Enver Hoxha

REDE AUF DEM ERSTEN KONGRESS DER ANTIFASCHISTISCHEN FRAUEN ALBANIENS -1944

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



REDE

AUF DEM ERSTEN KONGRESS DER

ANTIFASCHISTISCHEN FRAUEN ALBANIENS


November 1944

Zum ersten Mal veröffentlicht in der Broschüre:
Rede auf dem I. Kongress des VAFA",

Ausgabe der Druckerei „Bashkimi", Tirana, 1945

 

Dieser Kongress tagte vom 9. bis 8. November 1944 in Berat. Am Kongress nahmen Delegierte aus allen Bezirken Albaniens und allen Einheiten der Nationalen Befreiungsarmee teil.





Liebe Genossinnen Delegierte der Antifaschistischen Frauen Albaniens,

im Namen der Demokratischen Regierung Albaniens und des Generalstabs begrüße ich aus ganzem Herzen die Vertreterinnen der Antifaschistischen Frauen unseres Landes, die sich zu diesem Kongress von historischer Bedeutung versammelt haben.

Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Volkes nimmt die albanische Frau in glänzender Weise am militärischen und politischen Leben unseres Landes teil; dieses heilige Recht errang sie durch das Blut ihrer Heldinnen, die auf dem Felde der Ehre Schulter an Schulter mit ihren Brüdern für die Befreiung Albaniens und gleichzeitig für die Befreiung der albanischen Frau fielen.

In diesem blutigen antifaschistischen Befreiungskampf erkannte die albanische Frau die Gefahr, die unser Vaterland und sie selbst bedrohte. Daher zerbrach sie mit beispiellosem Heroismus die Ketten der alten Vorurteile und, dem Beispiel der antifaschistischen Frauen der fortschrittlichen Völker folgend, fasste sie den stolzen Entschluss,„lieber stehend sterben als kniend leben".

In den für unser Land schwierigsten Augenblicken, in den kritischsten Momenten zu Beginn dieses heroischen Kampfes spürte die albanische Frau, noch nicht organisiert und politisch rückständig, in ihrem Herzen einen großen Schmerz, den sie nicht zu erklären vermochte.

Erschüttert von den Auswirkungen des Kampfes, suchte sie einen Ausweg, einen Rettungsweg. Das Echo der ersten Gefechte weckte in ihrem Herzen den Instinkt der Verteidigung, den Instinkt der Mutter, Schwester, Frau für ihre Söhne, Brüder und Männer, die mit ungleichen Mitteln gegen einen blindwütigen Feind kämpften. Die albanische Frau konnte die Perspektiven dieses Kampfes noch nicht verstehen, konnte noch nicht den großen Beitrag erkennen, den das Vaterland von ihr erwartete, aber sie war von Anfang an mit Leib und Seele mit ihren kämpfenden Söhnen. Sie öffnete uns in den schwierigsten Momenten, die wir erlebt haben, die Türen des Hauses, öffnete uns die Herzen, flößte uns Mut ein. Als in Tirana der wildeste Terror herrschte, jede Nacht Minen platzten, Gewehre krachten und unsere tapferen Genossen für die Befreiung Albaniens auf den Straßen fielen, erlebten wir den unvergleichliche Heldentum unserer einfachen Mutter und Schwestern, die ungeachtet der Gefahren uns unterstützten und uns wie ihren Augapfel hüteten. Vor meinen Augen steht immer das gütige und einfache Gesicht einer alten Mutter, unserer unzertrennlichen Kampfgenossin in den ersten Gefechten. Sie war das Symbol der albanischen Frau und ihrer titanischen Anstrengungen. In den kritischsten Momenten sagte sie uns: „Ich kann nicht so reden wie ihr, aber ich bin fest überzeugt, dass wir siegen werden, deshalb, meine Söhne, vorwärts, auch ich bin bereit, mit euch zu sterben." Und diese alte Mutter, die Genossin des Kampfes und der Mühen, verlor nie die Zuversicht, wie auch alle anderen antifaschistischen Frauen Albaniens.

Heute schreibt sie aus den Bergen Nordalbaniens, wo sie trotz ihres hohen Alters mit dem Gewehr in der Hand kämpft: „Die Worte, die Qemal Stafa und seine Genossen mir sagten, sind in Erfüllung gegangen, und ich bin starker denn je."

Die antifaschistische Frau Albaniens hat ihren Weg, den Weg der Rettung, den sie suchte, gefunden, und dieser Weg war der Weg des Kampfes. Das auf den Straßen der albanischen Städte und Dörfer vergossene Blut unserer Mutter und Schwestern war wie ein Kampfsignal eines neuen Willens, einer neuen Welt, die jetzt aufgebaut wird. Der legendäre Kampf unserer Genossinnen, die nichts aufhielt, sondern die sich im Gegenteil wie die Löwinnen auf die Deutschen und Landesverräter stürzten, bewies, dass in unserem Land eine neue Kraft entstand, eine Kraft, die auf diesem Kongress deutlich und die im neuen Albanien, das wir aufbauen, eine erstrangige Rolle spielen wird.

Die antifaschistische Frau Albaniens errang ihre Rechte durch Blut, und diese Rechte garantiert ihr die Volksmacht, die sie gemeinsam mit ihren Brüdern errichtete, wobei sie alles opferte für das, was ihr heilig war. Diese Rechte sichert ihr die Armee ihres Volkes.

Der historisch bedeutende Kongress der Antifaschistischen Frauen Albaniens, dem wir heute beiwohnen, wird dem Fortkommen der albanischen Frau großen Auftrieb geben. Um ihre heiligen Ziele rascher und besser erreichen zu können, sollten die albanischen Frauen sich organisieren und ihre Reihen in der Organisation des Antifaschistischen Frauen Albaniens zusammenschließen. An dieser Organisation müssen alle Frauen Albaniens teilnehmen, und diese Organisation wird sie weiterentwickeln, wird sie im neuen Geist, im Geist des Fortschritts erziehen. Dort werden sie zu Kämpferinnen werden, die ihre Rechte verteidigen und gleichzeitig gute Mütter sind.

Neue, blühende Horizonte tun sich den antifaschistischen Frauen AIbaniens auf, und um diese hohen Ideale zu erlangen, für die ihre Heldinnen fielen, müssen die Frauen unseres Landes Schulter an Schulter mit den Männern, und mit gleichen Rechten ausgestattet, am Kampf und am politischen und gesellschaftlichen Leben unseres Landes teilnehmen, denn nur so können wir die vollständige Befreiung Albaniens beschleunigen sowie unser geliebtes Vaterland wieder aufbauen, und nur so wird auch die albanische Frau die Ziele erreichen, die sie erstrebt und die sie verdient. Die antifaschistischen Frauen AIbaniens werden für ihren fortschrittlichen Weg die volle Unterstützung der Regierung und der Volksmacht erhalten, sowie auch die Volksmacht und die Regierung die wertvolle Unterstützung der antifaschistischen Frauen Albaniens haben werden.

Allen Müttern und Schwestern unserer tapferen Kämpfer, die ganz Südalbanien befreit haben und sich jetzt vor Tirana und Shkodra befinden, um die vollständige Befreiung Albaniens zu erreichen, überbringe ich die Grüße der Nationalen Befreiungsarmee und gebe ihnen die Versicherung, dass unsere Kämpfer stolz auf sie sind. Sie fühlen neue Kräfte, wenn sie sehen, wie ihre Mütter und Schwestern in fester Einheit, zusammen mit ihnen, am Kampf für die Freiheit teilnehmen. Und ihr Mütter unserer heldenhaften Genossinnen und Genossen, die auf dem Feld der Ehre für die Befreiung des Volkes und des Vaterlandes fielen, erhebt euer Haupt und stärkt eure Herzen. Unser ganzes Volk und alle freiheitsliebenden Volker verneigen sich voll Achtung vor dem heiligen Andenken eurer geliebten Sohne und Tochter, die ihr erzogen und dem Vaterlande geschenkt habt und die für seine Befreiung ihr Blut vergossen. Das heilige Blut eurer Söhne und Töchter, das die Grundfesten des neuen Albanien zementierte und festigte, sind der heilige Altar der Nation. Unser geeintes und organisiertes Volk wird täglich daraus neue Lebenskraft schöpfen, die es vorwärts tragen wird, dem Fortschritt und dem Aufblühen entgegen, den Idealen entgegen, für die die Gefallenen ihr Leben gaben.

Ruhm unseren Helden, die für die Befreiung des Vaterlandes fielen!

Es lebe der I. Kongress des Verbandes der Antifaschistischen Frauen!

Es leben die antifaschistischen Frauen unseres Landes!

Es lebe der Verband der Antifaschistischen Frauen Albaniens!

Es lebe das freie und demokratische Albanien!