den Dominions, vor Allem in Indien, usw. Die Flottenrivalität zwischen Amerika und England eröffnet ein neues Wettrüsten.

Ein bedeutungsvoller neuer Zug der gegenwärtigen Massenmilitarisierung besteht in der verstärkten Militarisierung der Jugend und vor Allem darin, dass sie tatsächlich und zum Teil sogar ausdrücklich die Militarisierung der Frauen einschließt (Frankreich, Polen, Bulgarien, usw.).

 

§ 3

Im Verein mit den Rüstungs- und Kriegsvorbereitungen, die auf dem Gebiete der Außenpolitik liegen, betreiben die Imperialisten die Verstärkung der Reaktion im Innern. Ohne ein "ruhiges" Hinterland ist die Kriegsführung der Imperialisten unmöglich. Die Bourgeoisie trifft Maßnahmen, um jeden organisierten Widerstand der Arbeiter gegen die Kriegspolitik zu verhindern. Dieser "Rückendeckung" der Bourgeoisie dienen Maßnahmen, wie die Gewerkschaftsgesetze in England, Norwegen, das Schlichtungswesen in Deutschland, der Plan Monds über Zusammenarbeit der chemischen Industriegesellschaften, die "Industrie-Friedens" Kampagne, die unpolitischen Gewerkschaften ("Spencerismus") in England, die "Unternehmergewerkschaftern" in Amerika, die Schaffung faschistischer staatlicher Gewerkschaften in Italien, das Gesetz über Militarisierung der Gewerkschaften im Kriegsfalle in Frankreich. Das sind Maßnahmen zur Sicherung der militärischen Unterdrückung jeder Arbeiterklassenbewegung, sofort nachdem der Krieg erklärt ist.

Andererseits verfolgt die Existenz der inoffiziellen Armeen von der Art des "Stahlhelms" in Deutschland, der "Schutzkorps" in Finnland, der "Strzelcy" in Polen und der "Heimwehren" in Österreich usw, das Ziel des Streikbrecherdienstes der gewaltsamen Unterdrückung der Arbeiterschaft, und zwar nicht nur während eines Krieges, sondern auch in der Zeit der Kriegsvorbereitungen. Hierher gehören auch die militärischen oder halbmilitärischen Frauenorganisationen in einer Reihe von Ländern. Die großen imperialistischen Mächte unterstützen den Faschismus in Südosteuropa, in Polen und Rumänien als ein wichtiges Instrument bei der Vorbereitung und Führung des imperialistischen Krieges, speziell gegen die Sowjetunion.

Die Verfolgungen und Unterdrückungsmaßnahmen gegen die kommunistischen Parteien werden systematisch verschärft. Die Sektionen der Kommunistischen Internationale in allen imperialistischen Ländern stehen unmittelbar vor der Gefahr, in die völlige Illegalität getrieben zu werden.

 

§ 4

In der Situation der gesteigerten Rüstungen und der großzügigen Vorbereitungen zu imperialistischen Kriegen suchen Bourgeoisie und kleinbürgerliche Pazifisten die werktätigen Massen mit heuchlerischen Reden über die wahren Tatsachen zu täuschen und sie unter dem Deckmantel des Pazifismus und der "Friedens"politik systematisch gegen die Sowjetunion einzustellen. Der Schlachtruf des kommenden Krieges gegen die Sowjetunion wird sein: "Krieg für den Frieden!", "Gegen den Bolschewismus, den Zerstörer der Zivilisation!"

Alles Geschwätz der Bourgeoisie und ihrer sozialdemokratischen und kleinbürgerlich-pazifistischen Handlanger über Abrüstung, Sicherheit, Schiedsgerichte, Ächtung des Krieges als "Instrument der nationalen Politik" usw. ist die größte Heuchelei.

Der Völkerbund, vor 9 Jahren begründet als ein imperialistisches Bündnis zur Verteidigung des räuberischen "Friedens" von Versailles und der Unterdrückung der revolutionären Bewegung in der ganzen Welt, wird mehr und mehr ein direktes Instrument der Vorbereitung und Durchführung des imperialistischen Krieges gegen die Sowjetunion. Alle unter dem Protektorat des Völkerbundes geschaffenen Bündnisse und Pakte sind nur Mittel zur Verschleierung der Kriegsvorbereitungen und Werkzeuge zur Vorbereitung der Kriege, insbesondere des Krieges gegen die Sowjetunion.

 

 

§ 5

Die Imperialisten können ihre Kriegspolitik nur Dank der aktiven Mitarbeit der internationalen Sozialdemokratie durchführen. Bereits der Weltkrieg 1914 bis 1918 hat die Reformisten als Sozialpatrioten und Chauvinisten entlarvt. Seither ist die Politik der Sozialdemokratie zum offenen Sozialimperialismus ausgereift. In allen entscheidenden Fragen sind die Führer der Sozialdemokratie und der Amsterdamer Gewerkschaften nicht nur Verteidiger, sondern sogar aktive Vorkämpfer des Imperialismus. Ihre größte Aktivität entwickeln sie in der Unterstützung der imperialistischen Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion.

Der Kurs der reformistischen Führer auf die Vertiefung der Spaltung im Lager der Arbeiterbewegung durch verschärften Kampf gegen die kommunistische Bewegung und aktive Spaltungsarbeit in den Gewerkschaften und proletarischen Massenorganisationen (in Deutschland, England) dient ebenso wie die Niederlagenstrategie in den großen Wirtschaftskämpfen der Stärkung der Bourgeoisie, der Schwächung der Kampfpositionen des Proletariats und damit der Vorbereitung solcher Bedingungen, die der Bourgeoisie die Führung neuer imperialistischer Kriege ermöglichen. Das Proletariat muss den Methoden der Sozialdemokratie, mit welchen diese den ideologischen Krieg gegen die Sowjetunion vorbereitet, die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Einige dieser Methoden sind:

a) Verbreitung solcher Lügen wie "roter Imperialismus" und "roter Militarismus", "Identität von Faschismus und Bolschewismus" usw.;

b) die Behauptung, die Diktatur des Proletariats sei die Kriegsursache oder eine der Kriegsursachen;

c) die heuchlerische Haltung: "Wir sind für die Unterstützung der Sowjets, aber wir sind gegen die Kommunisten und die Komintern";

d) die unter "linker" Maske geführte Propagierung des Defaitismus in Bezug auf die Sowjetregierung.

Gerade während des letzten Jahres haben wir einige Beispiele für diese letzte Methode gehabt, besonders seitens der Sozialdemokraten in Deutschland. Diese Beispiele waren nicht weniger deutlich bei den Verbündeten der Sozialdemokratie, den Trotzkisten, festzustellen, zum Beispiel in ihren Phrasen über "Thermidoriansmus", "Kulakisierung" usw.

Die so genannten "linken" Führer in der Sozialdemokratie, die vom VIII. Plenum als die gefährlichsten Feinde des Kommunismus in der Arbeiterbewegung charaktisiert wurden, haben durch ihre verräterische Politik im letzten Jahre und durch ihr Verhalten auf der Brüsseler Konferenz der Zweiten Internationale diese Charakterisierung vollauf bestätigt - gerade sie sind es, die mit Hilfe "linker" Phrasen in kritischen Situationen sowohl die Bourgeoisie, als auch die rechten reformistischen Führer zu retten trachten.

Sie klagen das Sowjetregime und die kommunistische Weltbewegung als Feinde der proletarischen Einheitsfront, als Feinde des "Weltfriedens", als Verbündete der Reaktion an, um auf diese Weise die Arbeiterschaft irre zu führen, sie zu verwirren und so der Bourgeoisie die Durchführung ihrer Kriegspolitik zu erleichtern.

 

§ 6

Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Hauptfront der Politik aller imperialistischen Mächte immer offener gegen die Sowjetunion und die chinesische Revolution gerichtet wird. Aber bei der Zuspitzung der Gegensätze zwischen den imperialistischen Mächten selbst ist auch, bevor dieser Krieg ausbricht, ein Zusammenstoß zwischen zwei imperialistischen Mächtegruppen im Ringen um die Welthegemonie möglich.

Wenn der erste Weltkrieg 1914 bis 1918 unmittelbar die siegreiche proletarische Revolution im ehemaligen Zarenreiche die Entwicklung der Befreiungsbewegungen in den Kolonien und die Austände und revolutionären Massenbewegungen des Proletariats in Europa auslöste, so wird ein Krieg machtvolle revolutionäre Bewegungen wach rufen, die auch die Industriearbeiter in Amerika, breite Massen der Bauern in Agrarländern und Millionen der unterdrückten und Kolonialvölker erfassen werden. Aus der Krise des Kapitalismus - deren schärfster Ausdruck der Krieg ist - können, noch bevor der offene Konflikt ausbricht, bereits revolutionäre Massenbewegungen entstehen. Die Kommunisten müssen die Massen in diesen Bewegungen, wie auch in den Tageskämpfen sammeln, organisieren und führen mit dem Ziel, auf dem Wege der revolutionären Aktion die Eroberung der Macht durch das Proletariat, den Sturz der Bourgeoisie und die Errichtung der proletarischen Diktatur herbeizuführen.

Wenn es den Kommunisten in den europäischen Ländern nicht gelingen sollte, den Tageskampf um die Durchsetzung der dringendsten Forderungen der Arbeiter zu verschärfen und ihn in den oiffenen Kampf um die Macht und zum Sturz der Bourgeoisie zu verwandeln - und nur durch den Sturz der wichtigsten imperialistischen Länder könnte dem imperialistischen Kriege vorgebeugt werden -- , so wird doch die ständige Verbindung dieses Kampfes mit der Bekämpfung der imperialistischen Kriegspolitik die Aktivität der Arbeiterklasse bedeutend heben und der Bourgeoisie sowohl die Vorbereitung, wie die Durchführung des Krieges bedeutend erschweren. Es ist klar, dass ein Aufschub der imperialistischen Kriegsmaßnahmen durch Massenaktionen des Proletariats einer Lage schafft, die später die Umwandlung dieses Krieges in den Bürgerkrieg zum Sturz der Imperialisten sehr erleichtern wird. Auf jeden Fall sind die wachsende Linksentwicklung innerhalb des Proletariats und unter den übrigen werktätigen Schichten und die gewaltige Entwicklung der nationalrevolutionären Bewegung in den Kolonial - und Halbkolonialländern eine breite Grundlage für den wachsenden Einfluss der Komintern und für den gesteigerten Kampf der Kommunisten gegen die gesamte, ebenso zu erhöhter Ausbeutung und Unterdrückung, wie zu größter Zuspitzung der Kriegskonflikte führende Politik der Weltbourgeoisie.

 

II.

Die Stellung des Proletariats zum Kriege

 

§ 7

Der Krieg ist vom Kapitalismus nicht zu trennen. Der Kampf gegen den Krieg verlangt eine klare Einsicht in das Wesen des Krieges, in seine Ursachen. Der reaktionären Rechtfertigung des Krieges als einer unvermeindlichen Naturerscheinung und den nicht minder reaktionären Utopie einer Abschaffung des Krieges durch leere Phrasen oder Verträge, setzt das revolutionäre Proletariat die überlegene Theorie des Marxismus-Leninismus entgegen, als die einzige wissenschaftliche Basis eines wirklichen Kampfes gegen den Krieg.

Die Ursache des Krieges als eine historische Erscheinung wurzelt nicht in der "bösen Natur" des Menschen oder in der "schlechten Politik" der Regierungen, sondern in der Spaltung der Gesellschaft in Klassen, in Ausbeuter und Ausgebeutete.

Der Kapitalismus - das ist die Ursache der Kriege in der neueren Geschichte. Diese Kriege sind nicht Ausnahmen, sie stehen nicht im Widerspruch zu den Grundlagen des Kapitalismus, dem Privateugentum an den Produktionsmitteln, oder zum System der Konkurrenz und Ausbeutung, sondern sie sind ihre direkte Folge. Der Imperialismus, das monopolistische Stadium des Kapitalismus, verschärft alle Widersprüche des Kapitalismus so sehr, dass der "Frieden" nur zu einer Atempause für neue Kriege wird. Die Erdoberfläche und ihre wirtschaftlichen Reichtümer (mit Ausnahme des von der Diktatur des Proletariats beherrschten Teils) sind durch eine kleine Anzahl von Großmächten fast völlig monopolisiert. Die ungleichmäßige ökonomische und politische Entwicklung der einzelnen Länder schafft jedoch immer wieder die Notwendigkeit einer Neuverteilung der Welt. Diese kann letzten Endes nicht anders erfolgen als durch den Krieg der entscheidenden imperialistischen Länder gegeneinander. Zugleich aber kann die Ausbeutung der Hunderte von Millionen Proletarier und Kolonialsklaven nur durch blutige Unterdrückungskriege aufrecht erhalten werden.

Der Krieg ist untrennbar vom Kapitalismus. Daraus folgt, dass eine "Abschaffung" des Krieges nur möglich ist durch die Abschaffung des Kapitalismus, d.h. durch den Sturz der bürgerlichen Ausbeuterklasse, durch die Diktatur des Proletariats, den Aufbau des Sozialismus und die Abschaffung der Klassen. Alle anderen Theorien und Vorschläge, sie mögen sich noch so "realistisch" geben, sind nichts als Betrügereien zur Fortsetzung des Systems von Ausbeutung und Krieg.

Daher lehnt der Leninismus alle pazifistischen Theorien über die "Abschaffung des Krieges" ab und zeigt den Arbeitermassen und allen Ausgebeuteten den einzigen Weg, der zum Ziel führt: den Sturz des Weltkapitalismus.

 

§ 8

Aber der Sturz des Kapitalismus ist unmöglich ohne Gewalt, ohne den bewaffneten Aufstand und Kriege des Proletariats gegen die Bourgeoisie.

In der gegenwärtigen Epoche der imperialistischen Kriege und der Weltrevolution sind, wie Lenin bewiesen hat, revolutionäre Bürgerkriege des Proletariats gegen die Bourgeoisie, Kriege der proletarischen Diktatur gegen bürgerliche Staaten und den Weltkapitalismus, nationalrevolutionäre Kriege der unterdrückten Völker gegen den Imperialismus unvermeidlich. Daher kann das Proletariat, eben weil es für den Sozialismus und für die Vernichtung der Kriege kämpft, keineswegs gegen den Krieg sein. Jeder Krieg ist nur eine Fortsetzung der Politik bestimmter Klassen "mit anderen Mitteln." Das Proletariat muss daher jeden gegebenen Krieg sorgfältig auf seine historische und politische Klassenbedeutung prüfen, und besonders die Rolle der herrschenden Klasse in allen am Krieg teilnehmenden Ländern vom Gesichtspunkt der internationalen proletarischen Revolution einschätzen. Die gegenwärtige Epoche zeigt folgende drei Arten von Kriegen:

erstens Kriege der imperialistischen Staaten untereinander;

zweitens Kriege der imperialistischen Konterrevolution gegen die proletarische Revolution bzw. Ländern, in denen der Sozialismus aufgebaut wird;

drittens nationalrevolutionäre Kriege besonders der Kolonialländer gegen den Imperialismus verbunden mit den Unterdrückungskriegen der Imperialisten gegen diese Länder.

Im ersten Fall, für den der Weltkrieg 1914 bis 1918 ein klassisches Beispiel gibt, führen beide Seiten einen reaktionären imperialistischen Krieg.

Im zweiten Fall, z.B. dem Interventionskrieg gegen Sowjetrussland (1918 - 1921) aber gilt dies nur für die Imperialisten; die proletarische Diktatur dagegen führt in einem solchen Fall einen revolutionären Krieg für den Sozialismus, im Interesse des gesamten Weltproletariats.

Im dritten Fall, zum Beispiel dem Krieg des Imperialismus gegen die chinesische Revolution führt ebenfalls nur die imperialistische Macht einen reaktionären, räuberischen Krieg; der Krieg der unterdrückten Nationen gegen den Imperialismus ist aber nicht nur gerecht, sondern revolutionär. Er ist gegenwärtig ein Teil der proletarischen Weltrevolution.

Auf Grund einer solchen marxistischen Analyse der Kriege bestimmt das Proletariat seine grundsätzliche Stellung und Taktik diesen Kriegen gegenüber. Das Proletariat bekämpft diese Kriege der imperialistischen Staaten untereinander mit dem Programm der Niederlage der eigenen Regierung und der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Dieselbe prinzipielle Stellung nimmt das Proletariat der imperialistischen Länder ein im Falle eines Unterdrückungskrieges der Imperialisten gegen nationalrevolutionäre Bewegungen, vor Allem gegen die Kolonialvölker, und im Falle des offenen konterrevolutionären Krieges des Imperialismus gegen die proletarische Diktatur. Gleichzeitig aber unterstützt und führt das Proletariat die nationalrevolutionären Kriege und die Kriege des Sozialismus gegen den Imperialismus und organisiert die Verteidigung der nationalen Revolution und der Staaten der proletarischen Diktatur.

 

§ 9

Solange das Proletariat nicht seine Diktatur errichtet hat, ist zur Bestimmung seiner Taktik in Kriegen des eigenen Landes die genaue allseitige Prüfung des konkreten Krieges nötig, auch in jeder einzelnen Phase des Krieges. Nationale Kriege können sich in imperialistische verwandeln.

Die genaue Prüfung des Charakters eines bestimmten Krieges kann nicht ersetzt werden durch formale Merkmale, wie zum Beispiel das Merkmal des Angriffskrieges. In einem imperialistischen Krieg, wie 1914, ist dieses Merkmal überhaupt sinnlos und dient nur zum Betrug der Massen. In Kriegen der Imperialisten gegen revolutionäre Mächte aber muss man die Frage dieses Merkmals nicht im strategischen, sondern nur im historisch-politischen Sinne auffassen. Nicht wer militärisch zuerst angreift, führt einen ungerechten Krieg, sondern wer die Reaktion, die Konterrevolution, die Ausbeutung, den Imperialismus gegen die nationale und proletarische Revolution vertritt. Ein Musterbeispiel der verlogenen Anwendung des Arguments vom Angriffskrieg haben die französischen Sozialisten geliefert, als sie im Jahre 1925 den Krieg Frankreichs gegen das aufständische Marokko unterstützten, weil dieses "zuerst angegriffen" habe. Ähnlich war die Haltung der englischen Labour-Imperialisten bei der Intervention in China 1927 ("Schutz des britischen Eigentums und Lebens" usw.).

 

§ 10

Von der grundsätzlichen Stellungnahme des Proletariats zu einem bestimmten Krieg hängt auch seine Stellung zur Frage der "Vaterlandsverteidigung" ab. Das Proletariat hat kein Vaterland, solange es nicht die politische Macht erobert und die Produktionsmitteln den Ausbeutern entrissen hat. Der Ausdruck "Vaterlandsverteidigung" ist nichts als ein Schlagwort - und zwar meist ein kleinbürgerliches Schlagwort für die Rechtfertigung eines Krieges. In den Kriegen, die das Proletariat selbst bzw. der proletarische Staat gegen den Imperialismus führt, hat das Proletariat sein sozialistisches Vaterland zu verteidigen. In den nationalrevolutionären Kriegen tritt das Proletariat für die Verteidigung seines Landes gegen den Imperialimus ein. In imperialistischen Kriegen aber muss das Proletariat die "Vaterlandverteidigung" aufs Schärfste als Verteidigung der Ausbeutung und Verrat am Sozialismus brandmarken.

 

a) Das Proletariat kämpft gegen die imperialistischen Kriege

 

1. Der Kampf gegen den imperialistischen Krieg

vor seinem Ausbruch

 

§ 11

Der Kampf der Kommunisten gegen den imperialistischen Krieg unterscheidet sich von Grund aus von dem "Kampf gegen den Krieg" aller Arten von Pazifisten. Die Kommunisten betrachten diesen Kampf nicht losgelöst vom Klassenkampf, sondern als einen Teil des allgemeinen Klassenkampfes des Proletariats zum Sturz der Bourgeoisie. Sie wissen, dass, solange die Bourgeoisie herrscht, imperialistische Kriege unvermeidlich sind. Aus dieser Feststellung einer objektiven Entwicklungstendenz werden manche die Schlussfolgerung ziehen, ein besonderer Kampf gegen den Krieg sei sinnlos. Umgekehrt beschuldigen die Sozialdemokraten die Kommunisten, sie förderten die imperialistischen Kriege, um dadurch das Kommen der Revolution zu beschleunigen. Jenes ist ein Fehler, dies eine dumme Verleumdung. Obwohl die Kommunisten von der Unvermeidlichkeit des imperialistischen Krieges überzeugt sind, führen sie im Interesse der Arbeitermassen und aller Werktätigen, von denen ein Krieg die furchtbarsten Opfer fordern wird, unter Aufbietung aller Kräfte einen hartnäckigen Kampf gegen den imperialistischen Krieg, zur Verhinderung des imperialistischen Krieges durch die proletarische Revolution. In diesem Kampf sammeln sie die Massen um sich, um, wenn sie den Kriegsausbruch nicht verhindern können, diesen Krieg in den Bürgerkrieg zum Sturze der Bourgeoisie zu verwandeln.

 

§ 12

Die erste Pflicht der Kommunisten im Kampf gegen den imperialistischen Krieg ist, den Schleier zu zerreißen, mit dem die Bourgeoisie die Vorbereitung eines Krieges verhüllt. und den breiten Massen die tatsächliche Lage der Dinge zu zeigen. Dies bedeutet vor Allem den schärfsten politischen und propagandistischen Kampf gegen den Pazifismus.

Dabei müssen die Kommunisten sorgfältig alle Schattierungen des Pazifismus berücksichtigen, deren wichtigste sind:

a) der offizielle Pazifismus, mit dem die kapitalistischen Regierungen ihre Manöver gegeneinander und gegen die Sowjetunion maskieren (Völkerbund, Locarno, Abrüstungskonferenzen, Ächtungen des Krieges usw.);

b) der Pazifismus der II. Internationale (Hilferding, Boncour, MacDonald), der bloß ein Zweig des Regierungspazifismus ist, aber dessen Argumente mit sozialistischen oder gar "marxistischen" Phrasen verbrämt;

c) der "radikale" oder "revolutionäre" Pazifismus mancher "linker" Sozialisten, der die Gefahr des Krieges anerkennt, aber nur sinnlose Phrasen dem Krieg entgegen setzt. Diese Pazifisten übertreiben oft die Wirkungsmöglichkeiten der modernen Waffen, um entweder die Unmöglichkeit einer langen Dauer des Krieges oder die Unmöglichkeit seiner Verwandlung in den Bürgerkrieg zu beweisen;

d) der halb-religiöse Pazifismus, der seine Basis in der Kirchenbewegung hat. Aber in diesem Kampfe gegen den Pazifismus müssen die Kommunisten wohl unterscheiden zwischen der kriegsgegnerischen Stimmung der breiten werktätigen Volksmassen, die bereit sind, gegen einen Krieg zu kämpfen, aber noch nicht den einzig richtigen revolutionären Weg sehen und daher zum Opfer pazifistischer Betrüger werden, und diesen Betrügern selbst, den Vertretern der verschiedenen pazifistischen Richtungen.

Während man die Massen beharrlich über ihre Fehler aufklären und sie zur revolutionären Einheitsfront des Kampfes gegen den Krieg heran ziehen muss, kann jenen pazifistischen Betrügern nur unerbittlicher Kampf und rücksichtslose Entlarvung gelten.

e) eine besondere Rolle spielt der so genannte "Genossenschaftspazifismus", dessen Basis der Internationale Genossenschaftsbund und die Internationale Frauengenossenschaftsgilde in London bilden. Hierher gehören auch eine Reihe linksbürgerlicher Organisationen, wie die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit.

 

§ 13

Je näher und offensichtlicher die Kriegsgefahr heran rückt, desto gefährlicher wird die Richtung des so genannten "radikalen" Pazifismus, die heute hauptsächlich von den "linken" Sozialdemokraten in Deutschland, der ILP in England und den Sozialdemokraten der kleineren Länder (Holland, Norwegen usw.) vertreten wird, dessen Schlagworte und Phrasen ("Nie wieder Krieg"; Boykott des Krieges; Antwort auf den Krieg mit Generalstreik; Militärstreik usw.) von Seiten der reformistischen Führer zum Betruge der Massen verwendet werden. (Z.B. die Generalstreikphrasen der Amsterdamer Internationale). In seiner Instruktion für die Delegation der russischen Gewerkschaften zur Haager Friedenskonferenz im Dezember 1922 hat Lenin mit vollem Recht auf den Kampf gegen diese Spielart des Pazifismus das Hauptgewicht gelegt. Dies gilt auch heute im vollsten Maße, denn sogar innerhalb der kommunistischen Parteien haben sich, oft unbewusst, in der Masse der Mitgliedschaft noch starke Vorurteile und Abweichungen erhalten. Daher ist nötig:

a) die Bekämpfung aller großsprecherischen Phrasen, wie zum Beispiel: "Wir lassen keinen Krieg mehr zu" usw. Hierbei gehört die Bekämpfung der "Nie-wieder-Krieg" Agitation. Die Kommunisten können sich nicht darauf beschränken, diese Losung theoretisch zu "korrigieren", sondern sie müssen einen aktiven Kampf gegen diese Agitation führen durch Entlarvung ihrer Träger. Brandmarkung der Rolle dieser Agitation als Kulisse der Kriegsvorbereitung.

Dasselbe gilt heute in vielen Fällen für die Losung "Krieg dem Kriege", die von den Sozialdemokraten als heuchlerisches Versprechen zur Täuschung der Massen verwendet wird;

b) die Bekämpfung der Vorschläge der "radikalen" Pazifisten zur Verhinderung des Krieges. Die Kommunisten können sich nicht darauf beschränken, diese Leute als Phrasendrescher zu entlarven, die nichts zur Verwirklichung ihrer radikalen Vorschläge (Generalstreik, Militärstreik) tun, sondern sie müssen diese Vorschläge, wie sie von den Pazifisten gemacht werden, selbst als kindisch und unrichtig entlarven, indem sie den Massen die wirklichen Umstände, unter denen ein Krieg ausbricht, vor Augen führen, die Unmöglichkeit der Beschränkung des Kampfes auf bestimmte Methoden und die Notwendigkeit der Anwendung aller Formen des Klassenkampfes nachweisen;

c) rücksichtslose Bekämpfung und öffentliche Kritik aller leichtsinnigen Äußerungen in den eigenen Reihen der kommunistischen Parteien. Dies gilt auch heute speziell für Fehler, in Presseartikeln und Parlamentsreden. Es ist unter keinen Umständen zulässig, solche Fehler mit Schweigen zu übergehen.

 

§ 14

Neben dem Kampf gegen den Pazifismus und gegen alle leichtsinnigen "revolutionären" Phrasen haben die Kommunisten im Kampfe gegen den imperialistischen Krieg eine Reihe grundlegender agitatorisch-propagandistischer Aufgaben.

Diese sind:

a) die rechtzeitige Widerlegung jener Sophismen und Schlagworte, mit denen die Bourgeoisie und die Sozialdemokraten den Krieg rechtfertigen. An erster Stelle steht auch heute die Parole der "Vaterlandsverteidigung". Der Krieg gegen China 1927 hat die Bedeutung der Parolen "Schutz des Lebens und Eigentums", "Schutz des Handels", der "Flagge" usw. gezeigt. Im letzten imperialistischen Krieg spielte bei der Entente die Losung "Kampf gegen den preußischen Militarismus", bei den Mittelmächten die Losung "Kampf gegen den Zarismus" eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung der Massen für den Krieg. In einem kommenden Krieg Italiens mit Frankreich oder Jugoslawien wird die Parole "Kampf gegen den reaktionären Faschismus" dieselbe Rolle spielen, die Bourgeoisie dieser Länder wird die antifaschistische Stimmung der Volksmassen zur Rechtfertigung ihres imperialistischen Krieges ausnutzen. Der Faschismus andererseits rechtfertigt seine imperialistische Kriegspolitik mit dem Schlagworte der "Überbevölkerung" der Halbinsel, der Naturnotwendigkeit der Expansion usw. Die Kommunistischen Parteien haben der Aufdeckung dieser Sophismen keine genügende Aufmerksamkeit gewidmet; LENIN:

b) "Man muss den Leuten ganz konkret immer wieder und wieder erklären, wie die Dinge de letzten Krieges sich verhalten haben und warum es nicht anders sein konnte.

Man muss besonders die Bedeutung jenes Umstandes erklären, dass die 'Vaterlandsverteidigung' unvermeidlich zu einer Frage wird, in welcher die ungeheure Mehrheit der Werktätigen unvermeidlich zu Gunsten der eigenen Bourgeoisie entscheiden wird." (Lenin)

"An Hand der Erfahrungen des letzten Krieges müssen wir erklären, welche Menge von Fragen der Theorie und des Alltagslebens gleich am Tage nach der Kriegserklärung auftaucht und der ungeheuren Mehrheit der zum Kriegsdienst Einberufenen jede Möglichkeit nimmt, an diese Fragen auch nur mit einigermaßen klarem Kopf und gewissenhafter Vorurteilslosigkeit heranzutreten" (Lenin)

"Man muss den Leuten die reale Sachlage erklären, wie undurchdringlich das Geheimnis ist, mit dem die Entstehung des Krieges umgeben ist und wie hilflos ein gewöhnliche Arbeiterorganisation, mag sie sich auch revolutionär nennen, angesichts eines wirklich herauf ziehenden Krieges dasteht." (Lenin)

Die Bolschewiki, die eine gut ausgebaute illegale Organisation besaßen, vermochten als einzige Partei ihre revolutionäre Arbeit auch während des Krieges fortzusetzen. Aber auch sie konnten das Übergehen der Massen auf die Seite der bürgerlichen "Vaterlandsverteidigung" nicht verhindern, noch viel weniger den Krieg selbst, obwohl sich damals der Klassenkampf des Proletariats in Russland in mächtigem Aufschwung befand und die Straßen Petersburgs Wochen vor Kriegsausbruch Barrikaden sahen.

Nur eine solche erste Auseinandersetzung der ungeheuren Schwierigkeiten eines wirklichen Kampfes gegen den Krieg kann die Grundlage für eine Klarstellung der taktischen Fragen dieses Kampfes bilden.

Notwendig ist schließlich, den Arbeitermassen eingehend die Erfahrungen des letzten Weltkrieges (1914-1918) auseinanderzusetzen, die damaligen Richtungen in der Arbeiterbewegung, den Kampf der Bolschewiki gegen den Krieg und ihre Hauptparole der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg.

 

§ 15

Diese agitatorisch-propagandistische Tätigkeit muss mit der täglichen revolutionären Arbeit der Partei unter den Massen aufs Engste verbunden werden. Hier liegen die entscheidenden Aufgaben im Kampfe gegen den imperialistischen Krieg vor seinem Ausbruch.

a) die Arbeit in den Betrieben und Gewerkschaften muss sich vor Allem auf die für die Mobilisierung und Kriegsführung entscheidenden Industrien konzentrieren: Metallindustrie, Chemie und Transport. Von besonderer Bedeutung sind die richtige Anwendung der Taktik der proletarischen Einheitsfront und die organisatorische Festhaltung ihrer Ergebnisse (Gründung von Aktionskomiees usw.)

b) mit Rücksicht darauf, dass die Bauernschaft in den meisten Ländern die Hauptmasse der Armee bildet, muss der Antikriegsarbeit unter den Bauern besondere Beachtung zugewendet werden. Diese Arbeit wird begünstigt durch die starken kriegsgegnerischen Stimmungen der Bauern in den meisten Ländern. Die Bourgeoisie ist bemüht, durch Vermittlung der Großgrundbesitzer und Großbauern, durch Veteranenvereine, Presse; Faschismus, Pazifismus, Kirche usw. ihren Einfluss auf dem Lande zu sichern und die Bauernschaft kriegswillig zu machen. Dieser Tätigkeit müssen die Kommunisten eine Arbeit zur Verschärfung des Klassenkampfes auf dem Lande entgegen stellen. Sie müssen eine Antikriegsagitation unter den Bauernmassen führen unter Auswertung der Folgen des Weltkrieges und in Verbindung mit den ökonomischen Forderungen der kleinen Bauern. Sie müssen die Bauernmassen über die Stellung de Proletariats zum Krieg aufklären, in den reaktionären Bauernbünden Fraktionsarbeit leisten, Antikriegskonferenzen der kleinen Bauern veranstalten und deren spezielle Interessen bei Führung der Arbeit in der Armee berücksichtigen.

c) die national-reolutionären Bewegungen auf dem Balkan, in Polen usw. können eine große Rolle im Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr und für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg spielen. Der Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr ist in solchen Ländern eng zu verbinden mit dem Kampf gegen die Reste des Feudalismus und gegen die nationale Unterdrückung zwecks Entfaltung der Agrarrevolution und der nationalen Revolution.

Die Schaffung und der Ausbau des revolutionären Blocks des Proletariats, des Bauerntums und der unterdrückten Nationen gegen den Kapitalismus und gegen die imperialistische Kriegsgefahr ist daher eine außérordentlich wichtige Aufgabe der kommunistischen Parteien.

d) eine Frage von entscheidener Bedeutung ist die Arbeit unter der Jugend, vor Allem der Arbeiterjugend. Alle Kommunisten - und nicht nur die Jugendorganisationen - müssen der Bekämpfung der bürgerlichen Sportorganisationern, fashistischer Verbände, Wehrschulen usw., mit denen die Bourgeoisie die Jugend für den imperialistischen Krieg vorbereitet, die größte Energie widmen. Eine weitere Aufgabe ist die Bekämpfung der bürgerlichen militärischen Jugendausbildung. Wo diese obligatorisch ist, fordern die Kommunisten die jugendlichen Arbeiter auf, an ihr teilzunehmen, und organisieren in ihr die Arbeit zur Aufklärung der Arbeiterjugend und zur Zersetzung dieser bürgerlichen Militärorganisationen. Dieselbe Arbeit muss in den freiwilligen bürgerlichen militärischen Ausbildungsorganisationen geleistet werden. Zu diesem Zweck entsenden die KP und KJV Mitglieder in solche Organisationen, fordern die Arbeiterjugend jedoch nicht auf, in sie einzutreten, sondern rufen sie auf, den Wehrorganisationen der Arbeiterklasse beizutreten und solche zu bilden.

e) Im Hinblick auf die große Rolle der Frauen in der Industrie, besonders im Kriegsfalle, und ihren Einfluss auf die männliche Arbeiterbevölkerung erhalten die Arbeit unter den Industriearbeiterinnen und Arbeiterfrauen, der Kampf gegen ihre imperialistische Beeinflussung durch kleinbürgerliche Organisationen, ihre Organisierung in den Gewerkschaften und anderen proletarischen Massenorganisationen für den Kampf gegen den imperialistischen Krieg eine besondere Bedeutung. Dabei sind besonders die Pläne der Militarisierung der Frauen und die immer energischer betriebene Erfassung der Frau durch pazifistische, kirchliche und nationalistische Organisationen der Bourgeoisie zu beachten. Jede Vernachlässigung der Arbeit unter den Frauen, die Auffassung, diese Arbeit sei Sache der Kommunistinnen allein, muss ausgemerzt werden.

f) die anti-militaristische Tätigkeit, die Arbeit in der Armee und Flotte, unter den Rekruten und Reservisten, in den bürgerlichen Wehrorganisationen der Bourgeoisie, in denen das proletarische Element stark vertreten ist, muss einen untrennbaren Teil der gesamten revolutionären Massenarbeit der Partei bilden und auch die gesamte Arbeiterschaft umfassen.

 

§ 16

Um die revolutionäre Arbeit auch nach Kriegsausbruch weiter zu führen können, erachtete Lenin als "das einzig mögliche Mittel" die Schaffung einer illegalen Organisation. Aber auch im Kampfe gegen den Krieg vor Kriegsausbruch ist eine illegale Organisation nötig. In der praktischen Durchführung dieser wichtigen Aufgabe im Kampf gegen den Krieg finden sich noch heute die größten Unterlassungen und sehr arge Unklarheiten. In manchen Kreisen mancher kommunistischer Parteien herrscht das direkte opportunistische Vorurteil, die Führung der Antikriegsarbeit sei bloß die Aufgabe der Jugend oder einer Spezialorganisation und die Arbeit innerhalb der Armee wäre nicht unbedingt notwendig. Es ist notwendig, entschieden gegen solche Auffassungen zu kämpfen und die Arbeit im Sinne der Direktive Lenins schon jetzt zu beginnen. Dabei handelt es sich um:

1. Dem Ausbau der Betriebszellenorganisation, der Partei, die in Folge des Terrors der Unternehmer und des Polizeiregimes unter gewissen Umständen in völlige Illegalität übergehen müssen und die Ergreifung aller Maßnahmen, um diesen Übergang vorzubereiten.

2. Die Vorbereitung der leitenden Organe, des Verbindungsapparates und der Parteipresse, um ihr Funktionieren auch in der strengsten Illegalität sicherzustellen.

Die Kommunistischen Parteien müssen - ohne einen Augenblick auf die Ausnutzung der legalen Möglichkeiten zu verzichten -, diesen Aufgaben schon jetzt die größte Aufmerksamkeit und Energie widmen. Sonst wird der im Moment des Kriegsausbruches einsetzende Terror, dessen Vorzeichen sich schon heute in einer Reihe von Ländern zeigen, die Parteiorganisationen und damit die wichtigste Voraussetzung des revolutionären Kampfes gegen den Krieg unvermeidlich vernichten.

 

§ 17

Die Kommunistischen Parteien müssen gegenwärtig ihre gesamte Arbeit der zentralen Aufgabe der Vorbereitung, Gewinnung und Organisierung der Massen für den Kampf gegen den imperialistischen Krieg unterordnen. Alle Kämpfe des Proletariats und der übrigen Schichten gegen die Verstärkung der Ausbeutung und Unterdrückung - in Fragen der Löhne, der Arbeitszeit, der Steuern, der Zölle, der Wohnungs- und Sozialpolitik, der politischen Entrechtung und Verfolgung, der Verstärkung der faschistischen Gefahr -, müssen über die Erfüllung der in diesen Kämpfen unmittelbar aufgestellten Forderungen hinaus bewusst auf die Durchkreuzung und Verhinderung der imperialistischen Kriegspolitik gerichtet sein. Alle wichtigen Fragen der auswärtigen Politik, der Rüstungen, militärischen Manöver, Einführung neuer Kampfmittel usw. müssen vor das Forum der beitesten Massen getragen und zur Organisierung von revolutionären Massenorganisationen ausgenutzt werden. In diesem Kampf muss die Kommunistische Partei, ohne auf eine nüchterne Einschätzung ihrer Kraft zu verzichten, den Massen kühn und entschlossen voran gehen. Sie muss von Demonstrationen übergehen zur Organisierung von Streiks gegen die Kriegspolitik der imperialistischen Bourgeoisie und im gegebenen Moment vor den Massen die Frage des Generalstreiks aufrollen.

 

 

2. Der Kampf während des Krieges

 

§ 18

Das politische Programm der Kommunisten in einem imperialistischen Krieg ist dasselbe Programm, das die Partei der Bolschewiki unter der Führung Lenins in ihrem historischen Kampf gegen den ersten imperialistischen Weltkrieg ausgearbeitet und angewandt hat. Es besteht aus folgenden Hauptpunkten:

a) Ablehnung der "Vaterlandsverteidigung" in diesem Kriege, Aufklärung der Arbeiter und Bauern über seinen reaktionären Charakter, schärfster Kampf gegen alle Richtungen der Arbeiterbewegung, die diesen Krieg offen oder versteckt rechtfertigen.

b) Defaitismus, das heißt, Förderung der Niederlage der eigenen Bourgeoisie in diesem Kriege.

c) wirklicher Internationalismus, das heißt, nicht "internationalistische" Phrasen, auch nicht formelle "Vereinbarungen", sondern revolutionäre defaitistische Arbeit des Proletariats in jedem der Krieg führenden Länder zum Sturz der eigenen Bourgeoisie.

d) Umwandlung des Krieges der imperialistischen Staaten in den Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie. Für die Diktatur des Proletariats, für den Sozialismus durch revolutionäre Massenaktionen im Hinterland und Verbrüderung an der Front.

e) ein "demokratischer" oder "gerechter" Frieden im imperialistischen Krieg ist unmöglich ohne den Sturz der Bourgeoisie und die Machtergreifung des Proletariats in den wichtigsten Krieg führenden Staaten. Daher kann nicht der Frieden, sondern nur die proletarische Revolution die zentrale Parole sein. Die Kommunisten sind verpflichtet, einen scharfen Kampf zu führen gegen alle Friedensphrasen, die in einem bestimmten Moment die wichtigste ideologische Waffe der Bourgeoisie werden, um eine Verwandlung des Krieges in den Bürgerkrieg zu verhindern.

Die Kommunisten dürfen sich nicht darauf beschränken, ein solches Programm zu verkünden und zu propagieren, sondern sie müssen unter Anwendung der Taktik der proletarischen Einheitsfront von unten die Arbeitermassen zum Kampf für dieses Programm gewinnen.

 

§ 19

"Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg" bedeutet vor Allem: revolutionäre Massenaktionen. Die Kommunisten verwerfen entschieden alle "Kampfmittel" gegen den Krieg, die der Entfaltung der revolutionären Massenaktionen widersprechen. Sie lehnen daher jene individuellen Aktionen ab, die nicht mit der revolutionären Massenaktion verbunden sind oder ihrer Entfaltung dienen und bekämpfen die Propaganda von Rezepten "gegen den Krieg", wie sie von kleinbürgerlichen Elementen in der Arbeiterbewegung befürwortet werden. Rezepte, wie zum Beispiel die Weigerung, "Waffen zu tragen", die "Weigerung zu schießen" usw. sind heute nocht unter den Massen stark verbreitet. Viele Arbeiter glauben ernstlich, damit etwas ausrichten zu können. In der Tat sind sie unsinnig und schädlich. Die Kommunisten müssen den Arbeitern sagen, dass der Kampf gegen den Krieg kein einmaliger Akt ist, dass die revolutionären Massenaktionen der Arbeiter und der werktätigen Massen im Hinterland und an der Front zum Sturz der Bourgeoisie das einzig richtige Kampfmittel ist, dem alle anderen untergeordnet werden müssen. Während sie aber die oben erwähnten, der Massenaktion schädliche Rezepte individueller Aktionen bekämpfen, erziehen die Kommunisten die Arbeiter zu revolutionärem Heroismus im Kampf gegen den imperialistischen Krieg.

 

§ 20

Von demselben Gesichtpunkt der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg treten die Kommunisten an die Fragen des Generalstreiks gegen den Krieg heran. Sie können die Frage des Kampfes gegen den Krieg nicht nur als Fragen des "Generalstreiks" stellen. Lenin hat schon 1907 die Stellung Herves bekämpft, indem er die Parole des Generalstreiks als "Allheilmittel" ohne Rücksicht auf die konkrete Situation und losgelöst vom allgemeinen Klassenkampf des Proletariats verwarf. Er hat 1922 auf Grund der Erfahrungen des Weltkrieges dieser seiner Stellung eine noch prägnantere Form gegeben. Seine Worte in der Instruktion für die Delegation zum Friedenskongress in Haag bleiben auch heute voll in Kraft:

"Es ist unmöglich, auf einen Krieg mit einem Generalstreik zu "antworten", ebenso wie es unmöglich ist, auf einen Krieg mit einer "Revolution" zu antworten im einfachen und buchstäblichen Sinne des Wortes."

Aber wenn die Kommunisten die Parole der "Antwort mit Generalstreik" ablehnen und die Arbeiter vor solchen Illusionen warnen, die den wirklichen Kampf gegen den Krieg schädigen, verzichten sie keineswegs auf die Waffe des Generalstreiks im Kampfe gegen den Krieg und weisen solche Schlussfolgerungen als opportunistische Abweichungen scharf zurück. Neben anderen revolutionären Massenaktionen (Demonstrationen, Streiks in Rüstungsbetrieben, Verkehrsstreiks usw.) ist der Generalstreik als die höchste Form der Massenstreikbewegung eine der wichtigsten Waffen und als Übergang zum bewaffneten Aufstand ein Stadium in der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Diese Verwandlung hängt aber nicht nur vom Willen der Partei ab, sondern setzt voraus eine revolutionäre Situation, die Fähigkeit des Proletariats zur Massenaktionen usw., welche Vorbedingungen im Allgemeinen nicht bei Kriegsbeginn, sondern erst im Verlaufe des Krieges eintreten. Auch während des Krieges fällt ein Generalstreik nicht vom Himmel, sondern wird das Ergebnis einer ansteigenden Welle von revolutionären Massenaktionen (Demonstrationen, Teilstreiks usw.) und einer hartnäckigen opferreichen Vorbereitung seitens der Kommunisten bilden. Ein Generalstreiks während des Krieges wird zweifellos rascher zu revolutionären Ergebnissen führen als im Frieden, aber er ist keineswegs leichter vorzubereiten und zu organisieren. Im Gegenteil, die Bourgeoisie wird ihre Gegenmaßnahmen treffen, auf Streiks mit der Mobilisierung der beteiligten Arbeiter oder Militarisierung der Betriebe antworten. Die Kommunisten können sich daher auch während des Krieges nicht auf eine abstrakte Generalstreiksparole beschränken, sondern sie müssen wie früher revolutionäre Klerinarbeit in den Betrieben und Gewerkschaften leisten, die ökonomischen Forderungen der Arbeiter verfechten, die revolutionären Betriebsräte organisieren, die unteren Gewerkschaftsorgane erobern, die sozialpatriotischen Elemente aus der Organisation entfernen, wenn die Basis erobert ist, neue Leitungen wählen neben und entgegen den reformistischen Teilstreiks organisieren, führen und verbreitern usw. Der Generalstreik darf kein abstraktes Schlagwort, er kann vielmehr nur das Ziel und Resultat dieser ganzen praktischen Arbeit sein.

In diesem Fall muss das revolutionäre Proletariat sich dazu vorbereiten, dass es, wenn der Generalstreik verwirklicht ist, den festen Kurs darauf nimmt, ihn, wenn die entsprechenden Bedingungen vorhanden sind, in den bewaffneten Aufstand zu verwandeln.

 

§ 21

Von demselben Gesichtspunkt der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg nehmen die Kommunisten Stellung zur Losung der Militärdienstverweigerung (Boykott des Krieges), die einige "radikale" Pazifisten und linke Sozialdemokraten vertreten. Die Kommunisten kämpfen gegen diese Parole.

a) der Gedanke, einen imperialistischen Krieg unmöglich machen zu können durch Aufforderung an die Militärdienstpflichtigen dem Mobilisierungbefehl nicht Folge zu leisten, ist ebenso illusorisch wie der Gedanke der "Antwort mit Generalstreik". Die Propagierung dieses Rezeptes schwächt den einzig revolutionären Kampf gegen den Krieg.

b) Wenn ein solcher "Massenboykott" teilweise gelänge, so wäre sein Erfolg, dass sich gerade die entschlossensten und klassenbewusstesten Arbeiter nicht in der Armee befänden. Eine systematische revolutionäre Arbeit in der Armee, eine der entscheidendsten Aufgaben im Kampfe gegen den Krieg, wäre unmöglich. Daher hat Lenin vollkommen Recht, wenn er 1922 auf Grund der Erfahrungen des Weltkrieges schrieb:

"Der Boykott eines Krieges ist eine dumme Phrase. Die Kommunisten müssen zu jedem reaktionären Krieg einrücken."

Diese Direktive Lenins für die Stellung der Kommunisten zum Boykott (Militärdienstverweigerung) als Mittel des Kampfes gegen den Krieg bedeutet aber nicht, dass die Kommunisten in den Massen der Arbeiter für den Eintritt in die bürgerliche Armee agitieren sollen. Sie bedeutet, dass die Kommunisten gegen die schädliche und Illusionen weckende Boykottparole für die revolutionäre Arbeit und Organisation in der bürgerlichen Armee, für die Bewaffnung des Proletariats, für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg mit aller Entschiedenheit kämpfen müssen.

Deswegen müssen die Kommunistischen Parteien beim Aufkommen der Frage des Eintritts in die bürgerliche Armee oder der Militärdienstverweigerung (Boykott) den Arbeitern und Bauern im Allgemeinen den Rat geben, die Parole der Militärdienstverweigerung abzulehnen, das Waffenhandwerk zu erlernen, in der Armee revolutionäre Arbeit zu leisten, und im gegebenen Moment die Waffen gegen die Bourgeoisie wenden.

In Fällen, wo im Moment des Kriegsausbruchs ernste Massenbewegungen für die Militärdienstverweigerung entstehen, ist es nötig, dass die Kommunisten in diese Bewegungen hinein gehen, ihnen einen revolutionären Charakter geben, konkrete Forderungen und Aktionsparolen in der Richtung der revolutionären Massenaktionen gegen den imperialistischen Krieg aufstellen und aus der Bewegung möglichst viel für die Revolutionierung der Massen herauszuholen. Aber auch in solchen Fällen haben die Kommunistischen Parteien die Boykottideologie und die pazifistische Boykottparole zu bekämpfen. Sie müssen mit voller Offenheit über die Unzulänglichkeit des Kampfmittels der Militärdienstverweigerung sprechen, den Massen klar machen, dass die einzig richtige Methode des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg darin besteht, ihn in den Bürgerkrieg zu verwandeln, was unmöglich ist ohne revolutionäre Arbeit in der bürgerlichen Armee. Diese Notwendigkeit mus energisch propagiert werden.

Wenn es die allgemeine Lage zulässt, müssen die Kommunisten solche Massenbewegungen für Bildung von Partisanentrupps und zur unmittelbaren Entfaltung des Bürgerkriegs ausnutzen. Dies gilt besonders für die Länder mit starken national-revolutionären Bewegungen. Hier werden die Kommunisten bei Kriegsbeginn (besonders im Falle des Krieges gegen die Sowjetunion), oder während des Krieges, wenn die Situation günstig ist, die Losung der national-revolutionären Aufstands gegen die Imperialisten und der sofortigen Bildung von Partisanentrupps ausgeben können.

 

§ 22

In den Ländern mit freiwilliger Rekrutierung wird die Regierung bei Kriegsbeginn eine breite Kampagne zum Eintritt in die Armee entfalten, und sobald es notwendig ist, die allgemeine Wehrpflicht einführen. Der Kampf der Kommunistischen Partei richtet sich auch in diesem Fall gegen den imperialistischen Krieg selbst und auf seine Umwandlung in den Bürgerkrieg. Im Rahmen dieses Kampfes aber müssen die Kommunisten gegen die Werbung der Bourgeoisie für den freiwilligen Eintritt in die Armee auftreten und gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kämpfen. Dabei darf auf keinen Fall die Illusion erweckt werden, dass durch das Nicht-eintreten in die Armee und durch den Kampf gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht der Krieg verhindert oder unmöglich gemacht werden kann und dass dadurch die revolutionäre Arbeit in der Armee überflüssig wird. Den Massen muss klar gemacht werden, dass dieser Kampf nur eine untergeordnete Bedeutung im Kampf gegen den imperialistischen Krieg besitzt. Die revolutionäre Arbeit in der Armee muss organisiert werden.

 

§ 23

Von großer Bedeutung für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg ist die revolutionäre Arbeit an der Front. Dabei dürfen sich die Kommunisten nicht auf bloße Propaganda beschränken, sondern sie müssen - entsprechend der konkreten Lage - bestimmte Aktionsparolen ausgeben.

a) In Verbindung mit den ökonomischen Forderungen und Beschwerden der Soldaten ist es nötig die Mittel der kollektiven Verweigerung oder Sabotage des Dienstes bzw. gewisse Formen des Streiks seitens der Soldaten und Matrosen anzuwenden.

Die wichtigste Aktionsparole an der Front ist die Losung der Verbrüderung. Ihr Zweck ist, die Arbeiter- und Bauernsoldaten auf beiden Seiten zusammenzuschließen gegen ihre Offiziere. Die Erfahrungen des letzten Weltkrieges haben bewiesen, dass eine Massenverbrüderung unvermeidlich zur klassenmäßigen Zersetzung der Armeen und zum bewaffneten Kampf zwischen Soldaten und Offizieren führt. Die Kommunisten in der Armee haben die Pflicht, die Verbrüderung zu organisieren und ihr eine klare politische Färbung zu geben, vor Allem was die Frage des Friedens und der Organisierung der revolutionären Kräfte in der Armee betrifft.

 

3. Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie

 

§ 24

Der imperialistische Krieg 1914 - 1918 hat sich in einer Reihe von Ländern Ost - und Mitteleuropas in den Bürgerkrieg verwandelt und dieser hat in Russland den Sieg des Proletariats gebracht. Die Lehren der Oktoberrevolution sind für die Stellung des Proletariats zum Krieg von entscheidender Bedeutung. Sie zeigen:

1. dass in ihren imperialistischen Kriegen die Bourgeoisie selbst den Arbeitern Waffen in die Hand geben muss, aber in kritischen Kriegslagen, bei Niederlage usw. die Gewalt über die Massenheere verliert;

2. dass der einzig konsequente Kampf gegen diesen Krieg in der Revolutionierung der Soldatenmassen besteht, das heißt in der Vorbereitung des Bürgerkrieges;

3. dass die Bürgerkriege einer gründlichen Vorbereitung des Proletariats und seiner Partei unbedingt bedürfen.

Die Bürgerkriege der folgenden Jahre, in Deutschland 1920 und 1923, in Belgien 1923, in Estland 1924, in Wien Juli 1927, beweisen aber, dass der Bürgerkrieg des Proletariats nicht nur aus imperialistischen Kriegen der Bourgeoisie hervor geht, sondern auch aus den "regulären" Bedingungen des gegenwärtigen Kapitalismus, die den Klassenkampf aufs Höchste verschärfen und rasch zu unmittelbar revolutionären Situationen führen können. Die proletarischen Aufstände in Schanghai im März 1927 und in Kanton im Dezember bergen wichtige Lehren für das Proletariat, speziell für die Völker der unterdrückten Kolonien und Halbkolonien. Schanghai zeigt die Verwendung des proletarischen Aufstandes als Waffe in einem nationalen Krieg gegen den Imperialismus und seine Lakaien.

Diese Erfahrungen machen es den Kommunisten zur Pflicht, vor Allem in Verbindung mit dem Kampfe gegen die imperialistischen konterrevolutionären Kriege vor den Massen die Fragen des proletarischen Bürgerkrieges offen zu stellen, die Lehren der genannten Aufstände zu erörtern und sie sich zu eigen zu machen.

 

§ 25

Diese Lehren sind:

a) was die Voraussetzungen der Aufstände betrifft: Notwendig ist das Vorhandensein einer revolutionären Situation, das heißt, einer Krise in der herrschenden Klasse, z. B. in Folge militärischer Niederlagen; einer ungewöhnlichen Steigerung des Elends und der Unterdrückung der Massen, sowie ihrer Aktivität und Fähigkeit, in revolutionären Massenaktionen die Regierung nieder zu werfen. Notwenig ist das Vorhandensein einer erprobten Kommunistischen Partei und ihr Einfluss auf die entscheidenden Massen des Proletariats.

b) was die Vorbereitung des Aufstandes betrifft: Der Aufstand darf sich nicht nur auf die führende Partei, er muss sich auch auf breite Masse der Arbeiterklasse stützen. Von entscheidender Bedeutung ist die Vorarbeit in den proletarischen Massenorganisationen, vor Allem den Gewerkschaften, ihre aktive Beteiligung, die Schaffung von besonderen, in den Massen verankerten Organen des Aufstandes. Die Fragen des Aufstandes müssen offen vor den Massen gestellt werden.

Der Aufstand muss sich auf den revolutionären Plan des gesamten werktätigen Volkes stützen, vor Allem der Halbproletarier und Bauern.

Notwendig ist eine gründliche Zersetzungsarbeit in den Truppen der Bourgeoisie, die im Moment des Aufstandes in den Kampf um die Armee übergeht.

Sowohl die Organisierung des Aufstandes als auch die militärische Ausbildung muss einen hervorragenden Platz in der Arbeit unter den proletarischen Massen einnehmen und auch in den Kolonien und Halbkolonien.

Die Wahl des Zeitpunktes des Aufstandes hängt von dem Heranreifen der objektiven und subjektiven Vorbedingungen ab. Sie kann nur richtig getroffen werden bei engster Verbindung der Partei mit den Massen des revolutionären Proletariats.

c) Was die Durchführung des Aufstandes betrifft, muss die Regel gelten: dass mit dem Aufstand kein Spiel getrieben werden darf. Wenn einmal begonnen, dann muss der Aufstand mit allen Kräften offensiv bis zur Vernichtung des Gegners zu Ende geführt werden. Schwanken und Unentschlossenheit ist der Tod jeder bewaffneten Erhebung. Die Hauptkräfte müssen gegen die Hauptkräfte des Gegners eingesetzt werden. Es ist zu erstreben, dass im entscheidenden Moment und an entscheidendem Ort das Übergewicht auf Seiten des Proletariats ist: unverzügliche Ausbreitung des Aufstandherds auf ein möglichst großes Gebiet. Der Aufstand ist eine Kunst, aber er ist kein rein militärisches, sondern in erster Linie ein politisches Problem. Er kann nur von der revolutionären Partei selbst geführt werden. Im Moment des Aufstandes muss die Partei ihre gesamte Tätigkeit der Notwendigkeit des militärischen Kampfes unterordnen.

 

 

b) Das Proletariat verteidigt die Sowjetunion gegen den Imperialismus

 

§ 26

Ein Krieg der Imperialisten gegen die Sowjetunion ist ein offen konterrevolutionärer Klassenkrieg der Bourgeoisie gegen das Proletariat. Sein Hauptziel ist die Niederwerfung der proletarischen Diktatur und die Aufrichtung des weißgardistischen Terrorregimes gegen die Arbeiterklasse und die Werktätigen in allen Ländern. Die Grundlage für die Taktik des Proletariats in den kapitalistischen Ländern im Kampfe gegen diesen Krieg bildet das bolschewistische Programm des Kampfes gegen den imperialistischen Kriegeg: Die Umwandlung dieses Krieges in den Bürgerkrieg. Doch müssen die Methoden und Aufgaben des Kampfes sowohl vor als auch während des Krieges den konkreten Umständen seiner Vorbereitung, wie seinem offenen Klassencharakter angepasst werden. Die Taktik erfährt einige wichtige Anregungen in Hinblick darauf, dass der "Feind" nicht eine imperialistische Macht ist, sondern die proletarische Diktatur.

 

§ 27

In der Konkretisierung des propagandistischen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg auf die Vorbereitung des Krieges gegen die Sowjetunion ergeben sich besonders die folgenden Aufgaben:

a) Der Pazifismus wird aus einem bloßen Deckmantel der Kriegsvorbereitung zu ihrem wichtigsten Werkzeug. Daher ist nowtwendig der Verstärkung des Kampfes gegen den Pazifimus und seine spezifischen Parolen: gegen den Völkerbund der den kommenden Krieg gegen die Sowjetunion im Namen der "Zivilisation" und des "Friedens" führen wird; gegen den "realistischen Pazifismus", der in der Sowjetunion, in den proletarischen und kolonialen Revolutionen die Bedrohung des Friedens erblickt; den "radikalen Pazifismus", der unter der Maske des Kampfes "gegen jeden Krieg" die Verteidigung der Sowjetunion diskreditieren will.

b) Die Sozialdemokratie geht zu einer aktiv-konterrevolutionäen Vorbeeitung des Krieges gegen die Sowjetmacht über. Daher ist notwendig die Verschärfung des Kampfes gegen die sozialdemokratischen Führer sowohl rechter wie "linker" Färbung und gegen ihre trotzkistischen oder anarcho-syndikalistischen Nachläufer. Vor Allem sind in den Augen der Massen die verschiedenen Losungen zu entlarven und zu diskreditieren, mit denen diese Elemente versuchen werden, den Krieg gegen die Sowjetunion zu rechtfertigen; solche Losungen wie: "Entartung", "Kulakisierung", "Thermidor" der Sowjetmacht usw., die Märchen vom "roten Imperialismus"; die Parole der "Neutralität im Falle des Krieges" usw.

 

§ 28

Die internationale Arbeiterklasse und die breiten Massen der Werktätigen sehen in der Sowjetunion ihren Verteidiger und hegen daher immer größere Sympathie für sie. Zieht man hierbei in Betracht, dass ein Krieg der Imperialisten gegen die Sowjetunion von den breiten Arbeitermassen rascher als im Jahre 1914 als offener Klassenkrieg erkannt werden wird, dass die werktätigen Massen heute die Erfahrung des ersten imperialistischen Weltkrieges hinter sich haben und dass die Avnatgarde des Proletariats ihre feste revolutionäre Organisation, die Kommunistische Internationale, besitzt, so kann man feststellen, dass heute die Möglichkeiten des Kampfes gegen den Krieg gewachsen und die Voraussetzungen für die Anwendung einer kühnen Taktik gegeben sind.

a) Die Möglichkeiten einer Verhinderung des Krieges vor seinem Ausbruch durch Steigerung des Klassenkampfes zu revolutionären Massenorganisationen gegen die Regierung sind im Falle eines Krieges gegen die Sowjetunion viel größer als 1914. Ein Musterbeispiel einer solchen revolutionären Aktion haben die englischen Arbeiter im Jahre 1920 gegeben, als sie durch Schaffung von Aktionskomitees die Regierung zwangen, von einer Kriegserklärung an Sowjetrussland abzulassen.

b) Die Voraussetzungen dafür, dass das Proletariat der kapitalistischen Länder den imperialistischen Krieg gegen die Sowjetunion in den Bürgerkrieg gegen die eigene Bourgeoisie verwandelt, werden rascher geschaffen werden als in einem gewöhnlichen imperialistischen Krieg.

c) Obwohl die Kommunisten auch im Falle eines Krieges gegen die Sowjetunion die Phrase von der "Antwort mit Generalstreik" ablehnen und sich keine derartigen Illusionen machen, müssen sie doch die verstärkten Möglichkeiten in Betracht ziehen, vor Kriegsausbruch, während der Mobilisierung, wie auch während des Krieges die Waffe des Massenstreiks und des Generalstreiks anzuwenden.

d) Im Falle des Krieges gegen die Sowjetunion müssen die Kommunisten die unterdrückten Nationen, wie auch die der imperialistischen Staaten, alle Kräfte einsetzen, um bei den nationalen Minderheiten in Europa und in den kolonialen und halbkolonialen Ländern Aufstände bzw. nationale Befreiungskriege gegen die imperialistischen Feinde der Sowjetmacht zu organisieren.

 

§ 29

Im Hinblick darauf, dass der imperialistische Krieg gegen die Sowjetunion, das Vaterland des internationalen Proletariats, gerichtet sein wird, treten gegenüber der Taktik in einem "rein" imperialistischen Kriege folgende Änderungen ein:

a) das Proletariat des imperialistischen Landes muss nicht nur für die Niederlage der eigenen Regierung in diesem Kriege, sondern aktiv für den Sieg der Sowjetmacht kämpfen.

b) daher wird seine Taktik in der Wahl verschiedener Kampfmittel nicht nur von den Interessen des Klassenkampfes im eigenen Lande sondern auch von den Interessen des Krieges an der Front bestimmt, der ein Klassenkrieg der Bourgeoisie gegen den proletarischen Staat ist.

c) die Rote Armee ist nicht die Armee des "Feindes", sondern die Armee des internationalen Proletariats. Das Proletariat der kapitalistishen Länder wird sich in einem Krieg gegen die Sowjetunion durch die Landesverratshetze der Bourgeoisie nicht davon abhalten lassen, diese Armee zu unterstützen, ihr Unterstützung angedeihen zu lassen im Kampfe gegen die eigene Bourgeoisie.

 

§ 30

Ist die "Vaterlandsverteidigung" in imperialistischen Ländern unzulässig, so ist sie im Staate der proletarischen Diktatur unbedingte revolutionäre Pflicht. Das bewaffnete Proletariat der Sowjetunion, gestützt auf die armen Bauern, ist hier der Träger dieser Verteidigung. Der Sieg der Oktoberrevolution hat den Arbeitern auf der ganzen Welt ein sozialistisches Vaterland gegeben - die Sowjetunion. Die Verteidigung der Sowjetunion gegen die internationale Bourgeoisie ist das Klasseninteresse und die Ehrenpflicht des internationalen Proletariats. Die Sowjetunion hat in den Jahren 1919 bis 1921 die Interventionsheere von 14 Staaten besiegt, darunter die der mächtigsten imperialistischen Länder, weil das internationale Proletariat durch Organisierung revolutionärer Massenaktionen für die proletarische Diktatur der Sowjetunion kämpfte. Ein neuer Überfall des Imperialismus auf die Sowjetunion wird beweisen, dass diese internationale Solidarität des Proletariats eine Tatsache ist, trotz der konterrevolutionären Anstrengungen der Sozialdemokratie.

Die Verbündeten des internationalen Proletariats in der Verteidigung der Sowjetunion sind:

1. die Dorfarmut und die Massen des mittleren Bauerntums in der Sowjetunion

2. die national-revolutionäre Befreiungsbewegung der Kolonial - und Halbkolonialländer.

 

§ 31

Die internationale Politik der Sowjetunion, die den Interessen des in der Sowjetunion herrschenden Proletariats und den Interessen des internationalen Proletariats entspricht, alle oben genannten Verbündeten aufs Engste mit der proletarischen Diktatur zusammenschließt und die beste Grundlage zur Ausnutzung der Gegensätze zwischen den kapitalistischen Staaten bietet - ist die Politik des Friedens. Ihr Ziel ist es, auf der Wacht der internationalen Revolution zu stehen und die Aufbauarbeit des Sozialismus zu beschützen, dessen Bestehen und Wachsen der Revolution in die Welt hinaus trägt. Diese Politik besteht in der äußersten Hinausschiebung des kriegerischen Zusammenstoßes mit dem Imperialismus. Auf dem Gebiet der Beziehungen der kapitalistischen Staaten untereinander und zu den Kolonien bedeutet diese Politik den Kampf gegen die imperialistischen Kriege und kolonialen Raubzüge und gegen den sie verschleiernden Pazifismus.

Die Friedenspolitik des proletarischen Staates bedeutet keineswegs eine Aussöhnung der Sowjetmacht mit dem Kapitalismus, wie die Sozialdemokraten und ihre trotzkistischen Anhängsel verleumderisch lügen, um die Sowjetmacht beim internationalen Proletariat zu diskreditieren. Das ist die Leninistische Politik der proletarischen Diktatur. Sie ist nur eine andere - und zwar unter den gegenwärtigen Verhältnissen vorteilhaftere - Form des Kampfes gegen den Kapitalismus, die von der Sowjetregierung seit der Oktoberrevolution konsequent verfolgt wird.

 

§ 32

Das Proletariat der Sowjetunion gibt sich keiner Illusion über die Möglichkeiten eines dauerhaften Friedens mit den Imperialisten hin. Es weiß, dass der Angriff des Imperialismus auf die Sowjetunion unvermeidlich, dass im Prozess der proletarischen Weltrevolution Kriege zwischen proletarischen und bürgerlichen Staaten, Kriege für die Befreiung der Welt vom Kapitalismus unvermeidlich und notwendig sind. Daher ist es seine erste Pflicht, als Kämpfer für den Sozialismus alle nötigen ökonomischen, politischen und militärischen Vorbereitungen für den Fall des Krieges zu treffen, die Rote Armee, diese mächtige Waffe des Proletariats, zu stärken, die großen Massen der Werktätigen militärisch auszubilden. In der Politik der imperialistischen Staaten besteht ein schreiender Widerspruch zwischen den ungeheuerlichen Rüstungen und den salbungsvollen Friedensphrasen. Im Sowjetstaat besteht kein solcher Widerspruch zwischen der Vorbereitung der Verteidigung, der Vorbereitung auf den revolutionären Krieg und der konsequenten Friedenspolitik.

 

 

c) das Proletariat unterstützt und führt die national-revolutionären Kriege der unterdrückten Völker gegen den Imperialismus.

 

§ 33

Die nationl-revolutionären Kriege der unterdrückten Völker der Kolonien und Halbkolonien, die Lenin schon 1916 vorausgesagt hat, haben sich im Laufe der letzten Jahre aus einer theoretischen Voraussage in eine welthistorische Tatsache verwandelt. Beispiele solcher Kriege sind: der Krieg in Marokko gegen den französischen und spanischen Imperialismus, die Aufstände in Syrien, die Kriege in Mexiko und Nicaragua gegen den amerikanischen Imperialismus, die Kämpfe des revolutionären Kanton gegen Hongkong im Jahre 1925 und schließlich der Nordfeldzug in China 1926/1927 . Die national-revolutionären Kriege werden in der gegenwärtigen Epoche der Weltrevolution eine wichtige Rolle spielen. Das Proletariat muss daher den Erfahrungen und Lehren dieser Kriege, speziell des chinesischen Nordfeldzuges 1926/1927, die größte Aufmerksamkeit zuwenden.

Mit vollem Grund unterstützte das chinesische Proletariat während des Nordfeldzuges den Krieg Südchinas gegen die Militaristen Nordchinas und gegen die hinter ihnen stehenden Imperialisten, obwohl die Bourgeoisie die führende Rolle in diesem Feldzug hatte. Es hat nicht die Niederlage der eigenen Regierung gewünscht und gefordert, wie es die Pflicht des Proletariats in einem imperialistischen Kriege ist, sondern ist mit Recht gegen die zögernde Bourgeoisie und gegen ihren schließlichen Verrat für eine revolutionäre Kriegsführung eingetreten und hat für die Hegemonie des Proletariats in diesem Kriege gekämpft. Diese allgemeine Linie, die die Komintern den chinesischen Kommunisten vorschlug, entsprach der Stellung, die Marx und Engels gegenüber den nationalen Kriegen des vorigen Jahrhunderts eingenommen hatten, sie entsprach der Lehren Lenins.

 

§ 34

Aber dabei hat die Kommunistische Partei Chinas eine Reihe schwerer Fehler begangen, aus denen die Kommunisten aller unterdrückten Nationen wichtige Lehren ziehen können. In diesem Kriege bestand die Pflicht der Kommunistischen Partei Chinas darin, die damals vorhandene revolutionäre Situation allseitig auszunutzen zur Schaffung einer eigenen proletarischen Klassenarmee, zur Ausdehnung der militärischen Organisation und Ausbildung der Arbeiter und Bauern, um dem Proletariat den Kampf und die Führung in der Revolution zu erleichtern. Aber trotzdem die objektiven Bedingungen während der Nordexpedition für die Kommunistische Partei günstig waren, hat sie sich praktisch als unfähig erwiesen, den militärischen und politischen Apparat der Kuo Min Tang zur Betreibung ihrer Arbeit in der Armee auszunutzen und hat nicht versucht, ihre eigenen bewaffneten Kräfte zu schaffen. Die Kommunistische Partei verwandte ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Manövrieren unter den Kuo Min Tang-Offizieren und hat nicht die Propaganda unter den Massen der Soldaten, deren Organisierung, sowie die massenweise Heranziehung der Arbeiter und Bauern in die Armee, zwecks der Veränderung des Charakters derselben, in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Sie hat die revolutionäre Bedeutung der Bewaffnung der Arbeiter - und Bauernmassen, sowie der militärischen Ausbildung der Arbeiter und Bauern nicht erkannt, der Vorbereitung und der Leitung des Partisanenkrieges de Bauern nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet.

 

§ 35

Bei der Unterstützung eines nation-revolutionären Krieges muss die Taktik des Proletariats sehr verschiedenartig sein und kann nur bestimmt werden auf Grund der konkreten Analyse des bestimmten national-revolutionären Krieges, der Rolle der einzelnen Klassen in demselben usw. So war die Taktik Marx' im Jahre 1848, als er die Losung des Krieges gegen den Zarismus aufstellte eine andere als im Jahre 1870, im Kriege Deutschlands gegen Napoleon III. Mit vollem Grund haben die chinesischen Kommunisten während des Nordfeldzuges vorübergehend mit der demokratischen Bourgeoisie ein Bündnis geschlossen und sind mit ihr zusammen gegangen, solange sie wirklich gegen den Imperialismus kämpfte und insoweit als die Kommunisten die Möglichkeiten hatten, ihre Entlarvungsagitation innerhalb des national-revolutionären Lagers zu führen. Dagegen muste die Taktik der deutschen Kommunisten im Jahre 1923, als die Frage der nationalen Verteidigung gegen die Invasion des französischen Imperialismus auf der Tagesordnung stand, eine andere sein. Hier mussten die Kommunisten die Landesverteidigung verbinden mit dem Kampf zum Sturz der deutschen Bourgeoisie, die zu einer revolutionären Rolle unfähig war. Ähnlich haben die chinesischen Kommunisten gegenwärtig die Frage des nationalen Krieges im Kampf gegen die japanische Intervention zu stellen. Sie werden die revolutionäre Verteidigung des Landes mit dem Sturz Tschang Kai Scheks und der Kuo Min Tang-Bourgeoisie, für die Errichtung der revolutionär-demokratischen Diktatur der Arbeiter und Bauern verbinden.

Es muss jedoch hervor gehoben werden, dass jene nationalen Kriege, in denen das Proletariat im Kampfe gegen den Imperialismus zeitweilig mit der demokratischen Bourgeoisie zusammen gehen kann, seltener werden, weil auch die Bourgeoisie der unterdrückten Völker aus Angst vor der Arbeiter - und Bauernrevolution reaktionär und vom Imperialismus bestochen wird. Immer klarer tritt ein neuer Typus nationaler Kriege auf die Tagesordnung, in denen allein das Proletariat die führende Rolle spielen kann. Dies gilt auch für die nationalen Kriege der lateinamerikanischen Länder gegen den Imperialismus der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Tendenz zur Verwandlung nationaler Kriege und Aufstände in proletarische oder vom Proletariat geführte demokratische Revolutionen, eine Tendenz, auf die Lenin schon 1916 hinwies, hat sich außerordentlich verstärkt.

 

§ 36

Die Frage des national-revolutionären Krieges wird bei dem Vorhandensein zahlreicher unterdrückter Nationalitäten und Minderheiten in einer Reihe von Staaten des Europas von Versailles auch in Europa eine Rolle spielen vor Allem bei der Verwandlung eines imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Nicht nur in Polen und Rumänien, die in ihren Grenzgebieten eine sich nach ihrem sowjetistischen Vaterland zurücksehnende weißrussische, ukrainische und bessarabische Bevölkerung mit brutaler Gewalt unterdrücken, nicht nur in der Tschechoslowakei und in den Balkanländern, sondern auch in Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Großbritannien (Irland), müssen die Kommunistischen Parteien die Freiheitsbewegung der unterdrückten Nationen und nationalen Minderheiten unterstützen, ihren revolutionären Kampf gegen den Imperialismus führen und vorbehaltlos ihr Selbstbestimmungsrecht, die Lostrennung inbegriffen, vertreten. In konsequenter Durchführung dieser Politik müssen die Kommunisten zum Augenblick des Ausbruchs eines imperialistischen und anti-sowjetistischen Krieges sich selbst und die Masse der unterdrückten Nationalitäten, dazu vorbereiten, national-revolutionäre Aufstände oder Kriege gegen die imperialistische Bourgeoisie zu organisieren.

 

§ 37

Aus den Lehren von Marx und Lenin und den Erfahrungen der nationalen Kriege der letzten Jahre ergeben sich folgende Regeln für die Taktik des Proletariats in den nationalen Befreiungskriegen:

a) Die Unterstützung der Kriege durch das Proletariat und - in bestimmten Fällen - ein zeitweiliges Zusammengehen mit der Bourgeoisie darf in keinem Falle ein Verzicht auf den Klassenkampf bedeuten. Auch in den Fällen, wo die Bourgeoisie im Kampfe gegen den Imperialismus zeitweilig mit dem Proletariat zusammen geht, bleibt sie der Feind des Proletariats und trachtet danach, es nur für die eigenen Interessen der Bourgeoisie auszunutzen.

b) Daher darf das Proletariat in keinem Fall einfach die Politik und die Losungen der Bourgeoisie übernehmen, sondern muss unbedingt selbständig auftreten, mit einem eigenen politischen Programm, eigenen Losungen und eigenen revolutionären Organisationen (Partei, Gewerkschaften, Arbeitermilizen, proletarische Truppenkörper). Die Kommunisten müssen die Massen auf den unvermeidlichen Verrat der Bourgeoisie vorbereiten, die weitestgehenden Vorbereitungen zur Sicherung der proletarischen Positionen treffen, den Kampf der Bourgeoisie für ihre eigenen Klassenziele möglichst erschweren und ihren Sturz vorbereiten.

c) In nationalen Kriegen, in denen die Bourgeoisie, bzw. die bürgerliche Regierung eine konterrevolutionäre Rolle spielt (wie im gegenwärtigen Kampf der chinesischen Arbeiter und Bauern gegen die Aufteilung Chinas durch die Imperialisten, müssen die Kommunisten unter der Losung der revolutionären Landesverteidigung auf den Sturz der bürgerlichen Regierung hinarbeiten.

 

§ 38

Ähnlich ist zu stellen die Frage des nationalen Krieges für Länder mit unentwickelter Klassenschichtung, zum Beispiel der Marokkaner, der Drusen und Syrier, der Araber. Hier spielen die patriarchalischen und feudalen Ältesten und Fürsten eine der Bourgeoisie der fortgeschritteneren Kolonialländer ähnliche Rolle. Ein zeitweiliges Zusammengehen mit ihnen im revolutionären Kampf gegen den Imperialismus ist zulässig. Zugleich aber besteht immer wieder die Gefahr, dass sie von den Imperialisten gekauft werden oder den Freiheitskampf ihren Kasteninteressen unterordnen. Die nationalen Kriege dieser Völker müssen daher verbunden werden mit einem Kampfe gegen den Feudalismus oder das feudale Offizierskorps, für Beseitigung des Feudalismus.

 

§ 39

Die Aufgaben des internationalen Proletariats in Bezug auf die Befreiungskriege der unterdrückten Völker und der Unterdrückungsexpeditionen des Imperialismus gegen national-revolutionäre Bewegungen und Revolutionen sind - mit gewissen konkreten Unterschieden - dieselben wir bei Kriergen des Imperialismus gegen die Sowjetmacht:

a) Kampf gegen den Unterdrückungskrieg durch Verschärfung des Klassenkampfes mit der Perspektive der Verwandlung dieses Krieges in den Bürgerkrieg gegen die imperialistische Bourgeoisie;

b) rücksichtslose Anwendung der defaitistischen Taktik gegenüber dem imperialistischen Land und seinen Armeen, Kampf für den Sieg des unterdrückten Landes und Unterstützung seiner Armeen;

c) Förderung der Verbrüderung zwischen den Soldaten der imperialistischen Armeen und den Soldaten der revolutionären Armeen in den Kolonien und des kollektiven Übergangs von Truppen zu den nationa-revolutionären Armeen;

d) Kampf, vor allem durch revolutionäre Massenaktionen gegen die Absendung von Kriegsschiffen und Munitionstransporten der Imperialisten, gegen die Verlängerung der Militärdienstzeit für den Kolonialkrieg, gegen die Erhöhung des Kriegsbudgets, gegen die Gewährung von Anleihen seitens der Imperialisten an die konterrevolutionären Regierungen und Militaristen in den Kolonien; Kampf gegen die militärischen Vorbereitungen der Imperialisten in den Konzessionsgebieten, auf den Eisenbahnen und den inneren Flüssen in den Kolonien;

e) Kampf gegen das imperialistische Gemetzel in den Kolonien und gegen alle Maßnahmen, die die Imperialisten ergreifen, um die einheimischen konterrevolutionären Regierungen bei der Niedermetzelung der Massen zu unterstützen.

 

§ 40

Was den gegenwärtigen Kampf gegen die Intervention in China angeht, so unterscheidet er sich taktisch von dem Kampf gegen die Intervention zu jener Zeit, da noch ein Teil der chinesischen Bourgeoisie und die Kuomintang eine revolutionäre Rolle spielten. Die gegenwärtigen inneren Kriege zwischen den verschiedenen imperialistischen Mächten, zwischen den verschiedenen einheimischen Militärmachthabern sind ein Ausdruck der Konflikte bei der Aufteilung Chinas. Alle streitenden Parteien, die die verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer vertreten, sind konterrevolutionär. Heute muss das internationale Proletariat seinen aktiven Kampf für die chinesischen Arbeiter und Bauern mit einer Entlarvung der konterrevolutionären Rolle aller bürgerlichen chinesischen Regierungen und Militärmachthaber als Werkzeuge der Imperialisten verbinden. Die Unterstützung gegen den Imperialismus gilt nur der chinesischen Revolution der Arbeiter und Bauern. Die Parole des Übertritts kann gegenwärtig den bürgerlichen chinesischen Armeen gegenüber nicht angewandt werden.

Trotz dieser Änderung der Taktik darf der Kampf gegen die Intervention selbst keinesfalls schwächer sein als früher. Die Konsequenz der Abschwächung des Kampfes, die tatsächlich von den meisten Kommunistischen Parteien gezogen wurde, ist ein schwerer Fehler.

 

 

 

III.

Die Stellung des Proletariats zur Armee

 

§ 41

Einer der Hauptfehler der meisten Kommunistischen Parteien ist, dass sie die Kriegsfrage abstrakt und bloß propagandistisch und agitatorisch stellen und dem in gewisser Hinsicht entscheidenden Faktor aller Kriege, der Armee, nicht genügend Aufmerksamkeit zuwenden. Ohne die Vertretung einer revolutionären Militärpolitik vor den breiten Massen und ohne Arbeit in der Armee aber bleibt jeder Kampf gegen den imperialistischen Krieg, jeder Versuch der Vorbereitung revolutionärer Kriege in bloßer Theorie stecken.

Zum großen Teil handelt es sich bei dieser Schwäche um ein faules Erbteil der alten Zeiten der II. Internationale, die bei allen großen Worten "gegen" den imperialistischen Krieg keinerlei Arbeit in den Armeen leistete und Karl Liebknecht, der dies forderte, als "Anarchisten" verschrie. An die Stelle einer revolutionären Militärpolitik und der Arbeit in der Armee setzte die alte II. Internationale bloß das Rezept "Volksmiliz", statt "stehendes" Heer. Die Losung der Volksmiliz, die der Epoche der Bildung der Nationalstaaten in Europa entsprach, besaß in Verbindung mit der Forderung der Auflösung der stehenden Heere noch eine revolutionäre Bedeutung, solange der Zarismus und Absolutismus eine reaktionäre Bedrohung für Europa bildete (bis zur Jahrhundertwende). Mit dem Heranreifen des Imperialismus wird diese Losung unzulänglich und schließlich zu einer chauvinistischen Parole (Hyndman 1912).

Heute hat die wiederbelebte II. Internationale dieses Rezept der Miliz aufgegeben, aber nur um sich ganz den Interessen der verschiedenen nationalen Bourgeoisien unterzuordnen. In Frankreich tritt sie unter der Maske der alten Milizlosung für das imperialistische "Volksheer", in Deutschland und Großbritannien unter der Maske der "Abrüstung" für das Söldnerheer ein. Die "Freiheit in der Wahl der Heeresorganisationen", die von dieser Internationale propagiert wird, ist nur ein anderer Ausdruck für die Freiheit zu einem neuen 4. August. Zugleich hetzen die sozialdemokratischen Lakaien der Bourgeoisie gegen die Rote Armee der proletarischen Diktatur und verbreiten die Lüge vom "roten Militarismus".

 

§ 42

Die Kommunisten setzen dieser konterrevolutionären Militärpolitik im Dienste der Bourgeoisie die revolutionäre Militärpolitik im Interesse der internationalen proletarischen Revolution entgegen. Natürlich gibt es kein allgemeines Rezept für die Stellung zu allen und zu jeden Armeen. Das Proletariat bestimmt vielmehr seine Stellung zur Armee je nach den Klassen und der Politik, deren Werkzeug eine bestimmte Armee ist. Nicht die Form der Heeresverfassung des betreffenden Landes oder der Organisation der Armee ist entscheidend, sondern ob sie ihrer politischen Rolle nach eine imperialistische, nationale oder proletarische Armee ist.

Dabei folgen die Kommunistischen Parteien der Lehre von Marx und Engels, die in der Epoche der großen nationalen Kriege gegen die Milizutopien der demokratischen Spießbürger, für die allgemeine Wehrpflicht, Demokratisierung der bestehenden Armeen und ihre Verwandlung in revolutionäre Armeen eingetreten sind, aber nach der Pariser Kommune, als ihre wichtigste Lehre der proletarischen Revolution, die Zerstörung des bürgerlichen Staatsapparates und in der Militärfrage die Auflösung der stehenden bürgerlichen Heere, ihren Ersatz durch die allgemeine Volksbewaffnung proklamierten. Lenin hat ihre Lehren nach Verballhornung durch die II. Internationale wieder hergestellt und fortgeführt. Er hat das Militärprogramm der proletarischen Revolution geschaffen.

 

 

a) die Stellung des Proletariats zu den Armeen in den imperialistischen Ländern

 

§ 43

Die Stellung des Proletariats zu den Armeen der imperialistischen Länder wird bestimmt durch folgende Tatsachen:

Die Armee - ganz gleich welcher Organisationsform - ist Teil des bürgerlichen Staatsapparates, den das Proletariat in seiner Revolution nicht zu demokratisieren (wie in der demokratischen Revolution), sondern zu zerbrechen hat.

Dieser Aufgabe gegenüber verschwinden die organisatorischen Unterschiede zwischen stehendem Heer und Miliz, Heer mit allgemeiner Wehrpflicht und Söldnerarmee. "Keinen Mann und keinen Groschen für die Armee", d.h., rücksichtslosen Kampf gegen den bürgerlichen Militarismus, gegen alle seine Heeresreformen, Ablehnung aller Militärbudgets usw. - dieser Satz gilt für stehende Heere wie für demokratische Milizen, beide sind Formen der Bewaffnung der Bourgeoisie gegen das Proletariat. Die demokratischen Teilforderungen, auf die das Proletariat keineswegs verzichtet, gewinnen einen ganz anderen Charakter als zur Zeit der demokratischen Revolution. Ihr Ziel ist nicht die Demokratisierung der Armee, bzw. Miliz, sondern deren Zersetzung. Diese einheitliche prinzipielle Stellung zu allen imperialistischen Armeen darf natürlich nicht zu einem Übersehen der großen Unterschiede führen, die für die praktische Arbeit bestehen, je nach der Wehrverfassung eines Landes und der Organisation seiner Armee.

 

§ 44

Obwohl Teile des bürgerlichen Staatsapparates, kommen die modernen Armeen in Folge der gegenseitigen Rivalitäten und Kriege der kapitalistischen Staaten immer mehr der Aufgabe nach, das ganze Volk direkt oder indirekt in sich aufzunehmen, zu militarisieren ("Volk in Waffen", Militarisierung der Frauen, militärische Jugendausbildung usw.). Nach dem Weltkrieg hat sich diese Tendenz nur vorübergehend geschwächt. Sie ist gerade heute, am Vorabend des neuen Krieges, zu entscheidender Bedeutung gelangt (Vereinigte Staaten, Frankreich, Polen). Doch die direkte Folge dieses Umstandes ist, dass die Klassengegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat, Ausbeutern und Ausgebeuteten, sich innerhalb der Armee sich reproduzieren als Gegensätze zwischen Offizieren und "Gemeinen". Aus der Massenmilitarisierung folgt - nach den Worten Engels' - die Sprengung aller bürgerlichen Armeen von innen heraus.

Die Kommunisten dürfen daher die bürgerlichen Armeen nicht "boykottieren", sondern müssen in sie hinein gehen und diesem objektiven Zersetzungsprozess die revolutionäre Führung geben. Die Bourgeoisie versucht mit allen Mitteln, sich ein zuverlässiges Heer zu schaffen: durch Drill und Unterdrückung der Soldaten, durch ihre Isolierung von der Bevölkerung und Absperrung von aller Politik in manchen Fällen auch durch die Gewährung einer bevorzugten sozialen Stellung usw. Besonders in den letzten Jahren geht die Bourgeoisie auch in Ländern, in denen früher allgemeine Wehrpflicht bestand oder noch heute besteht zur Bildung von Söldnerheeren aus ausgewählten Elementen über (Deutschland, Frankreich). Aber sie kann sich der Notwendigkeit der Militarisierung der Massen nicht entziehen und gelangt bloß zu einer Kombinierung der Söldnerheere mit den "Volksheeren" oder mit Miliz-artigen Wehrorganisationen. Die Bourgeoisie vermag den Prozess der Sprengung ihrer Armeen nicht aufzuhalten, wohl aber zu verzögern und die revolutionäre Arbeit sehr zu erschweren. Es ist aber eine wichtige Aufgabe der Kommunisten, die durch jene Maßnahmen, speziell die Söldnerarmeen, geschaffenen Arbeitsbedingungen sorgfältig zu untersuchen und den neuen Methoden der Bourgeoisie neue Methoden der revolutionären Arbeit entgegenzustellen.

 

§ 45

Die Stellung des Proletariats zur imperialistischen Armee ist eng verbunden mit seiner Stellung zum imperialistischen Krieg. Der Defaitismus und die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg geben daher die Haltung an, die zu den Teilfragen der Wehrverfassung und Heeresorganisation einzunehmen ist.

Die demokratische Miliz, die allgemeine Wehrpflicht, die militärische Jugenderziehung, alles einmal Forderungen der revolutionären Demokratie, sind heute reaktionäre Maßregeln zur Unterdrückung der Massen, zur Vorbereitung des imperialistischen Krieges. Sie müssen aufs Schäfste bekämpft werden. Dies gilt auch in jenen Ländern, in denen die Bourgeoisie zu Söldnerheeren übergegangen und die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft ist ( z.B Deutschland). Obwohl die allgemeine Wehrpflicht die revolutionäre Arbeit erleichtern und die Arbeiter im Waffengebrauch üben würde, können die Kommunisten in einem imperialistischen Lande sie nicht fordern. Sie müssen sie ebenso bekämpfen wie das System der Söldnerheere. Die Losung der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg aber bestimmt die Art, wie die Kommunisten die Maßnahmen der Massenmilitarisierung (allgemeine Wehrpflicht usw.) bekämpfen müssen. Indem der Imperialismus die Arbeiter militarisiert und den Gebrauch der Waffen lehrt, schafft er zugleich die Vorbedingungen für den Sieg des Proletariats im Bürgerkrieg. Daher kann das revolutionäre Proletariat gegen die Massenmilitarisierung nicht mit dem Argument der Pazifisten kämpfen. Weil wir für die Revolution, für den Sozialismus kämpfen, lehnen wir es nicht ab, Waffen zu tragen. Unser Kampf bezweckt die Entlarvung der Methoden der imperialistischen Militarisierung im Interesse der Bourgeoisie. Dieser Militarisierung stellen wir unsere Losung der Bewaffnung des Proletariats entgegen. Gleichzeitig sind die Kommunisten verpflichtet, solche Teilforderungen der Soldaten aufzustellen und zu unterstützen, die in der gegebenen konkreten Situation dem Klassenkampf innerhalb der Armeen einen Antrieb geben und das Bündnis zwischen Soldaten proletarischer und bäuerlicher Abkunft und der Arbeiterklasse außerhalb der Kaserne festigen.

 

§ 46

Beispiele solcher Teilforderungen sind:

a) Forderungen auf dem Gebiet der Wehrverfassung

Auflösung der Söldnerheere, Kader und Kerntruppen. Entwaffnung und Auflösung der Gendarmerie, Polizei und anderer spezieller Bürgerkriegstruppen. Entwaffnung und Auflösung der faschistischen Verbände.

Konkrete Forderungen zur Verkürzung der Dienstzeit. Territorialsystem für die Leistung des Militärdienstes.

Entkasernierung, Soldatenkomitees.

Recht der Arbeiterorganisationen, ihre Mitglieder im Waffengebrauch zu üben, bei freier Wahl der Instruktoren.

Die Tatsache, dass die Herabsetzung der Dienstzeit in einigen Fällen von der kapitalistischen Regierung selbst geplant und durchgeführt wird, hat gewisse Bedenken in Bezug auf die Zulässigkeit der Aufstellung einer solchen Forderung hervor gerufen. Aber die Herabsetzung der Dienstzeit bedeutet an sich in gewissen Fällen keine Verstärkung, sondern eine Schwächung des militärischen Systems. Sie ist daher als Teilforderung für die Armeen der allgemeinen Wehrpflicht anwendbar unter folgenden Bedingungen:

1. Klare defaitistische Linie;

2. scharfe Abgrenzung von ähnlichen Forderungen der Sozialdemokraten;

3. Kampf gegen alle Illusionen, dass dies ein Weg zur Abschaffung des Militarimus sei.

Selbstverständlich muss die Teilforderung immer konkret sein, d.h., in einer solchen Form und in einem solchen Augenblick aufgestellt werden, in denen sie populär und den Massen verständlich ist und ihre Revolutionierung fördert. In Fällen, in denen die Herabsetzung der Dienstzeit von den kapitalistischen Regierungen geplant und von den Sozialdemokraten gefordert wird, sind vor Allem jene gleichzeitigen Maßnahmen oder "Bedingungen" ihrer Einführung bekämpfen, die wirklich Verstärkung des militärischen Systems bedeuten (Militarisierung der ganzen Bevölkerung, Schaffung starker Kader von Berufssoldaten usw.). Zugleich ist dem schein-demokratischen bürgerlichen Programm der Verkürzung der Dienstzeit ein radikales, defaitistisches Programm von Teilforderungen entgegen zu stellen.

Für die Söldnerheere, Berufsarmee ist im Allgemeinen nicht Forderung der Herabsetzung der Dienstzeit, sondern die des Rechts auf Kündigung zu jeder Zeit anzuwenden.

b) Forderungen auf dem Gebiet der Rechte und materiellen Lage der Soldaten

Erhöhung der Löhne, Verbesserung der Verpflegung, Menagekommissionen der Mannschaft.

Abschaffung der Disziplinarstrafen.

Abschaffung der Grußpflicht.

Strengste Bestrafung jeder körperlichen Züchtigung seitens der Offiziere und Unteroffiziere.

Recht auf Tragen von Zivilkleidung außer Dienst.

Täglicher Ausgang.

Urlaub und Urlaubszulagen.

Recht der Verehelichung. Sicherung der Angehörigen.

Recht auf Zeitungsbezug.

Recht gewerkschaftlicher Organisierung.

Wahlrecht und Recht zum Besuch politischer Veranstaltungen.

Die Tatsache, dass in den Armeen vieler imperialistischer Länder ein bedeutender Prozentsatz von Soldaten den unterdrückten nationalen Minderheiten entstammt, dass aber das Offizierskorps in seiner Gesamtheit oder jedenfalls zum größten Teil zur unterdrückenden Nation gehört, schafft für die revolutionäre Arbeit in der Armee einen überaus günstigen Boden. Daher müssen unter den Teilfordeungen, die wir im Interesse der Soldatenmassen aufstellen, auch nationale Forderungen einen entsprechenden Platz finden (z.B. Militärdienst in der Heimat, Benutzung der Muttersprache als Ausbildungs - und Kommandeurssprache usw.).

 

§ 47

Forderungen dieser beiden Kategorien (die obige Aufzählung gibt nur einige Beispiele) sind nicht nur in der Armee, sondern auch außerhalb der Armee, in den Parlamenten, in Massenversammlungen usw. zu vertreten. Eine erfolgreiche Propaganda dieser Losungen ist nur dann möglich, wenn sie konkreten Charakter haben. Dies setzt voraus:

1. eine sehr genaue Kenntnis der Armee, des Dienstbetriebes, der Bedürfnisse und Wünsche der Soldaten usw., was nur durch ständigen persönlichen Kontakt möglich ist.

2. Anpassung an die konkrete Form der Wehrverfassung des betreffenden Landes und an die aktuelle Stellung zur Militärfrage.

3. Berücksichtigung des moralischen Zustandes der Armee und der politischen Lage des Landes im gegebenen Moment. So z.B. wird die Forderung der Offizierswahl im Allgemeinen nur in Zeiten vorgerückter Zersetzung der Armee aufgestellt werden können.

4. Eine enge Verbindung der Teilforderungen mit den Hauptlosungen der Kommunistischen Partei, der Bewaffnung des Proletariats, er proletarischen Miliz usw.

Alle diese Forderungen aber haben nur dann eine revolutionäre Bedeutung, wenn sie aufgestellt werden in Verbindung mit dem klaren politischen Programm des Defaitismus gegenüber der bürgerlichen Armee.

Besonders Nachdruck ist zu legen auf die Organisierung der Soldaten zur Vertretung ihrer Interessen im Bunde mit dem revolutionären Proletariat, sowohl vor dem Dienst (Rekrutenverein, Unterstützungskassen) wie während des Dienstes (Soldatenkomitees), wie endlich nach dem Dienst (revolutionäre Veteranenvereine). Es ist besonders die Aufgabe der Arbeitergewerkschaften, sich ihrer Mitglieder während der Militärzeit anzunehmen, bzw. alle jene Formen der Organisation zu fördern.

 

§ 48

Die Bedingungen für die revolutionäre Arbeit in den Söldnerarmeen unterscheiden sich von denen in den Heeren mit allgemeiner Wehrpflicht. Hier wird die Agitation mit Teilforderungen in der Art der oben genannten im Allgemeinen schwieriger. Nichtsdestoweniger darf man unter keinen Umständen auf diese Arbeit verzichten. Die Tatsache, dass die Söldnerarmee zum größten Teil aus proletarischen Elementen (Arbeitslosen) und armen Bauern zusammen gesetzt sind, gibt eine soziale Basis für eine Massenarbeit unter den Soldaten. Die Formen der Arbeit müssen der sozialen Zusammensetzung und der Eigenart der Truppen besonders sorgfältig angepasst werden. Gegen die speziellen Klassenkampftruppen der Bourgeoisie (Gendarmerie, Polizei), besonders aber gegen ihre freiwilligen bewaffneten Banden (Faschisten), ist eine scharfe Agitation unter den Massen zu führen. Besonders unerbittlich sind reformistische Phrasen, vom "öffentlichen Nutzen" dieser Truppen, über "Volkspolizei", für "Gleichberechtigung" der Faschisten usw. zu bekämpfen und diese Truppen sind, unter Aufdeckung ihres wahren Charakters, besonders dem Hass der Bevölkerung preiszugeben. Aber auch hier muss alles versucht werden, um die soziale Zersetzung in ihre Reihen hineinzutragen und die proletarischen Elemente für ihre Klasse zurück zu gewinnen.

 

§ 49

Die revolutionäre Arbeit in der Armee muss mit der revolutionären Bewegung der Massen der Arbeiter und armen Bauern außerhalb der Armee Schritt halten.

In einer unmittelbar revolutionären Situation, wenn das Proletariat der Fabriken zur Schaffung der Sowjets übergeht wird die Parole der Soldatenräte aktuell, die die Massen der Soldaten mit dem Proletariat und den armen Bauern im Kampfe um die Macht verbindet. Auch in Söldnerheeren werden die Kommunisten, wo die Voraussetzungen dazu gegeben sind, die Masse der Soldaten unter der Losung der Soldatenräte zum Kampf gegen die Generalität und die Bourgeoisie zu organisieren versuchen. Wo die soziale Zusammensetzung der Truppen dies nicht ermöglicht, werden sie die sofortige Entwaffnung und Auflösung dieser Truppenteile fordern.

 

 
b) Die Militärfrage der proletarischen Revolution

 

§ 50

Die richtungsgebenden Parolen, die den demokratischen Teilforderungen zu Grunde liegen, sind Entwaffnung der Bourgeoisie, Bewaffnung des Proletariats.

Die Bewaffnung des Proletariats nimmt in den verschiedenen Etappen der Revolution verschiedene Formen an. Der Periode vor der Ergreifung der Macht und in der ersten Zeit nach Ergreifen der Macht entsprechen die proletarische Miliz oder Werktätigenmiliz und die Rote Garde. Hierher gehören auch die roten Partisanentruppen. Die Rote Armee ist eine Form der militärsichen Organisation der Sowjetmacht. Das ist die proletarische Armee der proletarischen Diktatur.

Die Parole der proletarischen Miliz (Werktätigenmiliz, Arbeiter - und Bauernmiliz) ist für die imperialistischen Länder nur eine andere Form der Parole der Bewaffnung des Proletariats und entspricht einem notwendigen Durchgangsstadium der Militärpolitik der proletarischen Revolution in der Periode vor der Schaffung der Roten Armee. In nicht unmittelbar revolutionärer Situation besitzt sie bloß propagandistische Bedeutung. Doch kann sie auch dann im Kampfe gegen den Faschismus aktuell werden.

In jedem Fall aber ist die Losung der proletarischen Miliz oder Werktätigenmiliz ein Appell an die proletarischen Massen selbst und nicht eine Forderung an die bürgerliche Regierung. Daher ist es nur in Ausnahmefällen richtig (z.B. sozialdemokratische Regierung in Ländern oder Gemeinden, sozialdemokratische Mehrheiten im Parlament und in den Massen), ihre Schaffung als Forderung an die Regierungen oder Parlamente zu richten. Die Aufstellung solcher Forderungen unter diesen Bedingungen ist aber nur ein Mittel zur Entlarvung der sozialdemokratischen Parteien.

Die Rote Garde ist ein Organ des Aufstandes. Ihre Propagierung und Schaffung ist eine Pflicht der Kommunisten in unmittelbar revolutionärer Situation.

 

§ 51

Auf keinen Fall darf man außer Acht lassen, dass in den imperialistischen Ländern das Bestehen einer proletarischen Miliz oder einer Roten Garde im Rahmen des bürgerlichen Staates in einer "friedlichen" Situation undenkbar und unmöglich ist. Die proletarische Miliz ist kein Organ des bürgerlichen Staates und kann das auch gar nicht sein. Sie ist eine bewaffnete Organisation des Proletariats, die für die Errichtung der proletarischen Diktatur kämpft, bzw. ein Organ dieser proletarischen Diktatur zur Niederhaltung der Ausbeuter. Dadurch unterscheidet sich unsere Losung der proletarischen Miliz von den reformistischen Projekten gelber "Arbeiterwehren" aus ausgesuchten, unklaren oder bestochenen proletarischen Elementen. Derartige "Arbeiterwehren" sind zwecks Zersetzung und Bändigung der Arbeiter in den Kämpfen an der Ruhr im Mai 1923 und nach dem Wiener Aufstand im Jahre 1927 verwendet worden. Die Aufgabe der Kommunisten ist der schärfste Kampf gegen solche Rettungsmanöver der Sozialdemokraten.

 

§ 52

Von diesen Kampfparolen der proletarischen Miliz und Roten Garden vor Eroberung der Macht als Keimstadium vor Schaffung der Roten Armee sind zu unterscheiden jene Formen der Miliz, die nach Errichtung und Befestigung der proletarischen Diktatur, im Prozess des Absterbens des Staates und der Aufhebung der Klassen eintreten werden. Zur Verteidigung gegen den Imperialismus bedarf der proletarische Staat einer mächtigen, disziplinierten, gut ausgerüsteten und schlagkräftigen Roten Armee.

Bei dem heutigen Stande der Dinge kann aber diese Aufgabe nur eine stehende Armee erfüllen, die den Kern der bewaffneten Massen des werktätigen Volkes bildet. Von der Diktatur des Proletariats den sofortigen vollen Übergang zur Miliz fordern, ist kleinbürgerlicher, konterrevolutionärer Unsinn. Erst auf der Basis der vollen Entfaltung der Produktivkräfte im Sozialismus und der kommunistischen Erziehung der Massen wird die annähernde Verwirklichung des reinen Milizprinzips ohne militärische Schwächung möglich sein. Nur der Sieg der proletarischen Revolution in einer Reihe von bedeutenden kapitalistischen Staaten könnte (wie schon das VIII. Plenum des EKKI festgestellt hat) die proletarische Militärgewalt schon vorher zur Ersetzung der stehenden Roten Armee durch bloße Klassenmilizen führen.

In jedem Fall aber muss die Wehrmacht der proletarischen Diktatur einen offenen Klassencharakter tragen, sowohl in ihrem Geist, ihrer Disziplin, als auch ihrer Zusammensetzung. Elemente der Ausbeuterklassen müssen vom Dienste mit der Waffe ausgeschlossen sein.

 

 

c) Die Stellung des Proletariats zur Armee in den Kolonial - und Halbkolonialländern

 

§ 53

Der Anbruch der Periode der nationalen Revolutionen und Kriege der unterdrückten Völker gegen den Imperialismus hat die Militärfrage in allen kolonialen und halbkolonialen Ländern zu einem entscheidenden Problem gemacht. Dies gilt sowohl für die Länder, die im Kriege gegen den Imperialismus stehen oder standen ( China, Marokko, Syrien, Nicaragua), wie für die Länder, in denen der Kampf in dieser Form noch nicht geführt wird ( Indien, Ägypten, Mexiko, Philippinen, Korea). Es ist klar, dass im Hinblick auf den nationalen Krieg gegen den Imperialismus auch zur Stellung der Militärfrage in diesen Ländern sich wesentlich von den imperialistischen Ländern unterscheiden muss.

 

§ 54

Es muss die Tatsache beachtet werden, dass es gegenwärtig zwei verschiedene Typen von Armeen in diesen Ländern gibt: einerseits nationale Armeen (die nicht immer revolutionäre Armeen sind), andererseits Armeen der Imperialisten (die entweder Expeditionsarmeen der Mutterländer oder Armeen aus Eingeborenen anderer Kolonialländer oder im Lande selbst angeworbene Armeen sind). Für diese zwei Typen wie auch für die Verwandlung nationaler Armeen in Armeen der Imperialisten liefert China gute Beispiele. Nach dem Staatsstreich Tsching Kai Scheks haben sich die nationalen Armeen des Südens in Armeen verwandelt, die tatsächlich den imperialistischen Zielen dienen.

Es ist klar, dass die Stellung des Proletariats und der revolutionären Massen der Werktätigen zu diesen zwei Typen von Armeen ganz verschieden sein muss. Auf die nationalen Armeen wird - mit gewissen Änderungen - das Militärprogramm von Marx und Engels 1848 bis 1870 anzuwenden sein: Demokratisierung der Armeen, um sie in revolutionäre Armeen zu verwandeln. Für die Armeen der Imperialisten dagegen können nur die defaitistischen Programme der Sprengung der Armeen von innen, oder im Falle spezieller Offizierstruppen und bürgerlichen Klassentruppen, ihrer Isolierung und Liquidierung gelten, d.h., also das gleiche Programm, das in den imperialistischen Staaten Anwendung findet.

Neben diesen beiden Typen der Armeen in den Kolonial - und Halbkolonialländern muss man vom taktischen Gesichtspunkt noch eine dritte unterscheiden, wobei der Kampf zwischen der nationalen Bewegung und den Imperialisten zum Teil im Rahmen ein und derselben Armee vor sich geht, die von den Imperialisten kommandiert wird (Indien, Ägypten, Indochina, Syrien, Algier, Tunis usw.) Hier müssen je nach der konkreten Lage Elemente beider Programme kombiniert werden, ein Programm des Defaitismus den unter imperialistischen Kommando stehenden Armeen oder Teilen der Armeen gegenüber mit den Parolen der Volksbewaffnung (Miliz) und der nationalen Armee.

Die Parole der nationalen Armee muss den konkreten Verhältnissen angepasst und so gestellt werden, dass sie jeden Missbrauch von Seiten der Imperialisten und ihrer Lakaien ausschließt (völlige Unabhängigkeit, weiteste demokratische Organisation, Offizierswahl usw.).

Die gemeinsamen Parolen in den Kolonialländern wie in den Metropolen müssen lauten: Zurückziehung der imperialistischen Armeen aus den Kolonien, Entfernung der imperialistischen Kaders und Offizierkorps aus den einheimischen Armeen.

 

§ 55

Bei der Stellungnahme zur Militärverfassung kolonialer und halbkolonialer Länder ist zu berücksichtigen ihre augenblickliche politische Rolle in den entscheidenden Auseinandersetzungen der internationalen Revolution; ob sie Bundesgenossen oder Feinde der Sowjetunion, Bundesgenossen oder Feinde der chinesischen Revolution sind usw. Im Allgemeinen treten das Proletariat und die revolutionären Massen der Werktätigen der unterdrückten Völker für eine demokratische Wehrverfassung ein, die die Werktätigen im Waffengebrauch ausbildet, die Wehrkraft des Landes erhöht, den Arbeitern und Bauern Einfluss in den Armeen gibt und den Kampf für die Hegemonie des Proletariats in der demokratischen Revolution fördert.

Die allgemeine Wehrpflicht, die militärische Jugendausbildung, die demokratische Miliz, die Parole der nationalen Armee usw. gehören hier - anders als in den imperialistischen Ländern - zum revolutionären Militärprogramm. Aber in der gegenwärtigen historischen Epoche muss die Taktik der national-revolutionären Bewegungen den Interessen der proletarischen Weltrevolution untergeordnet werden.

In solchen unterdrückten Ländern, die zugleich die Rolle eines Unterdrückers, eines Vasallen der Imperialisten in einem Krieg gegen die proletarische und nationale Revolution spielen, können die Revolutionäre ein solches Programm nicht aufstellen.

Sie müssen in solchen Ländern vielmehr die Propaganda eines revolutionären Krieges an der Seite der anderen revolutionären Länder und einer revolutionären Militärpolitik verbinden mit einer defaitistischen Stellung zu dem gegenwärtigen Krieg, bzw. der gegenwärtigen Armee. Diese Linie gilt gegenwärtig für die von den Kuomingtan-Generalen beherrschten Provinzen Chinas.

 

§ 56

Bei Aufstellung eines Militärprogramms in den unterdrückten Ländern ist ihre ökonomische und politische Entwicklungsstufe zu beachten.

1. In Ländern, die noch vor der demokratischen Revolution stehen, ist im Allgemeinen die Parole der allgemeinen Volksbewaffnung (Volksmiliz) anwendbar, vor Allem dort, wo die Klassenspaltung zwischen Bourgeoisie und Proletariat noch nicht stark entwickelt ist (Syrien, Marokko, Ägypten). Diese Parole ist zu verbinden mit demokratischen Forderungen gegen den Feudalismus und das feudale und bürgerliche Offizierskorps. In Ländern mit starker Klassenspaltung, in denen die bürgerliche Revolution noch nicht vollendet ist, wie zum Beispiel in den lateinamerikanischen Ländern, muss sie den klassenmäßigen Charakter der Arbeiter - und Bauernmiliz tragen.

2. In Ländern, die sich in der demokratischen Revolution befinden, wird die Milizparole ungenügend und muss erweitert werden zur Parole der Organisierung der revolutionären Armee. Das hindert natürlich nicht, die Parole der Miliz gleichzeitig heraus zu geben, speziell bei der Vorbereitung des Aufstandes. Hervorgehoben werden muss, dass die Bewaffnung des Proletariats der Volksbewaffnung nicht widerspricht, sondern ihr Kernstück ist. Neben der Teilnahme an der Organisierung der Volksbewaffnung müssen unbedingt besondere proletarische Formationen unter selbst gewählten Führern geschaffen werden.

3. In Ländern, die sich im Übergang von der proletarischen zur proletarischen Revolution befinden, ist mit gewissen konkreten Veränderungen des Militärprogramms der Kommunisten in den imperialistischen Ländern anzuwenden. An die Stelle der Parole der demokratischen Miliz tritt die Parole der proletarischen Miliz (Werktätigenmiliz, Arbeiter - und Bauernmiliz). Das Umschlagen der bürgerlich-demokratischen Revolution in eine proletarische in der Etappe, die die Frage der Organisation der Sowjets stellt, wird auch die Frage der Organisierung einer Roten Armee aufwerfen. An die Stelle der alten revolutionär-demokratischen Formen der Organisation der bewaffneten Macht müssen die klassenmäßigen der proletarischen Revolution treten.

 

§ 57

Unerlässlich für den Kampf gegen den Imperialismus und für die Durchführung einer national-revolutionären Militärpolitik ist eine systematische Agitations- und Propagandaarbeit in den Kolonialarmeen. Die Kommunisten und die nationalen Revolutionäre müssen daher dem Studium der verschiedenen Formen der Kolonialarmeen und der Herausarbeitung wirkungsvoller Methoden der Arbeit in ihnen die größte Aufmerksamkeit widmen. Wie das chinesische Beispiel zeigt, hat die Arbeit in den schlecht disziplinierten und schlecht entlohnten einheimischen Söldnerarmeen oft die größten Chancen. Die Teilforderungen für diese Arbeit können z.T. ähnlich den oben ausgeführten für die imperialistischen Länder sein. Doch ist auch hier die sorgfältigste Berücksichtigung aller konkreten Umstände (Herkunft, Zusammensetzung und Stimmung der Armee, materielle Lage usw.) nötig. Besonderes Gewicht muss auf die Formulierung der Forderung der Farbigen gelegt werden, auf den Kampf gegen ihre Unterdrückung und Herabsetzung durch das weiße Kommandopersonal usw.

Die Arbeit der Kommunisten in den nationalen Armeen muss einen anderen Charakter tragen. Sie ist aber - wie die Erfahrungen des chinesischen Nationalkrieges 1926/1927 zeigen - ebenfalls unerlässlich. Ihre Aufgabe ist es, die Armee mit Zellen zu durchsetzen, sie zu einem bewussten Werkzeug des Kampfes gegen den Imperialismus zu machen im Interesse der nationalen Revolution gegen unverlässliche Elemente des Offizierkorps zu kämpfen, die Kommandogewalt - wo sie noch nicht in den Händen der Kommunisten liegt - durch breiteste revolutionäre Demokratie unter die Kontrolle der Soldaten zu stellen. Es ist die Tatsache zu berücksichtigen, dass auch die Heere des Konvents der französischen Revolution unter den Bedingungen der Offizierswahl ihre großen Siege erfochten haben. Andererseits hat die ganze undemokratische Organisation der Armee Südchinas (1926/1927) den verräterischen Umsturz der Bourgeoisie und ihrer Generale sehr erleichtert.

 

 

IV.

Die Stellung des Proletariats zur Abrüstungsfrage und der Kampf gegen den Pazifismus

 

§ 58

Bei der ideologischen und organisatorischen Vorbereitung neuer imperialistischer, konterrevolutionärer Kriege stößt der Imperialismus gegenwärtig auf ein zähes Hindernis - die instinktive Kriegsgegnerschaft, die der letzte Weltkrieg in den breiten Massen der Bevölkerung, vor allem der Arbeiter und Bauern und der Massen der arbeitenden Frauen, hinterlassen hat. Daher ist der Imperialismus genötigt, seine Kriegsvorbereitungen pazifistisch zu maskieren.

Zugleich aber erhält der Pazifismus eine neue objektive Bedeutung als Ideologie und Werkzeug des Weltimperialismus gegen die vordringende Weltrevolution und gegen ihr Bollwerk, die Sowjetmacht.

Hier liegen die entscheidende objektive Bedeutung und der hauptsächliche Zweck der Abrüstungsvorschläge und Abrüstungskonferenzen der Imperialisten, speziell der "Arbeiten" des Völkerbundes auf diesem Gebiet, der Verhandlung über die "Sicherheitsfrage", der Schiedsgerichtprojekte, des Kriegsächtungspaktes usw. Alle diese pazifistischen Konferenzen, Verträge, Projekte bezwecken:

a) Maskierung der Rüstungen der Imperialisten;

b) Manöver der einzelnen Großmächte gegeneinander, um durch Verträge die Rüstung des Gegners zu vermindern und damit die eigene Kriegsstärke zu heben;

c) zeitweilige Abkommen der Großmächte zur Stabilisierung ihrer Übermacht den schwachen und unterdrückten Länder gegenüber;

d) ideologische und politische Mobilisierung gegen die Sowjetunion mit pazifistischen Losungen.

Die "Abrüstung" der Imperialisten ist nichts Anderes, als direkte und indirekte Kriegsvorbereitung.

Daher ist der Kampf gegen den Abrüstungsschwindel und gegen den Pazifismus heute eine der Hauptaufgaben des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg.

 

a) Das Abrüstungsprogramm der Sozialdemokratie und der Leninismus

 

§ 59

Das wichtigste Werkzeug der Imperialisten bei der Abrüstungskomödie ist die Sozialdemokratie, die in den Massen die Illusion verbreitet, dass eine Abrüstung und Abschaffung möglich sei, ohne Sturz des Imperialismus.

In der Sozialdemokratie existieren in der Abrüstungsfrage zwei Richtungen, die zugleich zwei Richtungen des bürgerlichen Pazifismus darstellen. Die eine Strömung, als deren Exponent schon 1911 Kausky aufgetreten ist, "entdeckt" (in der Tat nicht existierende) objektive Kräfte im Kapitalismus, die auf die Abrüstung und die Beseitigung des Krieges hinwirken, und vertritt die Politik der Zusammenarbeit mit der "linken" Bourgeoisie zur Beschränkung der Rüstungen, Schaffen internationaler Verträge der Imperialisten zur Verhinderung und Abschaffung des Krieges usw. Diese Stellung hat Lenin 1916 als "vollkommen bürgerlichen Pazifismus" bezeichnet. Sie bildete 1914 - 1918 die Ideologie des "Zentrums" und ist seit dem Ende des Weltkrieges und dem Übergang der imperialistischen Regierungen zu pazifistischen Manövern die Politik der führenden Kreise der II. Internationale geworden. Sie wird sowohl von den rechten wie von der "linken" Mehrheit der Sozialdemokraten unterstützt. Sie gibt sich als "realistischen" Pazifismus aus und unterscheidet sich durch Nichts von der Politik der imperialistischen Bourgeoisie.

Hierher gehört die Theorie des "organisierten Kapitalismus", die behauptet, der Kapitalismus selbst erzeuge in seinem heutigen Stadium, dem Imperialismus, eine objektive Entwicklung zur Überwindung des Krieges, zu seiner Verlegung an den Rand der "Kulturwelt".

Hierher gehören die Theorien des "Ultraimperialismus", der imperialistischen Allianzen und Pakte, der internationalen Kartelle als Mittel zur "Überwindung" der imperialistischen Gegensätze usw.

In der Tat gibt es im Imperialismus keine Tendenz zur Überwindung des Krieges. Und alle jene Tatsachen, durch deren Aufzählung die "realistischen Pazifisten" die Massen einschläfern, sind im Gegenteil Symptome der Vorbereitung von imperialistischen Kriegen auf der größten Stufenleiter, wobei nicht mehr ein Staat gegen den anderen, sondern ganze Staatenbünde, die eine Hälfte der Welt gegen die andere Krieg führt.

Ein pan-europäischer oder Weltstaatenbund ist unter dem Imperialismus utopisch. Wenn aber verwirklicht, könnte er nur reaktionär sein, d.h., ein Bund der Unterdrückung der proletarischen Revolution und der nationalen Befreiungsbewegungen in den Kolonien. Alle "Bewegungen" innerhalb dieser Richtung (wie z.B. die Pan-Europa-Bewegung) sind durch und durch reaktionär.

 

§ 60

Die zweite Strömung tritt als "radikaler" oder "revolutionärer" Pazifismus auf und verlangt völlige Abrüstung, nicht nur Entwaffnung der Bourgeoisie, sondern auch des Proletariats, d.h. Verzicht auf die Losung der Bewaffnung des Proletariats.

Diese Stellung nahmen zur Zeit des imperialistischen Krieges auch einige revolutionäre Internationalisten ein, die für ihren ehrlichen Willen zur Vernichtung des Militarismus keinen anderen Ausdruck finden konnten. In der Tat aber war diese Parole, die die Notwendigkeit der Bewaffnung des Proletariats und des Bürgerkriegs vergaß oder leugnete, nicht revolutionär, sondern objektiv der Ausdruck der Verzweiflung des Kleinbürgertums. Die Kritik Lenins vom Jahre 1916 bleibt heute vollkommen in Geltung, ja, sie muss sogar verschärft werden, obwohl das Häuflein der Anhänger dieser Parole gegenwärtig klein ist.

Die Oktoberrevolution hat jedem ehrlichen Revolutionär die unbedingte Notwendigkeit der Bewaffnung des Proletariats gezeigt. Heute kann der Ersatz der Losung der Bewaffnung des Proletariats durch die Entwaffnungslosung nur noch als konterrevolutionäre Losung eine Rolle spielen. Daher müssen die Kommunisten jene Arbeiterschichten, besonders in den kleinen Staaten, die dieser Losung Sympathie entgegen bringen, mit aller Energie über den wahren Sachverhalt aufklären und die "linken" Führer, die diese Losung vertreten, aufs Schärfste bekämpfen.

Hierher gehört auch die Theorie, internationale, "obligatorische Schiedsgerichte" könnten die Kriege beseitigen. Aber solche Institutionen könnten nichts Anderes sein, als entweder bloße Seifenblasen, die beim ersten ernsten Konflikt zerplatzen, oder Werkzeuge in der Hand der stärksten imperialistischen Räuber.

Diese beiden sozialdemokratischen Richtungen in der Abrüstungsfrage und den Fragen des Pazifismus aber sind sich einig darin, dass das größte Hindernis der Abrüstung in den Ländern "ohne Demokratie" liegt, d.h., im Bestehen der Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion.

 

a) Das Abrüstungsprojekt der Sowjetunion

 

§ 61

Schon die Thesen des VIII. Plenums des EKKI haben betont, dass das internationale Proletariat zum Standpunkt der Sowjetunion in der Frage der Abrüstung eine prinzipiell andere Stellung einnehmen muss, als zu den heuchlerischen Abrüstungsprojekten der kapitalistischen Staaten. Die große Bedeutung dieser Frage im Kampfe gegen den Pazifismus verlangt völlige Klarheit ihrer Stellung vor den Massen. Der Vorschlag der allgemeinen und vollständigen Abrüstung, den die Sowjetregierung der vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes im November 1922 vorlegte, unterscheidet sich völlig von den Phrasen und Projekten der Imperialisten und ihrer sozialdemokratischen Lakaien seinem Zweck, seiner Aufrichtigkeit und schließlich seiner objektiven Bedeutung nach.

Sein Zweck ist nicht die Verbreitung pazifistischer Illusionen, sondern ihre Zerstörung, nicht die Erhaltung des Kapitalismus durch Beschneidung oder Vertuschung seiner unangenehmen Seiten, sondern die Propagierung des marxistischen Grundsatzes, dass die Abrüstung und Beseitigung der Kriege nur nach dem Sturz des Kapitalismus möglich ist.

Die Sowjetregierung hat den von Abrüstung schwatzenden Imperialisten den Vorschlag gemacht, in der Tat abzurüsten. Sie hat ihnen so die Maske vom Gesicht gerissen. Selbstverständlich hat kein Kommunist geglaubt, die Imperialisten würden den Vorschlag annehmen. Aber der Vorschlag der Sowjetregierung war dennoch keine Heuchelei. Er war aufrichtig, denn er stand nicht in Widerspruch zu der inneren und äußeren Politik des Arbeiterstaates, wie die Abrüstungsphrasen der Imperialisten zur Unterdrückungs - und Raubpolitik der bürgerlichen Staaten. Die Sowjetmacht ist eine Diktatur des Proletariats im Interesse der Jahrunderte lang ausgebeuteten Mehrheit der Bevölkerung. Sie treibt keine imperialistische Politik des Raubes und der Unterdrückung, sondern eine Politik des Friedens im Interesse des internationalen Proletariats.

Auch die objektive Bedeutung des Vorschlags der Sowjetunion ist nicht die der bürgerlichen und sozialdemokratischen Vorschläge. Er ist weder eine Maskierung der Kriegspolitik, noch der Ausdruck der Verzweiflung des Kleinbürgertums, sondern ist der Ausdruck eines der Ziele des Sozialismus, die das revolutionäre Proletariat nach seinem Siege im Weltmaßstab - aber auf keinen Fall früher - verwirklichen wird.

 

§ 62

Die Sozialdemokraten haben sich im Kampf gegen den Sowjetvorschlag besonders giftiger Mittel bedient, wobei sie die Stichworte aufgriffen, die ihnen der Trotzkismus zurief. Sie versuchten die Abrüstungsvorschläge der Sowjetregierung als "Revision des Leninismus", Übergang zum "Thermidor" usw. vor den Massen zu diskreditieren. Aus dem Obigen geht hervor, dass dies niedrige Verleumdungen sind. Auch das zweite Projekt der Sowjetdelegation vom März 1928, das nach Ablehnung des Antrages der Sowjetunion auf volle Abrüstung eingebracht wurde und eine Teilabrüstung mit progressiver Staffelung nach der Größe der Meere und Flotten vorschlug, stellt keinerlei Konzession an den Pazifismus dar, sondern nur eine Vollendung seiner Entlarvung, vor Allem in Hinblick auf das Verhältnis der Großmächte zu den kleinen und unterdrückten Nationen. Die Stellung der Sowjetregierung zur Abrüstungsfrage ist eine Fortsetzung der Politik Lenins und eine konsequente Anwendung seiner Lehre.

 

b) Der Kampf des Proletariats gegen den Pazifismus

 

§ 63

Die Arbeiter der Sowjetunion, die die Bourgeoisie im Bürgerkrieg besiegten und die Diktatur des Proletariats im eigenen Land errichteten, können im Kampfe gegen den Pazifismus, diese giftige Waffe der Imperialisten, eine neue Methode anwenden, nämlich: den Imperialisten die allgemeine Abrüstung vorschlagen. Diese Methode aber steht dem noch um die Macht kämpfenden Proletariat der kapitalistischen Länder nicht zu Gebote. Abrüstungsvorschläge oder Abrüstungsforderungen des Proletariats dieser Länder an die eigene Bourgeoisie und ihre Diener sind nicht revolutionär. Sie bedeuten das Ersetzen der Losung der Bewaffnung des Proletariats durch die Losung der Entwaffnung, den Verzicht auf den Bürgerkrieg, den Verzicht auf den Sozialismus. Die Kommunisten müssen daher derartige falsche Konsequenzen aus dem Abrüstungsprojekt der Sowjetregierung, die dessem revolutionären Sinn widersprechen, aufs Schärfste bekämpfen und in den Reihen der Partei selbst eine deratige Abweichung schonungslos kritisieren.

 

§ 64

Dieser Unterschied in den Methoden des Kampfes gegen den Pazifismus zwischen dem Proletariat der Sowjetunion und dem der kapitalistischen Länder bedeutet keinen Widerspruch; aus ihm folgt keineswegs, dass die Kommunisten der kapitalistischen Länder die Abrüstungsdeklaration der Sowjetregierung nicht zur Agitation in den Massen ausnzuten dürfen. Im Gegenteil: die agitatorische Auswertung der Abrüstungspolitik der Sowjetmacht muss viel energischer, viel großzügiger sein als bisher. Aber der Weg dieser Auswertung ist nicht die Aufstellung der gleichen Forderungen im eigenen Lande, sondern

1. die Werbung für die Sowjetunion als Vorkämpferin des Friedens und des Sozialismus für ihre Verteidigung gegen den Imperialismus;

2. die Anknüpfung an die Ergebnisse der Abrüstungspolitik der Sowjetmacht, an die Entlarvung der Imperialisten, um alle pazifistischen Illusionen auszurotten, um den einzigen Weg zur Abrüstung und zur Abschaffung des Krieges in den breitesten Massen zu propagieren: Bewaffnung des Proletariats, Sturz der Bourgeoisie, Errichtung der Diktatur des Proletariats.

 

 

V.

Mängel in der bisherigen Arbeit und Aufgaben der Kommunistischen Parteien.

 

§ 65

Das VIII. Plenum unterstrich die ganze Reihe von Fehlern und Mängeln der Kommunistischen Parteien und legte eine Anzahl spezieller konkreter Aufgaben fest, die von sämtlichen Sektionen unverzüglich zu erfüllen sind, um der Aufgabe der Bekämpfung des Krieges nachzukommen.

Diese Aufgaben bleiben auch heute richtig. Eine Anzahl neuer Erfahrungen ist nach dem VIII. Plenum gemacht worden. Der VI. Weltkongress zieht aus all dem die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Arbeit der Parteien.

 

§ 66

Der grundlegende Mangel, an dem alle Sektionen der Komintern immer noch leiden, ist eine Unterschätzung der Gefahr und der Unvermeidlichkeit des Krieges. Das ist klar ersichtlich aus dem Mangel der Energie, den fast alle Sektionen bei der Ausführung der Beschlüsse des VIII. Plenums an den Tag legen. Man hat zwei der jüngsten und hervorragendsten Ereignisse der letzten Zeit - die britische Note an Ägypten und die chinesisch-japanische Affäre in Schantung - unvermerkt vorüber gehen lassen, als handelte es sich um Vorfälle von geringer oder kleiner Bedeutung. Angesichts der rapiden Radikalisierung der Massen - ein Hinweis darauf, dass die Massen die Kriegsgefahr wahrnehmen - geraten die Kommunisten in die Gefahr, dass sie hinter der Arbeiterklasse zurück bleiben, anstatt sie im Kampf gegen den Krieg zu führen.

Viele Kommunisten sind beeinflusst von der Propaganda der Bourgeoisie und der Sozialdemokratie für den "Frieden", für die "Abrüstung", für die "Internationalen Schiedsgerichte", und glauben nicht an die drohende Nähe des Krieges. Der Krieg wird als eine Frage der weit abliegenden Zukunft behandelt.

Die Unterschätzung der Kriegsgefahr, namentlich gegen die Sowjetunion, kommt in der Form der Verkennung von konkreten Tatsachen und konkreten Erscheinungen der Vorbereitungen dieses Krieges zum Ausdruck. Zum Beispiel musste noch eine sehr erhebliche Zeitspanne nach der Abberufung von Rakowski verstreichen, ehe die französischen Genossen dies als einen entschlossenen Schritt Frankreichs in der diplomatischen Vorbereitung des Krieges gegen die Sowjetunion einschätzten. Von der jugoslawischen Partei wird zugegeben, dass sie die Nähe von der Gefahr des Krieges während des italienisch-jugoslawischen Konfliktes nicht einsah. Von einigen Parteien der baltischen Länder wurden die konkreten Formen der Vorbereitung eines sowjet-feindlichen Blockes der baltischen Länder (z. B. Verhandlungen über Zollunion zwischen Estland und Lettland) nicht sofort in ihrer richtigen Bedeutung erkannt usw.

Alle diese erwähnten, von den entsprechenden Parteien anerkannten und später korrigierten Fehler zeigen, wie groß die Gefahr ist, ausgesprochene Maßnahmen zur Vorbereitung des Krieges unbemerkt vorüber gehen zu lassen. Es ist nötig, wachsam zu sein und die konkreten Formen der Kriegsgefahr zu verfolgen.

 

§ 67

Einer der größten Mängel der Antikriegsarbeit der Parteien ist noch immer eine abstrakte, schematische und sogar oberflächliche Stellung zur Kriegsfrage. Manche Sektionen beschränken ihre Tätigkeit auf Reden im Parlament und öffentlichen Versammlungen, in denen die Fragen des Krieges in den Hintergrund geschoben wird. Unsere Parteien müssen erst noch lernen, wie unser parlamentarischer Kampf gegen den Krieg zu verknüpfen ist mit der Massenaktion außerhalb des Parlaments für die Popularisierung unserer Forderungen. (Die Tätigkeit der tschechoslowakischen Kommunisten in der St. Gotthard-Affäre und aus Anlass der Waffentransporte nach China bestand lediglich in schüchternen Protesten im Parlament und in der Presse). Internationale und Kriegsprobleme können nicht in isolierter Weise behandelt werden. Sie sind Teile des allgemeinen Klassenkampfes und müssen verbunden werden mit den Klassenkonflikten im Innern des Landes, ganz besonders mit den Konflikten in den eigentlichen Kriegsindustrien.

Die Mechanisierung der Armeen und der Militarisierung der direkt mit dem Kriege zusammenhängenden Industrien erfordern eine höchst energische Tätigkeit innerhalb dieser Industrien und der mit ihnen zusammenhängenden Gewerkschafts- und Arbeiterorganisationen. Es sind noch wenige Anzeichen dafür vorhanden, dass diese elementare Aufgabe ernsthaft in Angriff genommen worden ist.

 

§ 68

Die abstrakte Stellung zur Kriegsfrage kommt in der Unfähigkeit, zu konkreten Fragen der Militärpolitik Stellung zu nehmen, zum Ausdruck. Bald wird auf den "anti-militaristischen Schwindel" der Sozialdemokratie, der oft unter den Massen lebhaften Widerhall findet, gar nicht oder all zu spät reagiert (z. B. die Kampagne der sozialdemokratischen "prinzipiellen Kriegsgegnerschaft" in Deutschland), bald werden konkrete militärpolitische Probleme über praktische Fragen mit allgemeinen Phrasen umgangen und die Stellungnahme zu praktischen Fragen durch bloße Wiederholung von abstrakten Propagandalosungen ersetzt.

Besonders in den Heeresfragen besteht eine Scheu vor dem Kampf für solche konkreten Teilforderungen und Reformen, die objektiv auf die Schwächung des Militarismus hinaus laufen (Herabsetzung der Dienstzeiten, Kampf um die Zusammensetzung der Söldnerheere), der Kampf um die Reformen wird den Sozialdemokraten allein überlassen, ohne ihnen eine wirklich proletarische Heerespolitik im Sinne der Schwächung des Militarismus und der Aufzeigung der praktischen Wege zur Bewaffnung der Arbeiter entgegen zu stellen.

Nur wenige Sektionen haben die notwendigen organisatorischen Maßnahmen ergriffen zur Leistung einer systematischen, anti-militaristischen Arbeit, die Übrigen sind passiv.

Die Arbeit unter den Soldaten und Matrosen ist in einigen vom Standpunkt der Kriegsgefahr äußerst wichtigen Ländern sehr schwach. Es macht sich sogar wiederholt ein Unverständnis des Charakters dieser Arbeit bemerkbar. Indem sie nicht als eine Massenarbeit, Agitation und Propaganda unter den Heeresangehörigen aufgefasst wird. In einigen Ländern stützt sich die Arbeit nicht auf eine breite anti-militaristische Tätigkeit unter der Jugend und hat deshalb eine all zu enge Basis. In anderen Ländern wiederum beschränkt sie sich auf die Arbeit unter den Rekruten, ohne organisatorische Stützpunkte unter den Soldatenmassen zu haben. Die Schwäche der Arbeit unter den Matrosen in den imperialistischen Ländern zeigt, dass die Bedeutung der Flotten im kommenden Krieg nicht in vollem Maße eingeschätzt wird. Im Allgemeinen wurde von dem Einfluss der Familie auf ihre Angehörigen in Heer und Flotte und unter den Rekruten kein systematischer Gebrauch gemacht.

 

§ 69

Die große Bedeutung der Arbeit unter den Bauern, den nationalen Minderheiten und in den Kolonien wird beinahe überall unterschätzt. Der Arbeit auf all diesen Gebieten ist weitest gehende Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Antikriegsarbeit auf dem Dorfe kann nicht durch einzelne zufällige Kampagnen, durch die Veranstaltung von Paradekundgebungen usw. allein geleistet werden. Eine planmäßige und systematische Arbeit zut Not, die mit den unmittelbaren Forderungen der werktätigen Bauernschaft in Verbindung gebracht wird. Eine spezielle Aufgabe ist die Arbeit unter der Bauernjugend. Es ist dringend notwendig, der Verbindung zwischen dem Dorf und den Bauernsoldaten in der Armee besondere Aufmerksamkeit zu widmen, besonders durch Korrespondenz, Urlauber usw. Die Erfahrungen auf diesem Gebiet werden im Kriegsfall von größter Bedeutung sein.

Bei der Arbeit unter den nationalen Minderheiten müssen mehr als bisher die Forderungen der national unterdrückten Bevölkerung vertreten, der Kampf gegen die Schikanen der imperialistischen Regierungen geführt, die national-revolutionären Organisationen orientiert und geleitet werden.

Mit den Kommunistischen Parteien und den Gewerkschaftsorganisationen der Kolonialländer müssen die Parteien der Mutterländer eine ständige Verbindung herstellen. Sie sind auch verpflichtet, die revolutionären Bewegungen der Kolonien durch Massenaktionen in den Mutterländern zu unterstützen. Die Kommunistischen Parteien aller Länder haben spezielle Aufmerksamkeit auf die Errichtung von Organisationen parteilosen Charakters zu lenken, wie zum Beispiel die Anti-imperialistische Liga. Es muss eine Einheitsfront des Proletariats und der Befreiungsbewegung der unterdrückten Nationen im Kampfe gegen den Krieg gebildet werden.

 

§ 70

Der Kampf gegen den Faschismus ist in vielen Sektionen bisher nicht genügend beachtet worden. Es ist notwendig, auf diesem Gebiete eine starke Initiative zu entfalten, sowohl was den ideologischen Kampf als auch was die revolutionären Massenaktionen gegen den Faschismus betrifft. Dabei sind nicht nur die offen faschistischen Organisationen ins Auge zu fassen, sondern auch die halb-faschistischen Organisationen, die unter demokratischer oder sozialdemokratischer Flagge auftreten (Reichsbanner in Deutschland), die sozialfaschistischen Entwicklungstendenzen in den Spitzen der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbürokratie, der Werksfaschismus usw.

Dieser Kampf gegen den Faschismus in allen seinen Formen ist aufs Engste mit dem Kampf gegen den imperialistischen Krieg zu verbinden.

 

§ 71

Die gegenwärtige Periode ist gekennzeichnet durch eine Friedens - und Abrüstungswelle, sowie durch eine ausgedehnte Propaganda zur "Ächtung" des Krieges durch die Bourgeoisie. Der Kampf gegen diesen Pazifismus war nicht energisch genug. Der Kampf gegen die bürgerliche "Friedens"-Propaganda ist nicht energisch genug betrieben worden, ebenso wie die Propaganda der Sozialdemokraten über den angeblichen "roten Imperialismus" der Sowjetunion und über den "Bolschewismus als Krieg treibenden Faktor" nicht mit der erforderlichen Energie bekämpft worden ist. Die Entlarvung des wirklichen Charakters des Völkerbundes, der in den pazifistischen Illusionen breiter Arbeitermassen eine entscheidende Rolle spielt, ist nicht genügend systematisch und energisch geführt worden.

In den meisten Fällen ist die wichtigste Aufgabe der Kommunisten in Verbindung mit den Ergebnissen der Genfer Konferenz vergessen worden, und zwar die Verbindung des Kampfes gegen den Krieg mit der Propagierung der Diktatur des Proletariats und der proletarischen Bewaffnung. In einigen Ländern sind sogar durch Aufstellung der Losung der Abrüstung pazifistische Fehler gemacht worden.

 

§ 72

Nach dem VIII. Plenum haben die meisten Parteien nicht genug Aufmerksamkeit der Verbreitung der richtigen leninistischen Auffassung und den grundsätzlichen Fragen der Bekämpfung des Krieges unter den Parteimitgliedern gewidmet.

In den theoretischen Organen und der Presse der Parteien ist die Behandlung der prinzipiellen Fragen des Krieges und seiner Bekämpfung, besonders aber die Beleuchtung von konkreten Teilfragen, im Allgemeinen schwach gewesen, was als ein großer Mangel zu bezeichnen ist, weil diese Fragen in vielen Fällen aktuell und brennend gewesen sind, und weil die sozialdemokratischen Zeitschriften ihrerseits diesen Fragen ziemlich viel Aufmerksamkeit gewidmet haben.

Die Arbeit der Parteien leidet noch an ideologischen Unklarheiten in all diesen Fragen. Einige Genossen in Frankreich, der Schweiz und Österreich haben die Frage der "Vaterlandsverteidigung" im Falle eines Krieges gegen Italien aufgeworfen. Einige treten ein für den absoluten "Boykott" der militärischen Ausbildungslager (Amerika). Alle diese Beispiele von Abweichungen, die in jedem Falle nachher von den leitenden Parteiinstanzen korrigiert wurden, zeigen immerhin, dass es unbedingt notwendig ist, innerhalb der Partei sowie in den Massen eine gründliche und breite Massenpropaganda zu entfalten über die Fragen der Kriegsgefahr und des Kampfes gegen den Krieg.

 

§ 73

Die wichtigsten agitatorischen Aufgaben im Kampfe gegen die Kriegsgefahr und besonders gegen die Provozierung und die militärische Vorbereitung des Krieges gegen die Sowjetunion sind:

1. Die zentralen Parolen angesichts der Nähe des drohenden Krieges müssen lauten: "Verteidigung der Sowjetunion", "Unterstützung der revolutionären Kämpfe der Kolonien und der unterdrückten Völker"; "Kampf gegen den imperialistischen Krieg".

2. Es muss eine ununterbrochene agitatorische Tätigkeit betrieben werden zwecks Entlarvung der Raubgelüste der verschiedenen imperialistischen Gruppen in allen Ländern. Insbesondere muss diese Tätigkeit gerichtet sein gegen die Imperialisten der Vereinigten Staaten und Großbritanniens als die führende Kraft in der Vorbereitung des Krieges gegen die Sowjetunion, ferner gegen die britischen und japanischen Kapitalisten als die Vorkämpfer der imperialistischen Intervention in China. Es muss die Forderung nach Veröffentlichung des Inhalts aller existierenden geheimen Verträge und geheimen Militärbündnisse erhoben werden.

3. Kritisieren und entlarven muss man auch die sozialdemokratischen Vorschläge der "Rüstungsbeschränkung", ihr Eintreten für das Genfer Protokoll, für die obligatorischen internationalen Schiedsgerichte usw.

4. Es muss eine energische Kampagne betrieben werden zwecks Entlarvung der Propaganda des "Friedens in der Industrie", der Arbeitsgemeinschaft der Klassen, der unpolitischen Gewerkschaften und Unternehmergewerkschaften, die von den reformistischen Gewerkschaftsführern gefördert werden und die eigentlich Maßnahmen zur Kriegsvorbereitungen sind.

5. Es muss schon jetzt die Arbeit aufgenommen werden, um klar zu machen, warum die Arbeiter im kommenden Krieg für die Niederlage es imperialistischen Vaterlandes eintreten müssen. Die Losung "Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg" muss schon gegenwärtig, vor Ausbruch des Krieges, die Leitidee unserer Propaganda sein.

6. Der Kampf gegen die imperialistische Aufteilung Chinas muss von allen Kommunistischen Parteien in Form breiter Massenkampagnen und des Kampfes gegen die speziellen militärischen und politischen Maßnahmen der Großmächte geführt werden. Er ist aufs Engste mit dem Kampf gegen die imperialistische Kriegsgefahr zu verbinden.

 

§ 74

Äußerst wichtige Maßnahmen, die zum größten Teil in den Thesen des VIII. Plenums niedergelegt wurden, sind auch: Demonstrationen von Frauen und Kindern in den Orten, durch welche die nach der Front abgehenden Truppen marschieren, sowie in den Häfen; Demonstrationen von Frauen und Kindern und Invaliden vor den Parlamenten, Agitation in den proletarischen und kleinbürgerlichen Frauenorganisationen gegen den Krieg und Einberufung von Delegiertinnenkonferenzen zum Kampf gegen den imperialistischen Krieg; Frauenversammlungen vor den Betrieben und in den Arbeiterquartieren, von denen Delegierte gewählt werden; Ausnutzung der existierenden und die Bildung neuer Delegiertinnenkonferenzen als ständige Organe zur Führung der Kampagne gegen den imperialistischen Krieg.

Die Einheitsfronttaktik und die Arbeit der "Hände-weg-von-Sowjetrussland"-Komitees muss klarer durchgeführt werden, wobei die Gewerkschaften in diese Komitees einzubeziehen sind.

Es muss ein allgemeiner Kampf gegen den Faschismus als eine der bewaffneten Abteilungen der Konterrevolution geführt werden. Überall, wo das möglich ist, müssen Körperschaften in der Art des Roten Frontkämpferbundes in Deutschland gebildet werden.

In den Sportverbänden muss gegen den Faschismus und gegen den Krieg gearbeitet werden.

Die bestehenden Klassenorganisationen der Kriegsopfer (invaliden, Kriegswitwen usw.) müssen systematisch ausgenutzt und verstärkt werden für den Kampf gegen den imperialistischen Krieg.

Der Kommunistische Jugendverband muss in engstem Kontakt mit der Parei eine gesteigerte Aktivität unter der Arbeiter - und Bauernjugend entfalten, aus deren Reihgen die Soldaten rekrutiert werden.

Es müssen die bestehenden proletarischen Organisationen von Lehrern, Eltern und Schülern und die kommunistischen Kindergruppen ausgenutzt und auch neue derartige Organisationen zum Zweck des Kampfes gegen die imperialistische Verhetzung in den Schulen gegründet werden.

 

§ 75

Die Vorbereitung der Kommunistischen Parteien selbst ist eine Aufgabe von zentraler Bedeutung. Die Verbreitung eines tieferen internationalen Fühlens unter den Sektionen der Komintern ist unerlässlich zur Vorbereitung der Kommunistischen Parteien auf den Krieg.

Der engste gegenseitige Kontakt zwischen den Sektionen muss hergestellt werden, noch bevor der Krieg tatsächlich kommt, und muss während der Kriegsperiode mit allen Mitteln aufrecht erhalten werden.

Während der bei Kriegsausbruch erfolgenden Mobilisierung wird der Terror gegen die gesamte revolutionäre Bewegung und gegen die Kommunistischen Parteien ungeheure Dimensionen erreichen. Nach vorher zusammen gestellten Listen werden Tausende und Aber-Tausende kommunistischer und revolutionärer Arbeiter und Bauern in Konzentrationslager gebracht werden. Die imperialistischen Maßnahmen werden darauf gerichtet sein, nicht nur die legalen Kommunistischen Parteien, sondern auch den Apparat und die Leitung der illegalen Parteien zu zerschlagen.

Die Kommunistischen Parteien müssen sich schon jetzt darauf vorbereiten. Legale Kommunistische Parteien haben der rechtzeitigen Vorbereitung zum Übergang in die Illegalität erhöhte Aufmerksamkeut zuzuwenden. Illegale Parteien haben ihren Apparat, ihre Leitungen und Organisationen auf Verhältnisse eines noch schlimmeren Terrors vorzubereiten. Die Mitgliedschaft muss rechtzeitig auf die neue Situation, die im Zusammenhang mit der Mobilisierung und dem Kriegsbeginn eintreten wird, vorbereitet werden.

 

§ 76

Der VI. Weltkongress ruft allen Kommunisten das Wort Lenins ins Gedächtnis, dass der Kampf gegen den Krieg bei Weitem keine leichte Sache ist. Er schlägt allen Parteien vor, eine gründliche Selbstkritik durchzuführen, systematisch nachzuprüfen, was bisher zur Bekämpfung der Kriegsgefahr und zur Vorbereitung der Parteien für den Kampf während eines Krieges getan wurde. Er verpflichtet sie, alle Fehler rücksichtslos aufzudecken und sofort zu beseitigen.

Der VI. Weltkongress fordert alle Sektionen der Komintern auf, dem Kampf gegen den Krieg einen mehr internationalen Charakter zu verleihen als bisher und die Vorbereitungen für eine internationale Koordinierung der revolutionären Aktionen zu treffen, um im gegebenen Moment wichtige internationale Massenaktionen gegen den imperialistischen Krieg durchführen zu können.

 

 

Beschluss über internationale Aktion gegen den Krieg

 

Angesichts der aktiven Vorbereitungen der imperialistischen Mächte zu einem Überfall auf die Sowjetunion, der heran reifenden kriegerischen Zusammenstöße zwischen den Imperialisten selbst und der Intervention in China, die bereits im Gange ist, angesichts der verräterischen Rolle der internationalen Sozialdemokratie aller Schattierungen, welche die Arbeiterklasse im Kampfe gegen das angreifende Kapital entwaffnet und aktiv und zynisch die Imperialistengruppen ihrer Länder bei all diesen Vorbereitungen zu einem neuen Weltgemetzel unterstützt, erklärt der Kongress, dass es Pflicht aller Kommunisten ist, unter den gespannten Verhältnissen des gegenwärtigen Augenblicks den Kampf gegen die Kriegsgefahr zu steigern, um unverzüglich eine internationale Kampagne gegen den herauf ziehenden imperialistischen Krieg ins Werk zu setzen. Der Kongress erteilt den Zentralkomitees aller Kommunistischen Parteien, ungesäumt die politischen, organisatorischen, propagandistischen und agitatorischen Vorbereitungsarbeiten durchzuführen für einen internationalen Kampftag gegen den imperialistischen Krieg und für die Verteidigung der Sowjetunion, für einen Kampftag aller Werktätigen mit den Losungen:

"Krieg dem imperialistischen Krieg!"

"Verteidigt die Sowjetunion!"

"Unterstützt die revolutionären Kolonialvölker!"

"Nieder mit dem Massenbetrug der Sozialpatrioten!"

"Bildet proletarische Verteidigungsorganisationen !"

Die Zentralkomitees der Kommunistischen Parteien müssen unter Berücksichtigung der konkreten Lage in ihren entsprechenden Ländern die praktischen Maßnahmen zur Durchführung des Internationalen Tages ergreifen (Massenversammlungen, Straßendemonstrationen, Proteststreiks und andere Kampfformen).

Der Kongress erteilt dem Exekutivkomitee den Auftrag, alle zur Organisation solcher Demonstrationen im internationalen Rahmen notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Diese Maßnahmen sind zu koordinieren und entsprechend den Beschlüssen des Kongresses in eine gleichzeitige Aktion zusammenzufassen, um so die einheitliche Anti-Kriegsaktion zu verstärken und die breitesten Massen der Werktätigen, die Soldaten inbegriffen, zu erfassen.

 

Kommentar der Komintern (SH) über die heutige Bedeutung dieses Dokuments des VI. Weltkongresses und seine korrekte Anwendung auf die heutige Situation

Zum 100. Jahrestag der Komintern hat die Komintern (SH) als einzige Partei der Welt diese Resolution des VI. Weltkongresses veröffentlicht. Dies ist von welthistorischer Bedeutung, denn damit wurde nach 90 Jahren das Totschweigen dieser Resolution seitens der Bourgeoisie, insbesondere der Revisionisten, erstmalig durchbrochen.

Was den Kampf der Komintern gegen den imperialistischen Krieg anbelangt, so muss diese Resolution des VI. Weltkongresses als die beste Resolution bezeichnet werden, die die Komintern in ihrer gesamten Geschichte jemals hierzu veröffentlicht hat. In herausragender Weise wurden die wichtigsten Lehren aus dem Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution gezogen und den Kommunisten auf der ganzen Welt eine Anleitung für den Kampf gegen den imperialistischen Krieg an die Hand gegeben, die heute weiter von aktueller Bedeutung und prinzipiell größtenteils gültig bleibt.


Was unseren Kampf gegen den Verrat von Dimitroff anbelangt, so ist diese Resolution des VI. Weltkongresses ein Schlag ins Gesicht des VII. Weltkongresses . Man braucht nur die beiden Resolutionen des VI. und VII. Weltkongresses gegen den imperialistischen Krieg zu vergleichen, um die revisionistische Wende, die Abkehr vom Leninismus im Kampf gegen den imperialistischen Krieg vollkommen bestätigt zu sehen.

Wer die Resolution des VI. Weltkongresses gegen den imperialistischen Krieg gelesen hat, der versteht auch, warum die Bourgeoisie samt Revisionisten dieses Dokument 90 Jahre lang in der Versenkung gehalten haben. Es ist die schärfste Waffe gegen den imperialistischen Krieg in den Händen des Weltproletariats und daher äußerst gefährlich für die Weltbourgeoisie bei der Verwirklichung ihrer imperialistischen Kriegsziele. Man muss wissen, dass der imperialistische krieg nicht nur einen Raubkriegharakter hat, sondern auch die letzte Waffe im Kampf gegen die sozialistische Weltrevolution ist.

Stattdessen hat man nur die revisionistische Resolution des VII. Weltkongress zu Gesicht bekommen (revisionistische Resolution von Togliatti alias „Ercoli“).

Doch damit hatte der Verrat der Revisionisten an der Komintern Lenins und Stalins ja erst begonnen. 1943, mitten (!) im Zweiten Weltkrieg, lösten die Revisionisten die Komintern auf und rissen damit dem Weltproletariat das wichtigste Instrument seines Kampfes gegen den imperialistischen Krieg und seine Umwandlung in den Bürgerkrieg aus den Händen.

Erst jetzt ist es der Komintern (SH) gelungen, diese Resolution des VI. Weltkongresses zu veröffentlichen. Was wir jetzt schon nach ihrem ersten Studium feststellen können, das ist, dass die Komintern (SH) auch ohne Kenntnis dieser Resolution des VI. Weltkongrersses von Anfang an genau das propagiert hat, was in dieser Komintern-Resolution drinsteht, dass wir also die Linie der Komintern Lenins und Stalins in der Frage des imperialistischen Krieges korrekt vertreten und verteidigt haben – und zwar als einzige Organisation auf der ganzen Welt.

Die Resolution des VI. Weltkongresses über den Kampf gegen den imperialistischen Krieg basiert auf den Lehren des Leninismus. Diese leninistischen Prinzipien des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg sind auch heute noch gültig und werden von der Komintern (SH) verteidigt:

Die wichtigste Kampflosung dieser Resolution war Lenins Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg zum Sturz der Bourgeoisie und zur Errichtung der Diktatur des Proletariats durch die sozialistische Weltrevolution, Entwaffnung der Bourgeoisie, Bewaffnung des Proletariats, Schaffung bewaffneter proletarischer Revolutionstruppen, Schaffung der Roten Armee, Kampf gegen die Militärpolitik der Imperialisten, gegen den Pazifismus, gegen, die Sozialdemokratie, gegen alle opportunistischen „Anti-Kriegs-“-Theorien, Propagierung und praktische Umsetzung der weltproletarischen Militärpolitik, Taktik der Massenaktionen gegen den imperialistischen Krieg, Zersetzungsarbeit in den bürgerlichen Armeen, Aufgaben der Kommunisten, Analyse der eigenen Schwächen und der gemachten Fehler und deren Überwindung usw.

Bedeutet das jedoch, dass die Komintern (SH) die Resolution des VI. Weltkongresses unmodifiziert auf die heutige Situation 1:1 übertragen kann ?

Das bedeutete es auf keinen Fall.

Die Resolution wurde 10 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verfasst. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, der erst 11 Jahre später begann, konnten darin also noch gar nicht berücksichtigt werden – ganz zu Schweigen von den Erfahrungen aus dem „Kalten Krieg“ der Nachkriegszeit. Und um so weniger kann die Resolution des VI. Weltkongresses konkret Antwort geben auf den Kampf gegen den imperialistischen Krieg unter den aktuellen Bedingungen der Globalisierung. Allein diese Tatsachen sind Beweis genug dafür , dass die Komintern (SH) die Resolution des VI. Weltkongresses, die damals korrekt war, nicht unmodifiziert übernehmen kann und darf. Dafür haben sich die Bedingungen des Kampfes gegen den imperialistischen Krieges zu sehr verändert. Und eben auf die heutigen Bedingungen kommt es an, wenn man im Kampf gegen den imperialistischen Krieg siegen will.

Was hat sich geändert ?

Die Komintern befand sich 1928 bereits auf der zweiten Entwicklungsstufe ihres Aufbaus, das heißt, sie war in der Lage, Massenaktionen im Weltmaßstab durchzuführen.

Heute befindet sich die Komintern (SH) noch erst in ihrer ersten Aufbauphase, wo sie noch keine Massenaktionen durchführen kann, und somit auch noch nicht die Resolution des VI. Weltkongresses in die Tat umsetzen könnte.

Es gibt keine Sowjetunion Lenins und Stalins und kein sozialistisches Albanien Enver Hoxhas mehr im Kampf gegen den imperialistischen Krieg.

Es gibt kein sozialistisches Lager, das dem imperialistischen Lager im Kampf gegen den imperialistischen Krieg gegenüber steht.

Unter den Bedingungen der Globalisierung haben sich auch die Verhältnisse der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen verändert.

Die klassischen kapitalistischen Ländern mit einer starken Arbeiterbewegung waren bis zur Zeit des Jahres 1928 hauptsächlich Nordamerika und Europa und damit auch die entscheidenden revolutionärem Kräfte im Kampf gegen den imperialistischen Krieg.

In den ehemaligen Kolonien und Halbkolonien war die Arbeiterklasse im Jahre 1928 dagegen noch überall schwach entwickelt. Das Verhältnis hat sich nach 90 Jahren völlig umgekehrt.

Wenn wir die Zahl der Lohnarbeiter von damals mit heute vergleichen, so ergeben sich heute in den klassischen alten Industrieländern Nordamerikas und Europas 500 Millionen Werktätige.

Allein in den beiden ehemaligen Kolonien China und Indien zusammen genommen gibt es heute dreimal so viele Werktätige - nämlich 1,5 Milliarden. Heute sind das keine Kolonien mehr, sondern selber imperialistische Staaten, wobei China die Wirtschaftskraft der alten kapitalistischen Industrieländer bereits überholt hat. Im Kampf gegen den imperialistischen Krieg darf man diese Veränderung nicht ignorieren. Deswegen kann die alte Losung von den nationalen Kriegen als Faktor im Kampf gegen den imperialistischen Krieg nicht übernommen werden, wie noch in der Resolution von 1928.

Heute stehen sich im Wesentlichen zwei imperialistische Kriegslager gegenüber: das alte westliche und das neue östliche Lager, die um die Weltherrschaft kämpfen. Das Weltproletariat darf sich weder auf das eine noch auf das andere Weltlager stützen, sondern muss beide Kriegslager bekämpfen, muss ihren imperialistischen Krieg in den Weltbürgerkrieg verwandeln, falls er nicht durch die sozialistische Weltrevolution verhindert werden konnte.

Was also 1928 galt, das gilt heute nicht mehr. In Nordamerika und Europa bildet das Proletariat nicht mehr die Mehrheit, sondern nur noch eine Minderheit des Weltproletariats.

Nach Auffassung der Komintern (SH) hat sich mit der Globalisierung des Kapitalismus auch die Arbeiterklasse globalisiert, das heißt sich objektiv zu einer globalen Klasse, zum globalisierten Weltproletariat entwickelt.

Deshalb muss das Weltproletariat auch eine globalisierte Strategie und Taktik im Kampf gegen den imperialistischen Krieg entwickeln und anwenden, wie dies 1928 noch nicht möglich war.

Heute sind im Weltmaßstab knapp ein Drittel aller Werktätigen Industriearbeiter, die den Kern des revolutionären Weltproletariats bilden (dieser Anteil wird sich in Zukunft aus verschiedensten Gründen weiter verringern). Ein Drittel sind Bauern, in der Mehrzahl verarmt (auch dieser Anteil wird sich in Zukunft aus verschiedensten Gründen weiter verringern). Und das letzte Drittel sind Werktätige aus dem vielschichtigen „Dienstleistungssektor“, die in der Mehrzahl dem Halbproletariat, aber auch dem Proletariat zuzuordnen sind (dieser Anteil wird sich voraussichtlich in Zukunft weiter vergrößern). Das sind die Kräfte, auf die sich das führende Industrieproletariat heute im Kampf gegen den imperialistischen Krieg stützen muss.

In jedem Land der Welt ist das Proletariat so weit entwickelt, dass es im Kampf gegen den imperialistischen Krieg seine Mission des Sturzes der Bourgeoisie und der Errichtung der Diktatur des Proletariats objektiv erfüllen kann. Wir sprechen also nicht mehr von einem Bündnis zwischen Weltproletariat und unterdrückten Völkern wie 1928, sondern von einem weltweiten Klassenbündnis des Proletariats mit den armen Bauern.

Lenin befürwortete die Losung von „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker – vereinigt euch!“ nur unter den damals gegebenen Bedingungen, als es neben den kapitalistischen Ländern nämlich noch nicht-kapitalistischen Länder gab, wo die Arbeiterklasse kaum oder noch sehr schwach entwickelt war, um die Diktatur des Proletariats errichten zu können.

Mit der Globalisierung des Kapitalismus hat sich das heute grundlegend geändert.

Es gibt heute auf der Welt kein Land ohne Kapitalismus. Die Welt besteht heute ausschließlich aus kapitalistischen Ländern. In allen Ländern der Welt bestimmt der Grundwiderspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital, zwischen Proletariat und Bourgeoisie die Klassengesellschaft. Im Weltmaßstab bestimmt der Klassenkampf zwischen Weltproletariat und Weltbourgeoisie die gesamte kapitalistische Gesellschaft von heute.

Deswegen ergibt die alte Losung von der "Vereinigung der Proletarier und der unterdrückten Völker" keinen Sinn mehr und ist deshalb von der Komintern (SH) zu Recht verworfen worden.

Die Komintern (SH) hat die alte Losung: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker“ ersetzt durch die beiden aktuellen Losungen: „Proletarier aller Länder vereinigt euch ! Weltproletariat vereinige alle Länder !“

Die heutige Komintern (SH) ist auch keine Dachorganisation von Kommunistischen Parteien wie es die Komintern war, sondern ist die einzig bestehende Partei des Proletariats, die bolschewistische Weltpartei, die den globalisierten Kampf gegen den imperialistischen Krieg führt mit Hilfe ihrer Sektionen in jedem Land der Welt.

Die Komintern (SH) ist die einzige Partei auf der Welt, die die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg global organisiert und zentralistisch führt.

Trotz dieser und vieler anderer Bedingungen, die sich im Kampf gegen den imperialistischen Krieg seit 1928 verändert haben, spielt diese Resolution des VI. Weltkongresses der Komintern weiterhin eine zentrale Rolle, insbesondere, was die prinzieppe Stellung des Weltproletariats anbelangt, aber auch was die konkreten, detaillierten Forderungen dieser Resolution anbelangt.

In diesem Sinne halten wir das Banner der Resolution von 1928 weiter hoch !

 

 

 

 

 

 

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III. Internationale