Lenin

Über die Krise des Kapitalismus - Zitatensammlung

 

 

 

 

 

 

 

LENIN

ÜBER DIE KRISE DES KAPITALISMUS

Zitatensammlung

zum 142. Geburtstag des Genossen Lenin ( - * 22. 04. 1870)

- zusammengestellt von Wolfgang Eggers

 

A. ALLGEMEINE KRISE

B. ÖKONOMISCHE KRISE

 

 

 

 

ALLGEMEINE KRISE

 

16. April 1911

Über die Bedeutung der Krise

Die ominöse politische und Regierungskrise, von der die Zeitungen so viel schrieben und schreiben, wirft tiefere Fragen auf, als die am lautesten sich gebärdenden Liberalen glauben. Man sagt: Die Krise wirft die Frage des Verfassungsbruchs auf. In Wirklichkeit aber wirft die Krise die Frage der falschen Vorstellungen der Oktobristen und der Kadetten von der Verfassung auf, die Frage des fundamentalen Irrtums beider Parteien in dieser Hinsicht. Je mehr dieser Irrtum um sich greift, desto beharrlicher muss man ihn aufklären. Je mehr die Kadetten sich bemühen, unter dem Deckmantel ihrer Anschuldigungen gegen den Oktobrismus die den Oktobristen und den Kadetten gemeinsamen falschen Vorstellungen vom angeblich "konstitutionellen" Charakter der Krise einzuschmuggeln, desto wichtiger ist es, diese jetzt zu Tage getrenene Gemeinsamkeit aufzudecken.

In Wirklichkeit war die Poliik Stolypins keine Versprechung, sondern die politische und ökonomische Realität der letzten vier (wenn nicht fünf) Jahre des russischen Lebens. Die im nationalen Maßstab organisierten adligen Vertreter der Großgrundbesitzer und der Spitzen des Handels - und Industriekapitals setzten diese Realität durch, verwirklichten sie. Mit aller Gewissenhaftigkeit, mit allem Eifer, ohne das Leben, ohne sogar den Geldbeutel zu schonen, ließ das oktobristische Kapital diesen Versuch seine Hilfe angedeihen, und jetzt ist es gezwungen zuzugeben: nicht erfüllt.

Und wenn die Oktobristen jetzt erklären: "nicht erfüllt", so besteht die Bedeutung dieses Eingeständnisses, die Bedeutung der krise, die dieses Eingeständnis erzwungen hat, in dem gründlichen, wiederholten, endgültigen Zusammenbruch der Verfassungsillusionen, sowohl des Kadettismus als auch des Oktobrismus.

In Erfülling gegangen sind die Worte derjenigen, die davon gesprochen hatten, dass in solchen Perioden rascher und radikaler Veränderungen, wie es die Periode zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland ist, Verfassungsillusionen eitel und schädlich sind.

Worte, die im Munde der Kadetten und der Oktobristen lächerlich wirken, sind an sich keineswegs lächerlich, sondern bedeutungsvoll. Sie sind immer wieder - gegen den Willen jener, die diese Worte jetzt gebrauchen - ein Ausdruck für den Zusammenbruch der Verfassungsillusionen als einer nützlichen Frucht der "Verfassungs"krise.

Lenin, Werke, Band 17, Seite 153, 154, 155, 156 und 157; "Über die Bedeutung der Krise".

 

 

12. Dezember 1914

Der europäische Krieg bedeutet eine gewaltige historische Krise, den Beginn einer neuen Epoche. Wie jede Krise hat der Krieg die tief verborgenen Widersprüche verschärft und ans Tageslicht gebracht, er hat alle heuchlerischen Hüllen zerrissen, alles Konventionelle beseitigt und die verfaulten oder angefaulten Autoritäten zerstört. (Darin besteht, nebenbei bemerkt, die wohltuende und fortschrittliche Wirkung aller Krisen, die nur den stumpfsinnigen Anbetern einer "friedlichen Evolution" nicht einleuchtet).

Lenin, Werke, Band 21, Seite 87 - 88 - "Der tote Chauvinismus und der lebendige Sozialismus- wie die Internationale wieder hergestellt werden kann".)

 

 

Juli 1916

Jede Krise räumt mit dem Konventionellen auf, sprengt die äußeren Hüllen, fegt das Überlebte hinweg, legt die tieferen Triebfedern und Kräfte bloß.

[Die Bewegung der unterdrückten Nationen] zeigt, dass Flammen nationaler Aufstände im Zusammenhang mit der Krise des Imperialismus sowohl in den Kolonien als auch in Europa aufloderten, dass die nationalen Sympathien und Antipathien trotz drastischer Drohungen und Repressalien zum Ausbruch kamen. Und dabie war die Krise des Imperialismus noch weit entfernt vom Höhepunkt ihrer Entwicklung: die Macht der imperialistischen Bourgeoisie war noch nicht untergraben ( der Krieg "bis zur Erschöpfung" kann dahin führen, hat aber noch nicht dahin geführt); die proletarische Bewegung innerhalb der imperialistischen Mächte sind noch sehr schwach. Was wird aber sein, wenn der Krieg zur vollen Erschöpfung führt oder wenn die Macht der Bourgeoisie, sei es auch nur in einem Lande, unter den Schlägen des proletarischen Kampfes so ins Wanken gerät wie die Macht des Zarismus im Jahre 1905?

Lenin, Werke, Band 22, Seite 362, "Die Ergebnisse der Diskussion über die Selbstbestimmung".

 

 

 

August - Oktober 1916

Wenn sie [ die unentwickelten und unterdrückten Nationen ] schon eine solche, im Vergleich zur sozialen Revolution geringfügige Krise der imperialistischen Bourgeoisie, wie den Krieg 1915 bis 1916, zu Aufständen ausnutzen (Kolonien, Irland), dann werden sie zweifellos um so mehr die große Krise des Bürgerkriegs in den fortgeschrittenen Ländern zu Aufständen ausnutzen.

Und warum ? Weil sich der Kapitalismus ungleichmäßig entwickelt und die objektive Wirklichkeit uns neben hoch entwickelten kapitalistischen Nationen eine ganze Reihe von Nationen zeigt, die ökonomisch sehr schwach oder gar nicht entwickelt sind.

Lenin, Werke, Band 23, Seite 53, "Über die Karikatur auf den Marxismus".

 

 

7. (20.) März 1917

Damit aber die erste, die große Revolution von 1905, [...] zwölf Jahre später zu der "glanzenden", "glorreichen" Revolution von 1917 führen konnte, [...] - so war dazu ein großer, mächtiger und allgewaltiger "Regisseur" notwendig, der imstande war, einerseits den Gang der Weltgeschichte ungeheuer zu beschleunigen und andererseits weltumfassende Krisen, wirtschaftliche, politische, nationale und internationale Krisen von ungeahnter Intensität hervorzurufen. Dieser allgewaltige "Regisseur", dieser mächtige Beschleuniger war der imperialistische Weltkrieg.

Lenin, Werke, Band 23, Seite 312 - 313, "Briefe aus der Ferne".

 

 

 

11. (24.) März 1917

Was wir genau wissen, und was wir als Partei den Massen klarmachen müssen, das ist einerseits die Tatsache, Daß eine geschichtliche Triebkraft von ungeheurer Starke vorhanden ist, die in nie gekanntem Ausmaß Krise, Hungersnot und namenloses Elend erzeugt. Diese Triebkraft ist der Krieg, der von den Kapitalisten beider kriegführenden Seiten um räuberischer Ziele willen geführt wird. Diese „Triebkraft“ hat eine ganze Reihe der reichsten, freiesten und aufgeklärtesten Nationen an den Rand des Abgrunds gebracht. Sie zwingt die Völker, alle Kräfte bis aufs äußerste anzuspannen, sie bringt sie in eine unerträgliche Lage, sie stellt nicht die Verwirklichung irgendwelcher „Theorien“ auf die Tagesordnung (davon ist gar keine Rede, und Marx hat die Sozialisten vor dieser Illusion stets gewarnt), sondern die Durchführung der radikalsten praktisch möglichen Maßnahmen, denn ohneradikale Maßnahmen kann der Untergang, der baldige und unaufhaltsame Untergang von Millionen Menschen infolge der Hungersnot, nicht vermieden werden.

Lenin, Werke, Band 23, Seite 345 - "Briefe aus der Ferne" (3. Brief).

 

 

 

5. Mai (22. April) 1917

Darin besteht das Wesen der Krise, das man von den Meinungen, Erwartungen, Vermutungen einzelner Personen und Parteien streng unterscheiden muss.

Man muss den Massen die Wahrheit sagen. Die Regierung der Kaopitalisten kann auf Annexionen nicht verzichten; sie hat sich in ein Netz verstrickt; sie hat keinen Ausweg. Sie spürt, erkennt, sieht, dass es ohne reviolutionäre Maßnahmen (zu denen nur die revolutionäre Klasse fähig ist) keine Rettung gibt, und sie windet sich hin und her, tobt, verspricht das Eine und tut das Andere; bald droht sie den Massen mit Gewalt [...], bald schlägt sie vor, ihr die Macht abzunehmen.

Wirtschaftliche Zerrüttung, Krise, Kriegsschrecken, eine Lage4 ohne Ausweg - dahin haben die Kapitalisten alle Völker gebracht.

Es gibt in der Tat keinen Ausweg - außer dem Übergang der Macht in die Hände der revolutuionären Klasse, des revolutionären Proletariats, das allein, unter der Bedingung, dass die Mehrheit der Bevölkerung es unterstützt, fähig ist, der Revolution in allen Krieg führenden Ländern zum Erfolg zu verhelfen und die Menschheit zu einem dauerhaften Frieden, zur Befreiung vom Joch des Kapitals zu führen.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 194, "Die ehrlichen Vaterlandsverteidiger heute".

 

 

 

22. April (5. Mai) 1917

Die große Bedeutung jeder Krise besteht darin, dass sie das Verborgene offenkundig macht, das Bedingte, Oberflächliche, Kleinliche bei Seite schiebt, den politischen Schutt wegräumt, die wahren Triedfedern des wirklich vor sich gehenden Klassenkampfes aufdeckt.

Nach der wissenschaftlich-klassenmäßigen Kennzeichnung [schwankte die] kleinbürgerliche Masse von den Kapitalisten hinweg zu den revolutionären Arbeitern hin. Eben dieses Schwanken oder diese Bewegung der Masse, die stark genug ist, alles zu entscheiden, hat die Krise verursacht.

Darauf hin begannen sofort nicht die mittleren, sondern die extremen Elemente, nicht die kleinbürgerlichen Zwischenschichten, sondern die Bourgeoisie und das Proletariat in Bewegung zu geraten, auf die Straße zu gehen und sich zu organisieren.

Die kleinbürgerlichen Führer des Sowjets, die Menschewiki und Volkstümler, die weder nach der Revolution überhaupt noch insbesondere in den Tagen der Krise eine parteimäßig klar bestimmte Linie gehabt haben, lassen sich einschüchtern.

Worin liegt das Wesen des Klassenkampfes ? Die Kapitalisten sind für die Verlängerung des Krieges, für die Verschleierung dieser Tatsache durch Phrasen und Versprechungern, sie haben sich in den Netzen des [...] Bankkapitals verstrickt. Das Proletariat, in Gestalt seiner klassenbewussten Vorhut [...] ist für die Entfaltung der proletarischen Weltrevolution. Es gibt keinen anderen Ausweg als die Weltrevolution.

Der ersten Krise werden andere folgen. Setzt alle Kräfte ein, um die Rückständigen aufzuklären, um überall kameradschaftlich, unmittelbar [...] mit jeder Gruppe der noch nicht sehend gewordenen werktätigen Schichten Verbindung aufzunehmen !

Die Krise lässt sich nicht durch Gewalttätigkeiten einzelner Personen gegen andere überwinden, nicht durch Teilaktionen kleiner Gruppen bewaffneter Leute, nicht durch blanquistische Versuche, "die Macht zu ergreifen", nicht durch die "Verhaftung" der Provisorischen Regierung.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 201 - 204 - "Die Lehren der Krise".

 

 

29. April 1917

Der Weltkrieg, das Produkt des Kampfes der Welttrusts und des Bankkapitals um die Herrschaft über den Weltmarkt, hat bereits zur massenhaften Zerstörung von materiellen Werten geführt, zur Erschöpfung der Produktivkräfte, zu einer solchen Ausdehnung der Kriegsindustrie, dass selbst die Herstellung des unbedingt notwendigen Minimums von Gebrauchsgütern und Produktionsmitteln sich als unmöglich erweist. Dergestalt hat dieser Krieg die Menschheit in eine ausweglose Lage und an den Rand des Abgrunds gebracht.

Die objektiven Voraussetzungen für die sozialistische Revolution, die zweifellos in den am stärksten entwickelten fortgeschrittenen Ländern schon vor dem Kriege gegeben waren, sind noch mehr herangereift und entwickeln sich infolge des Krieges mit rasender Schnelligkeit weiter. Die Verdrängung und der Ruin der Klein – und Mittelbetriebe wird noch mehr beschleunigt. Die Konzentration und Internationalisierung des Kapitals wächst ins Riesenhafte. Der monopolistische Kapitalismus verwandelt sich in staatsmonopolistischen Kapitalismus, eine Reihe von Ländern gehen unter dem Druck der Verhältnisse zur öffentlichen Regulierung der Produktion und der Verteilung über, einige von ihnen führen die allgemeine Arbeitspflicht ein.

Bei Aufrechterhaltung des Privateigentums an den Produktionsmitteln gehen alle diese Schritte in Richtung einer größeren Monopolisierung und größeren Verstaatlichung der Produktion unweigerlich Hand in Hand mit einer immer stärkeren Ausbeutung der werktätigen Massen, mit der Verstärkung der Unterdrückung, dem Erstarken der Reaktion und des Militärdespotismus, und zugleich führen sie unweigerlich zu einem ungeheuren Anwachsen der Profite der Großkapitalisten auf Kosten aller übrigen Bevölkerungsschichten, zur Versklavung der werktätigen Massen auf viele Jahrzehnte durch Tribute, die sie in Form von Milliardenzinsen für die Anleihen den Kapitalisten entrichten müssen. Die gleichen Bedingungen aber bieten bei Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, bei vollständigem Übergang der Staatsmacht in die Hände des Proletariatsdie Gewähr für eine erfolgreiche Umgestaltung der Gesellschaft, die die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufhebt und den Wohlstand aller wie jedes einzelnen sichert. (Seite 302 – 303)

Andererseits wird die Richtigkeit der Prophezeiung der Sozialisten der ganzen Welt, die gerade im Zusammenhang mit dem damals heran nahenden und heute wütenden imperialistischen Krieg im Basler Manifest von 1912 einstimmig die Unvermeidlichkeit der proletarischen Revolution verkündet haben, durch den Verlauf der Ereignisse vollauf bestätigt. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] ; (Seite 303)

Lenin, gesammelte Werke, Band 24, Seite 215 – 310; "(22) Resolution über die gegenwärtige Lage"

 

15. (2. Mai) 1917

Lange kann das nicht so weiter gehen. Bei einer solchen Lage der Dinge wird jeder Tag einen neuen "Zwischenfall" bringen und neue Komplikationen schaffen. Einen Wisch mit der Aufschrift: der Zwischenfall ist erledigt, kann man schreiben. Aber im lebendigen Leben werden diese Zwischenfälle nicht verschwinden. Und das aus dem einfachen Grunde, weil es sich keineswegs um "Zwischenfälle", Zufälligkeiten, Kleinigkeiten handelt. Es handelt sich um die äußeren Erscheinungsformen eine tief gehenden inneren Krise. Es handelt sich darum, dass die ganze Menschheit in eine Sackgasse geraten ist.

Ein Wechsel der Personen führt zu nichts, geändert werden muss die Politik. Es ist notwendig, dass eine andere Klasse an die Macht kommt. Einer Regierung der Arbeiter und Soldaten wird die ganze Welt Glauben schenken, denn jeder begreift, dass der Arbeiter und der arme Bauer niemanden ausplündern will. Nur das kann das Kriegsende beschleunigen, nur das kann uns helfen, die wirtschaftliche Zerrüttung zu überstehen.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 327 und 328, " 'Krise der Macht' "

 

 

 

19. (6. Mai) 1917

Die Krise ist sehr viel weiter fortgeschritten, als ihr euch es vorstellt. Das Land retten - und dabei nicht nur unser Land allein - , das kann nur die revolutionäre Klasse, indem sie revolutionäre Maßnahmen gegen das Kapital ergreift.

Die Krise ist so tief gehend, so weit verzweigt, so weltumspannend, ist so eng mit dem Kapital verknüpft, dass der Klassenkampf gegen das Kapital unvermeidlich die Form der politischen Herrschaft des Proletariats und der Halbproletarier annehmen muss. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 352 - 353 - "Klassenzusammenarbeit mit dem Kapital oder Klassenkampf gegen das Kapital ?"

 

 

14. (27. Mai) 1917

Der Herrschaft des Kapitalismus ein Ende zu machen wäre unmöglich, wenn nicht die ganze ökonomische Entwicklung der kapitalistischen Länder dazu führte. Der Krieg hat diesen Prozess beschleunigt, und das hat den Kapitalismus unmöglich gemacht. Keine Kraft könnte den Kapitalismus vernichten, wenn die Geschichte ihn nicht unterspült und untergraben hätte.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 416 - "Krieg und Revolution".

 

 

April - Mai 1917

Die außerordentlich hohe Entwicklungsstufe des Weltkapitalismus überhaupt, die Ablösung der freien Konkurrenz durch den monopolistischen Kapitalismus, die Entwicklung eines Apparats für die gesellschaftliche Regulierung des Produktionsprozesses und der Verteilung der Produkte durch die Banken sowie durch die Kapitalistenverbände, die mit dem Wachstum der kapitalistischen Monopole verbundene Teuerungen und die Zunahme des Drucks der Syndikate auf die Arbeiterklasse, die gewaltige Erschwerung ihres wirtschaftlichen und politischen Kampfes, die Schrecken, das Elend, der Ruin, die Verwilderung, die der imperialistische Krieg erzeugt - all das macht die jetzt erreichte Entwicklungsstufe des Kapitalismus zur Ära der proletarischen, sozialistischen Revolution. Diese Ära hat begonnen. Nur die proletarische, sozialistische Revolution vermag die Menschheit aus der Sackgasse herauszuführen, die der Imperialismus und die imperialistischen Kriege geschaffen haben.

Lenin, Werke, Band 24, Seite 459 - 460 - "Materialien zur Revision des Parteiprogramms".

 

 

25. Mai (7. Juni) 1917

1. Ein erfolgreicher Kampf gegen die Zerrüttung ist nur möglich, wenn das Volk äußerste Anstrengungen unternimmt und wenn sofort sowohl örtlich als auch im Zentrum der Staatsmacht eine Reihe revolutionärer Maßnahmen ergriffen wird.

2. Eine Rettung vor der Katastrophe ist weder auf bürokratischem Wege, d.h., durch die Schaffung von Institutionen, in denen Kapitalisten und Beamte überwiegen, möglich, noch wenn die Profite der Kapitalisten, ihre schrankenlose Macht in der Produktion, ihre Herrschaft über das Finanzkapital sowie das Geschäftsgeheimnis für ihre Bank -, Handels - und Industrieoperationen unangetastet bleiben. Das hat eine ganze Reihe von Teilerscheinungen der Krise in einzelnen Produktionszweigen mit absoluter Klarheit gezeigt.

3. Der Weg zur Rettung vor der Katastrophe geht nur über die Einführung einer wirklichen Arbeiterkontrolle über die Produktion und Verteilung der Produkte.

4. Die Arbeiterkontrolle [...] muss unverzüglich vermittels einer Reihe genau durchdachter und schrittweise, aber ohne jeden Aufschub zu verwirklichender Maßnahmen zu einer vollständigen Regulierung der Produktion und der Ve5rteilung der Produkte durch die Arbeiter weiter entwickelt werden.

5. Die Arbeiterkontrolle muss ebenso und mit den gleichen Befugnissen auf alle Finanz - und Bankoperationen ausgedehnt werden, wobei die gesamte Finanzlage klar zu stellen ist und siofort zu organisierende Sowjets und Kongresse der Angestellten der Banken, Syndikate usw. mitwirken sollen.

6. Die Rettung des Landes vor der Katastrophe erfordert, dass [...] die mit allen Machtbefugnissen ausgestatteten Insitutionen, sowohl die örtlichen wie die zentralen, nicht davor zurück schrecken werden, den größten Teil der Profite, der Einkommen und Vermögen der größten und großen Bank-, Finanz-, Handls - und Industriemagnaten der kapitalistischen Wirtschaft in die Hände des Volkes zu überführen. Ohne das in der Praxus zu verwirklichen, kann man weder fordern noch erwarten, dass wirklich revolutionäre Maßnahmen getroffen werden und die revolutionäre Energie der Arbeiter - und Bauernmassen wirklich aufgeboten wird.

7. Angesichsts der völligen Desorganisation des gesamten Finanzsystems und des gesamten Geldwesens, angesichts der Unmöglichkeit, es zu sanieren, solange der Krieg fort dauert, muss es das Ziel einer gesamtstaatlichen Organisation sein, im breiten Maße, zunächst im Gebietsmaßstab und dann im Maßstab des ganzen Landes, den Austausch von landwirtschaftlichen Geräten, Kleidung, Schuhwerk usw. gegen Getreide 7und andere landwirtschaftliche Produkte in die Wege zu leiten. Die städtischen und ländlichen Genossenschaften sind hierbei weitgehend heranzuziehen.

8. Einführung einer Arbeitermiliz, in der die Arbeiter nach ihrem achtstündigen Arbeitstag unentgeltlich Dienst leisten, die dann in eine allgemeine Volksmiliz umgewandelt werden soll, bei der die Dienstleistung der Arbeiter und Angestellten von den Kapitalisten bezahlt wird. Und nur eine solche Miliz kann und wird eine wirklich revolutionäre Disziplin einführen und die höchste Anspannung der Kräfte des ganzen Volkes zur Rettung vor der Katastrophe bewirken.

9. Eine der Hauptaufgaben unter den Maßnahmen zur Rettung des Landes vor der Katastrophe muss die Überführung einer großen Zahl von Arbeitskräften in die Kohlerindustrie, die Rohstoffindustrie und in das Verkehrswesen sein. Ebenso notwendig ist die allmähliche Überführung von Arbeitskräften aus den Munitionsbetrieben in Betriebe, die die für die Wiederherstellung der Wirtschaft erforderlichen Produkte erzeugen.

10. Eine planmäßige und erfolgreiche Durchführung ller erwähnten Maßnahmen ist nur möglich, wenn die gesamte Staatsmacht in die Hände der Proletarier und Halbproletarier übergeht.

Lenin, Band 24, Seite516 - 518, "Resolution über ökonomische Kampfmaßnahmen gegen die Zerrüttung".

 

 

10. - 14. September 1917

Diese wichtigsten Maßnahmen sind:

1. Vereinigung aller Banken zu einer einzigen Bank und staatliche Kontrolle über ihre Operationen oder Nationalisierung der Banken.

2. Nationalisierung der Syndikate, d.h., der größten, der monopolistischen Verbände der Kapitalisten (Zucker-, Erdöl-, Kohlen-, Hüttensyndikate usw.).

3. Aufhebung des Geschäftsgeheimnisses.

4. Zwangssyndizierung (d.h., Zwangsvereinigung in Verbänden) der Industriellen, Kaufleute und Unternehmer überhaupt).

5. Zwangsvereinigung der Bevölkerung in Konsumgenossenschaften oder Förderung einer solchen Vereinigung und Kontrolle über sie.

 

Nur der rückhaltlos konsequente Bruch mit den Kapitalisten in der Innen- wie in der Außenpolitik ist imstande, unsere Revolution und unser Land, das vom Imperialismus in eiserner Umklammerung gehalten wird, zu retten.

Die Revolution bewirkte, dass Russland in einigen Monaten seinem p o l i t i s c h e n System nach die fortgeschrittenen Länder eingeholt hat. Aber das ist zu wenig: entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder a u c h - ö k o n o m i s c h einholen und überholen. Das ist möglich, denn vor uns liegt die fertige Erfahrung einer großen Anzahl fortgeschrittener Länder, liegen die fertigen Resukltate ihrer Technik und Kultur. Wir finden eine moralische Stütze in dem wachsenden Protest gegen den Krieg in Europa, in der Atmosphäre der anwachsenden proletarischen Weltrevolution. Wir werden angespornt, angetrieben durch die während eines imperialistischen Krieges äußerst seltene revolutionär-demokratische Freiheit. Untergehen oder mit Volldampf vorwärts stürmen. So wird die Frage von der Geschichte gestellt.

Lenin, Werke, Band 25, Seite 337 - 338 und Seite 374 - 375, "Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll".

 

 

9. März 1918

Diese Epoche ist eine Epoche gigantischer Zusamnmenbrüche, massenhafter militärischer gewaltsamer Entscheidungen und Krisen.

Lenin, Werke, Band 27, Seite 118, "Siebenter Parteitag der KPR (B)"

 

 

5. Mai 1918

Kein ernster Politiker wird jemals sagen, wann dieser oder jener Zusammenbruch eines "Systems" "beginnen muss" (um so mehr als der Zusammenbruch des Systems bereits begonnen hat und es sich um den Zeitpunkt der Explosion in den einzelnen Ländern handelt).

Lenin, Werke, Band 27, Seite 118; Über "linke" Kinderei und über Kleinbürgerlichkeit.

 

 

15. und 16. Mai 1918

Die Widersprüche, die Konflikte, der Kampf, das erbitterte, in Krieg übergehende Ringen zwischen den imperialistischen Mächten, die in ihrer Politik keine Möglichkeit haben, diesem Krieg ein Ende zu machen, alles das hat infolge der ökonomischen Bedingungen, unter denen der Kapitalismus sich im Laufe einer ganzen Reihe von Jahrzehnten entwickelte, dazu geführt, dass die Imperialisten selber schon nicht mehr die Macht haben, diesem Krieg Einhalt zu gebieten. Eben das hat die grundlegenden Widersprüche hervor gerufen, hat die Lage verwirrt und kompliziert.

Infolge dieser Widersprüche ist es so gekommen, dass das allgemeine Bündnis der Imperialisten aller Länder, das dem öknomischen kapitalistischen Bündnis zu Grunde liegt, das Bündnis, das natürlich und unvermeidlich ist für die Verteidigung des Kapitals, das kein Vaterland kennt, in vielen großen, hervorragenden Episoden der Weltgeschichte bewiesen hat, dass es den Schutz seines Bündnisses, des Bundes der Kapitalisten aller Länder gegen die Werktätigen, höher stellt als die Interessen des Vaterlands, des Volkes und was immer sonst, dass dieses Bündnis nicht die treibende Kraft der Politik ist.

Selbstverständlich bleibt dieses Bündnis nach wie vor die grundlegende ökonomische Tendenz des kapitalistischen Systems, die sich zuletzt mit unwiderstehlicher Kraft geltend machen wird. Eine Ausnahme von dieser Grundtendenz des Kapitalismus ist es, dass der imperialistische Krieg die imperialistischen Mächte, die gegenwärtig die ganze Erde - man kann wohl sagen restlos - unter sich aufgeteilt haben, in Gruppen, in einander feindliche Gruppen, in feindliche Koalitionen gespalten hat. Diese Feindschaft, dieser Kampf, dieses Ringen auf Leben und Tod bedeutet unter bestimmten Bedingungen, dass das Bündnis der Imperialisten aller Länder hier unmöglich ist.

Lenin, Werke, Band 27, Seite 359 - 360; "Bericht über die Außenpolitik".

 

 

22. Mai 1918

Wir wissen, wie dünn die Schichten der fortgeschrittenen und klassenbewussten Arbeiter in Russland sind. Wir wissen auch, wie groß die Not des Volkes ist; wir wissen, wir werden dahin kommen, dass die breiten Massen begreifen, dass mit halben Maßnahmen aus der Lage nicht herauszukommen ist und dass es unmöglich ohne proletarische Umwälzung abgehen wird. Wir leben in einer Zeit, wo die Länder ruiniert und Millionen Menschen zum Untergang verurteilt und zur Kriegsfron gezwungen werden. Das eben ist die Umwälzung, die uns die Geschichte aufgezwungen hat, nicht durch den bösen Willen einzelner Personen, sondern weil das ganze kapitalistische System in seinen Grundfesten kracht und bricht.

Lenin, Werke, Band 27, Seite 398 - 360; Rede auf dem Kongress der Arbeitskommissare.

 

 

4. Juni 1918

Engels schrieb 1887, [dass] der europäische Krieg [...] eine unerhörte Vertierung, Verwilderung und Rückständigkeit ganz Europas nach sich ziehen wird, zugleich aber der Krieg entweder die Herrschaft der Arbeiterklasse nach sich ziehen oder die Bedingungen herstellen werde, die diese Herrschaft unvermeidlich machen. Der Mitbegründer des Marxismus drückte sich hier doppelt vorsichtig aus, denn er sah klar, dass es zum Zusammenbruch des Kapitalismus, zur Ausbreitung des Sozialismus führen wird, wenn die Geschichte diesen Weg einschlägt, dass man sich jedoch einen qualvolleren, schwereren Übergang, eine schlimmere Not, eine härtere, alle Produktivkräfte untergrabende Krise überhaupt nicht vorstellen kann. (Seite 420 - 421)

Der Hunger der Massen dient heute in allen imperialistischen Ländern als günstigster Nährboden für die Entwicklung tollster Spekulationen, für die Erraffung unerhörter Reichtümer aus Not und Hunger. (Seite 424)

Wenn die Revolution ausbricht, so geht es nicht so zu wie beim Tode eines einzelnen Menschen, wo die Leiche einfach hinaus getragen wird. Wenn die alte Gesellschaft zu Grunde geht, kann man ihren Leichnam nich in einem Sarg vernageln und ins Grab senken. Dieser Leichnam geht mitten unter uns in Verwesung über, er verfault und steckt uns selbst an. [...] und anders als unter den Bedingungen des verwesenden Kapitalismus und eines qualvollen Kampfes gegen ihn wird kein Land vom Kapitalsimus zum Sozialismus übergehen. (Seite 432)

Lenin, Werke, Band 27, Seite 420 - 432; Gemeinsame Sitzung des Gesamtrussischen ZEK.

 

 

27. Juni 1918

Die kapitalistische Gesellschaft, die darauf beruht, dass ein Häuflein von Kapitalisten, von Monopolisten den Grund und Boden, die Fabriken, Werke und Produktionszweige als Privateigentum usurpiert hat, wird sich in die sozialistische Gesellschaft verwandeln, die allein die Möglichkeit hat, dem Krieg ein Ende zu setzen, denn die "zivilisierte", die "kultivierte" kapitalistische Welt geht einem unerhörten Zusammenbruch entgegen, der geeignet ist, alle Grundlagen des Kulturlebens zu sprengen, und sie unvermeidlich zerstören wird. (460)

Der Kapitalismus hat zu einem so schweren und qualvollen Zusammenbruch geführt, dass es nunmehr allen absolut klar ist: ohne eine Reihe höchst schwerer und blutiger Revolutionen, von denen die russische Revolution nur die erste, nur der Anfang ist, kann der gegenwärtige Krieg nicht enden. Aus diesem Krieg gibt es keinen anderen Ausweg als die Revolution, als den Bürgerkrieg, als die Umwandlung des von den Kapitalisten um ihre Profite, um die Teilung der Beute, um die Unterwerfung der kleinen Länder geführten Kriege in den Krieg der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, in den einzigen Krieg, der in der Geschichte stets nicht nur die großen, sondern überhaupt alle einigermaßen bedeutenden Revolutionen begleitet, in den einzigen Krieg, der vom Standpunkt der Interessen der werktätigen, der unterdrückten, der ausgebeuteten Massen ganz allein ein legitimer und gerechter, ein heiliger Krieg ist. Ohne einen solchen Krieg ist aus der imperialistischen Sklaverei nicht herauszukommen. (463)

Die Imperialisten verurteilen die Arbeiterklasse zu Unbilden, zu Leiden und zum Aussterben. Wir [...] müssen [...] den Werktätigen auseinandersetzen, dass das Unheil [...] ein internationales Unheil ist, dass es aus ihm keinen anderen Ausweg gibt als die internationale Revolution (464)

Lenin, Werke, Band 27, Seite 460 - 464, "IV. Konferenz der Gewerkschaften und der Betriebskomitees Moskaus"

 

 

29. Juni 1918

Ein Bürgerkrieg, die notwendige Bedingung und Begleiterscheinung der sozialistischen Revolution, ist ohne Zerrüttung unmöglich. Der Revolution, dem Sozialismus "aus Anlass" der Zerrüttung abschwören heißt lediglich seine Prinzipienlosigkeit offenbaren und praktisch auf die Seite der Bourgeoisie übergehen. (497)

Marx und Engels, die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, sprachen stets von langen Geburtswehen, die unvermeidlich mit dem Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus verbunden sind. (498) Schwere Geburten vergrößern um ein Vielfaches die Gefahr einer tödlichen Erkrankung oder eines tödlichen Ausgangs. Aber wenn es vorkommt, dass Menschen bei der Geburt sterben, die neue Gesellschaft, wie sie von der alten Gesellschaft geboren wird, kann nicht sterben, ihre Geburt gestaltet sich nur qualvoller und langwieriger, ihr Wachstum und ihre Entwicklung vollziehen sich langsamer. (499)

Wir haben ein Recht, stolz zu sein und uns glücklich zu schätzen, dass es uns als Erste beschieden war, in einem Winkel des Erdballs den Kapitalismus zur Strecke zu bringen, diese wilde Bestie, die die Erde mit Blut überschwemmt hat, die die Menschheit zum Hunger und zur Verwilderung getrieben hat und die unweigerlich und bald sterben wird, wie ungeheuer bestialisch die Erscheinungsformen der Raserei vor ihrem Tode auch sein mögen (500)

Lenin, Werke, Band 27, Seite 497 - 500, "Prophetische Worte"

 

 

9. August 1918

In ihrem Kampf auf Leben und Tod sind diese Räuber an den Rand des Abgrunds gelangt. Sie sind schon nicht mehr imstande, dem Krieg, der die Völker unvermeidlich zur Revolution treibt, Einhalt zu gebieten.

Die russische Revolution hat ihre Funken über alle Länder der Welt gesprüht und den unersättlichen Imperialismus noch näher an den Rand des Abgrunds gebracht.

Genossen, unsere Lage ist sehr schwer, doch müssen wir alles überwinden und das Banner der sozialistischen Revolution, das wir entrollt haben, fest in unseren Händen hallten.

Die Arbeiter aller Länder blicken hoffnungsvoll auf uns. Ihr hört ihre Stimmen: Haltet euch noch ein wenig, sagen sie. Ihr seid von Feinden umringt, doch wir kommen euch zu Hilfe, und mit vereinten Kräften werden wir die imperialistischen Räuber schließlich in den Abgrund stoßen.

Wir hören diese Stimmen und geloben: Wir werden durchhalten, wir werden auf unserem Posten mit aller Kraft kämpfen, und nie werden wir vor der angreifenden internationalen Konterrevolution die Waffen strecken !

Lenin, Werke, Band 28, Seite 38 - 39 - Rede auf einer Kundgebung im Sokolniki-Stadtbezirk

 

 

20. August 1918

Und dennoch sind wir fest davon überzeugt, dass wir unbesiegbar sind, denn die Menschheit wird durch das imperialistische Gemetzel nicht gebrochen werden, sondern sie wird es überwinden. Und das erste Land, dass die Zwangsketten des imperialistischen Krieges zerrissen hat, war unser Land. Wir haben die schwersten Opfer gebracht, um diese Ketten zu sprengen, und wir haben sie gesprengt . Wir stehen außerhalb der imperialistischen Abhängigkeitsverhältnisse, wir haben vor der ganzen Welt das Banner des Kampfes für den völligen Sturz des Imperialismus entrollt.

Wir befinden uns gleichsam in einer belagerten Festung, solange uns nicht andere Abteilungen der internationalen sozialistischen Revolution zur Hilfe kommen. Aber diese Abteilungen sind vorhanden , sie sind zahlreicher als die unsrigen; sie wachsen, reifen heran und erstarken, je länger die Bestialitäten des Imperialismus fortdauern. Die Arbeiter brechen mit ihren Sozialverrätern, mit den Gompers, Henderson, Renaudel, Scheidemann, Renner. Langsam, aber unentwegt, kommen die Arbeiter zur kommunistischen, bolschewistischen Taktik, zur proletarischen Revolution, die allein imstande ist, die Kultur, die Menschheit vor dem Untergang zu retten.

Mit einem Wort, wir sind unbesiegbar, denn unbesiegbar ist die proletarische Weltrevolution.

Lenin, Werke, Band 28, Seite 62, - Brief an die amerikanischen Arbeiter.

 

 

28. August 1918

Wir leben in einem der kritischsten, wichtigsten und interessantesten Zeitabschnitte der Geschichte - in einer Zeit, da die sozialistische Weltrevolution begonnen hat.

Duie russische Reviolution hat gezeigt, dass der Krieg unvermeidlich zum Zerfall der ganzen kapitalistischen Gesellschaft führt, dass er sich in einen Krieg der Werktätigen gegen die Ausbeuter verwandelt. Darin liegt die Bedeutung der russischen Revolution.

Lenin, Werke, Band 28, Seite 72, Rede auf dem I. Gesamtrussischen Kongress für Bildungswesen.

 

 

 

17. April 1919

Konnte man darauf rechnen, allein durch Anwendung von Gewalt den Weltimperialismus zu stürzen, ohne entsprechende Entwicklung des Proletariats in diesen imperialistiswchen Ländern ?

Wenn man die Frage so stellt - und wir haben als Marxisten immer gelehrt, dass sie so und nur so gestellt werden muss - so ist klar, dass die Anwendung der Gewaltpolitik hier eine vollkommene Albernheit und Sinnlosigkeit gewesen wäre. Während wir das Fundament der wahrhaft sozialistischen Roten Armee legten, währenddessen wurde der Imperialismus der anderen Länder durch innere Zersetzung, durch den anwachsenden Protest untergraben und entkräftet. (44)

Unter dem alten Kapitalismus kann man aus dieser Welt nicht herauskommen, weil sich eine solche Lawine kapitalistischer Schulden angesammelt hat, eine solche Unmenge von Bankrotten in der ganzen kapitalistischen Welt zu verzeichnen ist, die der Krieg verursachte, dass man nicht heraus kommen kann, ohne die Lawine selbst abzuwerfen. (45)

Mich hat besonders die Einschätzung der Lage überrascht, die der Amerikaner vom Standpunkt eines Geschäftsmann gab, der fragt: wird man zahlen oder nicht zahlen ? Wobei er antwortet:"Es ist nichts da, womit man zahlen könnte!" (45 -46)

Und ich glaube, dass es nicht nutzlos ist, sich diese Politik nochmals zu vergegenwärtigen, jetzt, wo die Lage in Bezug auf die Ententeländer einen ähnlichen Charakter annimmt, wo sie alle von dem wilden Verlangen beseelt sind, ihre Schulden, ihr Elend, ihren Ruin auf Russland abzuwälzen, Russland auszurauben und zu erdrosseln, um die wachsende Empörung ihrer werktätigen Massen von sich abzulenken. (46)

Betrachtet man die Dinge nüchtern, so muss man erkennen, dass die Art der Einschätzung der Dinge, die bei der Wertung der russischen Revolution einen so richtigen Maßstab abgegeben hat, mit jedem Tage auch die Gewissheit vom Kommen der Weltrevolution festigt. (47)

Lenin, Werke, Band 29, Seite 44, 45, 46, 47, - "Erfolge und Schwierigkeiten der Sowjetmacht".

 

 

 

März 1919

Um die Ursachen, die Bedeutung und Ziele dieser Revolution richtig zu verstehen, ist es erforderlich, erstens das Wesen, die eigentliche Natur des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaft, die Unvermeidlichkeit ihrer Entwicklung zum Kommunismus klarzustellen und zweitens die Natur des Imperialismus und der imperialistischen Kriege, die den Zusammenbruch des Kapitalismus beschleunigt und die proletarische Revolution auf die Tagesordnung gesetzt haben

Eine solche Lage der Dinge innerhalb der bürgerlichen Länder und ihre sich ständig verschärfende Konkurrenz auf dem Weltmarkt gestalten den Absatz der Waren, die in stets wachsenden Mengen erzeugt werden, immer schwieriger und schwieriger. Die Überproduktion, die sich in mehr oder minder akuten industriellen Krisen äußert, denen mehr oder minder lange Perioden industrieller Stagnation folgen, ist die unvermeidliche Folge der Entwicklung der Produktivkräfte in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Krisen und die Periode industrieller Stagnation ruinieren ihrerseits die Kleinproduzenten noch mehr, vergrößern noch mehr die Abhängigkeit der Lohnarbeit vom Kapital, führen noch rascher zur relativen und mitunter auch zur absoluten Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse.

Die Vervollkommnung der Technik, die eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und eine Zunahme des gesellschaftlichen Reichtums bedeutet, bedingt somit in der bürgerlichen Gesellschaft ein Anwachsen der sozialen Ungleichheit, eine Vegrößerung des Abstands zwischen Besitzenden und Besitzlosen und eine Zunahme der Unsicherheit der Existenz, der Arbeitslosigkeit und der Entbehrungen aller Art für immer breitere Schichten der werktätigen Massen.

Aber in dem Maße, wie alle diese, der bürgerlichen Gesellschaft eigenen Widersprüche wachsen und sich entwickeln, wächst auch die Unzufriedenheit der werktätigen und ausgebeuteten Masse mit den bestehenden Zuständen, wächst die Zahl und die Geschlossenheit der Proletarier und verschärft sich ihr Kampf gegen ihre Ausbeuter. Zugleich schafft die Vervollkommnung der Technik, indem sie die Produktions- und Zirkulationsmittel konzentriert und den Arbeitsprozess in den kapitalistischen Betrieben vergesellschaftet immer rascher die materielle Möglichkeit der Ersetzung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse [ man denke heute an die Globalisierung dieser kapitalistischen Produktionsverhältnisse !! - Anmerkung der Komintern (SH) ], durch kommunistische, d.h., jener sozialen Revolution, die das Endziel der gesamten Tätigkeit der internationalen [ hervorgehoben von der Komintern SH ] Kommunistischen Partei als der bewussten Trägerin der Klassenbewegung des Proletariats ist.

Die außerordentlich hohe Entwicklungsstufe des Weltkapitalismus überhaupt, die Ablösung der freien Konkurrenz durch den monopolistischen Kapitalismus, die Entwicklung eines Apparats für die gesellschaftliche Regulierung des Produktionsprozesses und der Verteilung der Produkte durch die Banken sowie durch die Kapitalistenverbände, die mit dem Wachstum der kapitalistischen Monopole verbundene Teuerung und die Zunahme des Drucks der Syndikate auf die Arbeiterklasse, die gewaltige Erschwerung ihres wirtschaftlichen und politischen Kampfes, die Schrecken, das Elend, der Ruin, die Verwilderung, die der imperialistische Krieg erzeugt – alles das macht die jetzt erreichte Entwicklungsstufe des Kapitalismus zur Ära der proletarischen, sozialistischen Revolution. Diese Ära hat begonnen.

Nur die proletarische, sozialistische Revolution vermag die Menschheit aus der Sackgasse herauszuführen, die der Imperialismus und die imperialistischen Kriege geschaffen haben [ hervorgehoben von der Komintern SH ] .. Wie groß auch immer die Schwierigkeiten der Revolution, ihre eventuellen zeitweiligen Misserfolge oder die Wellen der Konterrevolution sein mögen, der endgültige Sieg des Proletariats ist unausbleiblich.

Lenin, Band 29, Seite 83 – 124, Entwurf des Programms der KPR (B).

 

 

20. Juli 1919

Der gigantische Fortschritt der Technik im Allgemeinen, des Verkehrswesens im Besonderen, das kolossale Wachstum des Kapitals und der Banken haben bewirkt, dass der Kapitalismus reif und überreif geworden ist. Er hat sich überlebt. Er ist zu einem ganz und gar reaktionären Hemmschuh der menschlichen Entwicklung geworden.

Der Zusammenbruch des Kapitalismus ist unvermeidlich.

Die Kapitalisten, die Bourgeoisie, können im für sie "besten" Fall den Sieg des Sozialismus in diesem oder jenem einzelnen Land um den Preis der Vernichtung von weiteren Hunderttausenden Arbeitern und Bauern hinauszögern. Aber retten können sie den Kapitalismus nicht.

Lenin, Werke, Band 29, Seite 510, Antwort auf Fragen eines amerikanischen Journalisten.

 

 

 

5. Dezember 1919

Es gibt zwei Kräfte auf der Welt, die das Schicksal der menschheit bestimmen können. Die eine Kraft ist der internationale Kapitalismus, der, wenn er siegt, seine Macht in unerhörten Bestialitäten bestäigt; das zeigt die Entwicklungsgeschichte jeder kleinen Nation. Die andere Kraft ist das internationale Proletariat, das mit Hilfe der proletarischen Diktatur, die es Demokratie der Arbeiter nennt, für die sozialistische Revolution kämpft.

Entweder trägt das bestialische Kapital den Sieg davon, und dann wird es - sei es auch in einer noch so demokratischen Republik - allen kleinen Völkern der Welt die Kehle zuschnüren, oder es siegt die Diktatur des Proletariats, und das ist die einzige Hoffnung aller Werktätigen und aller kleinen, unterdrückten, schwachen Völker.

Lenin, Werke, Band 30, Seite 204 und 204, VII. Gesamtrussischer Sowjetkongress.

 

 

29. März 1920

Die Unbeugsamkeit und Kampfgestähltheit des Proletariats in unserem Land kommt aber eben darin zum Ausdruck, dass es sich selbst und anderen gesagt und durch die Tat bewiesen hat: eher gehen wir bis auf den letzten Mann zu Grunde, als dass wir unser Territorium presigeben und unser Prinzip verraten, das Prinzip der Disziplin und einer geschlossenen Politik, für die wir jedes Opfer bringen müssen. Zur Zeit des Zerfalls der kapitalistischen Länder, der kapitalistischen Klasse, zu einer Zeit, da Verzweiflung bei ihnen herrscht und sie sich in der Krise befinden, entscheidet allein dieser politische Faktor. Ausschlaggebend sind hier das Klassenbewusstsein und die Standhaftigkeit der Arbeiterklasse. Ist die Arbeiterklasse bereit zur Selbstaufopferung, hat sie bewiesen, dass sie alle ihre Kräfte anzuspannen vermag, so entscheidet das die Aufgabe.

Lenin, Werke, Band 30, Seite 446, IX. Parteitag der KPR(B).

 

 

 

27. April 1920

Denn auf allen diesen Gebieten des öffentlichen Lebens häuft sich in der Epoche des Imperialismus überhaupt und jetzt, nach dem Kriege,, der die Völker völlig erschöpft hat und ihnen rasch die Augen für die Wahrheit öffnet [...], besonders viel Zündstoff an und entstehen besonders viel Anlässe zu Konflikten, zu Krisen und zur Verschärfung des Klassenkampfes. Wir wissen nicht und können nicht wissen, welcher Funke - aus der Unmenge von Funken, die jetzt in allen Ländern unter dem Einfluss der ökonomischen und politischen Weltkrise umher stieben - imstande sein wird, den Brand in dem Sinne zu entfachen, dass die Massen besonders stark aufgerüttelt werden, und wir sind daher verpflichtet, mit unseren neuen, den kommunistischen Grundsätzen an die "Bearbeitung" all und jedes, sogar des ältesten, muffigsten und anscheinend hoffnungslosen Gebiet zu gehen, denn sonst werden wir nicht auf der Höhe der Aufgabe stehen, werden wir nicht allseitig sein, werden wir nicht alle Waffengattungen beherrschen, werden wir weder zum Sieg über die Bourgeoisie ( die alle Gebiete des öffentlichen Lebens auf bürgerliche Art organisiert, jetzt aber auch desorganisiert hat) noch zur bevor stehenden kommunistischen Reorganisation des gesamten Lebens nach diesem Sieg gerüstet sein. Nach der proletarischen Revolution in Russland und den, für die Bourgeoisie und die Philister, unerwarteten Siegen dieser Revolution im internationalen Maßstab ist die ganze Welt jetzt eine andere geworden, ist auch die Bourgeoisie überall eine andere geworden.

Lenin, Band 31, Seite 86 - 87, Der "linke Radikalismus", die Kinderkrankheit im Kommunismus.

 

 

 

19. Juli - 7. August 1920

Das Ergebnis dieses Krieges ist eine ungeheure Verschärfung aller kapitalistischen Gegensätze. Der Krieg hat mit einem Schlag etwa eine viertel Milliarde Bewohner der Erde in eine Lage zurück geworfen, die der einer Kolonialbevölkerung entspricht. (205)

Und selbstverständlich, Genossen, ist auf Grund dieser Teilung der Bevölkerung des ganzen Erdballs die Ausbeutung durch das Finanzkapital, durch die kapitalistischen Monopole um ein Vielfaches gestiegen. (206)

Vor dem Krieg war Amerika Schuldner, jetzt ist es nur noch Gläugiger. Alle übrigen Mächte der Welt sind verschuldet. England ist bereits zur Hälfte Schuldner geworden. Es handelt sich natürlich nicht nur, ja überhaupt nicht darum, dass die russische Regierung die Schulden nicht bezahlen will. Keine Regierung wäre imstande, sie zu bezahlen, denn diese Schulden sind Wucherzinsen für das, was schon zwanzig Mal bezahlt worden ist. Aber uns machen diese Schulden keine Sorgen, denn wir haben alle Schulden annulliert (Stürmischer Beifall). (208)

Der oberste Wirtschaftsrat, eine Körperschaft, welche die bürgerliche Ordnung der ganzen Welt vor der wachsenden Revolution schützen soll, hat am 8. März dieses Jahres eine Entschließung gefasst, die mit der Aufforderung zu Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit schließt, natürlich unter der Voraussetzung, dass die Arbeiter Sklaven des Kapitals bleiben.

Es ist klar, dass bei einer solchen Sachlage das Anwachsen der Empörung unter den Arbeitern, das Anwachsen revolutionärer Stimmungen und Ideen, das Anwachsen elementarer Massenstreiks unvermeidlich ist. Denn die Lage der Arbeiter wird unerträglich. Die Arbeiter überzeugen sich auf Grund bitterer Erfahrung, dass die Kapitalisten sich am Krieg maßlos bereichert haben, dass sie aber die Ausgaben und Schulden auf die Arbeiter abwälzen. (209)

Gegen dieses Missverhältnis der Preise können die Kapitalisten nichts tun, die Arbeiter aber können mit dem alten Arbeitslohn nicht leben. Gegen diese Kalamität ist mit der alten Methode nichts auszurichten. Keine einzelnen Streiks, kein parlamentarischer Kampf, keine Abstimmung können hier etwas erreichen, denn das "Privateigentum ist heilig", und die Kapitalisten haben so viel Schulden angehäuft, dass die ganze Welt einem Häuflein Menschen hörig ist. Dabei werden die Lebensbedingungen der Arbeiter immer unerträglicher. Es gibt keinen anderen Ausweg als die Abschaffung des "Privateigentums" der Ausbeuter.

Der Gewinn der Banken beträgt mindestens 40 - 50 Prozent, wobei die Bankiers den Löwenanteil des Gewinns verheimlichen.

Das Geld entwertet sich überall in Folge der Schulden, der Emission von Papiergeld usw. (210)

Diese Tatsache zeigt, dass der "Mechanismus" der kapitalistischen Weltwirtschaft völlig zerfällt. Die Handelsbeziehungen, auf denen unter dem Kapitalismus die Zufuhr von Rohstoffen und der Absatz von Produkten beruhen, können nicht mehr aufrecht erhalten werden. Und zwar können sie deshalb nicht aufrecht erhalten werden, weil in Folge der Veränderung des Geldwerts eine ganze Reihe von Ländern einem einzigen Land untergeordnet ist. Kein einziges Land, auch nicht das reichste, hat die Möglichkeit zu existieren und Handel zu treiben, weil es seine Produkte nicht verkaufen und keine Rohstoffe erhalten kann. So kommt es, dass ausgerechnet Amerika, das reichste Land, dem alle Länder unterworfen sind, weder kaufen noch verkaufen kann. (211)

Wenn einerseits die wirtschaftliche Lage der Massen unerträglich geworden ist und andererseits auch unter der kleinen Minderheit der allmächtigen Siegerländer der Zerfall begonnen hat und immer weiter fort schreitet, [...], dann sehen wir deutlich, dass die beiden Bedingungen für die Weltrevolution heranreifen. (213)

Wir sehen einen völligen Zerfall unter den Spitzen dieses Häufleins reichster Länder. Für 1 1/4 Milliarde Menschen ist es unmöglich, in der Sklaverei zu leben, die ihnen der "fortgeschrittene" und zivilisierte Kapitalismus aufzwingen will, und das sind immerhin 70 % der Bevölkerung des Erdballs. (214)

Daraus ergibt sich die Weltkrise. Und diese ökonomischen Wurzeln der Krise sind der Hauptgrund dafür, warum die Kommunistische Internationale so glänzende Erfolge erringt.

Genossen ! Wir kommen jetzt zur Frage der revolutionären Krise als der Grundlage unseres revolutionären Handelns. Hier müssen wir vor Allem zwei verbreitete Irrtümer hervorheben. Einerseits stellen die bürgerlichen Volkswirtschaftler diese Krise als eine einfach "Störung" hin, wie der elegante Ausdruck der Engländer lautet. Andererseits versuchen Revolutionäre zuweilen den Beweis zu führen, dass es absolut keinen Ausweg aus der Krise gebe.

Das ist ein Irrtum. Absolut ausweglose Lagen gibt es nicht. Die Bourgeoisie benimmt sich wie ein frech gewordener Räuber, der den Kopf verloren hat, sie macht eine Dummheit nach der anderen, verschärft die Lage und beschleunigt den eigenen Untergang. Das ist alles richtig. Aber man kann nicht "beweisen", dass es für die Bourgeoisie absolut keine Möglichkeit gibt, irgendeine Minderheit der Ausgebeuteten durch irgendwelche kleinen Zugeständnisse einzulullen, irgendeine Bewegung oder einen Aufstand irgendeines Teils der Unterdrückten und Ausgebeuteten nieder zu schlagen. Wollte man von vorn herein versuchen, die "absolute" Ausweglosigkeit zu "beweisen", so wäre das leere Pedanterie oder ein Spiel mit Begriffen und Worten. Ein wirklicher "Beweis" in dieser und in ähnlichen Fragen kann nur die Praxis sein. Die bürgerliche Ordnung der ganzen Welt macht eine ungeheure revolutionäre Krise durch. Wir müssen jetzt durch die Praxis der revolutionären Parteien "beweisen", dass sie genügend Bewusstheit, Organisiertheit, Verbindung mit den ausgebeuteten Massen, Entschlossenheit und Fähigkeit besitzen, um diese Krise für eine erfolgreiche, für eine siegreiche Revolution auszunutzen. (215)

Lenin, Werke, Band 31, Seite 205 - 215, II. Kongress der Kommunistischen Internationale.

 

 

 

6. Juli 1920

Auf dem Boden des durch den Krieg hervorgerufenen Ruins in der ganzen Welt erwächst somit die weltweite revolutionäre Krise, die, welch lange und schwere Wandlungen sie auch durchmachen mag, nicht anders enden kann als mit der proletarischen Revolution und deren Sieg.

Die Strömungen des Pazifismus und des "Demokratismus" [...] , die genauso wir Kautsky und Co. die Tiefe der Widersprüche des Imperialismus und die Unvermeidlichkeit der durch ihn erzeugten revolutionären Krise vertuschen, [sind] in der ganzen Welt noch außerordentlich stark verbreitet. Und der Kampf gegen diese Strömungen ist Pflicht der Partei des Proletariats.

Lenin, Werke, Band 22, Seite 196 und 197 - "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus"-Vorwort zur französischen und deutschen Ausgabe.

 

 

vor 19. Juli 1920

Es ist notwendig, noch für den II. Kongress der III. Internationale Thesen über die internationale ökonomische und politische Lage zu schreiben.

Kann man nicht Lapinski oder noch irgend jemanden beauftragen, einen ersten Entwurf zu verfassen, und zwar ungefähr nach folgendem Plan dieser Thesen [ 1 ]:

1. Die Aufteilung der ganzen Welt (sowohl im Sinne der Einflussspären des Bank - und Finanzkapitals als auch im Sinne der internationalen Syndikate und Kartelle sowie im Sinne der Eroberung von Kolonien und Halbkolonien) ist die grundlegende Tatsache des Imperialismus, der Ökonomie des 20. Jahrhunderts.

2. Daher sind imperialistische Kriege im Allgemeinen und der erste imperialistische Krieg 1914 - 1918 im Besonderen unvermeidlich.

3. Ergebnisse dieses Krieges:

a) Verminderung der Zahl der Weltmächte, Vergrößerung der Zahl der schwachen, abhängigen Staaten, die ausgeplündert und zerstückelt werden;

b) kolossale Verschärfung aller kapitalistischen Gegensätze sowohl innerhalb aller kapitalistischen Länder als auch zwischen den Ländern;

c) insbesondere Verschärfung der beiden Pole des Kapitalismus im Weltmaßstab:

Vergrößerung des Luxus einer verschwindend kleinen Zahl von Kapitalmagnaten;

Vergrößerung der Not, der Armut, der Verelendung, des Hungers, der Arbeitslosigkeit, der äußersten Existenzunsicherheit;

d) Verstärkung des Militarismus, verstärkte und beschleunigte Viorbereitung zu neuen imperialistischen Kriegen, die ökonomisch unvermeidlich sind; Vergrößerung der Zahl der Kriege in der ganzen Welt, und zwar besonders revolutionärer Kriege;

e) völliger Zusammenburch des Völkerbundes, Entlarvung seiner Lüge; Zusammenbruch des "Wilsonismus". Zusammenbruch der bürgerlichen Demokratie.

4. Erläuterung, ganz kurz, an Hand einer Charakterisierung (vgl. das Referat von P. Levi vom 14. IV. 1920):

Englands und Amerikas

Frankreichs

Japans

der übrigen, der neutralen Länder Europas und Amerikas

der besiegten Länder (in erster Linie Russlands und Deutschlands)

der Kolonien

der Halbkolonien (Persien, Türkei, China).

5. Rohstoffe - ihre Erschöpfung

Industrie - ihre Schwächung (Brennstoff usw.)

Währungen - ihr Zusammenbruch. Schulden, Geldentwertung.

"Morschwerden", Zerfall des gesamten Systems der Weltwirtschaft.

6. Ergebnis _ revolutionäre Weltkrise. Kommunistische Bewegung und Sowjetmacht.

 

[ 1 ]

Anmerkung: Der in diesem Brief dargelegte Thesenplan lag dem Referat zu Grunde, das Lenin auf dem II. Kongress der Komintern (19. Juli - 7. August 1920 in Moskau) über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Kommunistischen Internationale hielot. (Siehe Gesammelte Werke, Band 31, Seite 203 - 222).

Lenin, Werke, Band 35, Seite 426 - 427, Brief an das Executivkomitee der Komintern.

 

 

6. Dezember 1920

In der Tat treten wir jetzt nicht nur als Vertreter der Proletarier aller Länder auf, sondern auch als Vertreter der unterdrückten Völker.

Im Dekret über die Konzessionen treten wir im Namen der ganzen Menschheit auf mit einem ökonomisch unanfechtbaren Programm für die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Kräfte der Welt auf der Grundlage der Verwertung sämtlicher Rohstoffe, wo sie auch sein mögen. Uns kommt es darauf an, dass nirgends Hunger herrscht. Ihr Kapitalisten könnt den Hunger nicht beseitigen, wir aber können es. Wir treten als Vertreter von 70 % der Erdbevölkerung auf. Was auch aus dem Entwurf werden mag, er bleibt ökonomisch unanfechtbar. Die wirtschaftliche Seite der Konzessionen behält ihre Bedeutung, ganz einerlei, ob sie abgeschlossen werden oder nicht.

Lenin, Werke, Band 31, Seite 449, Rede in der Aktivversammlung der Moskauer Organisation der KPR (B).

 

 

22. - 29. Dezember 1920

Und nun schlagen wir allen Völkern vor, darunter auch den Völkern der kapitalistischen Länder, die Wiederherstellung der Volkswirtschaft und die Rettung aller Völker von der Hungersnot zum Eckstein der Politik zu machen. Wenn die Kapitalisten das nicht begreifen, so ist das ein Beweis dafür, wie verfault, wahnwitzig und verbrecherisch die kapitalistische Ordnung ist. Das wird nicht allein propagandistische Bedeutung haben, das wird ein kommunistischer Aufruf zur Revolution sein, denn es zeigt mit einer Bestimmtheit, die sich dem Bewusstsein aller Völker immer stärker einprägt, dass der Kapitalismus zusammenbricht, dass er die Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Eine winzige Minderheit imperialistischer Länder bereichert sich, während eine ganze Reihe anderer Länder direkt am Rande des Untergangs steht. Die Weltwirtschaft bedarf einer Reorganisation. Und die Sowjetrepublik legt einen Reorganisierungsplan vor, sie macht einen durchaus sachlichen, unanfechtbaren, durchführbaren Vorschlag: "Ihr sterbt Hungers unter dem Kapitalismus, trotz des ungeheuren und technischen Reichtums. Wir haben die Möglichkeit, der Krise ein Ende zu setzen, indem wir eure Technik mit unserem Rohstoff verbinden, aber die Kapitalisten stehen im Wege. Wir schlagen ihnen vor, das zu tun, sie aber bremsen und sabotieren."

Lenin, Werke, Band 31, Seite 478 - 479, VIII. Gesamtrussischer Sowjetkongress.

 

 

23. Dezember 1921

Und je weiter der Ktrieg in die Vergangenheit rückt, um so klarer wird nicht nur den Werktätigen, sonden in sehr, sehr hohem Grade auch der Bourgeoisie der Siegerländer, dass sich der Kapitalismus zersetzt, dass die Wirtschaftskrise in der ganzen Welt eine unerträgliche Lage geschaffen hat und dass es trotz aller errungenen Siege keinen Ausweg gibt. Das ist der Grund, warum wir, obwohl wir sowohl ökonomisch als auch politisch und militärisch unermesslich schwächer sind als alle anderen Staaten, zugleich stärker sind als sie, weil wir alles erkennen und richtig beurteilen, was heraus kommt und heraus kommen muss bei diesem imperialistischen Wirrwarr, diesem blutigen Knäuel und jenen Widersprüchen (man nehme nur den Widerspruch in der Währungsfrage, von den anderen will ich gar nicht sprechen), in die sie sich verwickelt haben und immer tiefer verwickeln, ohne einen Ausweg zu sehen.

Lenin, Werke, Band 33, Seite 128, IX. Gesamtrussischer Sowjetkongress.

 

 

2. Mai 1922

Die Hauptursache für die enorme Beschleunigung der internationalen Entwicklung liegt darin, dass neue Hunderte und aber Hunderte Millionen Menschen in diese Entwicklung einbezogen wurden. Das alte bürgerliche und imperialistische Europa, das daran gewöhnt ist, sich für den Nabel der Welt zu halten, ist verfault und im ersten imperialistischen Gemetzel wie ein stinkendes Geschwür geplatzt. So ist dieser Niedergang des alten Europas doch nur eine Episode in der Geschichte des Untergangs der Weltbourgeoisie, die sich bei der imperialistischen Ausplünderung und Unterdrückung der Mehrheit der Erdbevölkerung überfressen hat.

Diese Mehrheit ist jetzt erwacht und in eine solche Bewegung geraten, dass auch die stärksten und "gewaltigsten" Mächte nicht imstande sind, sie aufzuhalten.

Lenin, Werke, Band 33, Seite 335 - 336, Zum zehnjährigen Jubiläum der "Prawda".

 

 

 

 

 

 

 

 

B. ÖKONOMISCHE KRISE